
Fast jeder fünfte Erwachsene kann nicht lesen und schreiben
Jedes Jahr am 8. September erinnert die UNESCO daran, dass Millionen Menschen weltweit nicht lesen und schreiben können. Nicht nur Entwicklungsländer sind vom Problem des Analphabetismus betroffen. Auch in Industrieländern wie Deutschland leben viele Erwachsene, die über so geringe Lese- und Schreibkenntnisse verfügen, dass sie als funktionale Analphabeten gelten. Über die Alphabetisierungsarbeit in Deutschland informiert das UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen heute auf der Veranstaltung zum Weltalphabetisierungstag in Berlin.
Die Vereinten Nationen haben für den Zeitraum 2003 bis 2012 die Weltdekade der Alphabetisierung ausgerufen, deren Federführung die UNESCO übernommen hat. Ziel der Dekade ist es, die Analphabetenrate bei Erwachsenen bis zum Jahr 2015 um die Hälfte zu reduzieren. Immer noch sind weltweit 770 Millionen Erwachsene von Analphabetismus betroffen, zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Die Analphabetenrate liegt weltweit bei 18 Prozent, das heißt fast jeder fünfte Erwachsene kann nicht lesen und schreiben. Etwa 77 Millionen Kinder wachsen ohne Schulbildung auf.
Der UNESCO-Welttag erinnert an das Menschenrecht auf Bildung und soll internationale Maßnahmen zur Reduzierung des Analphabetismus anregen. Um gute Praxisbeispiele zur Alphabetisierung aus aller Welt bekannt zu machen und ähnliche Projekte in anderen Ländern anzustoßen, vergibt die UNESCO jährlich vier internationale Alphabetisierungspreise. Sie gehen in diesem Jahr an Projekte in Äthiopien, Brasilien, Sambia und Südafrika.
Zu den Preisträgern zählt das Aktionsprogramm "Bildung gegen HIV/AIDS", eine Kampagne zur Frauenalphabetisierung in den ländlichen Regionen Sambias. Das Aktionsprogramm betont die Bedeutung der Alphabetisierungsarbeit für die gesundheitliche Vorsorge. Sambia gehört zu den Ländern mit der höchsten HIV-Infektionsrate. Bildung für Frauen wird als der Schlüssel zur Bekämpfung von AIDS angesehen. "Alphabetisierung und Gesundheit" ist das Jahresthema der Weltdekade und des diesjährigen Wettbewerbs um die Alphabetisierungspreise der UNESCO. Die Preisverleihung findet heute im Rahmen der internationalen Veranstaltung zum Welttag am Sitz der UNESCO in Paris statt.