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Redaktion 05.03.2010
München, 05.03.2010 Die Europäische Union drängt ihre Mitgliedsstaaten zu einer Entscheidung über den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR), der Bildungsabschlüsse europaweit vergleichbar machen soll. Unter Vorsitz des bayerischen Kultusministers Dr. Ludwig Spaenle befasst sich derzeit die Kultusministerkonferenz damit. In diesem Zusammenhang wurde und wird auch darüber nachgedacht, wie mit den Abschlüssen der Förderschulen verfahren werden soll.

Eltern-, Lehrer- und Behindertenverbände lehnen eine eigenen EQR-Stufe unterhalb des Hauptschulabschlusses ab. Schon dieser werde von Betrieben und Arbeitgebern kaum akzeptiert. Derzeit haben Kinder mit erhöhtem Förderbedarf immerhin die Möglichkeit, noch in der Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung einen Hauptschulabschluss zu erwerben.

Heike Hein, die Vorsitzende des Bayerischen Elternverbands, hofft, dass die Kultusministerkonferenz nicht der Versuchung erliegt, mithilfe eines zweifelhaften Levels minderwertige Schulabschlüsse zu sanktionieren und in Folge dessen die Bemühungen um wirklichen Kompetenzzuwachs der Schüler hintan zu stellen. Oberstes Gebot müsse sein, jedem Kind zu einem wirklich anerkannten Abschluss zu verhelfen. Dies sei jedoch nicht ohne verbesserte Förderung zu erreichen.

Die Verbände sind sich auch darin einig, dass ein EU-weites "Förderschul-Level" diskriminiere und dem Geist der im letzten Jahr auch von der BRD ratifizierten UN-Behindertenrechtskonvention widerspräche. Diese fordere unmissverständlich, Kinder mit besonderem Förderbedarf nicht ins Abseits zu stellen.

Gemeinsame Presserklärung von
Bayerischer Elternverband (BEV)
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV)
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW)
Landesarbeitsgemeinschaft der Förderschulen in katholischer Trägerschaft
Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben - gemeinsam lernen in Bayern
Lernen Fördern in Bayern
Verband Kommunaler Interessensvertreter von Menschen mit Behinderungen (VKIB)
Verband Sonderpädagogik (VdS)
Redaktion 03.03.2010
Hannover, 03.03.2010 "Großstädte wie Gemeinden in den Landkreisen setzen verstärkt auf die Einrichtung von Integrierten Gesamtschulen. Sie entsprechen damit den Erwartungen der Grundschuleltern, die eine Schule wünschen, die alle Bildungsgänge beinhaltet und auch den direkten Weg zum Abitur offen hält", so fasst Eberhard Brandt, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Niedersachsen das Ergebnis einer Beratung am 3. März 2010 in Hannover zusammen, bei der Experten von Schulträgern vor GEW-Mitgliedern aus kommunalen Schulausschüssen ihre Sicht auf die jüngste Entwicklung dargelegt haben. Die GEW-Vertreter wollen die Erfahrungen der Kommunalpolitiker aufnehmen, um die Gesamtschulgründungen effektiver zu betreiben.

Die neueste Rechtslage zur kommunalen Schulentwicklung hatte Dr. Dieter Galas, ehemaliger Ministerialdirigent und GEW-Landesvorsitzender, referiert. "Es ist kein Zufall, dass Vorsitzende von Stadtelternräten mit den Lehrervertretern zu der Fachtagung gekommen waren", kommentiert der GEW-Vorsitzende. "Eltern und GEW arbeiten vor Ort immer enger zusammen."

Bis zu 19 Neugründungen von Gesamtschulen am 1. 8. 2010 werden erwartet, so Brandt. Die Gründungswelle gehe auch 2011 weiter, wie die Nachfrage von Schulträgern zeige. Wahrscheinlich wird es dann halb so viele Gesamtschulen wie Gymnasien geben.

Heftige Kritik gab es bei vielen Gesamtschulgründungen an der Dauer des Genehmigungsverfahrens. Offenbar hätten etliche Anträge wochenlang auf einem Schreibtisch in der Landesschulbehörde gelegen, nachdem sie von den zuständigen Fachdezernaten zügig bearbeitet worden waren. Auch im Kultusministerium sei die Genehmigung und die Einsetzung der Planungsgruppen akkurat und schnell erledigt worden. "Wenn es zutrifft, dass die Genehmigungsverfahren aus politischen Gründen verschleppt wurden und dass aus dem Umfeld der Regierungsfraktionen versucht wurde, in das Genehmigungsverfahren einzugreifen, wäre das ein Skandal und offenbarte ein problematisches Verhältnis zu gültigen Rechtsbestimmungen", urteilt der GEW-Vorsitzende und fordert das Ministerium auf, für ordentliche Verfahren zu sorgen. Es dürfe nicht sein, dass viele Planungsgruppen ihre Arbeit erst sehr spät aufnehmen können und dass die Gründung der Gesamtschulen massiv beeinträchtigt wird.

In der Landeshauptstadt Hannover zieht eine Gesamtschulgründung die nächste nach sich, berichtete Michael Klie, Bildungspolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion. Auch andere Großstädte sähen neben Gesamtschulen und Gymnasien kaum noch Bedarf der Eltern an Haupt- und Realschulen. Zwischen Gymnasien und Gesamtschulen bestehe ein durchaus konstruktiver Wettbewerb um den besseren Weg zum Abitur, wie die Anmeldezahlen zu den Gesamtschulen belegten.

In vielen Landkreisen gibt es einen breiten Partei übergreifenden Konsens, dass Gesamtschulen die einzige Möglichkeit bieten, bei den zurückgehenden Schülerzahlen Schulen in der Region, wenn auch nicht in jeder Gemeinde, zu erhalten. Diese Erfahrung berichtete Eva Burdorf, bis vor kurzem aktive 1. Kreisrätin des Landkreises Schaumburg. Zu den vier im Landkreis bestehenden IGSen käme mindestens eine weitere. Zwei weitere Städte hätten Anträge gestellt. "Es gibt unter den Kommunen einen Streit, wer die Gesamtschule bekommt. Wenn die Landesregierung nicht vorgeschrieben hätte, dass mindestens fünf Parallelklassen im 5. Jahrgang eingerichtet werden müssen (135 bis 150 Schülerinnen und Schüler), wären beide Städte zum Zug gekommen, so wie alle kommunalpolitischen Kräfte und die Eltern es wollen.

Rüdiger Woltmann, Samtgemeindebürgermeister aus Bothel im Landkreis Rotenburg (Wümme) setzt sich seit langem vehement für eine IGS ein. Er legt Wert darauf, nicht an eine Partei gebunden zu sein. Die CDU-Mehrheitsfraktion in Bothel sei sich mit den anderen Parteien einig, eine Gesamtschule müsse dringend gegründet werden. "Nur so können wir uns eine attraktive Schule in Bothel vorstellen, die auch für die Eltern interessant ist, deren Kinder sonst den weiten Weg zum Kreisgymnasium wählen würden. Ohne diese Eltern wäre eine Schule auf die Dauer nicht lebensfähig." Woltmann hat kein Verständnis dafür, wenn der Gemeinde Bothel eine IGS nicht genehmigt wird, obwohl die Eltern eindeutig dafür sind und obwohl die bestehende Haupt- und Realschule ein gutes Gesamtschulkonzept vorgelegt hat und eine pädagogische Aufbruchstimmung ausstrahlt.

Helmut Ringe, Vorsitzender des Schulausschusses im Landkreis Rotenburg, berichtet, dass acht Gemeinden in Übereinstimmung mit den Eltern eine IGS wünschen – parteiübergreifend bei CDU-Mehrheiten. Dazu komme ein großes Elterninteresse in der Kreisstadt Rotenburg. Die örtliche Kritik an den restriktiven Vorschriften zur Gesamtschulgründung sei äußerst massiv, weil trotz des überragenden Elternwillens (65 Prozent) keine einzige IGS genehmigt wurde. "Das nimmt bei uns keiner hin! Wir müssen als Schulträger Gestaltungsfreiheit für Gesamtschulen haben, wie es den alten Vorschriften entspricht. Vierzügigkeit, im Ausnahmefall Dreizügigkeit. So muss auch die Neuregelung aussehen, die jetzt auf dem Tisch der Kultusministerin liegt." Einmütig, mit den Stimmen des Landwirtschaftsministers Ehlen und des Landrates Luttmann, Ehemann der Sozialministerin im Kabinett Wulff, hat der Kreistag die Landesregierung aufgefordert, die Verordnung über die Schulgrößen dem Bedarf der Kommunen anzupassen. "Wer das nicht fordert, hat bei den Kommunalwahlen 2011 bei uns keine Chance", so Helmut Ringe.

Nach den Eingangsstatements gab es in der vom GEW-Schulfachmann Henner Sauerland geleiteten Diskussion einen regen Gedankenaustausch. Dabei gab es auch Anregungen für die Umsetzung der Inklusion und der Grundschulreform. "So gehen wir gestärkt an die aktive Arbeit vor Ort", lautet Sauerlands Resümee der Fachtagung.
Redaktion 03.03.2010
Essen, 03.03.2010 Die anhaltende Kritik am "G8" wird durch eine Elternbefragung der "Bürgerinitiative familiengerechte Schule und Bildung" bestätigt. Demnach halten über 80% der Eltern ihre Kinder in der Sekundarstufe I des Gymnasiums für überlastet, 70% der Befragten verlangen neun Jahre Schulzeit für ihre Kinder an den Gymnasien. GEW und Elterninitiative schlagen deshalb dringend die Wahlfreiheit für den Weg zum Abitur vor.

"Die Kritik der Eltern wird von großen Teilen der Lehrerschaft geteilt. Die GEW schlägt der Landesregierung erneut vor, Schülern und Eltern an den Gymnasien die Wahl zwischen G8 und G9 zu eröffnen," erklärte heute GEW-Landesvorsitzender Andreas Meyer-Lauber in Düsseldorf. Praktisch bedeutet der Vorschlag der GEW, dass in den Gymnasien die sechsjährige Sekundarstufe I wieder hergestellt wird und die Schüler zwischen zwei oder drei Jahren Oberstufenunterricht wählen können.

"Wer mehr höhere Schulabschlüsse anstrebt, muss die Wege zu ihrer Erreichung flexibilisieren", ergänzte der GEW-Landesvorsitzende.

Die Sprecherin der "Bürgerinitiative familiengerechte Schule und Bildung", die Bonner Diplom-Psychologin Anja Nostadt, fasste das zentrale Ergebnis der Fragebogenaktion, an der sich 3826 Eltern beteiligt haben, zusammen: "85,9% der befragten Eltern sind mit der Schulzeitverkürzung unzufrieden. 3500 Eltern haben zudem eine Petition unterzeichnet, die wir heute im Landtag übergeben werden." In der Petition wird entweder die Abschaffung der obligatorischen Schulzeitverkürzung an den Gymnasien (G8) oder die sofortige Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 für Eltern und Schüler gefordert.

GEW-Chef Meyer-Lauber erläuterte vor der Landespressekonferenz mögliche schulorganisatorische Lösungen. Er unterstrich, dass auf dem Hintergrund der Elternbefragung flexible Ganztagsangebote an den Gymnasien ausgebaut werden müssten, um die individuelle Förderung je nach Lerntempo der Schüler zu ermöglichen. Meyer-Lauber wörtlich: "Die Gymnasien müssen sich in der Sekundarstufe I Zeit nehmen für Exzellenz, aber auch für die Bewältigung von individuellen Lernkrisen der Schülerinnen und Schüler."

Weitere Informationen (Pressemeldung, Infos zur Initiative, Umfrageergebnisse, Text der Petition):
www.gew-nrw.de/index.php?id=2088
www.g-ib-8.de
Redaktion 01.03.2010
Stuttgart, 01.03.2010 Die Bildungsgewerkschaft GEW hält die Grundschulempfehlung für unnötig. "Die Grundschulempfehlung sollte abgeschafft und stattdessen die individuelle Förderung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen ausgebaut werden. Die Lehrerinnen und Lehrer sollten sich auf die optimale Unterstützung der Kinder konzentrieren können statt Kinder in einem überholten dreigliedrigen Schulsystem sortieren zu müssen", sagte am Montag (01.03.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die Grundschulempfehlungen werden im März an die Kinder der vierten Klasse verteilt. Moritz lobte die gute Arbeit der Lehrer/innen an den 2.400 Grundschulen in Baden-Württemberg und der Erzieher/innen in den 7.600 Kindertageseinrichtungen. "Sie zeigen, dass Lernen in heterogenen Gruppen erfolgreich und es längst überfällig ist, dass Kinder nicht mehr mit zehn Jahren auf verschiedene Schularten verteilt werden", sagte Moritz.
Redaktion 26.02.2010
Gesamtschulen: Elternwillen umsetzen – Blockadepolitik einstellen
Essen, 26.02.2010 Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält es für an der Zeit, dass die CDU ihre Haltung zur Gesamtschule in NRW überdenkt und ihr schulpolitisches Modernisierungsdefizit hinsichtlich eines längeren gemeinsamen Lernens ausgleicht. Die jüngsten Anmeldezahlen für die Gesamtschulen belegen nach Auffassung der GEW einmal mehr die Attraktivität dieser Schulform und den Wunsch der Eltern, Kinder länger gemeinsam lernen zu lassen. Die Gewerkschaft hält es für einen außerordentlichen Skandal, wenn wiederum 14.000 Schüler abgewiesen werden müssen, weil es nicht genügend Plätze an den Gesamtschulen gibt, und fordert endlich ein flächendeckendes Angebot.

"Was die CDU im Saarland, in Hamburg und in Thüringen pragmatisch mitgetragen hat, muss auch für die CDU in NRW möglich sein", erklärte heute GEW-Landes-vorsitzender Andreas Meyer-Lauber. Statt die Blockadepolitik fortzusetzen, erwartet die GEW die Umsetzung des Elternwillens und die aktive Unterstützung der Kommunen, die diese Schulform errichten wollen. Meyer-Laubers Rat an die größere der beiden Regierungsfraktionen: "Elternwillen umsetzen, Gesamtschulen gründen, Ganztag einführen."

Die Missachtung des Elternwillens findet GEW-Chef Meyer-Lauber zutiefst empörend. "Es ist schlicht unvorstellbar, dass die CDU 14.000 Schülern den Zugang zum Gymnasium verwehren würde", so Meyer-Lauber.

Gutachten zur Schulformempfehlung der Grundschulen: "pädagogischer Unsinn"
Die heute von der GGG, dem Landeselternrat Gesamtschulen und der Schulleitungsvereinigung der Gesamtschulen vorgelegte Auswertung zur Schulformempfehlung der Grundschulen für Grundschüler in Verbindung mit ihrem Notenschnitt ist für die GEW ein weiterer Beleg für den "pädagogischen Unsinn" dieser Gutachten. Demnach sind Schüler mit einen Notenschnitt von 2,7 oder 2,8 für den Besuch eines Gymnasiums vorgeschlagen worden, in anderen Fällen haben sie aber lediglich eine Hauptschulempfehlung erhalten. Die Gewerkschaft sieht in dieser Diskrepanz auch eine Bestätigung für die Initiative von über 500 Grundschulleiterinnen und Grundschulleitern, die sich jüngst für längeres gemeinsames Lernen und mehr Zeit für individuelle Förderung ohne frühen Selektionsdruck ausgesprochen haben.

Redaktion 26.02.2010
Bildungsgewerkschaft zur BAföG-Anhörung beim Bundesbildungsministerium
Frankfurt am Main / Berlin, 26.02.2010 Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat sich aus Anlass der heutigen Verbände-Anhörung beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für eine stärkere Anhebung der BAföG-Sätze ausgesprochen und die Bundesregierung aufgefordert, den vorliegenden Gesetzentwurf für ein "nationales Stipendienprogramm" zurück zu ziehen.

"Für die Verbesserung des BAföG, auf das grundsätzlich alle Studierenden einen Rechtsanspruch haben, plant die Bundesregierung 350 Millionen Euro ein. Für die neuen Stipendien, von denen nur eine kleine studentische Elite profitiert, will sie 600 Millionen Euro jährlich mobilisieren - davon die Hälfte aus den Haushalten des Bundes und der Länder. Da stimmt das Verhältnis nicht", erklärte das für Hochschulen verantwortliche GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller am Freitag in Frankfurt a.M..

"Eine Erhöhung der Bedarfssätze und Freibeträge des BAföG um zehn Prozent wäre angemessen. Damit kann nicht nur der Anstieg der Preise sowie der Lebenshaltungskosten ausgeglichen, sondern zusätzlich die Zahl der geförderten Studierenden, Schülerinnen und Schüler gesteigert werden. Diese Erhöhung wäre finanzierbar - das belegen die enormen Mittel, die die Bundesregierung für ihre Elite-Stipendien aufbringen möchte", betonte Keller. Zurzeit erhalten 17 Prozent aller Studierenden BAföG. Die Bundesregierung sieht eine Anhebung der Bedarfssätze um zwei, der Freibeträge um drei Prozent vor.

Die GEW habe grundsätzlich nichts gegen Stipendien, machte Keller deutlich. Das Stipendienprogramm der Bundesregierung werde jedoch aus drei Gründen keinen Beitrag zur sozialen Öffnung der Hochschulen leisten: "Erstens sollen die Stipendien nach dem Willen der Regierung nach Begabung und Leistung vergeben werden. Die Kriterien dafür sind jedoch unklar, einen Rechtsanspruch wie beim BAföG gibt es nicht. Zweitens sind die Stipendien mit 300 Euro monatlich nicht bedarfsdeckend: Für Studierende ohne andere Einkommen reicht dieser Betrag schlicht nicht aus. Drittens sollen die Stipendien nur dort vergeben werden, wo sich Wirtschaftsunternehmen an der Finanzierung beteiligen. Studiengänge ohne direkten Wirtschaftsbezug und Hochschulstandorte in strukturschwachen Regionen dürften daher leer ausgehen."

Die Bundesregierung solle sich auf eine substanzielle Verbesserung des BAföG konzentrieren, forderte Keller. "Neben der Anhebung der BAföG-Sätze müsse die Altersgrenze gestrichen werden. Wer die Bologna-Reformen und das Konzept 'Lebenslanges Lernen' ernst nimmt, muss auch älteren Studierenden die Chance geben, ein Studium aufzunehmen. Darüber hinaus brauchen wir eine Verbesserung des Schüler-BAföG: Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe II an allgemein-bildenden Schulen sowie an berufsbildenden Fachschulen müssen uneingeschränkt BAföG-berechtigt werden", sagte der GEW-Hochschulexperte.

Redaktion 24.02.2010
Hamburg, 24.02.2010 "Es ist gut, dass alle Fraktionen nun zusammen einen Schritt Richtung Bildungsgerechtigkeit gehen", kommentiert der Vorsitzende der GEW Hamburg, Klaus Bullan, die Bereitschaft aller in der Hamburgischen Bürgerschaft vertretenen Parteien, sich auf eine gemeinsame Linie bei der Umsetzung der neuen Schulstruktur zu verständigen.

Die GEW begrüße die Schulreform ausdrücklich als Schritt zu längerem gemeinsamen Lernen: "Der jetzige Kompromiss ist noch zu kurz gesprungen – aber immerhin geht´s in die richtige Richtung. Für uns ist die jetzige Situation eine gute Ausgangslage, die Menschen in Hamburg davon zu überzeugen, dass gemeinsames Lernen für alle Kinder sinnvoll und notwendig ist."

Die Abschaffung des Büchergeldes und die weitere Senkung der Klassenfrequenzen sind wichtig, um bessere Bildungschancen für alle Schüler und Schülerinnen zu erreichen.

Problematisch sieht Bullan die geplante Einführung des Probejahrs an Gymnasien: "Wir befürchten, dass dieses Experiment den Grundgedanken der individuellen pädagogischen Förderung in der 7. Klasse aushebelt und letztlich zu schärferer Auslese führt."

Die GEW werde, so Bullan, den im Juli anstehenden Volksentscheid nutzen, um für längeres gemeinsames Lernen zu werben und die HamburgerInnen davon zu überzeugen, dass es nötig ist, Scheuerl und Co. eine klare Absage zu erteilen: "Es würde die Auseinandersetzung um die Überwindung des gegliederten Schulwesens in ganz Deutschland um Jahre zurückwerfen, wenn Scheuerls Initiative sich durchsetzen und Bildungsprivilegien festgeschrieben würden. Die Klugheit der Hamburger und Hamburgerinnen wird diesem Ansinnen hoffentlich den Riegel vorschieben."
Redaktion 23.02.2010
Neue Kultusministerin: Vertrauen zurückgewinnen
Stuttgart, 23.02.2010 Die Bildungsgewerkschaft GEW dankt dem scheidenden Kultusminister Helmut Rau für die Zusammenarbeit in den vergangenen viereinhalb Jahren und wünscht seiner Nachfolgerin Marion Schick mehr Durchsetzungsfähigkeit gegenüber der CDU-Fraktion.

"Lehrerinnen und Lehrer erwarten einen Bildungsaufbruch für Baden-Württemberg. In den vergangenen Jahren haben die Regierungsfraktionen nicht nur das Vertrauen der Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler verloren, sondern auch der Rat der Experten im Kultusministerium und der Wissenschaft wurde immer wieder ignoriert. Deshalb haben wir derzeit Stillstand in der Bildungspolitik. Wir hoffen auf eine mutige Kultusministerin, die den Dialog mit Lehrerinnen und Lehrern sucht und zu Veränderungen bereit ist", sagte am Dienstag (23.02.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die Bildungsgewerkschaft GEW ist mit über 46.000 Mitgliedern die größte bildungspolitische Interessenvertretung im Südwesten.

Redaktion 18.02.2010
Bildungsgewerkschaft zur Gewalttat in Ludwigshafen
Frankfurt a. M./Ludwigshafen , 18.02.2010 Mit großer Bestürzung und Betroffenheit hat Ulrich Thöne, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), auf das Gewaltereignis an der berufsbildenden Schule Technik II in Ludwigshafen reagiert. Er sprach den Angehörigen des Getöteten sowie den Lehrerinnen und Lehrern der Schule sein tiefes Mitgefühl aus.

"Es ist leider eine Tatsache, dass Schule immer mehr zur Zielscheibe gesellschaftlicher Auseinandersetzungen und Aggressionen wird", sagte Thöne. "Gerade angesichts dieses traurigen Ereignisses müssen wir jetzt den Blick nach vorne richten und überlegen, wie Gewaltakten an Schulen begegnet werden kann."

Laut Thöne muss das Augenmerk vermehrt auf Gewaltprävention gelegt werden. Dabei sei ein koordiniertes Vorgehen aller Verantwortlichen auf Landes-, kommunaler und Schulebene erforderlich. Leider fehle den Schulen bisher eine hinreichende schulpsychologische Betreuung und Beratung sowie den meisten Schulen eine Unterstützung der Lehrkräfte durch Schulsozialarbeit.

Auch ein besser abgestimmtes Vorwarnsystem muss nach Auffassung des GEW-Vorsitzenden erarbeitet werden. Dieses müsse sich auf die Erfahrung schulischer und Sicherheitsexperten stützen, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern Vorgaben machen und diese beraten, wie sie sich in Ernstfällen zu verhalten hätten. Nach den schrecklichen Ereignissen von Winnenden hätten die Schulen solche Pläne zwar erstellt, oft fehlten aber die Erfahrungen von Experten.
Redaktion 18.02.2010
Länderrunde: neue Entgeltordnung für Lehrkräfte / Beschäftigte wollen endlich Fortschritte sehen
Berlin, 18.02.2010 "Zäh und enttäuschend" ist die dritte Verhandlungsrunde zwischen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie der dbb Tarifunion und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) über die Eingruppierung der Lehrkräfte verlaufen.

"In wesentlichen Punkten ist noch immer keine Übereinstimmung zwischen den Tarifparteien erreicht worden", sagte GEW-Verhandlungsführerin Ilse Schaad nach den Gesprächen in Berlin. Die Gewerkschaften verlangen eine bessere und gleiche Eingruppierung aller voll ausgebildeten Lehrkräfte.

"Wir erwarten, dass die Arbeitgeber in der nächsten Gesprächsrunde endlich erkennbare Schritte nach vorne machen. Die Beschäftigten, die in den vergangenen Jahren teils erhebliche Einkommenseinbußen hinnehmen mussten, wollen endlich Fortschritte sehen. Sie sind aktionsbereit", betonte Schaad.

In den Verhandlungen, die am Mittwoch und Donnerstag stattfanden, haben sich die Tarifparteien mit den Auswirkungen des Bologna-Prozesses auf die künftige Entgeltordnung für Lehrkräfte beschäftigt. Die GEW hat deutlich gemacht, dass Lehrkräfte mit Masterabschluss genau so eingruppiert werden müssten wie andere Akademiker mit Master. "Die GEW wird die Benachteiligung der Lehrerinnen und Lehrer gegenüber anderen Akademikern im öffentlichen Dienst der Länder nicht länger hinnehmen", erklärte Schaad. Lehrkräfte werden zurzeit trotz vollwertigem Hochschulabschluss um bis zu zwei Gehaltsgruppen schlechter bezahlt.


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