
Kiel, 18.11.2008 Wenig überrascht zeigte sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) über den jüngsten PISA-Bundesländervergleich. "Ein armes Bundesland erreicht ein knapp durchschnittliches Ergebnis. Für Hysterie besteht also kein Anlass. Für die Politik wird es jedoch höchste Zeit mehr Geld für Bildung zu investieren, damit die begonnenen Schulreformen auch erfolgreich umgesetzt werden können", sagte Matthias Heidn, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Dienstag, 18.11.08 in Kiel. In zu großen Klassen mit schlechter Lehrerausstattung werde Schleswig-Holstein die Rückstände zu anderen Bundesländern nie aufholen. Bei Klassen mit um die 30 Schüler bleibe individuelle Förderung nämlich ein frommer Wunsch.
Der GEW-Landesvorsitzende wies auf die Leistungszuwächse in den östlichen Bundesländern hin, die offenkundig mit kleineren Klassen und der besseren Schüler-Lehrer-Relation zusammen hängen. "In Sachsen kommen in der Sekundarstufe I, also in den Klassen 5 bis 10, auf eine Lehrkraft 12 Schüler, während es in Schleswig-Holstein 17 Schüler sind. Da können logischerweise Schüler intensiver gefördert werden." Das gelte auch für die so genannte Risikogruppe, die Schülerinnen und Schüler, die nicht ausreichend schreiben, lesen und rechnen können, um sich später in dieser Gesellschaft zurecht zu finden und eine berufliche Perspektive zu entwickeln.
Neben dem großen Anteil schwacher Schüler bezeichnete Matthias Heidn mangelhafte Chancengleichheit sowie die zu große Leistungsspreizung als die wesentlichen Probleme des schleswig-holsteinischen Schulwesens. Um hier Abhilfe zu schaffen, bräuchten die Schulen aber keinen Alibi-Aktionismus aus dem Bildungsministerium. "An den Schulen muss Schluss sein mit ständig neuen Tests wie VERA, EVIT, PISA, IGLU und zentralen Abschlussprüfungen, weil dadurch die Pädagogik kaputt gemacht und wertvolle Unterrichtszeit verschleudert wird. Die Schulen benötigen Zeit und Ruhe, um ihre Arbeit machen zu können."