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Redaktion 25.09.2009
Neue bundesweite repräsentative FORSA-Umfrage zur Schulstruktur und Bildungspolitik / Klare Mehrheit gegen Einheitsschule auch in den neuen Bundesländern / Auch Mehrheit der SPD-Anhänger gegen integratives Schulsystem
Berlin, 24.09.2009 Nur 31 Prozent der deutschen Bevölkerung sind für eine Abschaffung des gegliederten Schulwesens zugunsten eines integrativen Einheitsschulsystems. Dies ergab eine repräsentative Umfrage bei 1007 Bundesbürgern im Auftrag des deutschen Philologenverbandes vor wenigen Tagen. Dagegen sind 63 Prozent der Befragten der Ansicht, das bisherige Bildungssystem sollte beibehalten werden.

Der DPhV-Bundesvorsitzende Heinz-Peter Meidinger wertete dies angesichts der auch im Bundestagswahlkampf von einigen Parteien erhobenen Forderung nach einer verpflichtenden Gemeinschafts- oder Gesamtschule und einem längeren gemeinsamen Lernen als klares Signal, dass die große Bevölkerungsmehrheit nicht hinter einer solchen Bildungspolitik steht und solche Bestrebungen nicht unterstützt. Besonders interessant ist die Tatsache, dass die Befürworter eines differenzierten, gegliederten Schulwesens besonders zahlreich unter der jungen Generation der 18- bis 29-Jährigen ist. Hier sind sogar drei von vier Jugendlichen gegen die Abschaffung der bisherigen Schularten und für das bisherige Schulsystem. Ebenso fällt auf, dass sich erstmals auch eine klare Mehrheit in den neuen Bundesländern (56 Prozent) für das nach der Wende eingeführte, nach Schularten gegliederte Schulwesen ausspricht. Besonders groß ist die Zahl der Befürworter eines differenzierten Bildungswesens unter den Anhängern von CDU (72 Prozent) und FDP (78 Prozent), eher überraschend ist, dass sich auch eine Mehrheit von SPD-Anhängern (55 Prozent) gegen den Beschluss des SPD-Parteitags stellt, das gegliederte Schulwesen in Deutschland zu überwinden. Bei den Anhängern der Grünen herrscht eine Pattsituation, selbst unter den Anhängern der Linken bilden die Verteidiger des gegliederten Schulwesens eine starke Minderheit (43 Prozent).

Bei der Frage danach, ob die Leistungsfähigkeit deutscher Schulen durch eine Einheitsschule verbessert werden könnte, ist die Mehrheit derer, die dies verneinen, noch eindeutiger. Sogar eine absolute Mehrheit der Grünen-Anhänger (53 Prozent) glaubt nicht daran, dass ein integratives Bildungssystem die Leistungsfähigkeit deutscher Schulen im internationalen Wettbewerb steigert.

"Die Botschaft dieser repräsentativen Umfrage ist eindeutig. Es gibt in Deutschland keine Mehrheit für die Abschaffung des gegliederten Schulwesens. Die meisten Bürger wollen auch weiterhin eine Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Bildungsangeboten und Schularten behalten. Jede Koalition, jede Partei, die in einem Bundesland gegen diese Bevölkerungsmehrheit in der Schulpolitik handelt, kann nicht auf Konsens setzen, sondern muss mit härtestem Widerstand rechnen. Wer zukunftsweisende Reformen umsetzen will, muss sich auf die Verbesserung der Unterrichtsqualität und der individuellen Förderungsmöglichkeiten sowie der Rahmenbedingungen in allen bestehenden Schularten kümmern. Daran werden die Bürger die Politik messen!", betonte der DPhV-Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger.
Redaktion 16.03.2009
Dortmund, 16.03.2009 "Das Schulsystem muss sich den Kindern anpassen und nicht umgekehrt", kommentiert der VBE-Vorsitzende die heute vorgetragenen Forderungen nach einem inklusiven Schulsystem. "Die Trennung neunjähriger Kinder nach vermeintlichen Begabungsstrukturen ist genauso wenig zeitgemäß wie die Trennung behinderter Kinder von nicht behinderten."

Die UN-Behindertenrechtskonvention fordert von den Vertragsstaaten, ein inklusives Bildungssystem zu gewährleisten. Dieser Verpflichtung müssen die Bundesländer nachkommen. In NRW sind bislang nur 12,6 Prozent der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Regelschulwesen zu finden. Ein Elternrecht auf einen Platz in einer Regelschule gibt es darüber hinaus nicht.

"Wie alle Bundesländer, so ist auch das Land NRW aufgefordert, den Weg zu einem inklusiven Schulsystem zu ebnen", so Beckmann. "Das gemeinsame Lernen der Kinder muss in jeder Hinsicht die Grundlage für das Schulsystem der Zukunft sein."

Eine Veränderung der Schulstrukturen wird so oder so nötig werden, und die Debatte darüber muss geführt werden. Die demografische Entwicklung und das veränderte Schulwahlverhalten der Eltern zwingen dazu.

"Eine zukunftsorientierte Schulpolitik darf sich nicht von Legislaturperiode zu Legislaturperiode hangeln", so Beckmann. "Das darf sie schon alleine deshalb nicht, weil der schulische Werdegang eines Kindes länger dauert als eine Legislaturperiode. Es ist an der Zeit, dass in NRW nach einem parteiübergreifenden Konsens in der Schulpolitik gesucht wird, der auch Regierungswechsel übersteht. Die lähmenden Auseinandersetzungen der 1960er und 70er Jahre können und wollen wir nicht mehr hören."

Pressekontakt zu dieser Meldung
VERBAND BILDUNG UND ERZIEHUNG
Landesverband NRW
VBE – NRW
Westfalendamm 247
44141 Dortmund
Telefon: 49 231 43 38 61
Telefax: 49 231 43 38 64
Redaktion 15.12.2008
Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle führte in Brüssel Gespräch mit EU-Bildungskommissar Ján Figel´ / "Langfristiger Dialog mit EU-Kommission vereinbart"
München, 15.12.2008 Als Partner, der die EU-Mitgliedstaaten und deutschen Länder beratend begleitet, kann sich Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle die Rolle der EU durchaus vorstellen. "Konkrete Entscheidungen zum Bildungssystem und in Bildungsfragen müssen aber weiterhin in der Zuständigkeit der Länder verbleiben", unterstrich der Kultusminister in einem intensiven Dialog mit EU-Bildungskommissar Ján Figel' in Brüssel. Minister Spaenle hat bereits zu Beginn seiner Amtszeit das Gespräch mit Figel´ gesucht - unmittelbar vor der Neugestaltung der "EU-Bildungskooperation".

Kultusminister Spaenle betonte, dass die Zielsetzung der EU-Bildungspolitik zu unterstützen sei, soweit sie die Leistungsfähigkeit der europäischen Bildungssysteme verbessern helfe. Spaenles kritischer Blick richte sich nicht auf die Inhalte der EU-Bildungskooperation, sondern auf die von der Kommission vorgeschlagenen Instrumente, die eine weitere Annäherung der Bildungskooperation an die EU-Beschäftigungspolitik bedingen würden. "Die Empfehlung der Gesamtschule für Bayern durch die EU-Bildungspolitik weise ich zurück", so Minister Spaenle.

Die Subsidiarität müsse auch künftig das Gestaltungsprinzip des modernen Staatswesens und der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts darstellen, unterstrich der Bayerische Staatsminister. Er lehnt mit dieser Aussage Bestrebungen der EU ab, im Bildungsbereich weitere Kompetenzen an die Europäische Union zu binden. Entsprechend warnte er die Europäische Kommission davor, den EU-Mitgliedstaaten direkte oder indirekte Vorgaben zur Umsetzung europäischer Benchmarks zu machen, etwa dass 80 Prozent aller Schüler zwei Fremdsprachen erlernen müssen. Eine Bewertung der jeweiligen nationalen Bildungspolitik durch die EU-Kommission wies Ludwig Spaenle nachdrücklich zurück. Auch neue Arbeitsgruppen auf europäischer Ebene seien nicht erforderlich.

Nach dem konstruktiven Dialog vereinbarten Spaenle und Figel´ regelmäßige Gespräche.

Redaktion 12.12.2008
Mainz, 12.12.2008 Anlässlich der gestern im Landtag beschlossenen Schulgesetznovelle erklärt Alexander Lang, Vorstandsmitglied der LandesschülerInnenvertretung Rheinland-Pfalz (LSV): "Das Schulgesetz weist zwar einen neuen Weg, geht ihn dann aber nicht konsequent. So sind viele gute Ansätze erkennbar, es fehlt der SPD-Regierung aber an Mut, größere Schritte zu wagen."

Die Schulstrukturreform mit dem Konzept der "Realschule plus" zeigt dies deutlich: hier wird die Wahl zwischen einem integrativen und einem kooperativen Konzept gelassen. "Kooperativ" heißt, dass Haupt- und Realschule künftig unter einem Dach existieren. "Warum diese wenig hilfreiche Variante möglich ist, erklärt sich nur mit der Mutlosigkeit der Landesregierung", kritisiert Lang. Zwar gibt es in der Realschule plus eine gemeinsame Orientierungsstufe in der 5. und 6. Klasse, danach werden die Schülerinnen und Schüler aber wie im heutigen System getrennt.

Positiv sieht die LSV vor allem die Strukturreform der SchülerInnenvertretung. "Durch die Reform wird eine Gesamtvertretung geschaffen, die Schülerinnen und Schüler aller weiterführenden Schulen mit einschließt", begrüßt Lang die Reform. Kritisch merkt Lang an: "In der Gesamtkonferenz, dem wichtigsten Entscheidungsgremium einer Schule, sind allerdings weiterhin nur Lehrerinnen und Lehrer stimmberechtigt. Am Demokratiemangel in rheinland-pfälzischen Schulen ändert die Reform also nichts!"

Die Gleichstellung von Integrierten Gesamtschulen zu allen anderen Schulformen begrüßt die LSV, fordert aber zusätzlich eine Förderung dieser Schulart. "Alle Integrierten Gesamtschulen in Rheinland-Pfalz sind mit Anmeldungen von Schülerinnen und Schülern hoffnungslos überlastet. Hier ist es Aufgabe der Landesregierung, Abhilfe zu schaffen! Der gezielte Aufbau neuer Gesamtschulen muss daher entscheidendes Ziel einer nachhaltigen Bildungspolitik sein. Leider verfolgt die Landesregierung mit der Realschule plus einen anderen Kurs", so Matthias Köberlein, Pressereferent der LSV Rheinland-Pfalz.

Auch die Senkung der Klassenmesszahl von 30 auf 25 ist aus Sicht der LSV ein Schritt in die richtige Richtung. Die Senkung betrifft aber nur einen kleinen Kreis: Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 und 6 auf Realschulen plus. "Der große Rest geht leer aus", merkt Julian Knop, Außenreferent der LSV, kritisch an. "Ein ähnliches Problem gibt es aber auch bei der SchülerInnenbeförderung: Schülerinnen und Schüler der Realschulen plus erhalten einkommensunabhängig ihre Fahrtkosten. Schülerinnen und Schüler anderer Schulformen erhalten die Fahrtkosten dagegen nur, wenn ihre Eltern eine gewisse Einkommensgrenze nicht übersteigen. Angedacht sind die viel zu niedrig angesetzten Einkommensgrenzen der Lehrmittelfreiheit. So zeigt sich auch in diesem Fall, dass gute Ideen nicht konsequent umgesetzt werden. Eine kostenlose Bildung für alle liegt noch in weiter Ferne, das Ende der sozialen Selektion im Bildungssystem ist noch nicht in Sicht", stellt Knop abschließend fest.

Pressekontakt zu dieser Meldung:
LandesschülerInnenvertretung Rheinland-Pfalz
Kaiserstraße 26-30
55116 Mainz

Fon: 06131/ 238621
Fax: 06131/ 238731

info@lsvrlp-de
www.lsv-rlp.de

Pressereferent Matthias Köberlein

Fon: 0178/ 8993804

matthias.koeberlein@lsvrlp.de
Redaktion 10.12.2008
Seehofers Regierungserklärung löst bei Lehrerschaft Enttäuschung aus / BLLV-Präsident Wenzel: "Kommunen brauchen ein klares Ja zur RSE"
München, 10.12.2008 Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, hat die heutigen Ankündigungen von Ministerpräsident Horst Seehofer zur künftigen Schulpolitik in Bayern als "wenig mutig" bezeichnet. "Tiefgreifende Reformen bleiben erneut aus, Bayerns Lehrerschaft fühlt sich unverstanden und ist enttäuscht", stellte er fest. Die dringend notwendige Umsetzung der Regionalen Schulentwicklung (RSE), die das Schulsterben auf dem Land verhindert und für die Einzelschule mehr Eigenverantwortung vorsieht, kommt nur zögerlich voran. "Die von der Staatsregierung bevorzugten Kooperationsformen - sie basieren darauf, Haupt- und Realschulen unter einem Dach als eigenständige Schulformen zu erhalten - lassen nur wenig Handlungsspielraum zu. Weitere Schulschließungen werden so nicht verhindert."

In den geplanten Änderungen beim Übertrittsverfahren sieht Wenzel den kläglichen Versuch, ein überholtes und kinderfeindliches Schulsystem erträglicher zu gestalten - "er führt zu Qualitätseinbußen und beschleunigt das Hauptschulsterben." Lobend äußerte sich Wenzel dagegen zu Seehofers Ankündigungen, die Klassengrößen zu senken, mehr Lehrer einzustellen, mehr Ganztagsschulen anzubieten und den frühkindlichen Bereich zu stärken. "Die Milliarden-Krise bei der Bayern LB darf nicht dazu führen, dass bei der Bildung gespart wird."

"Wir hätten uns gewünscht, dass sich der Ministerpräsident klar zur Regionalen Schulentwicklung (RSE) des BLLV bekannt hätte", erklärte Wenzel. "Bayerische Kommunen brauchen jetzt schnell Klarheit und die Möglichkeit, mindestens den Realschulabschluss an ihrer bestehenden Schule anbieten zu können." Die RSE gibt pragmatische Antworten darauf, wie bei sinkenden Schülerzahlen und steigenden Übertritten Schulen vor Ort auf hohem Qualitätsniveau erhalten werden können - die von der Staatsregierung vorgesehenen Kooperationsformen dagegen nicht. "Das von Seehofer in seiner Regierungserklärung zunächst proklamierte Freiheitsprogramm für Schulen vor Ort, entpuppte sich im Laufe der Rede allerdings mehr und mehr als ein Verbotsprogramm", kommentierte der BLLV-Präsident.

Positiv bewertet der BLLV die Zusage der Staatsregierung, die Zahl der Modellstandorte nicht von vorneherein zu begrenzen. Aus Sicht des BLLV müssen alle vorliegenden Anträge undogmatisch auf ihre Realisierbarkeit überprüft werden - vor allem, wenn es sich um schulartübergreifende Konzepte handelt. Einheitliche Organisationsmodelle werden der RSE in keiner Weise gerecht. Sämtliche Schulversuche müssen optimal ausgestattet werden. Dies gilt sowohl für die Lehrerstundenzuweisungen als auch für die Hilfen zur Entwicklung und Umsetzung der pädagogischen und didaktischen Konzepte. Derzeit liegen im BLLV über 40 Anträge vor, weitere werden folgen. "Immerhin wurde mit der heutigen Zusage eine bislang verschlossene Tür aufgestoßen", betonte Wenzel. "In die bayerische Schulpolitik kommt Bewegung."

Lobend äußerte sich Wenzel zur angekündigten Absenkung der Klassengrößen. "Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung." Mit großem Unbehagen beobachtet der BLLV dagegen das "unprofessionelle und planlose Herumdoktern am Übertrittsverfahren. Weder die sog. Gelenklassen noch das peinliche Nachjustieren bei den Übertrittsnoten sind geeignet, die Übertrittsproblematik abzumildern. Gelenkklassen und Notenspielereien sind vielmehr ein weiterer hilfloser Versuch, ein überholtes und kinderfeindliches Schulsystem zu legitimieren. Solange im Mittelpunkt aller Bemühungen die zu frühe Auslese von Kindern und nicht ihre Förderung steht, werden sämtliche Verbesserungsversuche scheitern." Als "absurd" bezeichnete Wenzel die Ankündigung, übertrittsorientierte Beratungsgespräche in ersten und zweiten Grundschulklassen einzuführen. "Dadurch wird der Druck noch erhöht. Sollten diese Pläne tatsächlich umgesetzt werden, wird das an Grundschulen erheblichen Ärger und Protest auslösen", prophezeite der BLLV-Präsident. Das Vorhaben ist in den Augen der Lehrerinnen und Lehrer unpädagogisch und kontraproduktiv. Aus Sicht des BLLV zieht die Staatsregierung auch die falschen Schlüsse aus internationalen Schulvergleichsstudien wie TIMSS oder IGLU: "Obwohl die Freude über das relativ gute Abschneiden der Grundschüler groß und berechtigt ist, erklärt die Politik nach nur vier Jahren die Grundschulzeit für beendet. Die Kinder werden nach Schularten aufgeteilt und ihre Erfolge nehmen deutlich ab. Diese Vorgehensweise ist nicht nachvollziehbar."

Wenzel forderte Ministerpräsident Seehofer und Kultusminister Spaenle auf, zur Kenntnis zu nehmen, "dass die Hauptschule eine Schule geworden ist, die viele Eltern meiden. Die Bemühungen um die Hauptschule in den vergangenen Jahren haben nicht gegriffen. Eine vor wenigen Wochen vom BLLV vorgestellte Studie zur Hauptschulinitiative belegt dies. Wenzel: "Die Initiative konnte von Anfang an nicht greifen, weil die Staatsregierung dafür weder das erforderliche Personal noch das notwendige Geld zur Verfügung gestellt hat. Die Hauptschulinitiative ist eine von unzähligen Reformen, die an der Akzeptanz dieser Schulart nichts ändern. Die Verlierer sind die Schüler und die Lehrer.



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