Für die moderne Schule sind Managerkompetenzen gefragt
18.01.2008 Ein gewisser Erfahrungsschatz und das richtige Parteibuch – so wurden in der Vergangenheit gern die Voraussetzungen für den Rektorposten in einer Schule definiert. Tatsächlich haben Schulleiter ihren Job bislang nicht "gelernt". Weil sich aber ihr Aufgabenprofil in den vergangenen Jahren stark verändert hat, müssen (zukünftige) Schulleiter selbst die Schulbank drücken – die Qualifikation "guter Pädagoge mit Organisationstalent" reicht nicht mehr aus. Schließlich sollen den Schulen durch die neuen Schulgesetze, wie etwa in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, mehr Eigenverantwortung und Selbstständigkeit übertragen werden. Und das bedeutet, Schulleiter bekommen zusätzliche Entscheidungs- und Personalkompetenzen.
Schon 2001 hatte der Wissenschaftsrat sich deutlich zur neuen Rolle der Schulleiter und ihrer Verpflichtung zur Weiterbildung geäußert. "Schulleitungen sind dafür verantwortlich, dass sich vernünftige Schulprogramme und geeignete Evaluationsverfahren entwickeln, Schulleitungen müssen angemessene Arbeitsergebnisse ihrer Kolleginnen und Kollegen sicherstellen, sie müssen ein Urteil über diese gewinnen und für geeignete Rückmeldungen sorgen, Fortbildung und Nachqualifizierung initiieren, wo dies nötig ist. Personalentwicklung ist dabei ein Kernbereich der Leitungsfunktion. Die Übernahme von Leitungsverantwortung muss systematisch vorbereitet werden. Dies ist derzeit kaum der Fall. Es dominieren Ad-hoc-Lösungen. Dabei dürfte es nicht sinnvoll sein, Qualifizierung für Leitungsfunktionen als einen eigenen Zusatzstudiengang zu organisieren, wie dies gelegentlich gefordert wird. Der Wissenschaftsrat empfiehlt stattdessen die Orientierung an den auch andernorts üblichen Formen der Qualifizierung künftiger Leitungskräfte."
"Effektive Trainee-Programme"
Dazu gehören Fortbildungsveranstaltungen, wie sie die Landesinstitute für Lehrerbildung in allen Bundesländern anbieten, aber auch Trainer aus der freien Wirtschaft, die über Erfahrungen in der Managerschulung verfügen, sind für diese Aufgaben gefragt. "Wie beim Führungskräftenachwuchs im Betrieb benötigen wir auch in der Schule effektive Trainee-Programme mit einer individuellen Begleitung und systematischen Betreuung. Die Fortbildung ist ein zentrales Element der Personalentwicklung und Programmplanung der Schule. Es liegt auf der Hand, dass auch die Schulleitung eine entsprechende Qualifikation für ihre neue Personal- und Führungsverantwortung benötigt", erklärte Arbeitgeberpräsident Dr. Dieter Hundt zum Weltlehrertag 2006.
Spezielle Masterstudiengänge
Neben Fortbildungsveranstaltungen gibt es – ergänzend zu den Empfehlung des Wissenschaftsrates - auch spezielle Studiengänge für (zukünftige) Schulleiter, etwa den berufsbegleitenden Master-Fernstudiengang "Schulmanagement" an der TU Kaiserslautern, der zum Wintersemester 2008/2009 erneut startet. Das viersemestrige Fernstudienangebot wendet sich an Schulleiter und Lehrer, die eine Führungsposition im Schulbereich anstreben. Die Studieninhalte umfassen unter anderem Managementtheorien und -methoden, pädagogisches ´Leadership´ sowie Methoden der Personalführung. Kosten für die Studierenden: Knapp 700 Euro pro Semester.
Das entspricht den Aufwendungen, die Studenten für den neuen "Master für Schulmanagement und Qualitätsentwicklung" der Universität Kiel aufbringen müssen. Der ebenfalls viersemestrige Studiengang wurde von Wirtschaft und Hochschule gemeinsam entwickelt. Initiiert worden ist er vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) und der Universität Kiel. Kooperationspartner des universitären Weiterbildungsangebots sind der Cornelsen Verlag, der Oldenbourg Schulbuchverlag und die Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein.
"Ein ganz neuer Bildungsmarkt"
Noch sind solche Kooperationen zwischen Universitäten und Unternehmen eher ungewöhnlich. Das Beispiel zeigt aber, wohin sich die universitäre Weiterbildung in den kommenden Jahren entwickeln wird - nicht nur im Bereich Schulmanagement. So bezeichnete Prof. Dr. Gerhard Fouquet, Prorektor der Kieler Universität, dieses Modell anlässlich der Eröffnung des Studiengangs im vergangenen Jahr als zukunftsweisend. Zwar werde sich die grundständige Lehre durch solche Kooperationen nicht ändern, aber "wir Hochschulen eröffnen uns mit der Fort- und Weiterbildung einen ganz neuen Markt. Und diesen Markt können wir nicht allein bestreiten, wir brauchen eine deutliche Verbindung zur Wirtschaft und zu den potenziellen Abnehmern dieser Studiengänge. Deswegen suchen wir uns starke Partner für diese Weiterbildungs-Studiengänge." Es werde sich in den nächsten zehn Jahren ein ganz neuer Bildungsmarkt für die Universitäten entwickeln, prophezeit der Sozialwissenschaftler.