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Bayerns Kultusministerium begrüßt, dass BLLV sich bewusst als Partner gegen rechte Gewalt ausgesprochen hat
München, 03.02.2012 Das Bayerische Kultusministerium begrüßt es, dass sich der BLLV heute deutlich als Partner in der Erziehung gegen rechte Gewalt ausgesprochen hat - wie dies die anderen Lehrerverbände, nämlich Bayerischer Realschullehrerverband und Bayerischer Philologenverband, ja bereits jüngst in Zusammenhang mit den Planungen der NPD-Jugend in Landshut getan haben.
An Bayerns Schulen gehört das Aufarbeiten der Geschichte des totalitären Systems sowie das Einüben von Demokratie und Toleranz zu den Kernzielen der Bildungs- und Erziehungsarbeit.
In Bayern ist deshalb der Unterricht in den Fächern Geschichte und Sozialkunde in allen Schularten fest und nachhaltig verankert.
Zusätzliche Stunden sind, wie es der BLLV fordert, pädagogisch sicher immer sinnvoll. Allerdings sollten sich Befürworter einer Ausweitung von Fächern über die bereits vorhandenen Stundenzahlen hinaus darüber klar werden, dass Bildung sich nicht nur auf gesellschaftspolitische Themen beschränken kann. Auch sprachliche, naturwissenschaftliche und musisch-kreative Bildung haben einen hohen Stellenwert, den man angesichts der jungen Menschen mit ihren Talenten und Interessen sowie den gesellschaftlichen Anforderungen nicht in Frage stellen darf. Das Kultusministerium hält die Stundentafeln für die einzelnen Schularten für ausgewogen. Die dazugehörigen Lehrpläne sind von erfahrenen Lehrkräften selbst entwickelt worden.
Mit Unverständnis reagiert das Ministerium auf die Aussagen des BLLV-Präsidenten Wenzel, dass in den "etablierten Schulsystemen Konkurrenz und Ausgrenzung dominieren". Im Mittelpunkt der Arbeit der Lehrkräfte in Bayern steht es, die jungen Menschen zu fordern und zu fördern. Die Werteerziehung einschließlich der Anstrengungen, eine Ausgrenzung von jungen Menschen bereits im Keim zu ersticken, gehört dazu.
Der Anteil der Jugendlichen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, ist in den beiden Ländern Baden-Württemberg und Bayern (5,6 Prozent) am niedrigsten. Es ist ein Ziel des Kultusministeriums, diesen Anteil weiter zu senken.
An Bayerns Schulen gehört das Aufarbeiten der Geschichte des totalitären Systems sowie das Einüben von Demokratie und Toleranz zu den Kernzielen der Bildungs- und Erziehungsarbeit.
In Bayern ist deshalb der Unterricht in den Fächern Geschichte und Sozialkunde in allen Schularten fest und nachhaltig verankert.
Zusätzliche Stunden sind, wie es der BLLV fordert, pädagogisch sicher immer sinnvoll. Allerdings sollten sich Befürworter einer Ausweitung von Fächern über die bereits vorhandenen Stundenzahlen hinaus darüber klar werden, dass Bildung sich nicht nur auf gesellschaftspolitische Themen beschränken kann. Auch sprachliche, naturwissenschaftliche und musisch-kreative Bildung haben einen hohen Stellenwert, den man angesichts der jungen Menschen mit ihren Talenten und Interessen sowie den gesellschaftlichen Anforderungen nicht in Frage stellen darf. Das Kultusministerium hält die Stundentafeln für die einzelnen Schularten für ausgewogen. Die dazugehörigen Lehrpläne sind von erfahrenen Lehrkräften selbst entwickelt worden.
Mit Unverständnis reagiert das Ministerium auf die Aussagen des BLLV-Präsidenten Wenzel, dass in den "etablierten Schulsystemen Konkurrenz und Ausgrenzung dominieren". Im Mittelpunkt der Arbeit der Lehrkräfte in Bayern steht es, die jungen Menschen zu fordern und zu fördern. Die Werteerziehung einschließlich der Anstrengungen, eine Ausgrenzung von jungen Menschen bereits im Keim zu ersticken, gehört dazu.
Der Anteil der Jugendlichen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, ist in den beiden Ländern Baden-Württemberg und Bayern (5,6 Prozent) am niedrigsten. Es ist ein Ziel des Kultusministeriums, diesen Anteil weiter zu senken.
München, 03.02.2012 Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, sieht in integrativen Bildungssystemen den Schlüssel zum Erhalt einer friedlichen, demokratischen, sozialen und ökologischen Gesellschaft.
"Eine der vordinglichsten Aufgaben der Zukunft wird sein, Segregationstendenzen zu stoppen, denn sich gegenseitig ausgrenzende gesellschaftliche Gruppierungen stellen eine Gefahr für den sozialen Frieden dar." Junge Menschen müssten in Kindergärten und Schulen erfahren dürfen, dass Heterogenität als Bereicherung und Anderssein als Chance zu begreifen seien. "Dieses Denken lässt sich aber in den etablierten Schulsystemen nur schwer umsetzen, denn es dominieren Konkurrenz und Ausgrenzung", sagte Wenzel heute in München. "Kinder erleben früh: Wer nicht funktioniert, muss raus, wer schneller lernt, darf eine Klasse überspringen, wer zu langsam ist, hat das Nachsehen und wer anders ist, hat es schwer." Bundesweit verlassen jährlich 40.000 bis 50.000 junge Menschen die Schule ohne Abschluss und ohne Perspektive. Weil sie nichts zu verlieren haben und sich an den gesellschaftlichen Rand gedrängt fühlen, sind sie besonders gefährdet für politische Radikalismen wie Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Wenzel forderte deutlich mehr Unterstützung für die Schulen. Zudem müsse der Geschichts- und Sozialkundeunterricht aufgewertet und erhöht werden. Rechtsradikal ansozialisierte Jugendliche bräuchten wirksame Hilfen und Angebote, die ihnen den Weg in die Demokratie weisen.
"Freilich: Für die Verbreitung rechtradikaler Tendenzen in unserer Gesellschaft kann nicht die Art und Weise eines Schulsystems verantwortlich gemacht werden", betonte der BLLV-Präsident. Gleichzeitig dürften aber die Erfahrungen, die junge Menschen in den Bildungseinrichtungen machen, nicht unterschätzt werden. "Sie sind vielfach negativ und sie sind gekennzeichnet von Ausgrenzung, jahrelangem Leistungsdruck und leider auch Ungerechtigkeit. So stehen auf der einen Seite viele Jugendliche aus sozial benachteiligten Haushalten ohne Aussicht auf ein beruflich erfolgreiches Leben da, auf der anderen Seite zerbrechen viele Kinder gerade aus Wohlstandsfamilien an dem auf sie lastenden Druck. Ein liebevoller, geduldiger und verständnisvoller Umgang mit Heranwachsenden sieht meines Erachtens anders aus - und er wäre sicher auch ein guter Ansatz, Radikalismen - gleich welcher Art - im Keim zu ersticken." Studien belegten, dass es auch und gerade Frustrationserlebnisse sind, die junge Menschen anfällig für rechtsradikale Tendenzen machen. Schulen müssten daher in die Lage versetzt werden, junge Menschen zu integrieren, sie zu stärken und ihr Vertrauen in die eigenen Kräfte zu wecken - ihre Herkunft dürfte dabei keine Rolle spielen.
Mit einem positiven Schulklima lässt sich am wirksamsten gegen ausländerfeindliche Parolen oder antisemitische Einstellungen vorgehen. "Schulen, in denen Toleranz anstatt Konfrontation gelebt wird, in denen andere Meinungen angehört und diskutiert werden können, schaffen ein Klima des Vertrauens", sagte Wenzel. "Lehrkräfte brauchen also genügend Zeit und Raum, um für jeden einzelnen Schüler da sein zu können, um ihn da abzuholen, wo er emotional gerade steht. Wenn sie merken, dass mit einem ihrer Schüler etwas in die falsche Richtung läuft, müssen sie auch wissen, was sie tun können, wo sie welche Hilfe bekommen und welche Präventionsprogramme es gibt. In der Regel lehnen Schüler ein Gespräch nicht ab - im Gegenteil, sie suchen es. Lehrer müssten aber entsprechend vorbereitet sein, sie brauchen Argumentationshilfen, sie brauchen Zeit und sie müssen wissen, wie ein solches Gespräch am besten zu führen ist."
Die Bereitschaft der bayerischen Lehrkräfte, radikalen politischen Einstellungen von Schülern entgegenzutreten, sei hoch. "Pädagogen sind auch um ein gutes Schulklima bemüht, doch vorherrschende Strukturen wie z.B. das gängige Lern- und Leistungsverständnis oder der Zwang, Schüler ständig um- und aussortieren zu müssen, erschweren solche Prozesse. Zudem könnten in den Schulen nicht alle Probleme der Gesellschaft gelöst werden. "Wenn die Stimmung in der Gesellschaft in hohem Maß ausländerfeindlich ist, ist es schwer, in der Schule dagegen anzugehen."
Wenzel forderte eine Aufwertung und deutliche Erweiterung des Sozialkunde- und Geschichtsunterrichts an allen Schulen. "Hier wurden Stunden eingespart und gestrichen. Zwar gebe es Unterrichtseinheiten zum Nationalsozialismus, doch leider sei es so, dass die politische Bildung für viele Schüler eine eher untergeordnete Rolle spielt. "Es ist alarmierend, wenn, wie jüngst veröffentlicht, nur jeder fünfte Jugendliche weiß, was in Auschwitz geschah." Neben der Aufklärung im Unterricht spiele aber auch die Beratung von Eltern eine wesentliche Rolle.
Als besonders gefährdet für politische Radikalismen gelten sozial benachteiligte Jugendliche, Jugendliche aus bildungsfernen Schichten oder strukturschwachen Regionen, Jugendliche mit Demokratiedefiziten, Verhaltensauffälligkeiten, kriminellen Karrieren oder Gewaltneigung. "Wir müssen versuchen, Betroffene zu erreichen und zurückzuholen", forderte Wenzel. Das sei eine teure Arbeit, die aber geleistet werden müsse. "Rechtsextremistisch ansozialisierte Jugendliche dürfen nicht sich selbst überlassen werden." Sie brauchen Hilfe und attraktive Angebote, sie brauchen vor allem auch berufliche und soziale Perspektiven und eine Jugendarbeit, die ihnen das Gefühl gibt, ernst genommen zu werden." Lokale Gesamtstrategien, die es ermöglichten, adäquat vor Ort arbeiten zu können, machten hier Sinn.
"Eine der vordinglichsten Aufgaben der Zukunft wird sein, Segregationstendenzen zu stoppen, denn sich gegenseitig ausgrenzende gesellschaftliche Gruppierungen stellen eine Gefahr für den sozialen Frieden dar." Junge Menschen müssten in Kindergärten und Schulen erfahren dürfen, dass Heterogenität als Bereicherung und Anderssein als Chance zu begreifen seien. "Dieses Denken lässt sich aber in den etablierten Schulsystemen nur schwer umsetzen, denn es dominieren Konkurrenz und Ausgrenzung", sagte Wenzel heute in München. "Kinder erleben früh: Wer nicht funktioniert, muss raus, wer schneller lernt, darf eine Klasse überspringen, wer zu langsam ist, hat das Nachsehen und wer anders ist, hat es schwer." Bundesweit verlassen jährlich 40.000 bis 50.000 junge Menschen die Schule ohne Abschluss und ohne Perspektive. Weil sie nichts zu verlieren haben und sich an den gesellschaftlichen Rand gedrängt fühlen, sind sie besonders gefährdet für politische Radikalismen wie Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Wenzel forderte deutlich mehr Unterstützung für die Schulen. Zudem müsse der Geschichts- und Sozialkundeunterricht aufgewertet und erhöht werden. Rechtsradikal ansozialisierte Jugendliche bräuchten wirksame Hilfen und Angebote, die ihnen den Weg in die Demokratie weisen.
"Freilich: Für die Verbreitung rechtradikaler Tendenzen in unserer Gesellschaft kann nicht die Art und Weise eines Schulsystems verantwortlich gemacht werden", betonte der BLLV-Präsident. Gleichzeitig dürften aber die Erfahrungen, die junge Menschen in den Bildungseinrichtungen machen, nicht unterschätzt werden. "Sie sind vielfach negativ und sie sind gekennzeichnet von Ausgrenzung, jahrelangem Leistungsdruck und leider auch Ungerechtigkeit. So stehen auf der einen Seite viele Jugendliche aus sozial benachteiligten Haushalten ohne Aussicht auf ein beruflich erfolgreiches Leben da, auf der anderen Seite zerbrechen viele Kinder gerade aus Wohlstandsfamilien an dem auf sie lastenden Druck. Ein liebevoller, geduldiger und verständnisvoller Umgang mit Heranwachsenden sieht meines Erachtens anders aus - und er wäre sicher auch ein guter Ansatz, Radikalismen - gleich welcher Art - im Keim zu ersticken." Studien belegten, dass es auch und gerade Frustrationserlebnisse sind, die junge Menschen anfällig für rechtsradikale Tendenzen machen. Schulen müssten daher in die Lage versetzt werden, junge Menschen zu integrieren, sie zu stärken und ihr Vertrauen in die eigenen Kräfte zu wecken - ihre Herkunft dürfte dabei keine Rolle spielen.
Mit einem positiven Schulklima lässt sich am wirksamsten gegen ausländerfeindliche Parolen oder antisemitische Einstellungen vorgehen. "Schulen, in denen Toleranz anstatt Konfrontation gelebt wird, in denen andere Meinungen angehört und diskutiert werden können, schaffen ein Klima des Vertrauens", sagte Wenzel. "Lehrkräfte brauchen also genügend Zeit und Raum, um für jeden einzelnen Schüler da sein zu können, um ihn da abzuholen, wo er emotional gerade steht. Wenn sie merken, dass mit einem ihrer Schüler etwas in die falsche Richtung läuft, müssen sie auch wissen, was sie tun können, wo sie welche Hilfe bekommen und welche Präventionsprogramme es gibt. In der Regel lehnen Schüler ein Gespräch nicht ab - im Gegenteil, sie suchen es. Lehrer müssten aber entsprechend vorbereitet sein, sie brauchen Argumentationshilfen, sie brauchen Zeit und sie müssen wissen, wie ein solches Gespräch am besten zu führen ist."
Die Bereitschaft der bayerischen Lehrkräfte, radikalen politischen Einstellungen von Schülern entgegenzutreten, sei hoch. "Pädagogen sind auch um ein gutes Schulklima bemüht, doch vorherrschende Strukturen wie z.B. das gängige Lern- und Leistungsverständnis oder der Zwang, Schüler ständig um- und aussortieren zu müssen, erschweren solche Prozesse. Zudem könnten in den Schulen nicht alle Probleme der Gesellschaft gelöst werden. "Wenn die Stimmung in der Gesellschaft in hohem Maß ausländerfeindlich ist, ist es schwer, in der Schule dagegen anzugehen."
Wenzel forderte eine Aufwertung und deutliche Erweiterung des Sozialkunde- und Geschichtsunterrichts an allen Schulen. "Hier wurden Stunden eingespart und gestrichen. Zwar gebe es Unterrichtseinheiten zum Nationalsozialismus, doch leider sei es so, dass die politische Bildung für viele Schüler eine eher untergeordnete Rolle spielt. "Es ist alarmierend, wenn, wie jüngst veröffentlicht, nur jeder fünfte Jugendliche weiß, was in Auschwitz geschah." Neben der Aufklärung im Unterricht spiele aber auch die Beratung von Eltern eine wesentliche Rolle.
Als besonders gefährdet für politische Radikalismen gelten sozial benachteiligte Jugendliche, Jugendliche aus bildungsfernen Schichten oder strukturschwachen Regionen, Jugendliche mit Demokratiedefiziten, Verhaltensauffälligkeiten, kriminellen Karrieren oder Gewaltneigung. "Wir müssen versuchen, Betroffene zu erreichen und zurückzuholen", forderte Wenzel. Das sei eine teure Arbeit, die aber geleistet werden müsse. "Rechtsextremistisch ansozialisierte Jugendliche dürfen nicht sich selbst überlassen werden." Sie brauchen Hilfe und attraktive Angebote, sie brauchen vor allem auch berufliche und soziale Perspektiven und eine Jugendarbeit, die ihnen das Gefühl gibt, ernst genommen zu werden." Lokale Gesamtstrategien, die es ermöglichten, adäquat vor Ort arbeiten zu können, machten hier Sinn.
Würzburg, 03.06.2011 Das Lernen an Schulen muss neu definiert werden. Schüler und Lehrkräfte müssen anders arbeiten dürfen. "Pädagogen wissen genau, wo es hakt. Sie stoßen im bayerischen Schulsystem immer wieder an vorgegebene Grenzen", erklärte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, bei der 52. Landesdelegiertenversammlung in Würzburg.
Der vorgelegte Leitantrag "Aufbrechen! Lernen im 21. Jahrhundert", er wurde von rund 500 Bildungsexperten aus ganz Bayern nach eingehender Beratung mit überwältigender Mehrheit verabschiedet, sei richtungsweisend für die bayerische Schul- und Bildungspolitik. Wenzel forderte die Staatsregierung auf, den Schulen Wege zu eröffnen, die neues Lernen ermöglichten. "Lehrkräfte wissen, was gute Schulen ausmacht, sie wissen aber auch, dass sie dieses Wissen nicht so umsetzen können, wie sie es gerne tun würden." Schulen müssten sich zu sehr nach an den Vorstellungen der Politik orientieren und könnten zu wenig nach ihrer Profession handeln. "Neues Lernen zu etablieren kann nur gelingen, wenn Schulen die dafür nötige Freiheit bekommen. Im Zentrum des neuen Lernbegriffs stehen individuelle Förderung und längeres gemeinsames Lernen."
Aus Sicht des BLLV ist der Lehrer der Zukunft kein Be-lehrer, sondern Lernberater oder Coach - und er stellt den Schüler mit all seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt. Er kann Grundsätze eines modernen Unterrichts leben und ist befreit von einem System, das auf Bewertungen, Punkten, Noten und Berechtigungen ausgerichtet ist. Er kann Lernbegleiter sein, Kinder individuell fördern, Lernfortschritte anerkennen, im Team arbeiten, in der Ganztagsschule seinen Arbeitsplatz gestalten und er kann Netzwerke nutzen. Er ist gestärkt in seiner diagnostischen Kompetenz und in der Gestaltung anspruchsvoller Lehr- und Lernumgebungen. Er kann dem Lernenden die Werkzeuge liefern, die er braucht und leistet Hilfestellung. In den Schulen der Zukunft werden verschiedene Professionen und Kompetenzen gebündelt, Schüler und Lehrer unterstützt: Es gibt Schulsozialarbeiter, Beratungsfachkräfte, Schulpsychologen, Alternative Schulische Angebote (ASA), Förderlehrer, Psychotherapeuten und Ergotherapeuten, Logopäden, Heilpädagogen und weitere Experten. Ihre Aufgabe ist es, auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler einzugehen und die jeweilige Lehrkraft professionell zu begleiten. Die Zusatzangebote haben keinen Exotenstatus, sie sind vielmehr selbstverständlicher und verlässlicher Bestandteil jeder Schule.
"Leider sind wir vom Idealfall noch weit entfernt", stellte Wenzel fest. "Um ihn zu erreichen, müssen bestehende Strukturen aufgebrochen werden", betonte er. Notwendig seien Veränderungen in allen drei Phasen der Lehrerbildung sowie die Etablierung einer Förderkultur, bei der Lehrpläne durch kompetenzorientierte Standards ersetzt und Schüler-Relationen effektiv gestalten werden. "Schulen brauchen mehr Unabhängigkeit und sollten in erweiterter Verantwortung agieren dürfen. Sie müssen in die Lage versetzt werden, die Inklusionsidee umzusetzen, dezentralisierte Bildungsangebote und Heterogenität anzuerkennen, ausreichend Lehrerstunden bereit stellen zu können und Formen des längeren gemeinsamen Lernens zu ermöglichen."
"Wir wissen längst, dass diese Kriterien gute Schulen ausmachen und es stellt sich die Frage, warum sie in der Schulrealität nicht umgesetzt werden dürfen", so der BLLV-Präsident. Derzeit seien individualisierte und differenzierte Lernarrangements das ´Sahnehäubchen´ und ´nette Beiwerk", nicht aber Realität in jeder Unterrichtsstunde - genau das aber sollten sie sein." Stattdessen müssten Lehrerinnen und Lehrer mit eng gestrickten Vorgaben zu Recht kommen, die modernen Unterricht erschweren.
Es hilft einem Kind wenig, wenn es vom Lehrer für seine Plakatarbeit gelobt wird, dann aber doch nur die Note aus der Schulaufgabe zählt. Es hilft einem Kind auch nicht, wenn es in der Förderstunde unterstützt wird, dann aber die gleichen Proben wie die anderen Kinder schreiben muss. Pädagogen wissen auch, wie wertvoll Methodenwechsel im Unterricht ist und setzen ihn bewusst ein. Sie stoßen aber an Grenzen, wenn sie in vierten Grundschulklassen eine Projektwoche "Kunst" abhalten wollen. Gruppenarbeiten können auch schlecht präsentiert werden, wenn dafür nur zwei Unterrichtsstunden pro Woche vorgesehen sind. Lehrkräfte finden auch nicht die Zeit, für die Präsentation der Referate einzelner Schülergruppen. Zwar fixiert der Lehrplan die Methode als übergreifendes Lernziel, die Fülle des Stoffes lässt hierfür aber wenig Spielraum.
Im BLLV-Leitantrag wird festgestellt, dass Unterricht nur dann verändert und "aufgebrochen" werden kann, wenn sich einerseits die Lehrer auf den Weg machen. "Das tun sie und können sie." Andererseits aber könnten Lernarrangements nur so gut sein, wie das System es zulässt. "Ein auf Sortieren ausgelegtes System lässt jede Form des modernen Lernens scheitern." Der BLLV fordert deshalb, Formen längeren gemeinsamen Lernens zuzulassen und in diesen aufzuzeigen, wie fruchtbar Lernen in heterogenen Lerngruppen sein kann.
Der vollständige Leitantrag ist unter www.bllv.de zu finden
Der vorgelegte Leitantrag "Aufbrechen! Lernen im 21. Jahrhundert", er wurde von rund 500 Bildungsexperten aus ganz Bayern nach eingehender Beratung mit überwältigender Mehrheit verabschiedet, sei richtungsweisend für die bayerische Schul- und Bildungspolitik. Wenzel forderte die Staatsregierung auf, den Schulen Wege zu eröffnen, die neues Lernen ermöglichten. "Lehrkräfte wissen, was gute Schulen ausmacht, sie wissen aber auch, dass sie dieses Wissen nicht so umsetzen können, wie sie es gerne tun würden." Schulen müssten sich zu sehr nach an den Vorstellungen der Politik orientieren und könnten zu wenig nach ihrer Profession handeln. "Neues Lernen zu etablieren kann nur gelingen, wenn Schulen die dafür nötige Freiheit bekommen. Im Zentrum des neuen Lernbegriffs stehen individuelle Förderung und längeres gemeinsames Lernen."
Aus Sicht des BLLV ist der Lehrer der Zukunft kein Be-lehrer, sondern Lernberater oder Coach - und er stellt den Schüler mit all seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt. Er kann Grundsätze eines modernen Unterrichts leben und ist befreit von einem System, das auf Bewertungen, Punkten, Noten und Berechtigungen ausgerichtet ist. Er kann Lernbegleiter sein, Kinder individuell fördern, Lernfortschritte anerkennen, im Team arbeiten, in der Ganztagsschule seinen Arbeitsplatz gestalten und er kann Netzwerke nutzen. Er ist gestärkt in seiner diagnostischen Kompetenz und in der Gestaltung anspruchsvoller Lehr- und Lernumgebungen. Er kann dem Lernenden die Werkzeuge liefern, die er braucht und leistet Hilfestellung. In den Schulen der Zukunft werden verschiedene Professionen und Kompetenzen gebündelt, Schüler und Lehrer unterstützt: Es gibt Schulsozialarbeiter, Beratungsfachkräfte, Schulpsychologen, Alternative Schulische Angebote (ASA), Förderlehrer, Psychotherapeuten und Ergotherapeuten, Logopäden, Heilpädagogen und weitere Experten. Ihre Aufgabe ist es, auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler einzugehen und die jeweilige Lehrkraft professionell zu begleiten. Die Zusatzangebote haben keinen Exotenstatus, sie sind vielmehr selbstverständlicher und verlässlicher Bestandteil jeder Schule.
"Leider sind wir vom Idealfall noch weit entfernt", stellte Wenzel fest. "Um ihn zu erreichen, müssen bestehende Strukturen aufgebrochen werden", betonte er. Notwendig seien Veränderungen in allen drei Phasen der Lehrerbildung sowie die Etablierung einer Förderkultur, bei der Lehrpläne durch kompetenzorientierte Standards ersetzt und Schüler-Relationen effektiv gestalten werden. "Schulen brauchen mehr Unabhängigkeit und sollten in erweiterter Verantwortung agieren dürfen. Sie müssen in die Lage versetzt werden, die Inklusionsidee umzusetzen, dezentralisierte Bildungsangebote und Heterogenität anzuerkennen, ausreichend Lehrerstunden bereit stellen zu können und Formen des längeren gemeinsamen Lernens zu ermöglichen."
"Wir wissen längst, dass diese Kriterien gute Schulen ausmachen und es stellt sich die Frage, warum sie in der Schulrealität nicht umgesetzt werden dürfen", so der BLLV-Präsident. Derzeit seien individualisierte und differenzierte Lernarrangements das ´Sahnehäubchen´ und ´nette Beiwerk", nicht aber Realität in jeder Unterrichtsstunde - genau das aber sollten sie sein." Stattdessen müssten Lehrerinnen und Lehrer mit eng gestrickten Vorgaben zu Recht kommen, die modernen Unterricht erschweren.
Es hilft einem Kind wenig, wenn es vom Lehrer für seine Plakatarbeit gelobt wird, dann aber doch nur die Note aus der Schulaufgabe zählt. Es hilft einem Kind auch nicht, wenn es in der Förderstunde unterstützt wird, dann aber die gleichen Proben wie die anderen Kinder schreiben muss. Pädagogen wissen auch, wie wertvoll Methodenwechsel im Unterricht ist und setzen ihn bewusst ein. Sie stoßen aber an Grenzen, wenn sie in vierten Grundschulklassen eine Projektwoche "Kunst" abhalten wollen. Gruppenarbeiten können auch schlecht präsentiert werden, wenn dafür nur zwei Unterrichtsstunden pro Woche vorgesehen sind. Lehrkräfte finden auch nicht die Zeit, für die Präsentation der Referate einzelner Schülergruppen. Zwar fixiert der Lehrplan die Methode als übergreifendes Lernziel, die Fülle des Stoffes lässt hierfür aber wenig Spielraum.
Im BLLV-Leitantrag wird festgestellt, dass Unterricht nur dann verändert und "aufgebrochen" werden kann, wenn sich einerseits die Lehrer auf den Weg machen. "Das tun sie und können sie." Andererseits aber könnten Lernarrangements nur so gut sein, wie das System es zulässt. "Ein auf Sortieren ausgelegtes System lässt jede Form des modernen Lernens scheitern." Der BLLV fordert deshalb, Formen längeren gemeinsamen Lernens zuzulassen und in diesen aufzuzeigen, wie fruchtbar Lernen in heterogenen Lerngruppen sein kann.
Der vollständige Leitantrag ist unter www.bllv.de zu finden
München, 27.01.2011 Erst kürzlich wurde auf der Klausurtagung in St. Quirin trotz wachsender Staatseinnahmen eine Absenkung der Eingangsbesoldung für die bayerischen Beamten beschlossen. "Auch die Beamten sollen ihren Beitrag zur Konsolidierung des bayerischen Staatshaushaltes leisten", hieß es von oberster Stelle. Nun müssen die bayerischen Junglehrerinnen und -lehrer einen erneuten Nackenschlag hinnehmen: Nach Bekanntgabe der Einstellungszahlen werden zum Schulhalbjahr im Februar mehrere hundert hoch qualifizierte Gymnasiallehrkräfte kein Stellenangebot erhalten. Nach Jahren des Studiums und zweijährigem Referendariat ist für sie erst einmal Endstation.
Für eine solche Einstellungspolitik fehlt den Betroffenen jegliches Verständnis: Unzählige Stundenausfälle, große Klassen mit häufig mehr als 30 Schülerinnen und Schülern und fehlende Unterrichtsstunden für eine echte individuelle Förderung lassen das Lernen am Gymnasium für Kinder und damit auch für Lehrkräfte immer mehr zu einer Zumutung werden. Wissenslücken der Schülerinnen und Schüler werden in der Folge durch private Nachhilfe finanziert. Diese geht dann nicht mehr auf Kosten des Staates, sondern der Eltern.
Das Ministerium begründet seine Einstellungspolitik mit den begrenzten finanziellen Mitteln, ohne dabei auf die Folgen dieser Bildungspolitik zu schauen. Der Fachkräftemangel, der vor allem der Industrie in den kommenden Jahren zu schaffen machen wird, ist nicht zuletzt eine Folge der Misswirtschaft im Bildungsbereich. Ein Land, dessen einzige Ressource die Bildung seiner Bürger ist, darf auf diesem Sektor nicht sparen. Eine bestmögliche Bildung und Ausbildung für alle Kinder und Jugendlichen muss an erster Stelle stehen! Und was macht die Politik? Entscheiden sich junge Abiturientinnen und Abiturienten für ein Lehramtsstudium, müssen sie nach Beendigung ihres Studiums immer häufiger feststellen, dass sie angeblich nicht gebraucht werden. "Sie werden durch Sparmaßnahmen ihrer Zukunft in Bayern beraubt", so Evelyn Westphal, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer (ABJ) im BLLV. Nicht selten stellen andere Bundesländer diese Lehrkräfte an ihren Schulen ein. Schließlich sparen sie sich deren Ausbildung und bekommen quasi frei Haus hoch qualifizierte Lehrer.
Wenn nur ein Bruchteil der Milliarden Euro, die in den vergangenen Jahren in Banken und andere Kreditinstitute gepumpt wurden, den Bildungseinrichtungen zur Verfügung stünden, müsste einem um die Zukunft des bayerischen Bildungssystems nicht bange sein. Doch anstatt den Bildungseinrichtungen die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen, werden finanzielle Zuwendungen an der einen Schulart gestrichen, um die Löcher an einer anderen Stelle notdürftig zu stopfen. Die Schularten dürfen aber nicht gegeneinander ausgespielt werden! So wäre es beispielsweise fatal, ebenfalls dringend benötigte Stellen an Grundschulen einzusparen, denn gerade hier ist eine intensive Förderung der heterogenen Schülerschaft unverzichtbar, um allen Kindern bestmögliche Startchancen zu ermöglichen. Nicht nachvollziehbar ist, dass im Herbst letzten Jahres über 1600 Grundschullehrerinnen und -lehrer keine Planstelle bekommen haben!
Für eine solche Einstellungspolitik fehlt den Betroffenen jegliches Verständnis: Unzählige Stundenausfälle, große Klassen mit häufig mehr als 30 Schülerinnen und Schülern und fehlende Unterrichtsstunden für eine echte individuelle Förderung lassen das Lernen am Gymnasium für Kinder und damit auch für Lehrkräfte immer mehr zu einer Zumutung werden. Wissenslücken der Schülerinnen und Schüler werden in der Folge durch private Nachhilfe finanziert. Diese geht dann nicht mehr auf Kosten des Staates, sondern der Eltern.
Das Ministerium begründet seine Einstellungspolitik mit den begrenzten finanziellen Mitteln, ohne dabei auf die Folgen dieser Bildungspolitik zu schauen. Der Fachkräftemangel, der vor allem der Industrie in den kommenden Jahren zu schaffen machen wird, ist nicht zuletzt eine Folge der Misswirtschaft im Bildungsbereich. Ein Land, dessen einzige Ressource die Bildung seiner Bürger ist, darf auf diesem Sektor nicht sparen. Eine bestmögliche Bildung und Ausbildung für alle Kinder und Jugendlichen muss an erster Stelle stehen! Und was macht die Politik? Entscheiden sich junge Abiturientinnen und Abiturienten für ein Lehramtsstudium, müssen sie nach Beendigung ihres Studiums immer häufiger feststellen, dass sie angeblich nicht gebraucht werden. "Sie werden durch Sparmaßnahmen ihrer Zukunft in Bayern beraubt", so Evelyn Westphal, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer (ABJ) im BLLV. Nicht selten stellen andere Bundesländer diese Lehrkräfte an ihren Schulen ein. Schließlich sparen sie sich deren Ausbildung und bekommen quasi frei Haus hoch qualifizierte Lehrer.
Wenn nur ein Bruchteil der Milliarden Euro, die in den vergangenen Jahren in Banken und andere Kreditinstitute gepumpt wurden, den Bildungseinrichtungen zur Verfügung stünden, müsste einem um die Zukunft des bayerischen Bildungssystems nicht bange sein. Doch anstatt den Bildungseinrichtungen die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen, werden finanzielle Zuwendungen an der einen Schulart gestrichen, um die Löcher an einer anderen Stelle notdürftig zu stopfen. Die Schularten dürfen aber nicht gegeneinander ausgespielt werden! So wäre es beispielsweise fatal, ebenfalls dringend benötigte Stellen an Grundschulen einzusparen, denn gerade hier ist eine intensive Förderung der heterogenen Schülerschaft unverzichtbar, um allen Kindern bestmögliche Startchancen zu ermöglichen. Nicht nachvollziehbar ist, dass im Herbst letzten Jahres über 1600 Grundschullehrerinnen und -lehrer keine Planstelle bekommen haben!
München, 10.12.2010 Erneut wendet sich der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) gegen das System der Auslese an bayerischen Schulen und stellt ihm die Forderung nach tatsächlicher individueller Förderung von Schülern entgegen.
In einer entsprechenden Resolution, die der BLLV-Landesausschuss vor kurzem einstimmig verabschiedet hat, stellen die rund 80 Pädagogen fest, dass "der Ausleseauftrag die Schulen beherrscht." Er stehe im Widerspruch zu einer Kultur der individuellen Förderung und führe dazu, dass Bemühungen, dem einzelnen Schüler gerecht zu werden, vielfach in Leere laufen. Die Forderung der Lehrerinnen und Lehrer: In den Mittelpunkt der bayerischen Schul- und Bildungspolitik müsse endlich das einzelne Kind und seine Bedürfnisse gestellt und individuelle Förderung an allen Schulen etabliert werden. Der Landesausschuss, nach den Delegiertentagen das größte Beschlussgremium im BLLV, kommt zweimal pro Jahr zusammen.
Schulen werden in erster Linie als Zuweiser von Lebenschancen wahrgenommen: "Nach fraglichen Kriterien werden dort Leistungen gemessen und Abschlüsse vergeben, die zu weiteren Bildungsgängen berechtigen", erklärte
BLLV-Präsident Klaus Wenzel. "Anders gesagt: Schulen weisen zehnjährigen Kindern Positionen im gesellschaftlichen Gefüge zu."
Die Hauptaufgabe von Lehrkräften scheine inzwischen das Prüfen, Messen und die Vergabe von Zensuren zu sein. Hauptaufgabe der Schüler wiederum sei es, zielorientierte Vorbereitungen auf Prüfungen treffen zu können, und nicht der Erwerb von Kompetenzen. Entscheidend für Eltern und Schüler sei die Note, nicht das Können. Verbindlich für Lehrkräfte seien die Notenschnitte und das durchschnittliche Leistungsniveau der Klasse, nicht aber die individuellen Fördermöglichkeiten bzw. die persönlichen Kompetenzzuwächse der einzelnen Schüler. "Gefragt ist also Durchschnitt, nicht Individualität", fasste Wenzel zusammen.
In der Resolution betont der BLLV ausdrücklich, dass Lehrkräfte das einzelne Kind mit seinen Stärken und Schwächen sehen wollen, es individuell fördern möchten und sich prozess- und kompetenzorientiertes Lernen wünschen. Das aber zähle leider nicht in einem System, das sich vor allem um Übertritte, Zertifikate und Abschlüsse dreht.
"Solange die Hauptaufgabe der Schule Auslese bleibt, solange Lehrkräfte einen Großteil ihrer Energie darauf verwenden müssen, die Eignung oder Nichteignung von Schülern für die einzelnen Schularten möglichst präzise zu erfassen, solange kann sich keine echte Förderkultur etablieren", lautet es in der Resolution weiter.
Deshalb verwehrt sich der BLLV gegen die vom Kultusminister in Umlauf gebrachte "Mär der individuellen Förderung". "Wir verwehren uns auch
gegen den scheinbaren und konstruierten Gegensatz zwischen individueller Förderung und dem Konstrukt einer Einheitsschule, die niemand ernsthaft fordert." Integrative Schulen ermöglichten vielmehr individuelle Förderung und verhinderten sie nicht.
Der BLLV fordert:
1. Die Schulen vom Sortierauftrag zu befreien und Formen längeren gemeinsamen Lernens zu zulassen.
2. Die Klassen mit einem Lehrer- bzw. Expertenteam auszustatten. Individualität kann nicht durch eine einzige Lehrperson pro Klasse stattfinden.
3. Den Budgetierungsschlüssel vor allem in der Grundschule zu erhöhen, denn: Lehrer brauchen Stunden zur individuellen Förderung. Kleingruppen, Differenzierungsangebote und individuelle Lernbegleitung kosten Zeit.
4. Prozessorientierte und individualisierte Lernfeedbacks, denn ein moderner Lern- und Leistungsbegriff bedeutet kompetenzorientiertes, verständnisintensives, selbstständiges, handlungsorientiertes und soziales Lernen.
5. Die Schaffung von Kleingruppen, Förderkursen, Differenzierungsgruppen oder modularen Niveaustufen, denn: Unterricht zielt auf Leistung. Kinder wollen lernen und leisten, jeder auf seinem individuellen Niveau.
6. Lehrer weitreichend in ihrer Fachlichkeit zu professionalisieren; in der Lehrerbildung muss auf die Differenzierung und Förderung so eingegangen werden, dass berufsfeldorientierte Theoriebildung stattfinden kann.
7. Schulen eigenverantwortlich agieren zu lassen; Individualität darf nicht nur auf den Schüler, sondern muss eben auch auf die Schule bezogen sein. w
Der Wortlaut der BLLV-Resolution ist unter www.bllv.de abrufbar
In einer entsprechenden Resolution, die der BLLV-Landesausschuss vor kurzem einstimmig verabschiedet hat, stellen die rund 80 Pädagogen fest, dass "der Ausleseauftrag die Schulen beherrscht." Er stehe im Widerspruch zu einer Kultur der individuellen Förderung und führe dazu, dass Bemühungen, dem einzelnen Schüler gerecht zu werden, vielfach in Leere laufen. Die Forderung der Lehrerinnen und Lehrer: In den Mittelpunkt der bayerischen Schul- und Bildungspolitik müsse endlich das einzelne Kind und seine Bedürfnisse gestellt und individuelle Förderung an allen Schulen etabliert werden. Der Landesausschuss, nach den Delegiertentagen das größte Beschlussgremium im BLLV, kommt zweimal pro Jahr zusammen.
Schulen werden in erster Linie als Zuweiser von Lebenschancen wahrgenommen: "Nach fraglichen Kriterien werden dort Leistungen gemessen und Abschlüsse vergeben, die zu weiteren Bildungsgängen berechtigen", erklärte
BLLV-Präsident Klaus Wenzel. "Anders gesagt: Schulen weisen zehnjährigen Kindern Positionen im gesellschaftlichen Gefüge zu."
Die Hauptaufgabe von Lehrkräften scheine inzwischen das Prüfen, Messen und die Vergabe von Zensuren zu sein. Hauptaufgabe der Schüler wiederum sei es, zielorientierte Vorbereitungen auf Prüfungen treffen zu können, und nicht der Erwerb von Kompetenzen. Entscheidend für Eltern und Schüler sei die Note, nicht das Können. Verbindlich für Lehrkräfte seien die Notenschnitte und das durchschnittliche Leistungsniveau der Klasse, nicht aber die individuellen Fördermöglichkeiten bzw. die persönlichen Kompetenzzuwächse der einzelnen Schüler. "Gefragt ist also Durchschnitt, nicht Individualität", fasste Wenzel zusammen.
In der Resolution betont der BLLV ausdrücklich, dass Lehrkräfte das einzelne Kind mit seinen Stärken und Schwächen sehen wollen, es individuell fördern möchten und sich prozess- und kompetenzorientiertes Lernen wünschen. Das aber zähle leider nicht in einem System, das sich vor allem um Übertritte, Zertifikate und Abschlüsse dreht.
"Solange die Hauptaufgabe der Schule Auslese bleibt, solange Lehrkräfte einen Großteil ihrer Energie darauf verwenden müssen, die Eignung oder Nichteignung von Schülern für die einzelnen Schularten möglichst präzise zu erfassen, solange kann sich keine echte Förderkultur etablieren", lautet es in der Resolution weiter.
Deshalb verwehrt sich der BLLV gegen die vom Kultusminister in Umlauf gebrachte "Mär der individuellen Förderung". "Wir verwehren uns auch
gegen den scheinbaren und konstruierten Gegensatz zwischen individueller Förderung und dem Konstrukt einer Einheitsschule, die niemand ernsthaft fordert." Integrative Schulen ermöglichten vielmehr individuelle Förderung und verhinderten sie nicht.
Der BLLV fordert:
1. Die Schulen vom Sortierauftrag zu befreien und Formen längeren gemeinsamen Lernens zu zulassen.
2. Die Klassen mit einem Lehrer- bzw. Expertenteam auszustatten. Individualität kann nicht durch eine einzige Lehrperson pro Klasse stattfinden.
3. Den Budgetierungsschlüssel vor allem in der Grundschule zu erhöhen, denn: Lehrer brauchen Stunden zur individuellen Förderung. Kleingruppen, Differenzierungsangebote und individuelle Lernbegleitung kosten Zeit.
4. Prozessorientierte und individualisierte Lernfeedbacks, denn ein moderner Lern- und Leistungsbegriff bedeutet kompetenzorientiertes, verständnisintensives, selbstständiges, handlungsorientiertes und soziales Lernen.
5. Die Schaffung von Kleingruppen, Förderkursen, Differenzierungsgruppen oder modularen Niveaustufen, denn: Unterricht zielt auf Leistung. Kinder wollen lernen und leisten, jeder auf seinem individuellen Niveau.
6. Lehrer weitreichend in ihrer Fachlichkeit zu professionalisieren; in der Lehrerbildung muss auf die Differenzierung und Förderung so eingegangen werden, dass berufsfeldorientierte Theoriebildung stattfinden kann.
7. Schulen eigenverantwortlich agieren zu lassen; Individualität darf nicht nur auf den Schüler, sondern muss eben auch auf die Schule bezogen sein. w
Der Wortlaut der BLLV-Resolution ist unter www.bllv.de abrufbar
München, 07.06.2010 Schulische Abschlüsse und berufliche Ansprüche klaffen immer weiter auseinander. Fast eine halbe Million junger Menschen münden Jahr für Jahr in Übergangssystemen. Das sind fast genauso viele, die jedes Jahr eine betriebliche Ausbildung beginnen. "Wir müssen viel mehr tun, um jungen Menschen eine Ausbildung zu verschaffen, die ihnen echte Chancen auf dem Arbeitsmarkt bietet", betonte die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), Prof. Dr. Jutta Allmendinger, im Vorfeld einer Expertenanhörung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV). Allmendinger, WZB -Expertin Prof. Dr. Heike Solga und BLLV- Präsident Klaus Wenzel forderten daher tiefgreifende Veränderungen am Ausbildungsmarkt, an den Schulen und in der frühkindlichen Förderung.
"Wenn wir Bildung, Ausbildung und Arbeit insgesamt betrachten, sehen wir, dass Förderung und Unterstützung ganz früh anzusetzen ist", sagte Allmendinger. "Nur so haben Kinder aus ärmeren Verhältnissen eine realistische Chance." "Die frühkindliche Bildung muss massiv ausgebaut und gestärkt werden", unterstrich Wenzel diesen Gedanken. "Unterstützung brauchen aber nicht nur die Institutionen, sondern auch die Familien: Viele Eltern wissen heute nicht mehr, was ihre Kinder an Zuneigung, Aufmerksamkeit und Anregungen benötigen."
In Bayern, einem Bundesland, das krampfhaft am gegliederten Schulwesen festhalte, würden vielfach Lernumwelten geschaffen, in denen Stimulationen und Anregungen durch leistungsstarke Schülerinnen und Schüler fehlten. "Das gilt insbesondere für die Hauptschulen", so der BLLV -Präsident. Die Schulart sei viel zu lange personell und finanziell im Stich gelassen worden. Bis heute gebe es kein Konzept, das zu einer echten Gleichwertigkeit aller weiterführenden Schulen führe. Die Lehrerinnen und Lehrer leisteten zwar außergewöhnliche Arbeit - "in vielen Fällen landen Hauptschulabgänger aber in der Arbeitslosigkeit, vor allem dann, wenn die Heranwachsenden keinen Schulabschluss schaffen." Im Jahr 2008 waren das bei allen Schulabgängern in Bayern noch über 9000 Jugendliche - 6,5% der gleichaltrigen Jugendlichen. Ihre Zahl konnte bislang nur geringfügig gesenkt werden. Aber auch ein erfolgreicher Hauptschulabschluss garantiert noch keinen Ausbildungsplatz. Wenzel: "Ein viel zu großer Anteil junger Menschen findet sich in Übergangsystemen wieder. Solga ergänzte: "Hauptschüler/innen sind besser als ihr Ruf, doch oft bekommen sie keine Chance mehr, dies auch zeigen zu können."
Aus Sicht Wenzels müssten nicht nur Schulabschlüsse, Lerninhalte und Schulstrukturen kritisch hinterfragt werden, sondern auch die Systeme moderner Arbeitswelten an sich: "Die Hauptaufgabe von Schule darf nicht sein, ausschließlich die Bedürfnisse der modernen Wirtschaft zu befriedigen. Der Auftrag, den Schule hat, muss umfassender und ganzheitlicher sein. Junge Menschen müssen befähigt werden, die gewaltigen ökologischen und ökonomischen Herausforderungen lösen zu können, zumal viele von ihnen mit Sorge beobachten, dass sich die Anforderungen der modernen Berufswelt immer weiter von menschlichen Grundbedürfnissen entfernen", so der BLLV -Präsident. "Für den BLLV sind das die entscheidenden Parameter für alle weiteren Überlegungen." w
Die BLLV -Fachanhörung beginnt am Mittwoch, 9. Juni 2010, um 14 Uhr, sie endet gegen 17.30 Uhr. Ort: Landesgeschäftsstelle des BLLV am Bavariaring 37 in München.
"Wenn wir Bildung, Ausbildung und Arbeit insgesamt betrachten, sehen wir, dass Förderung und Unterstützung ganz früh anzusetzen ist", sagte Allmendinger. "Nur so haben Kinder aus ärmeren Verhältnissen eine realistische Chance." "Die frühkindliche Bildung muss massiv ausgebaut und gestärkt werden", unterstrich Wenzel diesen Gedanken. "Unterstützung brauchen aber nicht nur die Institutionen, sondern auch die Familien: Viele Eltern wissen heute nicht mehr, was ihre Kinder an Zuneigung, Aufmerksamkeit und Anregungen benötigen."
In Bayern, einem Bundesland, das krampfhaft am gegliederten Schulwesen festhalte, würden vielfach Lernumwelten geschaffen, in denen Stimulationen und Anregungen durch leistungsstarke Schülerinnen und Schüler fehlten. "Das gilt insbesondere für die Hauptschulen", so der BLLV -Präsident. Die Schulart sei viel zu lange personell und finanziell im Stich gelassen worden. Bis heute gebe es kein Konzept, das zu einer echten Gleichwertigkeit aller weiterführenden Schulen führe. Die Lehrerinnen und Lehrer leisteten zwar außergewöhnliche Arbeit - "in vielen Fällen landen Hauptschulabgänger aber in der Arbeitslosigkeit, vor allem dann, wenn die Heranwachsenden keinen Schulabschluss schaffen." Im Jahr 2008 waren das bei allen Schulabgängern in Bayern noch über 9000 Jugendliche - 6,5% der gleichaltrigen Jugendlichen. Ihre Zahl konnte bislang nur geringfügig gesenkt werden. Aber auch ein erfolgreicher Hauptschulabschluss garantiert noch keinen Ausbildungsplatz. Wenzel: "Ein viel zu großer Anteil junger Menschen findet sich in Übergangsystemen wieder. Solga ergänzte: "Hauptschüler/innen sind besser als ihr Ruf, doch oft bekommen sie keine Chance mehr, dies auch zeigen zu können."
Aus Sicht Wenzels müssten nicht nur Schulabschlüsse, Lerninhalte und Schulstrukturen kritisch hinterfragt werden, sondern auch die Systeme moderner Arbeitswelten an sich: "Die Hauptaufgabe von Schule darf nicht sein, ausschließlich die Bedürfnisse der modernen Wirtschaft zu befriedigen. Der Auftrag, den Schule hat, muss umfassender und ganzheitlicher sein. Junge Menschen müssen befähigt werden, die gewaltigen ökologischen und ökonomischen Herausforderungen lösen zu können, zumal viele von ihnen mit Sorge beobachten, dass sich die Anforderungen der modernen Berufswelt immer weiter von menschlichen Grundbedürfnissen entfernen", so der BLLV -Präsident. "Für den BLLV sind das die entscheidenden Parameter für alle weiteren Überlegungen." w
Die BLLV -Fachanhörung beginnt am Mittwoch, 9. Juni 2010, um 14 Uhr, sie endet gegen 17.30 Uhr. Ort: Landesgeschäftsstelle des BLLV am Bavariaring 37 in München.
München, 04.05.2010 Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, hat die Korrekturen am Übertrittsverfahren in vierten Grundschulklassen als "Kosmetik" bezeichnet und sich so erneut in die Diskussion um das Übertrittsverfahren eingeschaltet:
"Wirklich geholfen ist damit weder den Kindern noch den Eltern. Nach wie vor ist die Belastung für alle Beteiligten enorm. Grundschullehrer/innen berichten von weinenden Schülerinnen und Schülern bei der Note Drei, von Kindern, die krank werden und teilweise extrem unter den langen Wochen der Anspannung leiden. Ein Schulsystem, das solche Prozesse befördert, kann nicht kindgerecht sein, es übergeht vielmehr rücksichtslos die Bedürfnisse von Kindern. Wenn der Kultusminister, wie heute verkündet, ein Monitoring zum Übergang der Grundschüler an die weiterführenden Schulen mit repräsentativer Online-Erhebung starten will, klingt das beinahe zynisch - an den Grundschulen herrscht kein Erkenntnisproblem, sondern der Wunsch nach Veränderung.
Es gibt keine Prognosesicherheit bei Kindern, die noch mitten in ihrer Entwicklung stehen. Eltern haben zwar jetzt etwas mehr Mitspracherechte - letztlich werden sie aber dazu führen, dass Gymnasien und Realschulen hoffnungslos überlastet werden, während Hauptschulen - und langfristig gesehen auch Mittelschulen - schließen müssen. Der Selektionsdruck setzt sich im Übrigen an den Realschulen und Gymnasien fort und begleitet Schülerinnen und Schüler über viele Jahre. Das ist schul- und bildungspolitisch unverantwortlich. Damit muss sofort Schluss sein."
Wenzel bekräftigte die Forderungen des BLLV nach einer längeren gemeinsamen Schulzeit und dem Ende der Auslese von Kindern nach den vierten Grundschulklassen.
"Wirklich geholfen ist damit weder den Kindern noch den Eltern. Nach wie vor ist die Belastung für alle Beteiligten enorm. Grundschullehrer/innen berichten von weinenden Schülerinnen und Schülern bei der Note Drei, von Kindern, die krank werden und teilweise extrem unter den langen Wochen der Anspannung leiden. Ein Schulsystem, das solche Prozesse befördert, kann nicht kindgerecht sein, es übergeht vielmehr rücksichtslos die Bedürfnisse von Kindern. Wenn der Kultusminister, wie heute verkündet, ein Monitoring zum Übergang der Grundschüler an die weiterführenden Schulen mit repräsentativer Online-Erhebung starten will, klingt das beinahe zynisch - an den Grundschulen herrscht kein Erkenntnisproblem, sondern der Wunsch nach Veränderung.
Es gibt keine Prognosesicherheit bei Kindern, die noch mitten in ihrer Entwicklung stehen. Eltern haben zwar jetzt etwas mehr Mitspracherechte - letztlich werden sie aber dazu führen, dass Gymnasien und Realschulen hoffnungslos überlastet werden, während Hauptschulen - und langfristig gesehen auch Mittelschulen - schließen müssen. Der Selektionsdruck setzt sich im Übrigen an den Realschulen und Gymnasien fort und begleitet Schülerinnen und Schüler über viele Jahre. Das ist schul- und bildungspolitisch unverantwortlich. Damit muss sofort Schluss sein."
Wenzel bekräftigte die Forderungen des BLLV nach einer längeren gemeinsamen Schulzeit und dem Ende der Auslese von Kindern nach den vierten Grundschulklassen.
München, 25.03.2010 Mit einem zusätzlich eingeschobenen Schuljahr lassen sich die massiven Probleme an den bayerischen Gymnasien nicht lösen. Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, bezeichnete solche Denkmodelle als "wenig hilfreich und rückwärtsgewandt. Eigentlich sind sie paradox. Wenn wir ein Brückenjahr einziehen, können wir auch wieder zum neunjährigen Gymnasium zurückkehren."
Es dürfe nicht darum gehen, an einzelnen Schrauben zu drehen, es müsse darum gehen, inhaltliche Reformen einzuleiten. Dazu gehörten ein neues Lern- und Leistungsverständnis zu etablieren, rhythmisierte Ganztagsgymnasien einzuführen und Lehrpläne an einem anspruchsvollen Leistungsbegriff zu orientieren. "Das Gymnasium muss sich grundsätzlich neu aufstellen" - betonte Wenzel und bezog sich auf das im Februar vorgestellte BLLV- Diskussionspapier "Aufbrechen. Gymnasium neu denken".
Der Münchner Merkur hat in seiner heutigen Ausgabe einen Vorschlag des Philologenverbandes vorgestellt, der ein zusätzliches "Brückenjahr" für das G8 beinhaltet, die Klasse 10+. "Das Konzept bietet keine Lösung für jüngere Schülerinnen und Schüler. Auch sie stehen unter Dauerstress und leiden unter schlechten Lern- und Arbeitsbedingungen. Die Probleme türmen sich bereits in den fünften Klassen auf. Der Vorschlag lässt auch die Bedürfnisse der Lehrerschaft außer Acht, die in großen Klassen eine zunehmend schwierigere Schülerklientel unterrichtet soll und darauf zu wenig vorbereitet ist", erklärte Wenzel. "Ich vermisse eine Antwort auf die großen Herausforderungen, vor denen das Gymnasium steht: Dazu gehören die explodierenden Schülerzahlen, die veränderten Sozialisationsbedingungen, die Diskrepanz zwischen alten Organisationsstrukturen, überfrachtete Lerninhalte und moderne Unterrichtsmethoden sowie die schlechten Arbeitsbedingungen."
Aus Sicht des BLLV muss vor allem der dem Gymnasium zugrundeliegende Bildungsbegriff neu definiert werden: "Das Gymnasium sollte sich rasch zu einer inhaltlich profilierten und auf Förderung und Integration abzielenden Schulart entwickeln dürfen. Davon würden alle Schüler und Lehrer profitieren." Ein solches Gymnasium basiere erstens auf einem neuen, ganzheitlichen und demokratischen Bildungsbegriff, zweitens auf stufendifferenzierten Inhalten, Didaktiken und Methoden mit schulorganisatorischen Konsequenzen, und drittens auf verbesserten Unterrichtsbedingungen.
Das Diskussionspapier "Aufbrechen. Gymnasium neu denken." im Internet unter www.bllv.de – Stichwort Schule - Gymnasium
Es dürfe nicht darum gehen, an einzelnen Schrauben zu drehen, es müsse darum gehen, inhaltliche Reformen einzuleiten. Dazu gehörten ein neues Lern- und Leistungsverständnis zu etablieren, rhythmisierte Ganztagsgymnasien einzuführen und Lehrpläne an einem anspruchsvollen Leistungsbegriff zu orientieren. "Das Gymnasium muss sich grundsätzlich neu aufstellen" - betonte Wenzel und bezog sich auf das im Februar vorgestellte BLLV- Diskussionspapier "Aufbrechen. Gymnasium neu denken".
Der Münchner Merkur hat in seiner heutigen Ausgabe einen Vorschlag des Philologenverbandes vorgestellt, der ein zusätzliches "Brückenjahr" für das G8 beinhaltet, die Klasse 10+. "Das Konzept bietet keine Lösung für jüngere Schülerinnen und Schüler. Auch sie stehen unter Dauerstress und leiden unter schlechten Lern- und Arbeitsbedingungen. Die Probleme türmen sich bereits in den fünften Klassen auf. Der Vorschlag lässt auch die Bedürfnisse der Lehrerschaft außer Acht, die in großen Klassen eine zunehmend schwierigere Schülerklientel unterrichtet soll und darauf zu wenig vorbereitet ist", erklärte Wenzel. "Ich vermisse eine Antwort auf die großen Herausforderungen, vor denen das Gymnasium steht: Dazu gehören die explodierenden Schülerzahlen, die veränderten Sozialisationsbedingungen, die Diskrepanz zwischen alten Organisationsstrukturen, überfrachtete Lerninhalte und moderne Unterrichtsmethoden sowie die schlechten Arbeitsbedingungen."
Aus Sicht des BLLV muss vor allem der dem Gymnasium zugrundeliegende Bildungsbegriff neu definiert werden: "Das Gymnasium sollte sich rasch zu einer inhaltlich profilierten und auf Förderung und Integration abzielenden Schulart entwickeln dürfen. Davon würden alle Schüler und Lehrer profitieren." Ein solches Gymnasium basiere erstens auf einem neuen, ganzheitlichen und demokratischen Bildungsbegriff, zweitens auf stufendifferenzierten Inhalten, Didaktiken und Methoden mit schulorganisatorischen Konsequenzen, und drittens auf verbesserten Unterrichtsbedingungen.
Das Diskussionspapier "Aufbrechen. Gymnasium neu denken." im Internet unter www.bllv.de – Stichwort Schule - Gymnasium
München, 24.03.2010 "Wer die Inklusionsidee umsetzen will, muss die sonderpädagogische Lehrerbildung reformieren. Die Ziele der im März 2009 ratifizierten UN- Behindertenrechtskonvention erfordern Lehrerinnen und Lehrer, denen es gelingt, Lerngeschehen im Unterricht für möglichst viele Schüler mit unterschiedlichem Vorwissen, unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und unterschiedlich verlaufenden Lernprozessen erfolgreich zu gestalten", erklärten der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, und der Leiter der BLLV- Fachgruppe Förderschule, Frank Tollkühn, heute in München. Angehende Lehrkräfte müssen erforderliche Kompetenzen im jeweiligen Fach, in Diagnostik, Didaktik, im Klassenmanagement sowie in der Beratung erwerben können. Im Zentrum einer der Inklusion verpflichtenden Lehrerbildung steht daher die Auseinandersetzung mit Heterogenität in pädagogischen Prozessen. Der BLLV spricht sich in dem Grundsatzpapier "Inklusion und die Auswirkungen auf das bayerische Schulsystem" für ein aufeinander aufbauendes sonderpädagogisches Studium aus, das sich in drei Abschnitte aufteilt.
So werden in einem Basisstudium Grundlagen der Erziehungswissenschaften vermittelt. Beteiligt werden müssen die Fachdisziplinen Pädagogik und Sonderpädagogik, Psychologie, Schulpädagogik sowie Soziologie. Danach erfolgt ein Profilstudium mit verschiedenen Spezialisierungen, wobei das Profil "Umgang mit Heterogenität" Voraussetzung für einen sonderpädagogischen Masterstudiengang ist. In dem zweijährigen Masterstudiengang erfolgt eine Vertiefung der Inhalte. Ziel ist es, angehende Lehrerinnen und Lehrer zur direkten Unterstützung, Koordination und Beratung zu befähigen. Um die erforderliche Berufsfeldorientierung sicherzustellen ohne die Ausbildungszeit zu verlängern, wird ein Jahr des zweijährigen Vorbereitungsdienstes in Form von betreuten Praxisteilen absolviert. Dabei wird mit Ausbildungsschulen zusammengearbeitet, die Methoden berufsfeldorientierter Forschung einbeziehen.
In dem BLLV- Papier wird festgehalten, dass die UN- Behindertenrechtskonvention von der Politik, von der Kultus- und Schulverwaltung und vor allem von den Lehrerinnen und Lehrern der Förder- und Regelschulen ein grundlegendes Umdenken verlangt: "Inklusion bedeutet Paradigmenwechsel in der Ausrichtung unser Schule. Pädagogik im Zeichen der Inklusion zielt auf gemeinsames Lernen, auf ein Konzept leistungsheterogener Klassen und Gruppen sowie auf eine größere Bedeutung des sozialen Lernens ab." Wenzel und Tollkühn bezeichneten dies als "zentrale Herausforderung für die Schule im 21. Jahrhundert, der auch die Lehrerbildung gerecht werden muss." Veränderungen, die die Inklusionsidee mit sich bringt, könnten nur durch eine neue Sicht der pädagogischen Professionalität aller Lehrer erreicht werden. "Kooperation und Teamarbeit mit anderen Pädagogen und Mitarbeitern in der Schule wird künftig einen zentralen Teil der pädagogischen und sonderpädagogischen Professionalität darstellen." w
Das ausführliche BLLV- Papier "Inklusion und die Auswirkungen auf das bayerische Schulsystem" ist im Internet unter www.bllv.de zu finden.
So werden in einem Basisstudium Grundlagen der Erziehungswissenschaften vermittelt. Beteiligt werden müssen die Fachdisziplinen Pädagogik und Sonderpädagogik, Psychologie, Schulpädagogik sowie Soziologie. Danach erfolgt ein Profilstudium mit verschiedenen Spezialisierungen, wobei das Profil "Umgang mit Heterogenität" Voraussetzung für einen sonderpädagogischen Masterstudiengang ist. In dem zweijährigen Masterstudiengang erfolgt eine Vertiefung der Inhalte. Ziel ist es, angehende Lehrerinnen und Lehrer zur direkten Unterstützung, Koordination und Beratung zu befähigen. Um die erforderliche Berufsfeldorientierung sicherzustellen ohne die Ausbildungszeit zu verlängern, wird ein Jahr des zweijährigen Vorbereitungsdienstes in Form von betreuten Praxisteilen absolviert. Dabei wird mit Ausbildungsschulen zusammengearbeitet, die Methoden berufsfeldorientierter Forschung einbeziehen.
In dem BLLV- Papier wird festgehalten, dass die UN- Behindertenrechtskonvention von der Politik, von der Kultus- und Schulverwaltung und vor allem von den Lehrerinnen und Lehrern der Förder- und Regelschulen ein grundlegendes Umdenken verlangt: "Inklusion bedeutet Paradigmenwechsel in der Ausrichtung unser Schule. Pädagogik im Zeichen der Inklusion zielt auf gemeinsames Lernen, auf ein Konzept leistungsheterogener Klassen und Gruppen sowie auf eine größere Bedeutung des sozialen Lernens ab." Wenzel und Tollkühn bezeichneten dies als "zentrale Herausforderung für die Schule im 21. Jahrhundert, der auch die Lehrerbildung gerecht werden muss." Veränderungen, die die Inklusionsidee mit sich bringt, könnten nur durch eine neue Sicht der pädagogischen Professionalität aller Lehrer erreicht werden. "Kooperation und Teamarbeit mit anderen Pädagogen und Mitarbeitern in der Schule wird künftig einen zentralen Teil der pädagogischen und sonderpädagogischen Professionalität darstellen." w
Das ausführliche BLLV- Papier "Inklusion und die Auswirkungen auf das bayerische Schulsystem" ist im Internet unter www.bllv.de zu finden.
München, 17.03.2010 Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) unterstützt die Forderung des Aktionsrats Bildung nach einer Stärkung der Schulautonomie. "Von selbständigen Schulen sind wir in Bayern noch meilenweit entfernt", erklärte BLLV- Präsident Klaus Wenzel. "Eigenständige Schulen gibt es nur in wenigen Schulversuchen - die große Mehrheit muss zentral gesteuerte Vorgaben aus München einhalten und ohne Berücksichtigung konkreter Bedingungen vor Ort umsetzen."
Dabei sei unbestritten, dass freie Schulen erfolgreicher arbeiten würden und auch die Leistungen der Schülerinnen und Schüler besser seien. "Moderne Schulen müssen frei agieren und über Lehrpläne, Unterrichtsmethoden und Budgets selbständig entscheiden dürfen. Sie brauchen deutlich mehr pädagogische Eigenständigkeit, um unverwechselbare Schulprofile erarbeiten zu können. Vor allem Schulleitungen müssen entlastet werden. Modernes Schulmanagement setzt schließlich großen Einsatz und Engagement voraus."
Die Forderungen des Aktionsrats Bildung stimmen mit den Vorstellungen des BLLV in vielen Punkten überein: "Es freut uns, dass das Expertengremium mit der heute veröffentlichten Studie offensiv dieses wichtige Thema angeht." Wenzel forderte das Kultusministerium auf, die Kritik und die Vorschläge des Aktionsrats Bildung ernst zu nehmen: "Die Impulse müssen rasch umgesetzt werden." "Mich überzeugt auch der Befund, dass Schulen in erweiterter Verantwortung motivierter arbeiten. Sie erfahren Selbstwirksamkeit, ihre Entscheidungen führen zu Konsequenzen", so Wenzel.
Bayerns Schulleitungen sind seit langem höchst verärgert und frustriert, weil sie extremen Belastungen ausgesetzt sind. Die hohe Unterrichtszeitverpflichtung, die überbordende Bürokratie, die Umsetzung zahlreicher und inzwischen kaum noch zu überschauender Reformen sowie ständig steigende Erwartungen an die Schulen lassen sich kaum noch vereinbaren. "Es verwundert daher nicht, dass immer weniger Lehrerinnen und Lehrer diese kräftezehrende Aufgabe übernehmen wollen", sagte Wenzel. Die Politik müsse endlich anerkennen, dass Schulleitung nichts anders als modernes Management sei. Für die Umsetzung der vielfältigen Aufgaben brauche es Zeit, Geld, unterstützendes Personal, mehr Gestaltungsfreiheit und eine solide Ausbildung. "Mit einer Schulung in Managementaufgaben, wie es das Kultusministerium ankündigt, ist es nicht getan."
Am Wochenende wird sich der BLLV- Landesausschuss bei einer Sitzung im oberpfälzischen Amberg intensiv mit dem Thema befassen. Geplant ist die Verabschiedung einer Resolution.
Dabei sei unbestritten, dass freie Schulen erfolgreicher arbeiten würden und auch die Leistungen der Schülerinnen und Schüler besser seien. "Moderne Schulen müssen frei agieren und über Lehrpläne, Unterrichtsmethoden und Budgets selbständig entscheiden dürfen. Sie brauchen deutlich mehr pädagogische Eigenständigkeit, um unverwechselbare Schulprofile erarbeiten zu können. Vor allem Schulleitungen müssen entlastet werden. Modernes Schulmanagement setzt schließlich großen Einsatz und Engagement voraus."
Die Forderungen des Aktionsrats Bildung stimmen mit den Vorstellungen des BLLV in vielen Punkten überein: "Es freut uns, dass das Expertengremium mit der heute veröffentlichten Studie offensiv dieses wichtige Thema angeht." Wenzel forderte das Kultusministerium auf, die Kritik und die Vorschläge des Aktionsrats Bildung ernst zu nehmen: "Die Impulse müssen rasch umgesetzt werden." "Mich überzeugt auch der Befund, dass Schulen in erweiterter Verantwortung motivierter arbeiten. Sie erfahren Selbstwirksamkeit, ihre Entscheidungen führen zu Konsequenzen", so Wenzel.
Bayerns Schulleitungen sind seit langem höchst verärgert und frustriert, weil sie extremen Belastungen ausgesetzt sind. Die hohe Unterrichtszeitverpflichtung, die überbordende Bürokratie, die Umsetzung zahlreicher und inzwischen kaum noch zu überschauender Reformen sowie ständig steigende Erwartungen an die Schulen lassen sich kaum noch vereinbaren. "Es verwundert daher nicht, dass immer weniger Lehrerinnen und Lehrer diese kräftezehrende Aufgabe übernehmen wollen", sagte Wenzel. Die Politik müsse endlich anerkennen, dass Schulleitung nichts anders als modernes Management sei. Für die Umsetzung der vielfältigen Aufgaben brauche es Zeit, Geld, unterstützendes Personal, mehr Gestaltungsfreiheit und eine solide Ausbildung. "Mit einer Schulung in Managementaufgaben, wie es das Kultusministerium ankündigt, ist es nicht getan."
Am Wochenende wird sich der BLLV- Landesausschuss bei einer Sitzung im oberpfälzischen Amberg intensiv mit dem Thema befassen. Geplant ist die Verabschiedung einer Resolution.

