Präsident des Deutsches Studentenwerk (DSW) zieht in "Forschung & Lehre" kritische Bilanz des Bologna-Prozesses - Dobischat: "Die Politik hat den Bologna-Prozess immer gefeiert, aber die Hochschulen nie vernünftig finanziert" - Dreier-Interview mit Prof. Dr. Margret Wintermanel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Dr. Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbands, und DSW-Präsident Dobischat
Berlin/Bonn, 29.05.2009 Vor "neuen sozialen Hürden" beim Übergang vom Bachelor- ins Master-Studium warnt Prof. Dr. Rolf Dobischat, der Präsident des Deutschen Studentenwerks (DSW), in der heute erscheinenden, neuen Ausgabe der Zeitschrift "Forschung & Lehre". Gemeinsam mit Prof. Dr. Margret Wintermantel, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), und Prof. Dr. Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbands (DHV), hat die Zeitschrift Dobischat zum Bologna-Prozess interviewt. Dobischat wörtlich: "Wir sollten auf keinen Fall beim Übergang vom Bachelor zum Master neue soziale Hürden aufbauen in Form von Quotierungen, informellen NCs oder künstlicher Verknappung vom Master-Studienplätzen. Der Zugang zur Hochschulbildung in Deutschland ist schon exklusiv genug, wir brauchen nicht noch mehr Barrieren."
Dobischats Zwischenbilanz des Bologna-Prozess fällt kritisch aus; gemessen an den Bologna-Zielen seien erst etwa 40 Prozent erreicht, sagte Dobischat der Zeitschrift. Die soziale und wirtschaftliche Lage der zwei Millionen Studierenden müsse bei der Konzeption von Bachelor- und Master-Studiengängen viel stärker berücksichtigt werden, fordert er. "Die Bachelor-Studiengänge müssen auch für Studierende studierbar sein, die sich über einen Nebenjob finanzieren, Kinder betreuen, chronisch krank oder behindert sind", so Dobischat.
Der DSW-Präsident betont in dem Interview, die Ziele der Bologna-Reform hätten für ihn nach wie vor Gültigkeit, vor allem das Ziel von weniger Studienabbrüchen und einer deutlich höheren studentischen Mobilität. Gleichzeitig kritisiert er aber: "Die Politik hat den Bologna-Prozess zwar immer gefeiert, aber die Hochschulen nie vernünftig finanziert. Das ist der eigentliche Skandal, und dagegen müssen all, Lehrende wie Studierende, sehr viel lauter protestieren."
Befragt, ob ihn nach zehn Jahren Bologna Reformmüdigkeit oder Reformüberdruss befallen hätten, antwortet Dobischat: "Nein, ganz im Gegenteil. Der Bologna-Prozess muss in den kommenden zehn Jahren so gestaltet und reformiert werden, dass die Interessen der Studierenden im Mittelpunkt stehen. Der Bologna-Prozess muss sich an den Studierenden ausrichten, nicht umgekehrt!"
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