Stuttgart, 31.03.2011 "Wir gratulieren den Wahlsiegern zu ihrem Erfolg und begrüßen die Ankündigung eines dialogorientierten Regierungsstils. Als Schulpraktiker sind wir gerne bereit, unsere Erfahrungen einzubringen", so Bernd Saur, Landesvorsitzender des Philologenverbands Baden-Württemberg, zum bevorstehenden Regierungswechsel.
Die künftigen Regierungsparteien haben in der Vergangenheit immer wieder zu Recht die unzureichende Lehrerversorgung beklagt. Angesichts eines immensen Überstundenvolumens (über 800 Deputate an den Gymnasien), fortgesetzten Unterrichtsausfalls und ständig steigender Belastungen der Lehrkräfte können die neuen Regierungsparteien bereits für das kommende Schuljahr zeigen, dass ihre Kritik an der bisherigen Einstellungspolitik ernst gemeint war und sie nunmehr den Worten Taten folgen lassen. Aufgrund eines inzwischen im gymnasialen Bereich zu verzeichnenden Bewerberüberhangs (1.750 Referendarinnen und Referendare bewerben sich für den Schuldienst) steht einer Umsetzung der politischen Zielsetzung nichts im Wege. Damit sie nicht während der Sommerferien arbeitslos sind und um zu verhindern, dass sie in andere Bundesländer abwandern, sollte die Einstellung der Lehramtsanwärter - wie vom PhV seit Jahren gefordert - zum 1. August erfolgen.
Wir gehen selbstverständlich davon aus, dass das Vorhaben der Vorgängerregierung, den Klassenteiler bis zum Jahre 2014 Schritt für Schritt weiter zu senken, fortgeführt wird. Zum kommenden Schuljahr wird er von 31 auf 30 gesenkt werden (zur Erinnerung: er lag ursprünglich bei 33).
Wer den Unterrichtsausfall an Schularten mit Fächerprinzip beseitigen möchte, weiß, dass dies mit einer Minimallehrerversorgung und vereinzelten Flankierungsmaßnahmen nicht zu realisieren ist. Inzwischen ist allen klar, dass nur eine 110 prozentige Lehrerversorgung jeder einzelnen Schule die nötigen Spielräume vor Ort schafft, übrigens auch und gerade für Maßnahmen zur individuellen Förderung.
Wer das Innenleben eines Gymnasiums kennt - und davon gehen wir beim designierten Ministerpräsidenten als einem gelernten Gymnasiallehrer aus - der weiß, dass die Arbeitsbelastung in den vergangenen Jahren - nicht zuletzt auch durch die Einführung von G8 - immens gestiegen ist. Wer der Meinung ist, dass Schule auch etwas mit Lehrern zu tun hat und dass es einen Zusammenhang gibt zwischen deren Be- bzw. Überlastung und der Qualität von Schule, der kann sich der Notwendigkeit nicht verschließen, dass eine Senkung der Deputatsverpflichtung nach dem Doppelabitur, also zum Schuljahr 2012/13 dringend geboten ist. Die "negative Spezialbehandlung" unserer Gymnasien durch eine zweimalige Erhöhung der Deputatsverpflichtung (1997 von 23 auf 24 Wochenstunden und sodann 2003 auf 25) ist bis heute nicht verdaut, weil sie an der Realität vorbeigeht, indem sie die gymnasialspezifisch höheren Anforderungen völlig missachtet. Aufgrund dauerhafter Überlastung und wegen des durch G8 entstandenen höheren Zeitdrucks auch für die Schüler ist in der Tat ein Qualitätsverlust zu befürchten, den wir uns nicht zuletzt mit Blick auf die Studierfähigkeit nicht leisten können.
Angesichts der Verlängerung der Lebensarbeitszeit und enorm gestiegener Belastungen fordern wir eine massive Stärkung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes u.a. durch eine deutliche Verbesserung der Altersermäßigung sowie durch Einführung von Altersteilzeit für alle Lehrkräfte.
Hamburg hat gezeigt, dass jede Politik zum Scheitern verurteilt ist, die versucht, das Gymnasium als das "Flaggschiff der deutschen Bildungslandschaft" beschneiden zu wollen.
Alle vorliegenden Untersuchungen, zuletzt das letzte Woche publizierte Bildungsgutachten des Aktionsrats Bildung, zeigen eindeutig, dass "längeres gemeinsames Lernen" weder den Lernerfolg der Kinder noch die Entkoppelung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg verbessert. So erklärten die Bildungsforscher des Aktionsrats, dass alle bisherigen Versuche mit einer sechsjährigen Grundschule fruchtlos gewesen seien. Bemerkenswert ist übrigens, dass für die Verfechter einer solchen Schulpolitik "Bildungserfolg" gleichbedeutend zu sein scheint mit Gymnasium und Abitur. Alle Mitbürger, die andere Abschlüsse erworben haben, werden demnach offensichtlich als "Bildungsverlierer" betrachtet. Dies entspricht nicht unserer Sicht der Dinge!
Klar ist, dass die Verlängerung der Grundschule oder gar eine 10-jährige Gemeinschafts- schule zu einer massiven Gründung von teuren Privatschulen führen würde, deren Besuch vom Geldbeutel der Eltern abhinge, während der Besuch unserer staatlichen Schulen inklusive des Gymnasiums selbstverständlich kostenfrei und damit unabhängig vom Geldbeutel der Eltern ist. Diese unverrückbare Tatsache sollte allen klar sein, die heute die Koalitionsverhandlungen aufnehmen.
Die Weiterentwicklung der Qualität des Unterrichts und die Verbesserung der angesprochenen Rahmenbedingungen sollten im Fokus der politischen Bemühungen der kommenden Legislaturperiode stehen, nicht aufgewärmte Strukturdebatten des letzten Jahrhunderts.
Die künftigen Regierungsparteien haben in der Vergangenheit immer wieder zu Recht die unzureichende Lehrerversorgung beklagt. Angesichts eines immensen Überstundenvolumens (über 800 Deputate an den Gymnasien), fortgesetzten Unterrichtsausfalls und ständig steigender Belastungen der Lehrkräfte können die neuen Regierungsparteien bereits für das kommende Schuljahr zeigen, dass ihre Kritik an der bisherigen Einstellungspolitik ernst gemeint war und sie nunmehr den Worten Taten folgen lassen. Aufgrund eines inzwischen im gymnasialen Bereich zu verzeichnenden Bewerberüberhangs (1.750 Referendarinnen und Referendare bewerben sich für den Schuldienst) steht einer Umsetzung der politischen Zielsetzung nichts im Wege. Damit sie nicht während der Sommerferien arbeitslos sind und um zu verhindern, dass sie in andere Bundesländer abwandern, sollte die Einstellung der Lehramtsanwärter - wie vom PhV seit Jahren gefordert - zum 1. August erfolgen.
Wir gehen selbstverständlich davon aus, dass das Vorhaben der Vorgängerregierung, den Klassenteiler bis zum Jahre 2014 Schritt für Schritt weiter zu senken, fortgeführt wird. Zum kommenden Schuljahr wird er von 31 auf 30 gesenkt werden (zur Erinnerung: er lag ursprünglich bei 33).
Wer den Unterrichtsausfall an Schularten mit Fächerprinzip beseitigen möchte, weiß, dass dies mit einer Minimallehrerversorgung und vereinzelten Flankierungsmaßnahmen nicht zu realisieren ist. Inzwischen ist allen klar, dass nur eine 110 prozentige Lehrerversorgung jeder einzelnen Schule die nötigen Spielräume vor Ort schafft, übrigens auch und gerade für Maßnahmen zur individuellen Förderung.
Wer das Innenleben eines Gymnasiums kennt - und davon gehen wir beim designierten Ministerpräsidenten als einem gelernten Gymnasiallehrer aus - der weiß, dass die Arbeitsbelastung in den vergangenen Jahren - nicht zuletzt auch durch die Einführung von G8 - immens gestiegen ist. Wer der Meinung ist, dass Schule auch etwas mit Lehrern zu tun hat und dass es einen Zusammenhang gibt zwischen deren Be- bzw. Überlastung und der Qualität von Schule, der kann sich der Notwendigkeit nicht verschließen, dass eine Senkung der Deputatsverpflichtung nach dem Doppelabitur, also zum Schuljahr 2012/13 dringend geboten ist. Die "negative Spezialbehandlung" unserer Gymnasien durch eine zweimalige Erhöhung der Deputatsverpflichtung (1997 von 23 auf 24 Wochenstunden und sodann 2003 auf 25) ist bis heute nicht verdaut, weil sie an der Realität vorbeigeht, indem sie die gymnasialspezifisch höheren Anforderungen völlig missachtet. Aufgrund dauerhafter Überlastung und wegen des durch G8 entstandenen höheren Zeitdrucks auch für die Schüler ist in der Tat ein Qualitätsverlust zu befürchten, den wir uns nicht zuletzt mit Blick auf die Studierfähigkeit nicht leisten können.
Angesichts der Verlängerung der Lebensarbeitszeit und enorm gestiegener Belastungen fordern wir eine massive Stärkung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes u.a. durch eine deutliche Verbesserung der Altersermäßigung sowie durch Einführung von Altersteilzeit für alle Lehrkräfte.
Hamburg hat gezeigt, dass jede Politik zum Scheitern verurteilt ist, die versucht, das Gymnasium als das "Flaggschiff der deutschen Bildungslandschaft" beschneiden zu wollen.
Alle vorliegenden Untersuchungen, zuletzt das letzte Woche publizierte Bildungsgutachten des Aktionsrats Bildung, zeigen eindeutig, dass "längeres gemeinsames Lernen" weder den Lernerfolg der Kinder noch die Entkoppelung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg verbessert. So erklärten die Bildungsforscher des Aktionsrats, dass alle bisherigen Versuche mit einer sechsjährigen Grundschule fruchtlos gewesen seien. Bemerkenswert ist übrigens, dass für die Verfechter einer solchen Schulpolitik "Bildungserfolg" gleichbedeutend zu sein scheint mit Gymnasium und Abitur. Alle Mitbürger, die andere Abschlüsse erworben haben, werden demnach offensichtlich als "Bildungsverlierer" betrachtet. Dies entspricht nicht unserer Sicht der Dinge!
Klar ist, dass die Verlängerung der Grundschule oder gar eine 10-jährige Gemeinschafts- schule zu einer massiven Gründung von teuren Privatschulen führen würde, deren Besuch vom Geldbeutel der Eltern abhinge, während der Besuch unserer staatlichen Schulen inklusive des Gymnasiums selbstverständlich kostenfrei und damit unabhängig vom Geldbeutel der Eltern ist. Diese unverrückbare Tatsache sollte allen klar sein, die heute die Koalitionsverhandlungen aufnehmen.
Die Weiterentwicklung der Qualität des Unterrichts und die Verbesserung der angesprochenen Rahmenbedingungen sollten im Fokus der politischen Bemühungen der kommenden Legislaturperiode stehen, nicht aufgewärmte Strukturdebatten des letzten Jahrhunderts.
Stuttgart, 21.02.2011 "Die Werkrealschule ist für mich eine bahnbrechende und bundesweit einmalige bildungspolitische Innovation", so die Kultusministerin Schick. Gewiss – es ist Wahlkampf und Frau Schick ist bekannt für Ihre PR - Kampagnen. Aber die Neue Werkrealschule mit solchen Superlativen zu belegen, lässt den Schluss zu, dass die Landesregierung den Blick für die Schulwirklichkeit gänzlich verloren hat. Der dreiste Versuch, die konzeptions- und perspektivlose Bildungspolitik mit einer Flucht nach vorne zu verschleiern erinnert an das Märchen "Des Kaisers neue Kleider"!
Wer sich auskennt, weiß, dass es sich bei der "neuen Werkrealschule" in erster Linie um eine Namensänderung handelt, die neue Schule selbst aber nur wenig Neues zu bieten hat im Vergleich zur seit 16 Jahren praktizierten "alten Werkrealschule". Einzig die von vielen Fachleuten als nicht umsetzbar bezeichnete Unterrichtsteilung in Klasse 10 mit einer Berufsschule ist wirklich neu.
Es ist abzusehen, dass auch die "neue Werkrealschule", egal ob ein- oder zweizügig, keine wirkliche Akzeptanz erfahren wird, daran ändern auch die mit Steuermittel finanzierten Hochglanzbroschüren in Wahlkampfzeiten nichts.
Laut KM will man durch die Neue Werkrealschule eine stärkere Förderung der Begabungspotentiale erreichen. Wie sieht die Wirklichkeit aus? Schüler werden weiterhin sozial entmischt. Problematische Lernmilieus bleiben bestehen. Nur noch knapp über 20 % eines Jahrgangs kommen in den Werkrealschulen und Hauptschulen an. Die neueste Pisastudie macht deutlich, dass in keinem anderen Land das soziale Schulumfeld die Leistungen benachteiligter Kinder und Jugendlicher so stark beeinflusst wie in Deutschland. Ausgerechnet die schwächsten Schüler müssen die schwierigsten Bedingungen meistern: Nach Klasse vier an Standort A nun drei Jahre WRS (Kl 5-7) an Standort B, dann ein Großteil ab Klasse 8 an Standort C und schließlich in Klasse 10 die mehr als fragwürdige Verteilung der Klassengemeinschaft an zwei von fünf Tagen auf drei Berufsschulstandorte D-F. Wie soll unter solchen Umständen noch eine Beständigkeit im Lernprozess gewährleistet werden, wie sollen soziales Lernen und Integration gelingen? Außerdem sind - durch die Schließung bzw. Zusammenlegung der kleinen Hauptschulen bedingt - an vielen "neue Werkrealschulen" große Klassen entstanden.
Laut KM will man die "mittlere Reife in die Fläche bringen". Die "neue Werkrealschule" führt aber zuallererst zu einer weiteren Aufgliederung der Sekundarstufe, die dreistufige Grundschulempfehlung bleibt bestehen. Wenn die Werkrealschule einen "echte" Mittleren Bildungsabschluss anbietet, warum steht sie dann in der Hierarchie der Grundschulempfehlung nicht auf der gleichen Stufe wie die Realschule, sondern auf der Stufe der Hauptschulempfehlung?
Die "neue Werkrealschule" ist damit nichts anderes als ein Kaschierungsmoment für den mangelnden Willen zu einer notwendigen umfassenden Bildungsreform. Frau Schick trägt eine der letzten großen Lebenslügen der BW-CDU mit: den Glauben, das dreigliedrige Schulsystem könne gerecht und leistungsstark sein. Wer bereits Neunjährige mit völlig ungeeigneten Instrumenten nach vermeintlicher Eignung sortiert, verbaut vielen Kindern die Zukunft.
Trotzdem startete BW mit der Einführung der neuen Werkrealschule einen erneuten problematischen Versuch, die alten Hierarchien in der Schulstruktur zu erhalten.
In den vergangenen Jahrzehnten wurde mit enorm viel Aufwand aller Beteiligten an unzähligen vielen kleinen Schräubchen des Bildungssystems gedreht. Keiner der zahlreichen Reformversuche der letzten 40 Jahre hat jedoch dazu geführt - auch die Einführung der Werkrealschule vor 16 Jahren nicht - den dramatischen Schülerschwund an den baden –württembergischen Haupt-/Werkrealschulen zu verhindern. Die Halbwertszeit, was den Bestand der vielen "Reförmchen" angeht, wird immer kürzer. Obwohl auch die kleinen Hauptschulen nach dem Bildungsplan der NWRS arbeiten, durften sie sich nicht Werkrealschulen nennen. Unzählige Gemeinderatssitzungen, Schul- und Lehrerkonferenzen im ganzen Land suchten nach Lösungswegen aus dem Dilemma. Jetzt, kurz vor der Wahl, und durch den Druck der Kommunen ist es - nachdem bereits über 80 ländliche Hauptschulen geschlossen wurden - plötzlich möglich, was vorher mit vielen Argumenten als unmöglich dargestellt wurde: auch einzügige Hauptschulen dürfen sich jetzt Werkrealschule nennen! Diese Unberechenbarkeit in der baden-württembergischen Bildungspolitik ist verheerend und beispiellos.
Baden-Württemberg macht etwas, vor dem alle Bildungsforscher und Experten gewarnt haben: Es filetiert die Hauptschule und sein ganzes Schulsystem in viele schmale Streifen. Das ist das Gegenteil dessen, was wir seit den Pisa-Studien mühsam lernten: Sachte die Schulformen zusammenzuführen.
Welche Folgen wird das große Stückeln haben?
Fast 80 % der Schüler fahren in die großen städtischen Realschulen und Gymnasien. Bei der Beibehaltung unseres weltweit einzigartigen gegliederten Schulsystems werden laut einem aktuellen Schulentwicklungsgutachten in 10 – 15 Jahren nur noch ca. 30 % aller Gemeinden in Baden- Württemberg eine Schule ab Klasse 5 anbieten können. Die Folge ist die Entschulung des ländlichen Raumes mit katastrophalen Folgen für die betroffenen Gemeinden. Schulen, die erst einmal geschlossen sind, können später kaum noch für neue Schulkonzepte reanimiert werden.
Und bei diesem Szenario behauptet die Landesregierung, mit der Einführung der NWRS den ländlichen Raum zu stärken. Das ist Zynismus pur!
In der Bildungspolitik der derzeit Verantwortlichen gibt es kaum jemanden, der bereit ist, die Fakten anzusehen und sich anschließend eine Meinung zu bilden. Vielmehr hat man eine Meinung und die kann nicht durch Fakten erschüttert werden. Dies kann als ideologische Haltung bezeichnet werden. Ideologie sollte aber in der Bildungspolitik keinen Platz finden. Hier gilt es, sich über die Parteigrenzen hinweg für einen Weg zu entscheiden, der zum Wohle aller Kinder ist. Das Wohl der Kinder im Blick zu haben, beansprucht auch die Landesregierung für ihre Bildungspolitik. Aber ist das nicht ein reines Lippenbekenntnis angesichts der realen Schulsituation? 40 % aller Schulkinder klagen über Schulangst! Würden unsere verantwortlichen Bildungspolitiker nur ein Bruchteil der Schülerschicksale und der Familiendramen am eigenen Leib erfahren, den sie durch ihr Sortiersystem an 9 bis 10 jährigen Kinder erzeugen - unser unikates Schulsystem würde sich schnell wandeln. Selbst die führenden deutschen Hirnforscher sprechen von verheerenden Zuständen, die dieses System verursacht, das bei vielen Kindern Angst und Druck erzeugt und damit nachgewiesenermaßen nachhaltiges Lernen verhindert. Unsere Bildungspolitiker verwechseln Angst und Druck mit Leistung! Angst und Druck verhindert aber bei vielen Schülerinnen und Schüler Leistung!
Zahlreich ausgearbeitete Schulmodelle, die mit integrativen Formen in der Lage wären, alle Niveaustufen bzw. Abschlüsse bis zur 10 Klasse anzubieten, werden von der Landesregierung nicht genehmigt. Bei dieser international üblichen Schulform könnten aber in Zukunft über 70 % aller Gemeinden eine Schule ab Klasse 5 anbieten.
Gern wird bei diesem weltweit üblichen Schulsystem in Kreisen der CDU/FDP abschätzig der Teufel "Einheitsschule" an die Wand gemalt, weil sich die Bildungspolitiker, bedingt durch ihre eigene Schulbiographie und ihren begrenzten "Schulhorizont" einen individualisierten Unterricht schlichtweg nicht vorstellen können. Dabei gäbe es weltweit genügend erfolgreiche Anschauungsbeispiele.
Die "neue Werkrealschule" verhindert erneut mit hohem Energieaufwand aller Beteiligter eine überfällige Systemveränderung hin zu einem modernen inklusiven Bildungssystem. Warum begeht die Landesregierung zum wiederholten Mal den gleichen Fehler, wann lernt sie endlich aus ihren bildungspolitischen Fehlversuchen?
Was kann man gegen das Schulsterben unternehmen und wie könnte eine langfristige nachhaltige Schulplanung aussehen?
Die Alternative kann nur in der Regionalen Schulentwicklung liegen - ohne dogmatisches Festhalten an der überkommenen Sortiermentalität. Im Kern geht es um den Erhalt attraktiver und wohnortnaher Schuleinheiten mit dem Angebot höherer Abschlüsse sowie um die Abkehr von der frühzeitigen Aufteilung der Schüler.
Die Kommunen und Kreise sollen selbst entscheiden, welche Schule sie haben wollen. Sie werden alles tun, damit die Schule im Dorf bleibt. Das bedeutet: sie werden sich passgenau die Schule bauen, die sie vor Ort brauchen.
Dadurch bleiben viele mit Steuergeldern bestens ausgestattete Schulstandorte erhalten wodurch eine optimale Förderung aller Schüler in der Gemeinde oder dem Stadtteil. Sie lässt eine Höherqualifizierung aller Schüler zu, ohne unerträglichen Übertrittsdruck, ohne Entschulung des ländlichen Raums, ohne irrsinnigen Schulbus-Tourismus und ohne schulische Ghettobildung in den Städten.
BW braucht eine echte Schulreform und keine fortgesetztes Herumdoktern an einem überkommenen System. Mit der Einführung einer vierten Schulform wie der "neuen Werkrealschule" wird letztlich nur der Übertrittsdruck in Klasse vier erhöht.
Und nun zum Ende des Märchens: "Aber er hat ja gar nichts an!" sagte endlich ein kleines Kind. "Hört die Stimme der Unschuld!" sagte der Vater; und der eine zischelte dem andern zu, was das Kind gesagt hatte. "Aber er hat ja gar nichts an!" rief zuletzt das ganze Volk.
Es ist an der Zeit, parteiübergreifend an einem Gesamtkonzept zur künftigen Schulstruktur in BW zu arbeiten, das die Schülerinnen und Schüler mit ihren individuellen Fähigkeiten in den Mittelpunkt stellt, das den Fokus nicht auf das Sortieren, sondern auf das Stärken , Fördern und Begleiten legt.
Länger Gemeinsam Lernen Baden-Württemberg e.V.
Wer sich auskennt, weiß, dass es sich bei der "neuen Werkrealschule" in erster Linie um eine Namensänderung handelt, die neue Schule selbst aber nur wenig Neues zu bieten hat im Vergleich zur seit 16 Jahren praktizierten "alten Werkrealschule". Einzig die von vielen Fachleuten als nicht umsetzbar bezeichnete Unterrichtsteilung in Klasse 10 mit einer Berufsschule ist wirklich neu.
Es ist abzusehen, dass auch die "neue Werkrealschule", egal ob ein- oder zweizügig, keine wirkliche Akzeptanz erfahren wird, daran ändern auch die mit Steuermittel finanzierten Hochglanzbroschüren in Wahlkampfzeiten nichts.
Laut KM will man durch die Neue Werkrealschule eine stärkere Förderung der Begabungspotentiale erreichen. Wie sieht die Wirklichkeit aus? Schüler werden weiterhin sozial entmischt. Problematische Lernmilieus bleiben bestehen. Nur noch knapp über 20 % eines Jahrgangs kommen in den Werkrealschulen und Hauptschulen an. Die neueste Pisastudie macht deutlich, dass in keinem anderen Land das soziale Schulumfeld die Leistungen benachteiligter Kinder und Jugendlicher so stark beeinflusst wie in Deutschland. Ausgerechnet die schwächsten Schüler müssen die schwierigsten Bedingungen meistern: Nach Klasse vier an Standort A nun drei Jahre WRS (Kl 5-7) an Standort B, dann ein Großteil ab Klasse 8 an Standort C und schließlich in Klasse 10 die mehr als fragwürdige Verteilung der Klassengemeinschaft an zwei von fünf Tagen auf drei Berufsschulstandorte D-F. Wie soll unter solchen Umständen noch eine Beständigkeit im Lernprozess gewährleistet werden, wie sollen soziales Lernen und Integration gelingen? Außerdem sind - durch die Schließung bzw. Zusammenlegung der kleinen Hauptschulen bedingt - an vielen "neue Werkrealschulen" große Klassen entstanden.
Laut KM will man die "mittlere Reife in die Fläche bringen". Die "neue Werkrealschule" führt aber zuallererst zu einer weiteren Aufgliederung der Sekundarstufe, die dreistufige Grundschulempfehlung bleibt bestehen. Wenn die Werkrealschule einen "echte" Mittleren Bildungsabschluss anbietet, warum steht sie dann in der Hierarchie der Grundschulempfehlung nicht auf der gleichen Stufe wie die Realschule, sondern auf der Stufe der Hauptschulempfehlung?
Die "neue Werkrealschule" ist damit nichts anderes als ein Kaschierungsmoment für den mangelnden Willen zu einer notwendigen umfassenden Bildungsreform. Frau Schick trägt eine der letzten großen Lebenslügen der BW-CDU mit: den Glauben, das dreigliedrige Schulsystem könne gerecht und leistungsstark sein. Wer bereits Neunjährige mit völlig ungeeigneten Instrumenten nach vermeintlicher Eignung sortiert, verbaut vielen Kindern die Zukunft.
Trotzdem startete BW mit der Einführung der neuen Werkrealschule einen erneuten problematischen Versuch, die alten Hierarchien in der Schulstruktur zu erhalten.
In den vergangenen Jahrzehnten wurde mit enorm viel Aufwand aller Beteiligten an unzähligen vielen kleinen Schräubchen des Bildungssystems gedreht. Keiner der zahlreichen Reformversuche der letzten 40 Jahre hat jedoch dazu geführt - auch die Einführung der Werkrealschule vor 16 Jahren nicht - den dramatischen Schülerschwund an den baden –württembergischen Haupt-/Werkrealschulen zu verhindern. Die Halbwertszeit, was den Bestand der vielen "Reförmchen" angeht, wird immer kürzer. Obwohl auch die kleinen Hauptschulen nach dem Bildungsplan der NWRS arbeiten, durften sie sich nicht Werkrealschulen nennen. Unzählige Gemeinderatssitzungen, Schul- und Lehrerkonferenzen im ganzen Land suchten nach Lösungswegen aus dem Dilemma. Jetzt, kurz vor der Wahl, und durch den Druck der Kommunen ist es - nachdem bereits über 80 ländliche Hauptschulen geschlossen wurden - plötzlich möglich, was vorher mit vielen Argumenten als unmöglich dargestellt wurde: auch einzügige Hauptschulen dürfen sich jetzt Werkrealschule nennen! Diese Unberechenbarkeit in der baden-württembergischen Bildungspolitik ist verheerend und beispiellos.
Baden-Württemberg macht etwas, vor dem alle Bildungsforscher und Experten gewarnt haben: Es filetiert die Hauptschule und sein ganzes Schulsystem in viele schmale Streifen. Das ist das Gegenteil dessen, was wir seit den Pisa-Studien mühsam lernten: Sachte die Schulformen zusammenzuführen.
Welche Folgen wird das große Stückeln haben?
Fast 80 % der Schüler fahren in die großen städtischen Realschulen und Gymnasien. Bei der Beibehaltung unseres weltweit einzigartigen gegliederten Schulsystems werden laut einem aktuellen Schulentwicklungsgutachten in 10 – 15 Jahren nur noch ca. 30 % aller Gemeinden in Baden- Württemberg eine Schule ab Klasse 5 anbieten können. Die Folge ist die Entschulung des ländlichen Raumes mit katastrophalen Folgen für die betroffenen Gemeinden. Schulen, die erst einmal geschlossen sind, können später kaum noch für neue Schulkonzepte reanimiert werden.
Und bei diesem Szenario behauptet die Landesregierung, mit der Einführung der NWRS den ländlichen Raum zu stärken. Das ist Zynismus pur!
In der Bildungspolitik der derzeit Verantwortlichen gibt es kaum jemanden, der bereit ist, die Fakten anzusehen und sich anschließend eine Meinung zu bilden. Vielmehr hat man eine Meinung und die kann nicht durch Fakten erschüttert werden. Dies kann als ideologische Haltung bezeichnet werden. Ideologie sollte aber in der Bildungspolitik keinen Platz finden. Hier gilt es, sich über die Parteigrenzen hinweg für einen Weg zu entscheiden, der zum Wohle aller Kinder ist. Das Wohl der Kinder im Blick zu haben, beansprucht auch die Landesregierung für ihre Bildungspolitik. Aber ist das nicht ein reines Lippenbekenntnis angesichts der realen Schulsituation? 40 % aller Schulkinder klagen über Schulangst! Würden unsere verantwortlichen Bildungspolitiker nur ein Bruchteil der Schülerschicksale und der Familiendramen am eigenen Leib erfahren, den sie durch ihr Sortiersystem an 9 bis 10 jährigen Kinder erzeugen - unser unikates Schulsystem würde sich schnell wandeln. Selbst die führenden deutschen Hirnforscher sprechen von verheerenden Zuständen, die dieses System verursacht, das bei vielen Kindern Angst und Druck erzeugt und damit nachgewiesenermaßen nachhaltiges Lernen verhindert. Unsere Bildungspolitiker verwechseln Angst und Druck mit Leistung! Angst und Druck verhindert aber bei vielen Schülerinnen und Schüler Leistung!
Zahlreich ausgearbeitete Schulmodelle, die mit integrativen Formen in der Lage wären, alle Niveaustufen bzw. Abschlüsse bis zur 10 Klasse anzubieten, werden von der Landesregierung nicht genehmigt. Bei dieser international üblichen Schulform könnten aber in Zukunft über 70 % aller Gemeinden eine Schule ab Klasse 5 anbieten.
Gern wird bei diesem weltweit üblichen Schulsystem in Kreisen der CDU/FDP abschätzig der Teufel "Einheitsschule" an die Wand gemalt, weil sich die Bildungspolitiker, bedingt durch ihre eigene Schulbiographie und ihren begrenzten "Schulhorizont" einen individualisierten Unterricht schlichtweg nicht vorstellen können. Dabei gäbe es weltweit genügend erfolgreiche Anschauungsbeispiele.
Die "neue Werkrealschule" verhindert erneut mit hohem Energieaufwand aller Beteiligter eine überfällige Systemveränderung hin zu einem modernen inklusiven Bildungssystem. Warum begeht die Landesregierung zum wiederholten Mal den gleichen Fehler, wann lernt sie endlich aus ihren bildungspolitischen Fehlversuchen?
Was kann man gegen das Schulsterben unternehmen und wie könnte eine langfristige nachhaltige Schulplanung aussehen?
Die Alternative kann nur in der Regionalen Schulentwicklung liegen - ohne dogmatisches Festhalten an der überkommenen Sortiermentalität. Im Kern geht es um den Erhalt attraktiver und wohnortnaher Schuleinheiten mit dem Angebot höherer Abschlüsse sowie um die Abkehr von der frühzeitigen Aufteilung der Schüler.
Die Kommunen und Kreise sollen selbst entscheiden, welche Schule sie haben wollen. Sie werden alles tun, damit die Schule im Dorf bleibt. Das bedeutet: sie werden sich passgenau die Schule bauen, die sie vor Ort brauchen.
Dadurch bleiben viele mit Steuergeldern bestens ausgestattete Schulstandorte erhalten wodurch eine optimale Förderung aller Schüler in der Gemeinde oder dem Stadtteil. Sie lässt eine Höherqualifizierung aller Schüler zu, ohne unerträglichen Übertrittsdruck, ohne Entschulung des ländlichen Raums, ohne irrsinnigen Schulbus-Tourismus und ohne schulische Ghettobildung in den Städten.
BW braucht eine echte Schulreform und keine fortgesetztes Herumdoktern an einem überkommenen System. Mit der Einführung einer vierten Schulform wie der "neuen Werkrealschule" wird letztlich nur der Übertrittsdruck in Klasse vier erhöht.
Und nun zum Ende des Märchens: "Aber er hat ja gar nichts an!" sagte endlich ein kleines Kind. "Hört die Stimme der Unschuld!" sagte der Vater; und der eine zischelte dem andern zu, was das Kind gesagt hatte. "Aber er hat ja gar nichts an!" rief zuletzt das ganze Volk.
Es ist an der Zeit, parteiübergreifend an einem Gesamtkonzept zur künftigen Schulstruktur in BW zu arbeiten, das die Schülerinnen und Schüler mit ihren individuellen Fähigkeiten in den Mittelpunkt stellt, das den Fokus nicht auf das Sortieren, sondern auf das Stärken , Fördern und Begleiten legt.
Länger Gemeinsam Lernen Baden-Württemberg e.V.
Stuttgart, 11.02.2011 Die Bildungsgewerkschaft GEW warnt die Wähler/innen angesichts des Landtagswahlkampfes vor Etikettenschwindel in der Bildungspolitik. Die größte bildungspolitische Interessenvertretung in Baden-Württemberg erwartet von den Parteien konkrete Aussagen, wie durch Schülerrückgang frei werdende Lehrerstellen für pädagogische Verbesserungen und die Sicherung der Unterrichtsversorgung genutzt werden sollen. "Das Schüler-Lehrer-Verhältnis hat sich in den vergangenen 25 Jahren um bis zu 18 Prozent verschlechtert.
Angesichts der zahlreichen pädagogischen Herausforderungen wie Ausbau der Ganztagsschulen, Inklusion behinderter Schülerinnen und Schüler oder Sprachförderung kann es sich unser Land noch lange nicht leisten, Lehrerstellen zu streichen oder zu sperren", sagte am Freitag (11.02.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg.
Die GEW mischt sich unter dem Motto "Zeit für Bildung!" in den Landtagswahlkampf ein. In Diskussionen mit den Spitzenkandidat/innen der Parteien und einer bildungspolitische Erklärung verlangt die Bildungsgewerkschaft unter anderem kleinere Klassen, Erhalt aller Lehrerstellen und mehr Investitionen für KiTas.
Die GEW-Chefin Moritz befürchtet, dass die jetzige Landesregierung noch in diesem Jahr 700 Lehrerstellen sperren will. "Bisher habe ich weder von Ministerpräsident Stefan Mappus noch von Kultusministerin Marion Schick eine Antwort auf meine Frage bekommen, ob durch das geplante freiwillige Vorgriffsstundenmodell Lehrerstellen gesperrt werden sollen. Die Lehrerinnen und Lehrer werden sich nicht an einem Modell beteiligen, das Einstellungschancen von 800 jungen Lehrerinnen und Lehrer vernichtet und keine Verbesserungen für ihre Schülerinnen und Schüler bringt", sagte Moritz.
Die GEW weist darauf hin, dass die Inklusionspläne der Landesregierung zum Scheitern verurteilt sind. "Die Rahmenbedingungen sind so schlecht, dass wir gut verstehen können, wenn derzeit Eltern ihre behinderten Kinder nicht auf allgemeine Schulen schicken. CDU und FDP betreiben Inklusion nur als Alibi und werden den Vorgaben der UN nicht gerecht", sagte Moritz.
Angesichts der zahlreichen pädagogischen Herausforderungen wie Ausbau der Ganztagsschulen, Inklusion behinderter Schülerinnen und Schüler oder Sprachförderung kann es sich unser Land noch lange nicht leisten, Lehrerstellen zu streichen oder zu sperren", sagte am Freitag (11.02.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg.
Die GEW mischt sich unter dem Motto "Zeit für Bildung!" in den Landtagswahlkampf ein. In Diskussionen mit den Spitzenkandidat/innen der Parteien und einer bildungspolitische Erklärung verlangt die Bildungsgewerkschaft unter anderem kleinere Klassen, Erhalt aller Lehrerstellen und mehr Investitionen für KiTas.
Die GEW-Chefin Moritz befürchtet, dass die jetzige Landesregierung noch in diesem Jahr 700 Lehrerstellen sperren will. "Bisher habe ich weder von Ministerpräsident Stefan Mappus noch von Kultusministerin Marion Schick eine Antwort auf meine Frage bekommen, ob durch das geplante freiwillige Vorgriffsstundenmodell Lehrerstellen gesperrt werden sollen. Die Lehrerinnen und Lehrer werden sich nicht an einem Modell beteiligen, das Einstellungschancen von 800 jungen Lehrerinnen und Lehrer vernichtet und keine Verbesserungen für ihre Schülerinnen und Schüler bringt", sagte Moritz.
Die GEW weist darauf hin, dass die Inklusionspläne der Landesregierung zum Scheitern verurteilt sind. "Die Rahmenbedingungen sind so schlecht, dass wir gut verstehen können, wenn derzeit Eltern ihre behinderten Kinder nicht auf allgemeine Schulen schicken. CDU und FDP betreiben Inklusion nur als Alibi und werden den Vorgaben der UN nicht gerecht", sagte Moritz.

