Sonderthemen : GEW: "Ein Jahr Selbständige Schule - Kein Erfolgsprodukt"
Kontakt zu dieser Pressemitteilung: RedaktionDatum: 05.07.2010 19:27:16
Schwerin, 05.07.2010 Wenn Bildungsminister Henry Tesch heute im Rahmen einer Pressekonferenz die Erfolge des Modells "Selbständige Schule" preist, so ist dies eine These, die die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern nicht teilen kann. "Selbständige Schule, das bedeutet für die Kolleginnen und Kollegen nicht freiere Entscheidung in der Unterrichtsplanung, sondern mehr Bürokratie sowie weniger Anrechnungsstunden und damit eine erneut höhere Arbeitsbelastung.", sagt Annett Lindner, Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft. Konkret wurde bspw. bei der Ausbildung der Referendare das Studienleitermodell abgeschafft.
Eine Rechtsgrundlage für die Mentoren, die laut Bildungsministerium in Zukunft die Anleitung der Referendare mit einer nicht ausreichenden monatlichen Zusatzvergütung von 100 Euro brutto übernehmen sollen, ist noch nicht geschaffen, obwohl die angehenden Lehrerinnen und Lehrer bereits seit 1. April in den Schulen sind. Dies führe an manchen Schulen dazu, dass diese in Eigenregie die Ausbildung durchführen müssen wobei finanzielle Mittel als auch Ausstattung und akzeptable Fortbildungsmöglichkeiten fehlen. "Außerdem ist das System der Selbständigen Schule an vielen Stellen nicht abschließend durchdacht. Dies zeigt uns auch die beabsichtigte Einführung der Prämie für besondere Lehrerleistungen, die in diesem Rahmen selbständig vergeben werden soll.", so Annett Lindner weiter.
Sie bezieht sich damit auf den Offenen Brief, der in der vergangenen Woche an die Abgeordneten des Landtages geschickt wurde. Darin fordert die GEW die Politik auf, dieses ungerechte System einer leistungsorientierten Bezahlung (6,25 Euro bis 42 Euro brutto im Monat) mit fehlenden objektiven Maßstäben zu verhindern und darauf hinzuwirken, dass diese sonstigen Lehrerpflichten mit einer angemessenen Anzahl von Anrechnungsstunden bedacht werden. Ebenfalls im Rahmen der Selbständigen Schule wurde von der klassenbezogenen auf die schülerbezogene Stundenzuweisung umgestellt. "Auch hier zeigt sich deutlich, wie wenig Bestand die Theorie einer selbstbestimmten Planung von Klassengrößen in der Praxis hat.", sagt Annett Lindner. Gerade Grundschulen waren hier betroffen. Drei bis fünf Unterrichtsstunden weniger kämen hier teilweise in Ansatz. Ähnliches Chaos gäbe es auch an manchen Schulen mit PmsA-Anrechnungsstunden (Personal mit Sonderpädagogischer Aufgabenstellung). "Konkrete Beispiele stellen wir hier auf Nachfrage gerne zur Verfügung.", bestätigt die Landesvorsitzende der GEW. Alles in allem sei die Selbständige Schule also kein Erfolgsprodukt, wie vielfach seitens des Ministeriums betont wird. Vielmehr würden hier Probleme, die bereits auf dieser Ebene nicht gelöst werden konnten nun auf die Schulen abgewälzt.
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