Frankfurt am Main, 04.05.2010 "Grundschrift: damit Kinder besser schreiben lernen" – unter diesem Motto steht eine Initiative des Grundschulverbandes, die Anfang Mai startet.
Ausgangspunkt ist die Überzeugung: Auch im Computerzeitalter brauchen Kinder und Jugendliche eine gut lesbare, leicht und flüssig schreibbare Schrift – in allen Schulstufen und natürliche auch in Berufsausbildung und Hochschule. Schülern, Auszubildenden und Studierenden wird der Wert einer klaren und lesbaren Schrift beständig vor Augen geführt.
Derzeit lernen Kinder in allen Bundesländern zwei Ausgangsschriften:
eine handgeschrieben Druckschrift und im Anschluss entweder die Lateinische (LA), Vereinfachte (VA) oder Schul-Ausgangsschrift (SAS).
Wie kam es zu diesem Schriften-Wirrwarr?
Bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein galten Lesen- und Schreibenlernen als zwei verschiedene Wege in die Schrift: Lesen wurde in Druckschrift erlernt, das Schreiben mit einer verbundenen Schrift (oft auch als "Schreibschrift" bezeichnet).
Für das Schreibenlernen galt seit 1951 die Lateinische Ausgangsschrift.
Sie war nicht unter schreibmotorischen, sondern unter ästhetischen Gesichtspunkten entwickelt worden: mit geflammten Aufstrichen, vielen Drehrichtungswechseln und komplizierten Buchstabenverbindungen.
Ende der sechziger Jahre wurde in den Ländern der BRD die Grundschule als eigenständige Schulform gegründet. Dabei gab es erheblich umfangreichere Lehrpläne. "Schönschreib-Stunden" waren nicht mehr vorgesehen. Grund dafür, Schriften zu entwickeln, die einfacher zu erlernen sein sollten: Die Vereinfachte Ausgangsschrift für die damalige BRD, die Schulausgangsschrift für die damalige DDR.
In den letzten 30 Jahren dann hat sich eine weitere Ausgangsschrift durchgesetzt: Die "Druckschrift" – mit der Hand geschriebene Druckbuchstaben. Die sinnvolle Einsicht: Kinder sollten mit einer Schrift Lesen und Schreiben lernen.
So konkurrieren inzwischen unterschiedliche Ausgangsschriften, nach dem Erlernen der Druckbuchstaben wird der Schreibprozess der Kinder durch eine weitere "Ausgangsschrift" (die ja gar nicht mehr am Anfang steht), willkürlich gestoppt.
Dr. Horst Bartnitzky, der Vorsitzende des Grundschulverbandes, begründet die Initiative seines Verbandes so: "Eine weitere Schriftform als zweite Ausgangsschrift ist wegen des Bruchs in der Schreibentwicklung schädlich. Die in Deutschland bisher verwendeten Ausgangsschriften: Lateinische, Vereinfachte und Schul-Ausgangsschrift sind historisch überholt.
Der Grundschulverband sagt: Eine Schrift zum Lesen- und Schreibenlernen ist genug!
Aus ihrer ersten Schrift können Kinder eine flüssige und lesbare Handschrift entwickeln – die Schrift, die sie in Schule, Ausbildung und Beruf brauchen."
Mit der "Grundschrift" präsentiert der Grundschulverband eine Schrift, die alle Anforderungen an eine Schreibschrift erfüllt: – Sie ist besonders formklar und deshalb gut lesbar. – Sie ist funktional für alle Verwendungen der Textproduktion. – Sie ist mit zunehmender Schreibübung geläufig schreibbar. – Sie kann bei weiterem Gebrauch zur individuellen Handschrift weiterentwickelt werden.
Weitere Informationen:
Das druckfrische Heft 110 der Zeitschrift des Grundschulverbandes, "Grundschule aktuell", enthält das "Grundschrift-Abc" sowie Hintergründe, Materialien, Erkenntnisse der pädagogischen Forschung und Erfahrungen aus der Schulpraxis.
Auf der Homepage des Grundschulverbandes,
www.grundschulverband.de, finden Sie unter der Rubrik "Grundschrift" ebenfalls umfangreiche Informationen.
Das Forum zur Grundschrift wird laufend aktualisiert.
Als Ansprechpartner stehen Ihnen zur Verfügung:
Dr. Horst Bartnitzky, Vorsitzender des Grundschulverbandes (V.i.S.d.P.)
Tel. 0203 / 70 85 01
E-Mail: horst.bartnitzky@gmx.de
Ulrich Hecker, Grundschulrektor in NRW, Redakteur "Grundschule aktuell"
Tel. 02841 / 42900 (d.) und 02841 / 21714 (p.)
E-Mail: ulrich.hecker@googlemail.com