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Redaktion 04.02.2012
Düsseldorf, 03.02.2012 Mit scharfer Kritik reagiert der nordrhein-westfälische Philologen-Verband auf die von der Landesregierung geschaffene Möglichkeit, erst in der 4. Grundschulklasse verbindliche Ziffernnoten auf Zeugnissen zu geben.

Erneut wird damit eine schulpraktische Regelung aus der letzten Legislaturperiode zurückgenommen. Ebenso wie bei ´Kopfnoten`, der eröffneten Rückkehr zu Schuleinzugsbereichen und der Abschaffung verbindlicher Grundschulgutachten erfolgt ein weiterer Schritt hin zur Diskontinuität in der Schulpolitik. Verlässlichkeit und Kontinuität sehen anders aus!

"Mit dieser Regelung stößt man das Tor weiter auf in Richtung Beliebigkeit im Umgang mit Qualifikationsstandards. Da Grundschulen unterschiedlich verfahren, wird die Vergleichbarkeit schulischer Leistungen außerordentlich erschwert. Auch macht der extrem späte Zeitpunkt der Ziffernnotengebung die Entscheidungsfindung für Eltern und Schüler beim Übergang zu weiterführenden Schulen nicht leichter!", kommentiert Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes, die Änderung der Ausbildungsordnung Grundschule.

Der Philologen-Verband lehnt diese Form einer veränderten ´Feedback-Kultur` ab. Er warnt mit Nachdruck davor, Ziffernnoten auch in den weiterführenden Schulen zu dämonisieren. Schülerinnen und Schüler haben in der Regel keine Probleme mit Ziffernnoten. Die bisherigen Grundschul-Regelungen waren kind-, altersgemäß und pädagogisch sinnvoll.

"Es darf nicht Schule machen, dass wir den Zeitpunkt hinausschieben, zu dem transparente Leistungsangaben und -vergleiche erfolgen. Schülerinnen und Schüler haben Anspruch auf bestätigende, ermutigende, motivierende und vor allem ehrliche Rückmeldungen!", so Peter Silbernagel.
Redaktion 04.02.2012
München, 03.02.2012 Zu der neuerlich von den Gesamtschulideologen entfachten Diskussion äußert sich die turnusgemäß seit Jahresbeginn amtierende neue abl-Präsidentin Ursula Lay: "Die Diskussionen über das Übertrittsverfahren nach der vierten Jahrgangsstufe in Bayern nehmen kein Ende. Die Gesamtschulbefürworter sehen in der Freigabe des Elternwillens ein gutes Instrument, das differenzierte Schulwesen auszuhebeln zumal ideologisch gefärbte Standpunkte und gesellschaftspolitische Vorstellungen die Beurteilung entscheidend mit beeinflussen."

Der Übergang von einer Schulart in die andere habe, so die Präsidentin, hohe Bedeutung für die Entwicklung des Kindes und müsse sorgfältig vorbereitet werden. Darin seien sich Bildungsexperten, Lehrer- und Elternverbände und Politiker einig. Sowohl Eltern (natürliches Recht auf Erziehung) als auch Schule tragen die Verantwortung auf Grund der unterschiedlichen Begabungen der Kinder, den richtigen Bildungsweg zu sichern.

"Die abl distanziert sich ganz deutlich davon, allein die Eltern darüber entscheiden zu lassen, welche weiterführende Schule ihr Kind besuchen soll", so die Präsidentin Ursula Lay.

"Wer dies fordert und behauptet, Bildungschancen würden verhindert, stellt die fachliche Kompetenz, die Beratungskompetenz und Autorität der Grundschullehrkräfte in Frage und verschließt die Augen vor den Ergebnissen der empirischen Forschung. Diese und schulpraktische Erfahrungen belegen, dass die Übertrittsempfehlungen der Lehrkräfte insgesamt weit objektiver sind als die elterlichen Bildungsaspirationen", so Ursula Lay weiter. Lehrkräfte ziehen Leistungen und Noten als Grundlage für die Erteilung einer Empfehlung heran. Spätestens in der 3. Jahrgangsstufe beginnt eine intensive Beratung der Eltern. Das Übertrittszeugnis enthält neben den Noten auch genaue Aussagen zum Lern-, Arbeits-, und Sozialverhalten des Kindes. Beschrieben werden Leistungsbereitschaft, Verantwortungsbereitschaft, Selbstständigkeit, Zuverlässigkeit und Sorgfalt, Konfliktverhalten und Kooperationsfähigkeit.

Die Neugestaltung des Übertrittsverfahrens in den letzten Jahren sieht ein weitaus größeres Mitspracherecht der Eltern vor, was endlich offen diskutiert werden muss. Die zahlreichen Rückkehrer aus Realschule und Gymnasium an die Mittelschulen belegen, dass nicht alle Eltern eben immer objektiv die richtige Schulart für ihr Kind wählen. "Wenn Eltern allein frei entscheiden können, nimmt vielleicht der Druck in der Grundschule ab", sagt Ursula Lay, "man muss sich allerdings ernsthaft fragen, wer denn diesen Druck tatsächlich aufbaut. Es sind doch jene, die den Eltern fatalerweise einreden wollen, dass das Kind keine Zukunft mehr hat, wenn es den Übertritt zumindest an die Realschule nicht schafft. Das ist unverantwortliche Panikmache. Wir wollen nicht noch mehr Rückkehrer an die Mittelschule", so die abl-Präsidentin, "diese Jugendlichen sind oft demotiviert, leistungsunwillig und haben die Bereitschaft zum Lernen auf Grund des Scheiterns verloren. Effektives Lernen setzt Neugierde des Lernenden voraus. Motivation, Chance auf Erfolg und ein gesundes Maß an Herausforderung stellen die Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Lernen dar.

Die richtige Schulwahl soll Wiederholen, Schulabbrechen und Schulversagen vermeiden. Diese Entscheidung dürfen wir nicht alleine den Eltern überlassen. Die Lehrkräfte in der Grundschule verfügen über eine hohe Diagnosefähigkeit und Beratungskompetenz. Die intensive Beratung der Eltern bei der Schullaufbahn stellt sicher, dass jedem Kind der Bildungsweg offen steht, der seiner Begabung und Bildungsfähigkeit entspricht," schließt Ursula Lay, die als Grund- und Hauptschullehrerin über einen großen Erfahrungsschatz verfügt.
ARBEITSGEMEINSCHAFT BAYERISCHER LEHRERVERBÄNDE

Für den Inhalt verantwortlich:
Ansprechpartner: Ursula Lay, abl-Präsidentin, Landesvorsitzende der KEG, Tel. 0151 46127384
Der Arbeitsgemeinschaft bayerischer Lehrerverbände (abl) gehören der Bayerische Philologenverband (bpv), der Bayerische Realschullehrerverband (BRLV), die Katholische Erziehergemeinschaft in Bayern (KEG) und der Verband der Lehrer an beruflichen Schulen in Bayern (VLB) an. Die in der abl zusammengeschlossenen Verbände vertreten die Interessen von rund 60 000 Lehrkräften.
Redaktion 04.02.2012
Düsseldorf, 03.02.2012 Der Schulausschuss im nordrhein-westfälischen Landtag hat heute eine Änderung der Ausbildungsordnung für die Grundschule auf den Weg gebracht. Künftig soll die Schulkonferenz als oberstes Mitwirkungsgremium wieder darüber entscheiden können, ob das Versetzungszeugnis am Ende der zweiten Klasse und die Zeugnisse in der dritten Klasse zusätzlich zur Leistungsbeschreibung in Berichtsform auch Noten enthalten sollen.

Voraussetzung für einen entsprechenden Beschluss der Schulkonferenz ist ein von der Schule erarbeitetes alternatives Konzept zur Leistungsrückmeldung ohne Noten, das mit den Eltern abgestimmt ist. Schulministerin Sylvia Löhrmann: "Damit erhalten Schulen – wenn sie es wollen - wieder die Möglichkeit, über Jahre erprobte und bewährte pädagogische Konzepte zur Leistungsbewertung ohne Noten einzusetzen. Wir verankern die Entscheidungskompetenz nun vor Ort, das folgt dem Leitgedanken einer selbstständigen Schule." Die Änderung der Ausbildungsordnung trägt den Erkenntnissen aus dem von der Vorgängerregierung durchgeführten Schulversuch "Leistungsbewertung ohne Ziffernzeugnisse" (LUZI) an Grundschulen in Nordrhein-Westfalen Rechnung und ermöglicht die landesweite Übertragung in die Praxis. LUZI hatte vier Grundschulen (Wartburg-Schule in Münster als Trägerin des Deutschen Schulpreises, Paul-Schneider Schule in Münster, Rosenmaarschule in Köln, Arnold-von-Wied Schule in Bonn) ermöglicht, auf Noten in Zeugnissen bis einschließlich Klasse 3 zu verzichten und stattdessen fundierte und differenzierte pädagogische Leistungsbewertungen zu geben.
Redaktion 04.05.2010
Frankfurt am Main, 04.05.2010 "Grundschrift: damit Kinder besser schreiben lernen" – unter diesem Motto steht eine Initiative des Grundschulverbandes, die Anfang Mai startet.

Ausgangspunkt ist die Überzeugung: Auch im Computerzeitalter brauchen Kinder und Jugendliche eine gut lesbare, leicht und flüssig schreibbare Schrift – in allen Schulstufen und natürliche auch in Berufsausbildung und Hochschule. Schülern, Auszubildenden und Studierenden wird der Wert einer klaren und lesbaren Schrift beständig vor Augen geführt.

Derzeit lernen Kinder in allen Bundesländern zwei Ausgangsschriften:
eine handgeschrieben Druckschrift und im Anschluss entweder die Lateinische (LA), Vereinfachte (VA) oder Schul-Ausgangsschrift (SAS).

Wie kam es zu diesem Schriften-Wirrwarr?
Bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein galten Lesen- und Schreibenlernen als zwei verschiedene Wege in die Schrift: Lesen wurde in Druckschrift erlernt, das Schreiben mit einer verbundenen Schrift (oft auch als "Schreibschrift" bezeichnet).

Für das Schreibenlernen galt seit 1951 die Lateinische Ausgangsschrift.

Sie war nicht unter schreibmotorischen, sondern unter ästhetischen Gesichtspunkten entwickelt worden: mit geflammten Aufstrichen, vielen Drehrichtungswechseln und komplizierten Buchstabenverbindungen.

Ende der sechziger Jahre wurde in den Ländern der BRD die Grundschule als eigenständige Schulform gegründet. Dabei gab es erheblich umfangreichere Lehrpläne. "Schönschreib-Stunden" waren nicht mehr vorgesehen. Grund dafür, Schriften zu entwickeln, die einfacher zu erlernen sein sollten: Die Vereinfachte Ausgangsschrift für die damalige BRD, die Schulausgangsschrift für die damalige DDR.

In den letzten 30 Jahren dann hat sich eine weitere Ausgangsschrift durchgesetzt: Die "Druckschrift" – mit der Hand geschriebene Druckbuchstaben. Die sinnvolle Einsicht: Kinder sollten mit einer Schrift Lesen und Schreiben lernen.

So konkurrieren inzwischen unterschiedliche Ausgangsschriften, nach dem Erlernen der Druckbuchstaben wird der Schreibprozess der Kinder durch eine weitere "Ausgangsschrift" (die ja gar nicht mehr am Anfang steht), willkürlich gestoppt.

Dr. Horst Bartnitzky, der Vorsitzende des Grundschulverbandes, begründet die Initiative seines Verbandes so: "Eine weitere Schriftform als zweite Ausgangsschrift ist wegen des Bruchs in der Schreibentwicklung schädlich. Die in Deutschland bisher verwendeten Ausgangsschriften: Lateinische, Vereinfachte und Schul-Ausgangsschrift sind historisch überholt.

Der Grundschulverband sagt: Eine Schrift zum Lesen- und Schreibenlernen ist genug!

Aus ihrer ersten Schrift können Kinder eine flüssige und lesbare Handschrift entwickeln – die Schrift, die sie in Schule, Ausbildung und Beruf brauchen."

Mit der "Grundschrift" präsentiert der Grundschulverband eine Schrift, die alle Anforderungen an eine Schreibschrift erfüllt: – Sie ist besonders formklar und deshalb gut lesbar. – Sie ist funktional für alle Verwendungen der Textproduktion. – Sie ist mit zunehmender Schreibübung geläufig schreibbar. – Sie kann bei weiterem Gebrauch zur individuellen Handschrift weiterentwickelt werden.

Weitere Informationen:
Das druckfrische Heft 110 der Zeitschrift des Grundschulverbandes, "Grundschule aktuell", enthält das "Grundschrift-Abc" sowie Hintergründe, Materialien, Erkenntnisse der pädagogischen Forschung und Erfahrungen aus der Schulpraxis.

Auf der Homepage des Grundschulverbandes, www.grundschulverband.de, finden Sie unter der Rubrik "Grundschrift" ebenfalls umfangreiche Informationen.

Das Forum zur Grundschrift wird laufend aktualisiert.

Als Ansprechpartner stehen Ihnen zur Verfügung:
Dr. Horst Bartnitzky, Vorsitzender des Grundschulverbandes (V.i.S.d.P.)
Tel. 0203 / 70 85 01
E-Mail: horst.bartnitzky@gmx.de

Ulrich Hecker, Grundschulrektor in NRW, Redakteur "Grundschule aktuell"
Tel. 02841 / 42900 (d.) und 02841 / 21714 (p.)
E-Mail: ulrich.hecker@googlemail.com

Redaktion 19.03.2010
Mainz, 19.03.2010 Das Netz von "Entdeckertag"-Grundschulen landesweit wird zum Beginn des Schuljahres 2010/2011 um drei weitere Standorte erweitert.

Bildungsministerin Doris Ahnen kündigte jetzt in Mainz an: "Mit der Grundschule Oberwinter, der Goetheschule Nord in Ludwigshafen und der Grundschule Hofgartenstraße in Bad Kreuznach, die für hochbegabte Kinder im Grundschul- und auch im Kindergartenalter an einem Tag in der Woche spezielle Angebote machen, wird zum kommenden Schuljahr das Netz der Entdeckertag-Schulen auf dann 13 Standorte im Land erweitert. Die dort bearbeiteten Projekte, Themen und Aufgabenstellungen, die über das Spektrum des eigentlichen Grundschulunterrichts hinausreichen und hauptsächlich in selbstgesteuerten, forschenden Lernprozessen von den Kindern bearbeitet werden, strahlen zudem auch auf andere Grundschulen aus. Elemente aus dem ,Entdeckertag´ werden von immer mehr Grundschulen übernommen."

Die Themen der "Entdeckertage" würden dabei ganz wesentlich von den Kindern selbst bestimmt, unterstrich Doris Ahnen. So gab es an den verschiedenen "Entdeckertag"-Grundschulen bereits Angebote aus den Bereichen Astronomie, Entwicklungshilfe, Physik, Biologie oder auch Fremdsprachen bis hin zu einem Angebot in Chinesisch. Das Konzept des "Entdeckertags" sei es, Angebote für die spezielle Gruppe hochbegabter Kinder mit dem integrativen Ansatz des Lernens in der vertrauten Altersgruppe und Klassengemeinschaft zu verbinden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den "Entdeckertagen", die nach Bewerbungen oder Empfehlungen durch Kindergärten und Grundschulen zuvor in Auswahlverfahren ausgesucht werden, nähmen Aufgaben zur weiteren Bearbeitung auch in ihre eigentlichen "Stammschulen" oder in ihre Kindergärten mit. So profitierten die Kinder dort indirekt ebenfalls von dem Zusatzangebot. Die Bildungs- und Jugendministerin betonte, die Förderung hochbegabter Kinder wirke zudem als weiteres Bindeglied in der Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätten und Grundschulen.

Die Entdeckertag-Schulen in Rheinland-Pfalz:
Seit dem Schuljahr 2004/2005:
Grundschule Zweibrücken-Mittelbach (Pilotschule)

Seit dem Schuljahr 2007/2008:
Grundschule Forster Kirchspiel in Brohl und Grundschule St. Sebastianus in Ellenz-Poltersdorf (beide Kreis Cochem-Zell), Grundschule Niederbrombach (Kreis Birkenfeld), Dr. Albert-Finck-Grundschule in Neustadt an der Weinstraße

Seit dem Schuljahr 2008/2009:
Ludwig-Schwamb-Grundschule in Mainz

Seit dem Schuljahr 2009/2010:
Grundschule am Königspfad in Göllheim (Donnersbergkreis), Pestalozzi-Grundschule in Kaiserslautern, Grundschule Trier-Ruwer, Pestalozzischule in Ingelheim (Kreis Mainz-Bingen)

Zum Schuljahr 2010/2011:
Grundschule Hofgartenstraße, Bad Kreuznach, Grundschule Oberwinter, Remagen, Grundschule Goetheschule Nord, Ludwigshafen
Redaktion 22.02.2010
An 20 Modellschulen eignen sich Grundschüler in ihrem Lerntempo Grundfertigkeiten des Lesens, Schreibens und Rechnens an - Kultusstaatssekretär Marcel Huber und vbw/VBM-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt stellen Modellversuch vor und informieren über 10 Jahre erfolgreiche Arbeit in der Stiftung Bildungspakt Bayern - Strategische Kooperation für bestmögliche Bildung an Bayerns Schulen
München, 22.02.2010 Heute haben in München Bayerns Kultusstaatssekretär Dr. Marcel Huber und Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und Vorstandsmitglied der Stiftung Bildungspakt Bayern, die 20 Modellschulen zur Flexiblen Grundschule und die Schwerpunkte der Arbeit der Stiftung Bildungspakt Bayern im Münchner Presseclub vorgestellt. In jedem Regierungsbezirk ist mindestens eine Schule am Modellversuch beteiligt - von Hof über München bis Mindelheim, von Hösbach über Nürnberg bis Straubing (Liste anhängend).

"Wir wollen die Grundschule im Freistaat künftig noch stärker als bisher auf das einzelne Kind hin abstimmen", so Kultusstaatssekretär Huber. "Das erste schulische Angebot wollen wir optimal an die individuelle Entwicklung der Schülerin und des Schülers anpassen". Fazit für die Stiftung Bildungspakt ist entsprechend: "Die Schule muss sich auf das Kind einstellen, nicht das Kind den Anforderungen der Schule genügen", betonte Huber.

"Deshalb wollen wir, dass die Kinder sich in ihrem individuellen Lerntempo die Grundfertigkeiten des Lesens, Schreibens und Rechnens zuverlässig aneignen, damit sie ihre Schullaufbahn auf einem soliden Fundament erfolgreich aufbauen können", konkretisiert der Staatssekretär die Zielrichtung. In der Praxis bedeutet dies, dass die ersten beiden Jahrgangsstufen in einer flexiblen Eingangsstufe organisiert werden. Diese kann ein, zwei oder drei Jahre umfassen. Die Grundschulzeit wird damit an den 20 Modellschulen zwischen drei und fünf Jahren dauern.

"Das Projekt "Flexible Grundschule" ist ein innovativer Ansatz, um in den ersten Schuljahren den unterschiedlichen Begabungen und Lernvoraussetzungen stärker gerecht zu werden und jedes einzelne Kind optimal zu fördern: flexibel, individuell, differenziert und deshalb kindgerecht", begründet Bertram Brossardt, der dem Vorstand der Stiftung angehört, die Förderung des Projekts.

In der Stiftung beteiligen sich 138 namhafte Wirtschaftsunternehmen und das Bayerische Kultusministerium. Diese Form der Private-Public-Partnership ist innerhalb Deutschlands einzigartig. Ca. 12,5 Millionen Euro hat diese erfolgreiche strategische Kooperation von Unternehmen und Staat seit ihrer Gründung in pädagogische Projekte investiert. "Das Kernanliegen, moderne Unterrichtsmethoden und neue Formen des Lernens an Bayerns Schulen zu fördern und zu etablieren, führte uns in der Stiftung Bildungspakt Bayern zusammen", fasste Dr. Huber die Gründungsmotivation im Jahr 2000 zusammen. "Die bayerischen Arbeitgeberverbände vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. und VBM - Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e.V. übernehmen mit ihrem Engagement in der Stiftung Bildungspakt Bayern Verantwortung für eine zukunftsgerichtete Weiterentwicklung von Schulen. Die Stiftung ist ein "Think Tank" für die bayerische Schulpolitik und bietet eine leistungsfähige Plattform, um neue Bildungsansätze zu diskutieren und in der Praxis umzusetzen", ergänzte Bertram Brossardt.

Ganzheitliche und zukunftsorientierte Bildungsprozesse bilden die Basis für die Unterstützung von Projekten. Von den Projekten der Stiftung, darunter ein Dutzend Großprojekte, gingen in den vergangenen zehn Jahren wichtige Impulse für die Schulentwicklung in Bayern aus.

Mit dem Wissen, dass die frühe Förderung von Kindern das entscheidende Fundament legt, entwickelte die Stiftung Modelle für einen fließenden Übergang vom lernenden Spielen zum spielerischen Lernen. Ein weiteres Anliegen ist die nachhaltige Kompetenz- und Persönlichkeitsentwicklung durch eine individuelle Förderung, die besonders auf den Stärken der Schülerinnen und Schüler aufbaut. Auf schulorganisatorischer Ebene will die Stiftung insbesondere die Freiheit und Eigenverantwortung der Schulen stärken, die Entwicklung kreativer, schulspezifischer Lösungen fördern und moderne Führungsstrukturen etablieren.

Weitere Informationen zur Stiftung und ihren Projekten über www.bildungspakt-bayern.de.

Am Modellprojekt "Flexible Grundschule" nehmen diese Grundschulen teil:

Anger-Volksschule Hof, Oberfranken
(Grundschule)
Leimitzer Querfeldweg 6
95028 Hof

Volksschule Küps, Oberfranken
(Grund- und Hauptschule)
Am Hirtengraben 7
96328 Küps

Volksschule Hösbach-Winzenhohl, Unterfranken
(Grundschule)
Ellerstr. 2
63768 Hösbach Winzenhohl

Volksschule Wartmannsroth, Unterfranken
(Grundschule)
Gerstenberg 8
97797 Wartmannsroth Dittlofsroda

Volksschule Fürth, Hans-Sachs-Straße, Mittelfranken
(Grundschule)
Hans-Sachs-Str. 30
90765 Fürth

Volksschule Nürnberg St. Leonhard, Mittelfranken
(Grundschule)
Schweinauer Str. 20
90439 Nürnberg

Volksschule Nürnberg, Mittelfranken
Erich-Kästner-Schule
(Grundschule)
Eichstätter Str. 11
90453 Nürnberg

Volksschule München an der Thelottstraße, Oberbayern
(Grundschule)
Thelottstr. 20
80933 München

Justus-von-Liebig-Volksschule Heufeld, Oberbayern
(Grund- und Hauptschule)
Hans-Scheibmaier-Str. 2-10
83052 Bruckmühl Heufeld

Volksschule Esting, Oberbayern
(Grundschule)
Schloßstr. 17
82140 Olching Esting

Volksschule Taufkirchen am Wald , Oberbayern
(Grundschule)
Pappelstr. 8
82024 Taufkirchen

Volksschule Polling, Oberbayern
(Grundschule)
Schillerstr. 4
84570 Polling

Volksschule München, Oberbayern
an der Burmesterstraße
(Grundschule)
Burmesterstr. 23
80939 München

St.-Peter-und-Paul-Volksschule Landshut, Niederbayern
(Grundschule)
Niedermayerstr. 14
84028 Landshut

Volksschule Rotthalmünster,Niederbayern
(Grundschule)
Franz-Gerauer-Straße 21
94094 Rotthalmünster

Ulrich-Schmidl-Volksschule Straubing, Niederbayern
(Grundschule)
Breslauer Straße 25
94315 Straubing

Jobst-vom-Brandt-Schule Waldershof, Oberpfalz
(Grund- und Hauptschule)
Ludwig-Hoffmann-Straße 2
95679 Waldershof

Volksschule Augsburg-Hochzoll-Süd, Schwaben
(Grundschule)
Höfatsstr. 27
86163 Augsburg

Volksschule Günzburg - Südost, Schwaben
(Grundschule)
Rebaystr. 13
89312 Günzburg

Volksschule Mindelheim, Schwaben
(Grundschule)
Schulstraße 4
87719 Mindelheim

Die Modellschulen sollen einen Querschnitt durch die Grundschullandschaft in Bayern darstellen.

Deshalb sind dabei

-sowohl kleine als auch große Schulen
-Schulen mit und ohne Erfahrung in der Jahrgangskombination
-Schulen mit hohem und geringem Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund.
Der Schulversuch wird an einigen Standorten in Ganztagesklassen und in Kooperationsklassen durchgeführt.
Redaktion 08.02.2010
Meidinger: Brandenburg ist in Sachen Bildungsgerechtigkeit das "schwarze Schaf" in Deutschland
Berlin, 08.02.2010 Gegen die immer wieder von Bildungspolitikern und auch in einigen Medien wiederholte Behauptung, die PISA-Daten unterstützten eine Verlängerung der Grundschuldauer, hat sich der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes (DPhV), Heinz-Peter Meidinger, in Berlin anhand aktueller PISA-Vergleichsuntersuchungen gewandt.

Dabei erinnerte er daran, dass gerade diese These bei den Verhandlungen um die verpflichtende Einführung der Primarstufe von den Reformbefürwortern immer wieder bemüht werde. Der Verbandschef verwies darauf, dass bei der Veröffentlichung der Ergebnisse von PISA 2006 erstmals auch ein Vergleich zwischen den Bundesländern vorgelegt worden sei, der die Veränderungen hinsichtlich sozialer Disparitäten bei Kompetenzerwerb und Bildungs-beteiligung im Zeitraum zwischen PISA 2000 und PISA 2006 dokumentiere. Dies seien die wichtigsten Kenngrößen für den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg, also für Bildungsgerechtigkeit in Deutschland.

"Ein Blick auf das einzige Bundesland, das in diesem Zeitraum eine verpflichtende sechsjährige Grundschule eingeführt hatte, Brandenburg, fördert Erstaunliches zutage. Nicht nur, dass sich in Brandenburg der Zusammenhang zwischen sozialer Schicht und Bildungserfolg (Steigung des sozialen Gradienten) im Berichtszeitraum 'signifikant' erhöht hat, auch in der Lesekompetenz konnte eine 'tendenzielle Zunahme der sozialen Unterschiede' festgestellt werden. Das Autorenteam um Prof. Baumert stellt in dieser Vergleichsuntersuchung außerdem fest, dass sich deutschlandweit lediglich in Brandenburg der 'Gymnasialanteil für Schülerinnen und Schüler der oberen Dienstklasse statistisch bedeutsam erhöht' habe. In keinem Bundesland mit vierjähriger Grundschule liegt außerdem die Gymnasialbeteiligung von Oberschichtkindern so hoch wie in Brandenburg, nämlich bei 63 Prozent", betonte Meidinger.

Der DPhV-Vorsitzende bemühte auch die in dieser Vergleichsuntersuchung dargestellten Daten für die Chance eines Arbeiterkindes im Vergleich zu Kindern aus der oberen Dienstklasse, das Gymnasium zu besuchen.
Diese Chancen hätten sich von 2000 bis 2006 bei gleicher Lesekompetenzstufe in Brandenburg von 1 : 1,9 auf 1 : 4,3 verschlechtert. Damit gehöre Brandenburg nicht nur zu den drei Ländern mit den schlechtesten Aussichten für Arbeiterkinder, ein Gymnasium zu besuchen, sondern stelle auch den absoluten Negativrekord auf, was die Verschlechterung der sozialen Chancengerechtigkeit im Vergleichszeitraum betrifft (minus 2,4), während sich beispielsweise Bayern um den Faktor 3,8 verbessern konnte.

Meidinger zog folgendes Resümee: "Auch wenn es sicher unzulässig ist, die Zunahme der Bildungsungerechtigkeit in Brandenburg allein auf die längere Grundschulzeit zu schieben, welche viele bildungsinteressierte Eltern offensichtlich dazu antreibt, sich noch intensiver um den Bildungserfolg ihrer Kinder zu kümmern, kann man doch feststellen, dass eine längere Grundschulzeit in Deutschland keinerlei positiven Effekte hinsichtlich mehr sozialer Chancengerechtigkeit bzw. größerer Leistungsstärke hat. Im Gegenteil: Die soziale Schere geht weiter auf! Brandenburg mit seiner längeren Grundschulzeit ist das schwarze Schaf in Sachen Bildungsgerechtigkeit in Deutschland."

Der DPhV-Bundesvorsitzende plädierte deshalb nachdrücklich dafür, von einer verpflichtenden zwangsweisen Einführung der Primarschule in Hamburg in jedem Fall abzusehen, sondern stattdessen nach einem angemessenen Zeitraum die Ergebnisse der freiwilligen Starterschulen intensiv zu evaluieren. "Verfehlte Schnellschuss-Experimente der Bildungspolitik auf Kosten der Kinder als wehrlose Versuchskaninchen haben wir in Deutschland schon genug gehabt!", sagte Meidinger.

Redaktion 02.02.2010
Grundschullehrer/innen sollen acht Semester studieren
Stuttgart, 02.02.2010 Der Landeselternbeirat, die Bildungsgewerkschaft GEW und der Grundschulverband setzen sich für eine Aufwertung der Grundschullehrer/innen-Ausbildung ein. Die angehenden Lehrer/innen für die jüngsten Schüler/innen in Baden-Württemberg sollen wie die Pädagog/innen an Haupt- und Realschulen acht Semester an den Pädagogischen Hochschulen studieren.

Die Landesregierung Baden-Württemberg bereitet für das Wintersemester 2010/11 an den Pädagogischen Hochschulen die Veränderung der Ausbildung von Grund- und Hauptschullehrer/innen vor. Während für das neue Lehramt für Hauptschulen eine Regelstudienzeit von acht Semestern wie bei den Realschulen geplant ist, droht für die angehenden Lehrer/innen an den Grundschulen eine kürzere Ausbildung. In anderen Bundesländern studieren Grundschullehrer/innen zwischen acht und zehn Semester.

"Kinder in Grundschulklassen liegen in ihrer Entwicklung oft um bis zu vier Jahre auseinander. Die Vielfalt der Kinder in der Grundschule erfordert einen differenzierten Unterricht. Dafür brauchen wir bestens ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer", sagte am Dienstag (02.02.) in Stuttgart Prof. Erika Brinkmann, stv. Vorsitzende des Grundschulverbands Baden-Württemberg. Der Grundschulverband will durch die längere Studiendauer auch erreichen, dass mehr junge Männer diesen Beruf wählen.

"Für Grundschullehrkräfte ist es wichtig, auf viele Fragen der Kinder Antworten zu haben und ein hohes Maß an Weltwissen zu besitzen. Daher brauchen die Studierenden neben ihrem Pflichtenkatalog Zeit, um sich als Persönlichkeit weiterzubilden. Ein guter Lehrer ist nicht unbedingt derjenige, der in der Mindeststudienzeit seine Scheine abgearbeitet hat, sondern ein ganzheitlich gebildeter und geprägter Mensch", sagte die Landeselternbeiratsvorsitzende Christiane Staab.

Die Bildungsgewerkschaft GEW begrüßt eine Neuordnung des Lehrerstudiums und die Orientierung am Alter der Schüler/innen. "Wir brauchen keine Ausbildung für einzelne Schularten, und auch eine stärkere Verzahnung der Ausbildung für Kindertageseinrichtungen und Grundschulen ist sinnvoll. Aber es darf nicht der Grundsatz gelten, je jünger die Kinder, desto kürzer ist die Ausbildung und Bezahlung der Pädagoginnen und Pädagogen. Am Anfang werden die entscheidenden Grundlagen für die Entwicklung der Kinder gelegt, deshalb brauchen wir die beste Ausbildung, um auch die besten Abiturienten für diesen Beruf gewinnen zu können", sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

30.000 Lehramtsstudierende in Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg gibt es sechs Pädagogische Hochschulen, neun Universitäten, fünf Musik- und zwei Kunsthochschulen. Im Wintersemester 2008/09 waren dort fast 30.000 Studierende in Lehramtsstudiengängen eingeschrieben. 16.244 studieren an Pädagogischen Hochschulen für die Lehrämter an Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen. Von den angehenden 9.987 Grund- und Hauptschullehrer/innen sind 8.264 Frauen.

OECD zur Lehrerausbildung
"Die starke Fragmentierung nach Schularten und Fächern ist einer der Hauptschwachpunkte des gesetzlichen Rahmens für die Ausbildung und die Beschäftigung von Lehrkräften in Deutschland. Wir sehen zahlreiche Beispiele für isolierte Operationen in Bereichen, wo Integration nicht nur zu einem effizienteren Ressourceneinsatz führen, sondern vermutlich auch für einen besseren fachlichen Inhalt sorgen könnte."

10 Semester Lehrerstudium
Experten empfehlen bei der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen in der Lehrerbildung eine einheitliche Studiendauer von zehn Semestern (300 ECTS-Punkte) vorzusehen.
Redaktion 12.11.2009
Verlängerung der Grundschulzeit pädagogisch unverantwortlich: Große Nachteile für leistungsstarke wie leistungsschwache Schüler
München, 12.11.2009 "Die Verlängerung der Grundschulzeit ist pädagogischer Unsinn und widerspricht den Erkenntnissen der Wissenschaft sowie den Erfahrungen von Lehrkräften, die täglich mit den Kindern in der Grundschule arbeiten." Mit diesen Worten kommentiert Anton Huber, Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbandes (brlv), nach einer Vorstandssitzung die laufenden Bestrebungen, auch in Bayern die Grundschulzeit zunächst bis in die 5. oder gar 6. Klasse hinein zu verlängern.

Damit würden nach Huber Talente vergeudet, die leistungsstarken Schüler würden unterfordert, die leistungsschwachen Schüler überfordert - und das noch länger als bisher bereits. Denn viele Grundschullehrkräfte beklagen bei der Einschulung einen sich von Jahr zu Jahr vergrößernden Unterschied in der vorgelagerten Förderung. Huber weiter: "Wenn die Heterogenität steigt, kann die Antwort darauf doch nicht ernsthaft eine noch längere gemeinsame Schulzeit sein, die leistungsstarke Schüler bremst und laut wissenschaftlicher Befunde in wenigen Jahren zu nicht mehr aufholbaren Defiziten von ein bis zwei Schuljahren führt."

Die Bewertung aller Initiativen für eine längere gemeinsame Schulzeit, für eine Freigabe des Elternwillens und für eine gleiche Lehrerausbildung durch den brlv-Vorstand ist klar: Man möchte über die Hintertüre häppchenweise die Gesamtschule einführen - nun indem man die Grundschule mit weiteren Jahrgangsstufen ausbaut und für die Gesamtschulideologie missbraucht. Der Übertritt nach Leistungskriterien wird dann lediglich auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, bis man schließlich die so genannte "Selektion" beim Übergang ins Berufsleben hat, wie beispielsweise in Frankreich. Die Bildungsqualität ist dann dahin, die Jugendarbeitslosigkeit bei 25 %. Wer das will, handelt unverantwortlich.

Ärgerlich sei in diesem Zusammenhang auch, dass mit pädagogischen Anliegen fortwährend standespolitische Forderungen verknüpft werden. Darin sei die wahre Motivation der Gesamtschulbefürworter erkennbar, schließt Huber.

Bayerischer Realschullehrerverband
Vorsitzender: Anton Huber
Handy 0171/8 29 01 93
brlv-Presse:
Stefanie Kretzschmar
Handy 0177 / 8 23 83 37
Karin Springl
Handy 0160 / 7 17 85 66
Dachauer Str. 44 b
80335 München
Tel. 089/55 38 76
Fax 089/55 38 19
www.brlv.de
info@brlv.de

Redaktion 10.11.2009
BLLV sammelte von Februar bis Juli über 100.000 Unterschriften / Präsident Klaus Wenzel: "Politik muss das Engagement Tausender ernst nehmen"
München, 10.11.2009 Am Donnerstag wird sich der Bayerische Landtag mit der größten bildungspolitischen Petition seit Veröffentlichung der ersten Pisa-Studie 2001 befassen. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hatte von Februar bis Juli dieses Jahres im Rahmen seiner Grundschulaktion "Grundschule ganz STARK - Unsere Kleinen ganz GROSS" weit über 100.000 Unterschriften für Verbesserungen im Grundschulbereich gesammelt. Die Unterzeichner fordern mehr Förderung, kleinere Klassen und Gruppen, gleiche Besoldung für alle Lehrer, eine bessere Lehrerbildung, die freie Schulwahlentscheidung - vor allem aber eine längere gemeinsame Schulzeit.

Die Grundschulkampagne wurde von zahleichen landesweit stattfindenden Veranstaltungen und Aktionen begleitet, an denen tausende Eltern, Großeltern, Lehrer und Schulleiter teilgenommen hatten. "Wir erwarten mit Spannung, wie der Landtag mit dieser Petition verfahren wird", betonte BLLV-Präsident Klaus Wenzel im Vorfeld der Landtagssitzung. Der BLLV erwartet zahlreiche Unterstützer/innen, die der Sitzung beiwohnen werden. Auch Wenzel wird mit Verbandskollegin und Leiterin der Grundschulaktion, Simone Fleischmann, vor Ort sein, beide werden für eine Stellungnahme zur Verfügung stehen. Die Petition soll um 9.15 Uhr aufgerufen werden, die Sitzung findet im Konferenzsaal statt.

"Die hohe Beteiligung in relativ kurzer Zeit ist ein beeindruckender Beleg dafür, dass Bürgerinnen und Bürger Schulpolitik gestalten wollen", sagte Wenzel. "Wenn sich Tausende über viele Wochen hinweg engagieren und sich auch aktiv für Verbesserungen einsetzen, darf die Politik nicht einfach zur Tagesordnung übergehen." Die Politik sollte die Botschaft nicht nur hören, sondern als Ermutigung für grundlegende Reformen im Bildungsbereich verstehen. "Viele Menschen haben kein Verständnis mehr für die bildungspolitische Blockadehaltung, die auf dem Rücken ihrer Kinder ausgetragen wird. Sie haben es satt, Kinder in der Grundschule leiden zu sehen."

Wenzel und Fleischmann stellten fest, dass sich viele Menschen in Bayern mit den zentralen Forderungen des BLLV nach mehr Förderung, kleineren Klassen und einer freien Schulwahlentscheidung solidarisiert haben. Auch die angemahnten Verbesserungen in der Lehrerausbildung halten viele für bitter nötig, genauso wie die Gleichbehandlung aller Lehrkräfte. "Besonders freut uns aber, dass unser Ziel, in Bayern eine längere gemeinsame Schulzeit für alle Kinder durchzusetzen, von vielen mit getragen wird", erklärten beide. "Wir fühlen uns gerade auch in dieser zentralen Forderung von vielen unterstützt. Viele Eltern und viele Lehrer/innen wünschen sich ein Ende des Übertrittsdrucks, weil sie wissen, dass dabei emotionale Fähigkeiten ins Hintertreffen geraten, der Leistungsdruck steigt, die Motivation sinkt und die Nachhilfe boomt." In der Petition heißt es dazu: "Die Auslese von neun- und zehnjährigen Kindern ist unverantwortlich. Sie demotiviert und lässt jährlich Zehntausende Kinder als Verlierer zurück." Das belaste das Familienklima und die Lernmotivation von Kindern.

Solange die Grundschule nur vier Jahre dauert, verlangen die Unterzeichner/innen der Petition eine grundlegende Vereinfachung des Übertrittsverfahrens. Danach sollen nach einem Beratungsgespräch mit dem Grundschullehrer bzw. der Grundschullehrerin die Eltern in eigener Verantwortung über die Schullaufbahn ihres Kindes entscheiden dürfen. Die Grundschulreform bezeichnete Wenzel als "hilflosen und zum Scheitern verurteilten Versuch, an einem kranken System herumzudoktern."

Mit der BLLV- Grundschulkampagne war und ist es gelungen, die Grundschule über Wochen und Monate hinweg in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu stellen. "Sie hat es verdient, denn keine Schulart wirkt sich so fundamental auf Bildungsbiografien aus", sagten Wenzel und Fleischmann.

Weitere Informationen zur Grundschulaktion sowie die Petition im Wortlaut unter grundschule.bllv.de



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