Kinder suchen ihr Glück vor allem in Kommunikation und Beziehungen
08.08.2008 (imi).
Glück in der Schule? Warum nicht? Schließlich kann Lernen glücklich machen. Auch verlässliche menschliche Beziehungen sind an unserem persönlichen Glücksgefühl beteiligt. Schule bietet sie oft im Überfluss. Trotzdem stehen Glück und Schule miteinander auf Kriegsfuß.
Den renommierten Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther wundert das nicht. Er wirbt seit Jahren für ein anderes Verständnis von Lernen, weil Schule "die angeborene Fähigkeit zum inneren Glück durch Lernen" nicht bediene. Seitdem die Neurobiologen auf die brisante Verknüpfung von Lernen und Gefühlen aufmerksam geworden sind, werben sie für ein neues Verständnis von Lernen. Angst, so ihr Credo, behindert freies und kreatives Denken. Zwar erzeuge Leistungsdruck durchaus vorzeigbare Ergebnisse, langfristig jedoch seien die Konsequenzen fatal: Überwiegen beim Lernen die negativen Emotionen, geht die Freude am Erkenntniserwerb und den damit verbundenen Anstrengungen verloren. Konkret heißt das, wer Vokabeln pauken und englische Grammatik mit Misserfolg und hilflosem Herumstottern verbindet, fühlt auch Jahre später wenig Lust, sich freiwillig eine weitere Fremdsprache anzueignen.
Unterricht als Quelle des Glücks?
André Schleiter, verantwortlich für eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung "Glück, Freude, Wohlbefinden – welche Rolle spielt das Lernen?", zeigt sich ebenfalls wenig überrascht darüber, dass Lernsituationen, die mit Schule und Unterricht in Zusammenhang gebracht werden, bei der Befragung schlecht abschnitten. Zwar sagten 40 Prozent, dass "Immer wieder Neues lernen können" eine ihrer persönlichen Quellen für Glück sei, doch die Form "Unterricht" landete abgeschlagen auf dem drittletzten Tabellenrang.
Camilla, 15, aus Bonn, muss nicht lange überlegen, als sie gefragt wird, wann ## sie in der Schule Glück empfindet. "Wenn ich neben einer guten Freundin sitze", "wenn ich das Gefühl habe, die Lehrer schauen mich richtig an" und "wenn ich mit den anderen in der Klasse reden kann". Psychologen wissen seit langem: Kinder und Jugendliche suchen in der Schule ihr Glück vor allem in Kommunikation und Beziehungen. Gelingt ihnen dies, ziehen sie am frühen Morgen gerne Richtung Schule los und lassen sich auch von langweiligen Unterrichtsinhalten oder eher ungeliebten Pädagogen nicht so schnell abschrecken. Nicht nur ihnen geht es so. Der kürzlich pensionierte Lehrer Peter F. aus Köln gerät ins Schwärmen, wenn er von seiner Verabschiedung spricht.
"Das Schönste waren die vielen ganz persönlichen Worte. Wenn ich zurückblicke, dann fand ich mein Glück in der Schule immer dann, wenn ich mit anderen engagierten Kollegen zusammenarbeiten konnte."
Glücklich durch gute Beziehungen
Glück hält demnach über gute Beziehungen Einzug in die Schulen. Das erkannte auch Alfred Büttner aus Schweinfurt, Leiter des "Korbtheaters". Er zeigt Grundschullehrern in Workshops, wie sie mit Handpuppen die Kommunikation zu ihren Schülerinnen und Schülern verbessern können. "Das pädagogische Puppenspiel ist ein beliebtes und erprobtes Mittel, Vertrauen zu schaffen", weiß Büttner. Im Frühjahr 2008 war er auf Einladung des Ernst Klett Verlags an Schulen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu Gast und stellte dort die Arbeit mit der neuen Handpuppe "Piri" vor. "Den Lehrern, die zu mir zur Fortbildung gekommen sind, habe ich einmal einen roten Teppich ausgerollt und sie mit dem Schirm vom Auto abgeholt", erzählt Büttner. "Ich wollte damit zeigen, dass ich die Anstrengungen, die ihr Beruf mit sich bringt, schätze". Ob er bei seiner Arbeit glückliche Lehrer kennen gelernt habe? Büttner zögert. "Wenige", meint er schließlich. "Lehrer haben vor allem gelernt, auf Defizite zu blicken. Das tut beiden nicht gut, Lehrern und Schülern".