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Redaktion 03.02.2009
BMBF eröffnet heute in Bamberg Nationales Bildungspanel / 150 Wissenschaftler untersuchen 60.000 Bildungsbiografien
Bamberg / Berlin, 03.02.2009 Wie entwickeln sich Kompetenzen im Lauf eines Lebens, welche Faktoren spielen für den Bildungserfolg eine Rolle? Und welchen Einfluss haben Bildungseinrichtungen auf diese Entwicklung? Diese und andere Fragen der Bildungsforschung wird das Nationale Bildungspanel untersuchen und analysieren. Mit einer Auftaktveranstaltung in Bamberg startet Bundesforschungsministerin Annette Schavan am Dienstag die langfristig angelegte Untersuchung. 60 000 Bürgerinnen und Bürger verschiedenen Alters werden über mehrere Jahre hinweg begleitet, um den Verlauf ihrer Bildungswege nachzuvollziehen. Mehr als 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den besten Forschungsinstituten Deutschlands sind dabei vertreten.

Schavan betonte: "Deutschland erhält mit dem Nationalen Bildungspanel einen neuen Leuchtturm in der Bildungsforschung, der auch im internationalen Vergleich Maßstäbe setzt." So hat es ein internationales Gutachtergremium, das durch die DFG einberufen wurde, bestätigt. "Die Längsschnittstudie wird der Bildungsforschung umfassende Grundlagendaten liefern, die uns bei der Umsetzung unserer Bildungskonzepte helfen", sagte die Ministerin. Schavan wies auch auf die Bedeutung der Studie in Zeiten der Krise hin: "Der Start des nationalen Bildungspanels ein guter und wichtiger Schritt. Denn Investitionen in Bildung und Forschung sichern unsere Zukunft. Sie tragen dazu bei, dass wir gestärkt aus dieser Wirtschaftskrise hervorgehen."

Das Nationale Bildungspanel für die Bundesrepublik Deutschland (National Educational Panel Study, NEPS) misst die Kompetenzentwicklung im Lebenslauf und wird Antworten auf zentrale bildungspolitische Fragen geben. So kann beispielsweise erstmalig beobachtet werden, wie sich Kinder aus gleichen Herkunftsfamilien und mit gleichen Kompetenzen in unterschiedlichen Bildungseinrichtungen entwickeln, welche Faktoren positive Entwicklungen begünstigen, mit welchen Einflüssen Scheitern verbunden ist und wie so genannte "Risikofälle" aufgefangen werden können.

Das Panel wird von einem interdisziplinär zusammengesetzten Forschungsnetzwerk unter der Leitung des Bamberger Soziologen Prof. Hans-Peter Blossfeld organisiert. Das Bundesbildungsministerium finanziert die Arbeit in 2009 mit rund 7,5 Millionen Euro. Die zur Verfügung gestellten Mittel sollen bis 2013 kontinuierlich auf gut 16 Millionen Euro jährlich steigen. Das Land Bayern und die Universität Bamberg unterstützen das nationale Bildungspanel ebenfalls erheblich.

Das Besondere des Nationalen Bildungspanels ist die Längsschnittperspektive der Studie, vergleichbar mit einem Dokumentarfilm: Dieselben Menschen werden über längere Zeiträume regelmäßig befragt und gestestet. So lässt sich nachvollziehen, wie sich Kompetenzen im Lebenslauf entfalten, wie Kompetenzen Entscheidungen an den Übergängen der Bildungskarriere beeinflussen und wie stark sie von der Familie sowie den Bildungseinrichtungen geprägt werden. Schavan: "Genau hierin liegt der große Fortschritt beispielsweise im Vergleich zu den internationalen Querschnittstudien PISA und IGLU, die - ähnlich einer Fotografie - immer nur Momentaufnahmen der Situation zum jeweiligen Untersuchungszeitpunkt liefern können."

Das Nationale Bildungspanel wird außerdem wichtige Datengrundlagen liefern für die Umsetzung der von Bund und Ländern beschlossenen Strategie zum lebenslangen Lernen und den sich ergebenen Anforderungen an den Einzelnen und an das Bildungssystem.

Olbertz erklärte dazu: "Ich sehe in dem Ansatz des Nationalen Bildungspanels, individuelle Lebens- und Bildungswege von Schülerinnen und Schülern bis in das Erwachsenenalter zu verfolgen, eine außerordentlich gute Möglichkeit, sich über neue Förderstrategien, über notwendige Schritte der Öffnung des Bildungssystems und über die Gestaltung seiner Übergänge und Anschlüsse Gewissheit zu verschaffen." Die Panel-Daten sollen der Wissenschaft breit zugänglich gemacht werden. Sie werden umfangreiches Material für verschiedene an Bildungs- und Ausbildungsprozessen interessierte Disziplinen bieten und die Grundlagen für eine verbesserte Bildungsberichterstattung und Politikberatung in Deutschland schaffen. Das Nationale Bildungspanel wird erheblich zur strukturellen Weiterentwicklung der Bildungsforschung in Deutschland sowie zu deren internationaler Vernetzung und zur Nachwuchsentwicklung beitragen.

Pressekontakt zu dieser Meldung
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Redaktion 12.12.2008
Kiel, 12.12.2008 Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave hat im schleswig-holsteinischen Landtag für einen angemessenen Umgang mit der Bildungsstudie PISA geworben. "Wir sind auf nationale und internationale Vergleiche angewiesen, um Schlussfolgerungen für das eigene Handeln zu ziehen", sagte sie heute (11. Dezember) in Kiel. PISA habe das Bewusstsein für die Bedeutung von Bildung erheblich verstärkt und Impulse für überfällige Reformen gegeben. Sie machte jedoch deutlich, dass PISA sowie IGLU keine "Erklärungen frei Haus" lieferten. Erdsiek-Rave: "Die Studien beschreiben und messen und bedürfen der sorgfältigen Interpretation. Hysterische und voreilige Interpretationen sind überflüssig." Es zeige sich jedoch einmal mehr, wie notwendig es gewesen sei, im vergangenen Jahr mit der Schulreform entscheidende Weichen im Bildungssystem zu stellen. "PISA 2006 ist der letzte Blick auf die alten Verhältnisse."

Die Ministerin zeigte sich mit den schleswig-holsteinischen Ergebnissen bei der jüngsten PISA-E-Studie nicht zufrieden. "Die Befunde in Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik sind kritisch und erfordern einen besonderen Handlungsbedarf." Das gelte auch für die Lesekompetenz, die in allen Schularten deutlich verbessert werden müsse und die den deutlichsten Zusammenhang zwischen sozialem und ethnischem Hintergrund aufzeige. "Hier müssen alle einen Beitrag leisten: Schule, Eltern, Bibliotheken, Lesepaten und Medien", so Erdsiek-Rave. Kritisch bewertete sie auch die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit verzögerter Schullaufbahn. Die 15-Jährigen, die in Schleswig-Holstein bei PISA getestet worden sind, waren häufig sitzengeblieben, zurückgestuft oder sind zu spät eingeschult worden - die Quote lag in den Hauptschulen bei 70 Prozent. Das neue Schulgesetz setze mit seiner verstärkten individuellen Förderung auch an dieser Stelle einen notwendigen Schwerpunkt.

"Wir schaffen die Hauptschulen und das Sitzenbleiben ab, um die Schülerinnen und Schüler aus einem weitgehend isolierten Lernumfeld herauszuholen, das oft schon sehr früh von Perspektivlosigkeit gekennzeichnet ist", so die Ministerin weiter. "Der Erfolg dieser Schülerinnen und Schüler muss uns besonders am Herzen liegen. Für sie haben wir über die Schulgesetzänderung vieles auf den Weg gebracht." Dazu gehörten zum Beispiel die vorschulische Sprachförderung, das erfolgreiche Lese-Projekt "Niemanden zurücklassen" oder das Handlungskonzept "Schule & Arbeitswelt", das sich auf die Kompetenzen konzentriere, die für einen erfolgreichen Berufseinstieg nötig seien.

Um die Perspektiven der Kinder und Jugendlichen in Schleswig-Holstein noch weiter zu verbessern, seien alle gefragt, so viel wie möglich beizusteuern: Land, Bund, die Kommunen und auch die Wirtschaft. Insgesamt seien die zusätzlichen Bildungsinvestitionen des Haushalts 2009/10 ein starkes Signal an die jungen Menschen im Land: Über neue 1100 Lehrerstellen allein in diesen beiden Jahren, die Aufstockung der Hochschulmittel, Investitionsmittel für den Schulbau, der Einstieg in die beitragsfreie Kita und der Ausbau der Betreuungsplätze für unter 3-Jährige. "Das heißt: Mehr Geld für Bildung auf allen Ebenen!"

Redaktion 11.12.2008
Auch IGLU und TIMSS liefern keine Argumente für Schulstruktur-Experimente.
München, 11.12.2008 Was sich bei PISA andeutete, hat sich bei IGLU und TIMSS fortgesetzt: Die beiden jüngst vorgestellten Grundschulstudien verdeutlichen ebenso wie PISA, dass das deutsche Schulsystem Fortschritte macht. IGLU und TIMSS zeigen, dass die deutschen Grundschulen im internationalen Vergleich teilweise klar über dem Durchschnitt liegen. Die erheblichen Reformanstrengungen der letzten Jahre zeigen Wirkung. "Diese Fortschritte sind übrigens nicht mit hektischen, ideologisch motivierten Schulstruktur-Veränderungen erzielt worden", betont Albert Obert, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Realschullehrer. "Weder PISA noch IGLU oder TIMSS liefern Argumente für Schulstruktur-Experimente."

Kritisch anzumerken bleibt aus Sicht des VDR, dass es unter den Grundschülern insgesamt zu viele Leistungsschwache und zu wenig Leistungsstarke gibt. Darüber hinaus ist der Einfluss des sozialen und kulturellen Hintergrunds auf die Leistungsentwicklung der Kinder an den deutschen Grundschulen sehr hoch. "Dass dies bei PISA, das die Fähigkeiten 15-Jähriger, also Pubertierender, misst, nicht besser wird, muss jedem klar sein, der sich auch nur halbwegs in der Jugendpsychologie auskennt. Dies hat auch nichts mit der differenzierten Weiterbildung in der Sekundarstufe zu tun", so Obert.

Die Probleme sind erkannt und können bei Einsatz entsprechender Ressourcen und Schaffung besserer Voraussetzungen behoben werden. Nötig sind dazu kleinere Klassen sowie mehr Lehrer, Förderlehrer und Sozialarbeiter – und kein Herumdoktern an Schulstrukturen.

Redaktion 10.12.2008
Ergebnisse des Ländervergleichs zu IGLU 2006 vorgestellt
Hannover, 09.12.2008 Niedersachsens Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann kommentiert die heute von der Kultusministerkonferenz im Bundesrat in Berlin vorgestellten Ergebnisse des Ländervergleichs zu IGLU 2006 (IGLU 2006-E) wie folgt:

"Platz 9 für Niedersachsen im IGLU Ländervergleich ist ein guter Mittelfeldplatz. Mit 544 Leistungspunkten liegt Niedersachsen im Bereich des deutschen Mittelwerts von 548 und damit deutlich über den Mittelwerten der OECD-Länder (537) und dem der EU-Länder (534). Bei einer Betrachtung der bundesdeutschen Ergebnisse ist auffällig, dass nur Thüringen signifikant über dem Mittelwert für Deutschland liegt. Weitere 13 Länder, darunter Niedersachsen, zeigen eine bemerkenswerte Leistungsdichte. Im Einzelnen lässt sich feststellen:

Bei den literarischen Texten ist Niedersachsen mit 545 Leistungspunkten besser als bei den informierenden Texten (540 Leistungspunkte). Dieser Unterschied um 5 Punkte entspricht dem bundesdeutschen Schnitt – dort Unterschied 4 Punkte - auch zugunsten der literarischen Texte.

Beim textimmanenten Verstehen (Informationsentnahme) zeigen unsere Schülerinnen und Schüler gute Leistungen. Niedersachsen (552) ist nicht signifikant unter dem Bundesschnitt (555).

Bei komplexeren Leseleistungen (Verstehensprozessen auf der Basis von Hintergrundwissen) ist Niedersachsen wieder im Mittelfeld (536), Bundesschnitt 540. Der Abstand zur Spitze (Thüringen 557) ist genauso groß wie der zum Schlusslicht Bremen (515).

Besonders gut (Platz 2 im Vergleich der Bundesländer) ist Niedersachsen beim Vergleich von Kindern aus bildungsfernen und bildungsnahen Familien. Hier liegt der Leistungsvorsprung von Kindern aus einem bildungsnahen Elternhaus bundesweit bei 40 Leistungspunkten, in Niedersachsen bei 30. Ebenso erfreulich ist, dass der Leistungsvorsprung zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund in Niedersachsen geringer ausfällt als in den Bundesländern und liegt deutlich unter dem Bundesschnitt. Während in den westlichen Flächenländern der Unterschied 49 Punkte ausmacht, sind es in Niedersachsen nur 35. Diese positiven Aspekte im niedersächsischen Bildungswesen hatte bereits die letzte PISA-Studie dokumentiert.

Die Leistungen niedersächsischer Grundschülerinnen und –schüler des Ländervergleichs zu IGLU korrespondieren mit dem guten Zeugnis, das die Niedersächsische Schulinspektion unseren Grundschulen gerade in der letzten Woche ausgestellt hat. Deshalb werden wir weiter einen Schwerpunkt auf die Bereiche der frühkindlichen Bildung und der Grundschule legen. Insbesondere die von uns in Niedersachsen praktizierte gezielte Sprachförderung im Vorschulalter ist eine gute Vorbereitung auf den Schriftspracherwerb."

Zum Hintergrund:
Im Jahr 2006 hat Deutschland an der Erhebung zur Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU, englisch: PIRLS, Progress in International Reading Literacy Study) teilgenommen. Mit dieser Studie wird das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern der vierten Jahrgangsstufe international vergleichend getestet. Darüber hinaus werden einige Rahmenbedingungen untersucht, zu denen familiäre, schulische und unterrichtliche Faktoren gehören. In Deutschland haben alle 16 Länder an dieser Studie teilgenommen. Um einen Ländervergleich innerhalb Deutschlands zu ermöglichen, wurden insgesamt fast 8.000 Schülerinnen und Schüler an über 400 Schulen getestet.

Redaktion 10.12.2008
Saarbrücken, 09.12.2008 Heute wurden in Berlin die Ergebnisse des IGLU-Bundesländervergleichs (IGLU-E) vorgestellt. Die Untersuchung zum Leseverstehen in der vierten Jahrgangsstufe stellt den deutschen Grundschulen insgesamt und auch den Grundschulen im Saarland ein sehr positives Zeugnis aus. Ganz Deutschland hat bei IGLU 2006 erfreulich gut abgeschnitten und deutlich bessere Ergebnisse erzielt als bei IGLU 2001. Deutschland insgesamt und auch das Saarland liegen signifikant über dem EU- und dem OECD- Schnitt. "Besonders bemerkenswert aus saarländischer Sicht," – so Kultusministerin Annegret Kramp-Karrenbauer: "In den meisten Teilbereichen liegt das Saarland über dem Bundesdurchschnitt. Es gelingt unseren Grundschulen also ein insgesamt erfreulich hohes Niveau in der Lesekompetenz zu erreichen."

Die saarländischen Schülerinnen und Schüler haben im Durchschnitt 550 Punkte erreicht (Deutschland: 548). Das Saarland liegt damit im Bundesländervergleich auf Platz 7, schneidet aber nicht statistisch signifikant schlechter ab als die Bundesländer auf den Rangplätzen 2 bis 6. Sowohl mit literarischen als auch mit informativen Texten können saarländische Schülerinnen und Schüler gut umgehen. Auch bei den sogenannten textimmanenten sowie bei den sogenannten wissensbasierten Verstehensleistungen schneiden sie überdurchschnittlich ab.

Bei der Lesemotivation liegt das Saarland auf Platz 5 der Bundesländer; d.h. viele Kinder haben auch außerhalb der Schule Spaß am Lesen. "Hier zeigen unsere vielfältigen Maßnahmen zur Leseförderung und Motivationssteigerung Erfolg" – so die Ministerin. "Die Studie bestätigt uns aber auch, dass die Lesemotivation bei Mädchen höher ist als bei Jungen, so dass wir mit den bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Leseförderung von Jungen auf dem richtigen Weg sind (Leserücksäcke, thematische Bücherkisten). Hier werden wir uns verstärkt engagieren".

Der Anteil der schwächeren Leser liegt im Saarland bei 11,3 % (Platz 6). Dieser Wert liegt fast zwei Prozentpunkte günstiger als der Bundeswert (13,2%). In allen Bundesländern ist ein Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Lesekompetenz festzustellen. Es gelingt der Studie zufolge im Saarland bei den Viertklässlerinnen und Viertklässlern eine etwas höhere Lesekompetenz zu erreichen als die Unterschiede im Sozialstatus der Elternhäuser erwarten lassen. "Auch wenn die Differenz der Leseleistung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund etwas günstiger liegt als im Bundesdurchschnitt, dürfen wir in unseren Bemühungen um Förderung insbesondere auch von Kindern aus sozialschwachen Familien und solchen mit Migrationshintergrund nicht nachlassen," sagte die Ministerin.

Im Saarland wurden in den vergangenen Jahren vielfältige Maßnahmen zur Verbesserung der vorschulischen und schulischen Rahmenbedingungen und dabei insbesondere auch der Lesekompetenz auf den Weg gebracht. Zu nennen sind zum Beispiel:

die Förderung des frühen Lernens im Kindergarten (Sprachförderprogramm "Hören, Lauschen, Lernen" und das Bildungsprogramm),
das Sprachförderprojekt "Früh Deutsch lernen" für Migrantenkinder vor der Einschulung,
das Landesprogramm "Bibliothek und Kindergarten" (Bücherkisten, Lesungen sowie Aus- und Fortbildungen für Erzieherinnen und Erzieher),
die drastische Erhöhung der Unterrichtstundenzahl in den Grundschulen. Die Jahreswochenstunden wurden von 89 im Jahr 1999 auf heute 102 erhöht. Das entspricht fast einem halben Jahr mehr Unterricht. Die daraus erwachsenden Förderwirkungen werden sich jedoch erst im nächsten IGLU-Durchgang voll niederschlagen können,
die Einführung von Lesekompetenztests und Orientierungsarbeiten im Fach Deutsch,
das Netzwerk "Mehr Lesen", in dem Bibliotheken, Buchhandlungen, Vereine und Verbände gemeinsam mit dem Kultusministerium die zahlreichen Aktivitäten zur Leseförderung im Saarland (z.B. Lesedino-Projekte) bündeln,
die Unterstützung der Vernetzung von Schulbibliotheken mit öffentlichen Bibliotheken durch das Land,
sowie ein Bibliothekswettbewerb.
Die IGLU-Studie untersucht die Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern der vierten Klassen. Die Studie wurde bisher zweimal (in den Jahren 2001 und 2006) durchgeführt.

Weltweit haben 45 Staaten an IGLU 2006 teilgenommen.

In Deutschland haben sich alle Bundesländer an der vertiefenden Erweiterungsstudie IGLU – E 2006 beteiligt. Im Saarland waren 25 Grundschulen mit jeweils einer vierten Klasse an IGLU - E beteiligt.

Redaktion 10.12.2008
Magdeburg, 09.12.2008 Sachsen-Anhalt belegt im Ländervergleich der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchungen (IGLU-E) den vierten Platz und ist mit 555 Punkten in die Spitzengruppe aufgerückt. Nur ein Punkt trennt es von Sachsen (556), 7 von Bayern (562). Thüringen führt das Spitzenfeld mit 564 Punkten an und liegt damit nach Russland punktgleich mit Hongkong auf Rang 2 des internationalen Vergleichs. Der Feistaat bestimmt in einem der vier Testbereiche zur Lesekompetenz, dem Umgang mit literarischen Texten, sogar den Weltstand.

"Offensichtlich tragen in Sachsen-Anhalts Grundschulen die Einführung der kompetenzorientierten Lehrpläne, die Veränderungen der Stundentafel zugunsten der Kernfächer und die Konzepte zur individuellen Förderung inzwischen Früchte", kommentierte Kultusminister Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz die guten Ergebnisse für das Land. Die kritische Gruppe der 10-jährigen Kinder, deren Lesefähigkeit unterhalb der Kompetenzstufe III liegt, bewegt sich in Deutschland zwischen 6,8 % (Thüringen) und 24,9 % (Berlin). Sachsen-Anhalt hat hier mir 8,4 % den zweitniedrigsten Wert erreicht.

Die Studie zeigt für Deutschland insgesamt gute Resultate. Die Ergebnisse der Länder liegen dicht beieinander im oberen Leistungsviertel des internationalen Vergleichs und durchgehend über dem OECD-Mittelwert; auch die drei Stadtstaaten, die im Ländervergleich das Schlusslicht bilden, bewegen sich im EU-Durchschnitt.

Zugleich hat die Länderstudie zu IGLU eine Reihe fortbestehender Probleme aufgezeigt. Nach wie vor gibt es eine starke Kopplung von sozio-ökonomischem Status der Eltern und Lesekompetenz. So liegt der Leistungsvorsprung von Kindern aus Elternhäusern mit mehr als 100 Büchern in Deutschland zwischen 70 Punkten (Berlin) und nur 25 in Bayern. In Sachsen-Anhalt gibt es hier mit 32 Punkten den drittgeringsten Abstand, was Olbertz zufolge für eine beträchtliche Ausgleichsleistung der Grundschule spreche. "Den Grundschulen in Deutschland gelingt es insgesamt aber nur begrenzt, die unterschiedlichen Lernausgangsvoraussetzungen der Kinder auszugleichen - gemeinsames Lernen allein garantiert offenbar noch keinen angemessenen Umfang mit der wachsenden Heterogenität in den Schulklassen", so Olbertz.

Die Unterstützung der Lesesozialisation im Elternhaus und das Lesevergnügen der Kinder sind der Studie zufolge in Sachsen-Anhalt gering ausgeprägt. "Dass unsere Schülerinnen und Schüler beim Lesen dennoch so gut abschneiden, spricht für den Ausgleich unterschiedlicher Lernausgangsbedingungen durch die Grundschule, zeigt aber auch dringenden Handlungsbedarf auf Seiten der Eltern". Olbertz appellierte an die Eltern, ihren Kindern Bücher zu schenken, ihnen häufiger vorzulesen und sich auch vorlesen zu lassen. Gerade die bevorstehende Weihnachtszeit biete dafür einen guten Anlass. Die Lesekultur in den Familien müsse dringend gestärkt und gefördert werden.

Redaktion 10.12.2008
Buben sowie Kinder mit Migrationshintergrund stärker fördern
München, 09.12.2008 "Ich freue mich, dass Bayerns Schüler bei IGLU 2006 einen sehr guten Platz belegt haben und wir nehmen konkrete Verbesserungsvorschläge sehr ernst", kommentierte Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle die heute vorgestellten Ergebnisse des Ländervergleichs der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU). Bayerns Grundschüler belegen im Ländervergleich der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung Platz 2, international rangieren sie auf Rang 8. Bayern hat große Fortschritte bei der Verbesserung der sozialen Durchlässigkeit erzielt.

Minister Spaenle: "Wir dürfen kein Kind stehen lassen"
"Wir sind auf dem richtigen Weg, dürfen uns aber nicht selbstzufrieden zurücklehnen und ausruhen", so der Minister. Es müsse vor allem darum gehen, die Buben stärker für das Lesen zu begeistern und Kinder mit Migrationshintergrund noch intensiver zu fördern. "Wir dürfen kein Kind stehen lassen", votierte Spaenle für erweiterte Anstrengungen in der Sprachförderung.

Bei IGLU 2006 haben die bayerischen Grundschüler der Jahrgangsstufe 4 ihre Leseleistung im Vergleich zu IGLU 2001 deutlich verbessert und belegen national den 2. Platz hinter Thüringen. Konkret hatten die bayerischen Schüler bei IGLU 2006 562 Punkte (Thüringen 564 Punkte) Punkte erreicht, 2001 waren sie nur auf 546 Punkte gekommen.

Soziale Durchlässigkeit in Bayern deutlich verbessert
"Es ist für mich sehr wichtig, dass die bayerischen Schüler unabhängig von der sozialen Herkunft hohe Leistungen im Lesen und Verstehen erreichen", richtete Minister Spaenle den Focus auf die Bildung als "soziale Rolltreppe der Gesellschaft". Bayern ermöglicht es im Bundesvergleich am besten, dass Kinder aus bildungsfernen Schichten an die Leistungen von Kindern aus bildungsnahen Schichten anschließen. Bayern kann sich hier auch im internationalen Vergleich gut sehen lassen. "Das Bayerische Schulsystem ist leistungsstark und gerecht, die Durchlässigkeit weiter zu verbessern, ist ein wichtiger Handlungsauftrag." Er verwies dabei darauf, dass die Lesekompetenz, die von IGLU für das Grundschulalter attestiert wird, auch durch PISA für die 15-Jährigen nachgewiesen ist.

Wollen Jungen mehr zum Lesen motivieren
Der Leistungsunterschied im Lesen zwischen Buben und Mädchen hat sich zwar seit IGLU 2001 verringert. "Wir können uns aber nicht damit zufrieden geben, dass fast ein Viertel der Buben außerhalb der Schule nie oder so gut wie nie zum Vergnügen liest", so Minister Spaenle. Bei Mädchen beträgt diese Quote nur 8%. "Im Frühjahr 2009 werden wir dazu zusammen mit der Universität Eichstätt bei einem Fachkongress Maßnahmen erarbeiten, mit denen wir das Interesse der Jungen am Lesen gezielt fördern".

Migrantenkinder intensiver fördern
"Also müssen wir weiter arbeiten. Vor allem um die Kinder der Risikogruppe müssen wir uns stärker kümmern. Dazu gehören auch viele Kinder, die zuhause nicht Deutsch sprechen", zieht Minister Spaenle Schlussfolgerungen aus der Untersuchung. Auch wenn Migrantenkinder in Bayern bundesweit die besten Werte im Lesen und Verstehen erzielen, erkennt Minister Spaenle einen klaren Arbeitsauftrag aus IGLU und PISA. Die Befunde von IGLU 2006 zeigen, dass vor allem Grundschüler mit Migrationshintergrund, deren Familiensprache nicht Deutsch ist und die aus einem sozial eher schwachen Elternhaus kommen, beim Lesenlernen immer noch deutlich Probleme haben. Die internationale Schulleistungsstudie IGLU untersucht das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern am Ende der 4. Jahrgangsstufe. 2006 beteiligten sich 35 Staaten und 10 Regionen an IGLU; in Deutschland waren es rund 8.000 Schüler von 405 Schulen (darunter 24 bayerische).

Siehe auch www.km.bayern.de

Redaktion 10.12.2008
Bildungsministerin Erdsiek-Rave zur Grundschul-Leseuntersuchung IGLU:
Kiel, 09.12.2008 Die Leseleistungen der schleswig-holsteinischen Grundschülerinnen und Grundschüler liegen im deutschen Ländervergleich im Mittelfeld auf hohem internationalen Niveau. Das geht aus den Ergebnissen der internationalen Grundschul-Leseuntersuchung IGLU 2006 hervor. "Die langjährigen Anstrengungen in den Grundschulen und die engagierte Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer tragen Früchte. Die Ergebnisse sind jedoch kein Anlass, in den Anstrengungen nachzulassen", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (9. Dezember) zur Veröffentlichung der IGLU-Studie. In Schleswig-Holstein gelinge es, die Schülerinnen und Schüler auf einem guten Leseniveau so zu fördern, dass die Leistungsunterschiede zwischen ihnen vergleichweise gering ausfallen.

"Damit sind die Grundschulen ein gutes Beispiel dafür, wie trotz unterschiedlicher Lernvoraussetzungen alle Schülerinnen und Schüler durch individuelle und differenzierte Lernangebote gefördert werden können", so die Ministerin weiter. Mit der inzwischen landesweit etablierten Verlässlichen Grundschule, der bis zu dreijährigen Eingangsphase sowie der flächendeckenden Einführung von vorschulischen Sprachintensivkursen (SPRINT) habe Schleswig-Holstein wichtige Impulse gesetzt. Das Prinzip des gemeinsamen Lernens und der individuellen Förderung werde durch das neue Schulgesetz nun auch in den weiterführenden Schulen konsequent fortgesetzt.

Erdsiek-Rave betonte, dass das Land die Leseförderung in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut habe und sie inzwischen fest in den Schulen verankert sei. Dazu gehörten Lesetagebücher, gezielte vorschulische und schulische Sprachförderung, Lesewettbewerbe aber auch die Kooperation mit Bibliotheken und Büchereien bis hin zum Aufbau weiterer Schulbüchereien und die Zusammenarbeit mit Zeitungsverlagen. "Lesen fördert auch die Lernfähigkeit insgesamt und hat eine herausragende Bedeutung für den gesamten Bildungs- und Lebensweg." Um die gute Arbeit der Grundschulen auch nach der 4. Klasse fortzusetzen, werde die Leseförderung auch in den weiterführenden Schulen weiter intensiviert und das erfolgreiche Leseförderprojekt "Niemanden zurücklassen - Lesen macht stark" ab dem Schuljahr 2009/10 auf alle Schulen mit Ausnahme des Gymnasiums ausgeweitet.

Im IGLU-Ländervergleich 2006 lag Schleswig-Holstein mit 544 Punkten auf hohem internationalen Leistungsniveau gemeinsam mit 12 weiteren Bundesländern im Bereich des deutschen Mittelwerts. Dabei sind die Abstände dieser Länder zum deutschen Mittelwert so gering, dass sich nach Aussagen der Bildungsforscher daraus keine echte Rangfolge von Ländern errechnen lässt. "Wir liegen deutlich über dem Durchschnitt der beteiligten EU- und der OECD-Staaten. Nur Thüringen als Spitzenreiter hat eine deutlich höhere Punktzahl erreicht", sagte Erdsiek-Rave. Erfreulich sei, dass in Schleswig-Holstein im internationalen Vergleich viele Schülerinnen und Schüler die höchste Kompetenzstufe (10,5 Prozent) erreicht hätten. Der Anteil der Leistungsschwachen sei dagegen relativ gering (13,2 Prozent). "Zudem haben viele Kinder in der Grundschule Freude am Lesen. Nur jedes siebte Kind gab an, außerhalb des Unterrichts nie oder fast nie zu lesen. Erfreulich ist auch, dass die Abstände zwischen Mädchen und Jungen in den Leseleistungen sehr gering sind."

Die IGLU-Studie zeigt nach Ansicht der Ministerin aber auch deutlich, an welchen Stellen es noch Verbesserungsbedarf gibt. "Die Leseleistung ist gerade in Schleswig-Holstein noch zu sehr abhängig von der sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler." IGLU zufolge betrug der Leistungsvorsprung im Leseverständnis von Kindern aus Familien mit mehr als 100 Büchern gegenüber denen aus Familien mit weniger als 100 Büchern für Schleswig-Holstein 50 Punkte und lag damit sowohl dem deutschen als auch dem OECD- Durchschnitt (40 Punkte bzw. 35 Punkte).

Dagegen war die Leistungsdifferenz zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund in Schleswig-Holstein mit 35 Punkten deutlich geringer als im bundesweiten Durchschnitt (48 Punkte). "Hier trägt unser Sprachförderkonzept erste Früchte. Um für mehr Chancengleichheit zu sorgen, müssen wir aber nach wie vor gerade Kinder aus sozial benachteiligten Elternhäusern und aus Migrantenfamilien noch gezielter fördern."

Mit der internationalen Studie IGLU (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) wird alle fünf Jahre das Leseverständnis der Schülerinnen und Schüler am Ende der Grundschulzeit unter den Aspekten Verstehensprozess und Leseintention erfasst. Durch eine Befragung von Lehrkräften, Eltern, Schulleiterinnen und Schulleitern werden dabei auch die familiären, schulischen und sozialen Bedingungen des Lernens einbezogen.

Die wichtigsten Ergebnisse von IGLU 2006 im Überblick
Leseleistungen im internationalen Vergleich: Es gelingt allen Ländern, die Lesekompetenzen der Grundschülerinnen und Grundschüler bis zum Ende der vierten Jahrgangsstufe auf ein Leistungsniveau zu bringen, das im internationalen Vergleich sehr gut bestehen kann. 14 von 16 Ländern liegen über dem EU- und über dem OECD-Mittelwert. Davon gehört ein Land (TH) zur absoluten internationalen Spitzengruppe. Gleichzeitig gelingt es den Ländern, die Leistungsstreuung vergleichsweise gering zu halten.

Anteil schwacher und starker Leserinnen und Leser: Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit großen Leseschwierigkeiten sowie von Spitzenlesern schwankt zwischen den Ländern erheblich. Während es einigen Länder gelingt, die Gruppe der schwachen Leserinnen und Leser unter 10 % zu halten, liegt dieser Anteil in den Stadtstaaten deutlich über 20 %. Der Anteil der Spitzenleser liegt in der Mehrzahl der Länder unter 10 %.

Einstellung zum Lesen: In fast allen Ländern haben die Viertklässlerinnen und Viertklässler eine sehr positive Einstellung zum Lesen; nur 14 % geben an, außerhalb der Schule nie oder fast nie zum Vergnügen zu lesen.

Leseleistungen von Mädchen und Jungen: Zwischen Jungen und Mädchen zeigen sich in den meisten Ländern keine nennenswerten Unterschiede in den Leseleistungen.

Migrationsbedingte Unterschiede: Die Leistungsdifferenz zwischen Schülerinnen und Schülern, deren Eltern beide in Deutschland geboren wurden, und denen, deren Eltern beide nicht in Deutschland geboren wurden, sind im internationalen Vergleich in der Mehrzahl der Länder sehr groß. Einfluss des Elternhauses: Der kulturelle Hintergrund des Elternhauses beeinflusst in allen Ländern die Leseleistungen der Schülerinnen und Schüler in einem hohen Maße; davon sind die Stadtstaaten in besonderer Weise betroffen.

Redaktion 10.12.2008
Bildungsgewerkschaft zur IGLU-E-Studie
Frankfurt am Main / Berlin, 09.12.2008 "Das Schaulaufen der Bundesländer mitsamt den Rankinglisten ist überflüssig: Die Leseleistungen der Grundschulkinder in Deutschland sind gut", sagte Marianne Demmer, Leiterin des Vorstandsbereichs Schule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und stellvertretende Vorsitzende, mit Blick auf den IGLU-Bundesländervergleich, der heute in Berlin vorgestellt worden ist. Die Studie habe "keine neuen Erkenntnisse" gebracht. "Statt immer neuer Daten wollen wir endlich Taten sehen: mehr Mittel und Personal für die individuelle Förderung der Schüler und eine große Schulreform. Die frühe Aufteilung zehnjähriger Kinder in unterschiedliche Schulformen muss endlich aufhören. Die jungen Leute müssen bis zum Ende der Pflichtschulzeit miteinander und voneinander lernen können. Wie erfolgreich das sein kann, machen die Grundschulen vor!"

Empört zeigte sich die Gewerkschafterin darüber, dass die Untersuchung den "großen Makel" der Grundschule, die sozial höchst ungerechten Schüler-Empfehlungen für die weiter führenden Schulen in Klasse vier, ausspare. Sie verlangte von der Kultusministerkonferenz (KMK), ihre "Vogel-Strauß-Politik" zu beenden. Dieser Schwachpunkt des deutschen Schulsystems müsse offen gelegt und dürfe nicht in wissenschaftlichen Fachzeitschriften versteckt werden. "Arbeiterkinder", betonte Demmer, "müssen Super-Schüler sein, damit Lehrkräfte und Eltern ihnen zutrauen, das Abitur zu schaffen. Bei Akademikerkindern reichen durchschnittliche Leistungen." Für eine Gymnasialempfehlung müssten - aus Lehrersicht - Kinder aus Arbeiterfamilien bei der Lesekompetenz im Schnitt rund 70 Punkte mehr erreichen als Mädchen und Jungen aus Akademikerhaushalten. Arbeitereltern trauten sich erst, ihre Kinder zum Gymnasium zu schicken, wenn diese ungefähr 100 Punkte mehr erreichen als der Akademikernachwuchs, also einen Vorsprung von ungefähr zwei Schuljahren haben. Das hatte die IGLU-Studie 2006 gezeigt. Diese Ergebnisse seien nicht den Lehrern anzukreiden, sagte Demmer. Bei den Übergangsempfehlungen müssten diese auch Prognosen über den voraussichtlichen Schulerfolg abgeben. Bei Akademikerkindern könnten dabei die Nachhilfestunden quasi eingeplant werden, Arbeiterkinder müssten hingegen ohne individuelle Förderung klar kommen.

IGLU-E biete kaum neue Informationen, unterstrich Demmer. Dass Deutschlands Grundschulen bei den Leseleistungen das Zeug hätten, in der Weltspitze mitzuspielen, der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen nicht sehr groß sei, der Anteil sog. Risikoschüler mit schwachen Leseleistungen nur halb so groß sei wie später bei den 15-jährigen, die Kinder aus Migrationsfamilien sowie bildungsarmen Haushalten stärker gefördert werden müssten und die Stadtstaaten schwächer abschnitten, sei hinlänglich bekannt. "Für diese Erkenntnisse muss man kein Geld ausgeben", sagte die Vize-Vorsitzende. "Die internationalen Vergleiche sind wichtig für den Blick über den Tellerrand. Innerhalb Deutschlands sollten die Politiker jedoch aufhören, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Aussagekräftige Informationen über die Wirksamkeit von Politik erhalten sie nur mit gezielten Untersuchungen, die beispielsweise Regionen mit ähnlicher sozioökonomischer Lage vergleichen, etwa Großstädte mit Großstädten."

Redaktion 10.12.2008
Müller: "Erneute Bestätigung erfolgreicher Thüringer Bildungspolitik"
Erfurt, 09.12.2008 Das hervorragende Abschneiden des Freistaats beim IGLU*-Ländervergleich sei eine erneute Bestätigung der erfolgreichen Thüringer Bildungspolitik, so Thüringens Kultusminister Bernward Müller (CDU) heute in einer ersten Analyse. Die Leseleistungen Thüringer Grundschüler seien im internationalen Vergleich Spitze. Die Viertklässler aus dem Freistaat belegten nicht nur national, sondern auch international Spitzenplätze.

"Kontinuität im Bildungswesen, gute äußere Rahmenbedingungen und die engagierte Arbeit der Pädagogen sind der Schlüssel zum Erfolg. Kleine Klassen, eine bundesweit vorbildliche Schüler-Lehrer-Relation und durchgehend angebotene Ganztagesbetreuung im Grundschulhort bilden optimale äußere Rahmenbedingungen. Die IGLU-Studie zeigt einmal mehr, dass der Freistaat eines der leistungsfähigsten Schulsysteme in Deutschland besitzt. Die Grundschulen zählen sogar international zur Spitze. All das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Dort, wo über Jahrzehnte hinweg Strukturdebatten geführt wurden, hat man die Zeichen der Zeit verpasst und wertvolle Zeit verloren. Wir brauchen daher keine Strukturdebatte, sondern eine Qualitätsdebatte", so Müller.

Hinweis: Minister Müller steht nach der heutigen Regierungspressekonferenz (Dienstag, 9. Dezember 2008, 13 Uhr, Thüringer Staatskanzlei) für Statements zur Verfügung.

Zudem stellt Prof. Dr. Wilfried Bos, Universität Dortmund, die IGLU-Ergebnisse im Rahmen einer Lehrerfortbildungsveranstaltung am 11. Dezember 2008 um 14 Uhr auf der Erfurter Messe vor.

*) IGLU – Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung



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