Mit dem Akkreditieren von Fortbildungsangeboten und -anbietern hat Hessen vor einem Jahr einen wichtigen Schritt zur Qualitätssicherung der Lehrerfortbildung unternommen. Die Akkreditierungsdaten vom 1. August 2005 bis 1. Mai 2006 wurden nun erstmals ausgewertet und der Öffentlichkeit bei einer Tagung in Frankfurt am Main vorgestellt. Die Analyse vermittelt ein erstes Bild der hessischen Fortbildungslandschaft.
„Vorrangiges Ziel der Akkreditierung ist es, den Fortbildungsmarkt für Lehrerinnen und Lehrer transparenter zu gestalten und das Angebot durch das Einbeziehen nichtstaatlicher Anbieter zu erweitern. Zudem wurden gesetzliche Mindeststandards für die Lehrerfortbildung festgelegt, die im Rahmen des Akkreditierungsverfahrens überprüft werden“, sagte dort Joachim Jacobi, Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium: Nur Anbieter, die diesen Standards entsprechen und Angaben zu ihrer Organisation, deren Profil sowie zur Qualifikation ihrer Fortbildner machen, würden akkreditiert und in den Katalog des Instituts für Qualitätsentwicklung (IQ) aufgenommen.
Die bisherigen Ergebnisse lassen eine Öffnung des Fortbildungsmarktes erkennen: Im ersten Jahr wurden 47 Prozent der Lehrerbildungs-Veranstaltungen von staatlichen Trägern angeboten, 53 Prozent von freien Trägern. Die Zahl nichtstaatlicher Anbieter hat sich seit Beginn der Akkreditierung im August 2005 verdreifacht. Mehr als die Hälfte der Veranstaltungen war für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen kostenfrei – für die restlichen Veranstaltungen wurden Beiträge von durchschnittlich 94,15 Euro erhoben.
Die mit Abstand meisten Angebote gab es mit über 12.000 Veranstaltungen und rund 93.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum Bereich „Erhalt und Erweiterung der berufsbezogenen Qualifikation“. Dabei dominierte der Teilbereich Unterrichtskompetenz mit über 8.000 Angeboten. Mehr als 1.000 Angebote wurden im Bereich „Qualifizierung für besondere Aufgaben und Leitungsfunktionen“ wahrgenommen.
Nahezu alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren mit der Qualität der Veranstaltungen sehr zufrieden. Dies gilt für alle Anbietergruppen, sowohl im Blick auf inhaltliche als auch organisatorische Aspekte. Im Berichtszeitraum waren Dienststellen aus dem Kultusbereich (Schulen, Staatliche Schulämter, Amt für Lehrerbildung und Studienseminare) sowie Unternehmen und Organisationen (zum Beispiel Volkshochschulen, Verlage, Berufsverbände und die Arbeitsgemeinschaft Schule Wirtschaft der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände) die beiden größten Anbietergruppen, gefolgt von Kirchen und Universitäten.
Für den Fortbildungsbericht wurden Daten von über 13.200 akkreditierten Veranstaltungen von mehr als 2.200 Veranstaltern ausgewertet. Mehr als 100.000 Lehrerinnen und Lehrer haben daran teilgenommen und Punkte gesammelt. Von August 2005 bis Mai 2006 hat im Schnitt jede Lehrerin und jeder Lehrer in Hessen zwei akkreditierte Fortbildungsveranstaltungen besucht.
Mit 45,3 Jahren waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durchschnittlich drei Jahre jünger als die Gesamtgruppe hessischer Lehrerinnen und Lehrer. Kolleginnen und Kollegen von Grund-, Förder- und Sekundarstufe-I-Schulen haben sich häufiger fortgebildet als solche von Gymnasien und beruflichen Schulen. An den Fortbildungsveranstaltungen nahmen mehr Lehrerinnen teil als deren männliche Kollegen. Drei Viertel aller Angebote dauerten nicht mehr als einem Tag.
Der Erhalt und das Weiterentwickeln der berufsbezogenen Qualifikationen von Lehrerinnen und Lehrern sind für die Qualität des Unterrichts entscheidend. Seit 2005 sind die hessischen Lehrkräfte daher gesetzlich verpflichtet, sich fortzubilden und diese Aktivitäten durch Leistungspunkte nachzuweisen. Diese können unter anderem durch Teilnahme an akkreditierten Fortbildungsveranstaltungen erworben werden.
Akkreditierte Angebote und Anbieter können Lehrerinnen und Lehrer über die IQ-Internetseite www.akkreditierung.hessen.de abrufen und gezielt nach gewünschten Fortbildungsthemen oder Veranstaltern in ihrer Region suchen. Eine effiziente Recherche nach passgenauen Angeboten und die Transparenz des Fortbildungsmarktes sind wesentlich für eine an Entwicklungszielen orientierte Schul- und Personalentwicklung. Aktuell sind im Katalog über 4.700 Veranstaltungen von mehr als 2.700 Veranstaltern abrufbar.
Fortbildungsanbieter können über das Akkreditierungsportal auch Akkreditierungsanträge für ihre Einrichtung und deren Angebote stellen. Bis Dezember 2006 hat das IQ rund 22.000 Angebote akkreditiert. Jeder Antrag wird von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des IQ geprüft und zeitnah bearbeitet.
Quelle: Institut für Qualitätsentwicklung (IQ) des Hessischen Kultusministeriums
weiterführender Link: http://www.iq.hessen.de/iq/broker