München, 25.03.2010 Mit einem zusätzlich eingeschobenen Schuljahr lassen sich die massiven Probleme an den bayerischen Gymnasien nicht lösen. Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, bezeichnete solche Denkmodelle als "wenig hilfreich und rückwärtsgewandt. Eigentlich sind sie paradox. Wenn wir ein Brückenjahr einziehen, können wir auch wieder zum neunjährigen Gymnasium zurückkehren."
Es dürfe nicht darum gehen, an einzelnen Schrauben zu drehen, es müsse darum gehen, inhaltliche Reformen einzuleiten. Dazu gehörten ein neues Lern- und Leistungsverständnis zu etablieren, rhythmisierte Ganztagsgymnasien einzuführen und Lehrpläne an einem anspruchsvollen Leistungsbegriff zu orientieren. "Das Gymnasium muss sich grundsätzlich neu aufstellen" - betonte Wenzel und bezog sich auf das im Februar vorgestellte BLLV- Diskussionspapier "Aufbrechen. Gymnasium neu denken".
Der Münchner Merkur hat in seiner heutigen Ausgabe einen Vorschlag des Philologenverbandes vorgestellt, der ein zusätzliches "Brückenjahr" für das G8 beinhaltet, die Klasse 10+. "Das Konzept bietet keine Lösung für jüngere Schülerinnen und Schüler. Auch sie stehen unter Dauerstress und leiden unter schlechten Lern- und Arbeitsbedingungen. Die Probleme türmen sich bereits in den fünften Klassen auf. Der Vorschlag lässt auch die Bedürfnisse der Lehrerschaft außer Acht, die in großen Klassen eine zunehmend schwierigere Schülerklientel unterrichtet soll und darauf zu wenig vorbereitet ist", erklärte Wenzel. "Ich vermisse eine Antwort auf die großen Herausforderungen, vor denen das Gymnasium steht: Dazu gehören die explodierenden Schülerzahlen, die veränderten Sozialisationsbedingungen, die Diskrepanz zwischen alten Organisationsstrukturen, überfrachtete Lerninhalte und moderne Unterrichtsmethoden sowie die schlechten Arbeitsbedingungen."
Aus Sicht des BLLV muss vor allem der dem Gymnasium zugrundeliegende Bildungsbegriff neu definiert werden: "Das Gymnasium sollte sich rasch zu einer inhaltlich profilierten und auf Förderung und Integration abzielenden Schulart entwickeln dürfen. Davon würden alle Schüler und Lehrer profitieren." Ein solches Gymnasium basiere erstens auf einem neuen, ganzheitlichen und demokratischen Bildungsbegriff, zweitens auf stufendifferenzierten Inhalten, Didaktiken und Methoden mit schulorganisatorischen Konsequenzen, und drittens auf verbesserten Unterrichtsbedingungen.
Das Diskussionspapier "Aufbrechen. Gymnasium neu denken." im Internet unter
www.bllv.de – Stichwort Schule - Gymnasium