Sonderthemen : BLLV solidarisiert sich mit Bildungsstreikenden
Kontakt zu dieser Pressemitteilung: RedaktionDatum: 17.06.2009 17:15:28
Präsident Klaus Wenzel: "Politik muss Proteste von Schülern und Studierenden ernst nehmen" / Übereinstimmung mit zentralen Forderungen ist hoch München, 17.06.2009 Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) solidarisiert sich mit den Forderungen und Zielen protestierender Schüler/innen und Studierender, die seit Anfang dieser Woche für eine bessere Bildung auf die Straße gehen. "Wenn junge Menschen in acht bayerischen Städten gegen ein Bildungssystem demonstrieren, das in ihren Augen ungerecht und überholt ist, sollte die Politik den Protest ernst nehmen", betonte BLLV-Präsident Klaus Wenzel am Mittwoch in München.
"Die Forderungen der Organisatoren des bundesweiten Bildungsstreiks entsprechen im Kern den Anliegen des BLLV: Mehr Bildungsgerechtigkeit und weniger Auslese, kleinere Klassen und deutlich mehr Lehrer, eine auf die Bedürfnisse und Anforderungen des Berufes ausgerichtete Lehrerbildung, mehr zielgerichtete Investitionen, wobei die Bildungsfinanzierung vom Kopf auf die Füße gestellt werden muss, ein neues Lern- und Leistungsverständnis sowie mehr individuelle Förderung für jeden Schüler. "Wir stimmen mit den Schülern und Studenten auch darin überein, dass wirtschaftliche Krisenzeiten nicht dazu führen dürfen, weniger Finanzmittel in Bildung zu investieren", sagte Wenzel. "Wer Rettungsschirme für Banken aufspannt, sollte die Bildung nicht im Regen stehen lassen."
In der zunehmenden Privatisierung des Bildungswesens sieht der BLLV eine alarmierende Entwicklung. Sie betrifft nicht nur Universitäten, sondern das komplette Bildungssystem, angefangen vom Kindergarten bis zur Hochschule. Während öffentliche Einrichtungen mehr und mehr ausbluten, erstarkt der private Bildungssektor: Nachhilfe boomt, private Schulen haben Konjunktur. Aus Sicht des BLLV müssen alle Bildungswege allen jungen Menschen offen stehen, unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft, ihrem Einkommen und ihrem sozialen Status. Die 8.000 Lehramtsstudierenden, die im BLLV derzeit organisiert sind, lehnen deshalb auch die Studiengebühren ab. Sie sehen in den Studienbeiträgen eine ungerechte Maßnahme, die die soziale Selektion an den Universitäten verschärft.
Wenzel wies darauf hin, dass durch die Umstrukturierungsprozesse an den bayerischen Hochschulen viele Studierende "regelrecht zerrieben" werden. "Der jeweilige Stand der Umstrukturierung ist an jeder Universität - teilweise sogar Fakultät - auf einem unterschiedlichen Niveau. Dadurch wird die Organisation des Studiums und vor allem auch der Wechsel von der einen auf die andere Hochschule unnötig erschwert. Studierende müssen viel Zeit, Kraft und Nerven für die Organisation ihres Studiums aufbringen. Inzwischen belegen sogar wissenschaftliche Untersuchungen, dass sie immer häufiger unter psychischen Problemen leiden. Die Beratungsstellen der Universitäten haben derzeit einen nie gekannten Zulauf."
Mit Blick auf den Slogan des Bildungsstreiks "Schule macht krank" erklärte Wenzel: "Es ist tatsächlich so, dass viele Schülerinnen und Schüler unter dem immensen Druck an den Schulen leiden und dadurch regelrecht krank werden. Besonders schlimm ist die Situation an den Grundschulen. Der Übertrittsdruck löst bei vielen Kindern Stresssymptome wie Übelkeit, Bauchweh, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme oder Schlafstörungen aus. Kinder, die schulisch gescheitert sind, quälen sich oftmals viele Jahre lang mit dem Gedanken, nicht gut genug gewesen zu sein. Das Gefühl begleitet sie auch später noch, wenn sie längst erwachsen sind, eine gute Ausbildung absolviert haben und beruflich durchaus erfolgreich sind."
Der Druck endet aber auch nicht für diejenigen, die den Sprung auf ein Gymnasium oder in eine Realschule geschafft haben. Sie wissen genau, dass sie ausgesiebt werden, wenn ihre Leistungen nicht stimmen. "Die Angst zu versagen, kann Kinder und Jugendliche krank machen. Damit muss endlich Schluss sein. Die protestierenden Jugendlichen haben es treffend formuliert: Schüler müssen zu selbstständigen, selbstbewussten Menschen ausgebildet werden. Die Politik muss alles daran setzen, dass die dafür erforderlichen Voraussetzungen geschaffen werden."
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