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Aus den Ländern : Ein Drittel der Schüler ist laut Pisa-Nachfolgestudie nach einem Jahr mehr Unterricht nicht klüger als zuvor.
Kontakt zu dieser Pressemitteilung: Gast Datum: 17.11.2006 16:42:05

FRIEDERIKE VON TIESENHAUSEN, BERLIN - Rund 40 Prozent der deutschen Schüler können auch nach einem weiteren Jahr Mathematik- Unterricht nicht besser rechnen. Das hat nach FTD-Informationen eine Wiederholung des Pisa-Tests mit gleich schwierigen Aufgaben ergeben. Demnach stagnierten die Mathematik-Leistungen bei einem Drittel der Schüler zwischen der neunten und zehnten Klasse. Acht Prozent der Schüler verschlechterten sich gar. Rund 60 Prozent konnten sich jedoch zum Teil deutlich verbessern.



Die Ergebnisse werfen erneut ein schlechtes Licht auf die Effektivität des deutschen Bildungssystems. Heute wird die aktuellste deutsche Nachfolge-Studie „Pisa-I-Plus“ des internationalen Schülervergleichs aus dem Jahr 2003 vorgestellt. Dazu wurden mehr als 6000 Schüler in ganz Deutschland 2004 noch einmal mit vergleichbaren Fragen konfrontiert. Inzwischen waren die Schüler im Schnitt 16 Jahre alt und in der zehnten Klasse. Beim internationalen Vergleich 2003 hatte Deutschland einen Platz im Mittelfeld der Industriestaaten belegt. Auch 2006 hat die Industrieländerorganisation OECD wieder Schüler getestet. Die Ergebnisse sollen nächstes Jahr veröffentlicht werden.

Bei der Auswertung der Nachfolge- Studie Pisa-I-Plus zeigte sich das deutsche Pisa-Konsortium um den Kieler Pädagogikprofessor Manfred Prenzel alarmiert angesichts der „sehr großen Gruppe, die keine Fortschritte erkennen lässt“, und stellte erneut „Handlungsbedarf“ im Schulsystem fest. Bemerkenswert war nach Ansicht der Wissenschaftler auch, dass sich die Gruppe derjenigen, die sich nicht verbesserten, auf alle Leistungsniveaus verteilte. „Auf die Frage, was sie in einem Jahr Mathematikunterricht gelernt haben, müssten etwa 40 Prozent der Schüler mit ,nichts‘ antworten“, sagten die Wissenschaftler.

Für die Studie wurden neben den reinen Tests auch Eltern und Lehrer befragt sowie der Unterricht analysiert. Demnach ist auch die Art des Unterrichts entscheidend für die Entwicklung der Schüler. Der Matheunterricht der getesteten Klassen war nach wie vor häufig „in einem hohen Maße lehrergeleitet und variationsarm“, stellte das Pisa-Konsortium fest. Neuere Lehrmethoden oder individuelle Arbeitspläne waren noch die Ausnahme.

Noch weniger ermutigend fiel das Bild in den Naturwissenschaften aus. Hier konnten sich laut „Pisa-I-Plus“ nur 44 Prozent der Schüler zwischen der neunten und zehnten Jahrgangsstufe signifikant verbessern. 19 Prozent erzielten in der zehnten Klasse deutlich schlechtere Leistungen. Die Pisa-Wissenschaftler machten aber deutlich, dass vor allem die Aufteilung der Naturwissenschaften in unterschiedliche Fächer Kontinuität schwierig macht. In anderen Ländern wird anstatt von Biologie, Physik und Chemie ein Mischfach Naturwissenschaften angeboten. In Deutschland wird hingegen oft ein paar Jahre Physik unterrichtet und danach Chemie. Viele Schüler tun sich aber schwer, die Zusammenhänge zwischen den Disziplinen zu überblicken.

Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marianne Demmer, sagte der FTD, die große Schülergruppe mit stagnierenden und sogar schlechteren Leistungen sei nicht akzeptabel. Das Vergessen von Erlerntem sei jedoch ein bekanntes Problem: „Wir haben Studien, wonach Schüler schon während der Sommerferien vergessen“, sagte Demmer. Eine gute Methode sei die Schweizer Praxis, bei Klassenarbeiten nicht nur aktuellen Stoff abzufragen. Eidgenössische Schüler müssen regelmäßig auch Fragen zu Inhalten beantworten, die sie vor einem Jahr gelernt haben. Dadurch prägten sich Kenntnisse besser ein.

Weitere Artikel zum Thema in der Print- und Onlineausgabe der Financial Times Deutschalnd.




Quelle: Financial Times Deutschland, 17.11.2006
weiterführender Link: http://www.ftd.de

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