München, 07.06.2010 Schulische Abschlüsse und berufliche Ansprüche klaffen immer weiter auseinander. Fast eine halbe Million junger Menschen münden Jahr für Jahr in Übergangssystemen. Das sind fast genauso viele, die jedes Jahr eine betriebliche Ausbildung beginnen. "Wir müssen viel mehr tun, um jungen Menschen eine Ausbildung zu verschaffen, die ihnen echte Chancen auf dem Arbeitsmarkt bietet", betonte die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), Prof. Dr. Jutta Allmendinger, im Vorfeld einer Expertenanhörung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV). Allmendinger, WZB -Expertin Prof. Dr. Heike Solga und BLLV- Präsident Klaus Wenzel forderten daher tiefgreifende Veränderungen am Ausbildungsmarkt, an den Schulen und in der frühkindlichen Förderung.
"Wenn wir Bildung, Ausbildung und Arbeit insgesamt betrachten, sehen wir, dass Förderung und Unterstützung ganz früh anzusetzen ist", sagte Allmendinger. "Nur so haben Kinder aus ärmeren Verhältnissen eine realistische Chance." "Die frühkindliche Bildung muss massiv ausgebaut und gestärkt werden", unterstrich Wenzel diesen Gedanken. "Unterstützung brauchen aber nicht nur die Institutionen, sondern auch die Familien: Viele Eltern wissen heute nicht mehr, was ihre Kinder an Zuneigung, Aufmerksamkeit und Anregungen benötigen."
In Bayern, einem Bundesland, das krampfhaft am gegliederten Schulwesen festhalte, würden vielfach Lernumwelten geschaffen, in denen Stimulationen und Anregungen durch leistungsstarke Schülerinnen und Schüler fehlten. "Das gilt insbesondere für die Hauptschulen", so der BLLV -Präsident. Die Schulart sei viel zu lange personell und finanziell im Stich gelassen worden. Bis heute gebe es kein Konzept, das zu einer echten Gleichwertigkeit aller weiterführenden Schulen führe. Die Lehrerinnen und Lehrer leisteten zwar außergewöhnliche Arbeit - "in vielen Fällen landen Hauptschulabgänger aber in der Arbeitslosigkeit, vor allem dann, wenn die Heranwachsenden keinen Schulabschluss schaffen." Im Jahr 2008 waren das bei allen Schulabgängern in Bayern noch über 9000 Jugendliche - 6,5% der gleichaltrigen Jugendlichen. Ihre Zahl konnte bislang nur geringfügig gesenkt werden. Aber auch ein erfolgreicher Hauptschulabschluss garantiert noch keinen Ausbildungsplatz. Wenzel: "Ein viel zu großer Anteil junger Menschen findet sich in Übergangsystemen wieder. Solga ergänzte: "Hauptschüler/innen sind besser als ihr Ruf, doch oft bekommen sie keine Chance mehr, dies auch zeigen zu können."
Aus Sicht Wenzels müssten nicht nur Schulabschlüsse, Lerninhalte und Schulstrukturen kritisch hinterfragt werden, sondern auch die Systeme moderner Arbeitswelten an sich: "Die Hauptaufgabe von Schule darf nicht sein, ausschließlich die Bedürfnisse der modernen Wirtschaft zu befriedigen. Der Auftrag, den Schule hat, muss umfassender und ganzheitlicher sein. Junge Menschen müssen befähigt werden, die gewaltigen ökologischen und ökonomischen Herausforderungen lösen zu können, zumal viele von ihnen mit Sorge beobachten, dass sich die Anforderungen der modernen Berufswelt immer weiter von menschlichen Grundbedürfnissen entfernen", so der BLLV -Präsident. "Für den BLLV sind das die entscheidenden Parameter für alle weiteren Überlegungen." w
Die BLLV -Fachanhörung beginnt am Mittwoch, 9. Juni 2010, um 14 Uhr, sie endet gegen 17.30 Uhr. Ort: Landesgeschäftsstelle des BLLV am Bavariaring 37 in München.
"Wenn wir Bildung, Ausbildung und Arbeit insgesamt betrachten, sehen wir, dass Förderung und Unterstützung ganz früh anzusetzen ist", sagte Allmendinger. "Nur so haben Kinder aus ärmeren Verhältnissen eine realistische Chance." "Die frühkindliche Bildung muss massiv ausgebaut und gestärkt werden", unterstrich Wenzel diesen Gedanken. "Unterstützung brauchen aber nicht nur die Institutionen, sondern auch die Familien: Viele Eltern wissen heute nicht mehr, was ihre Kinder an Zuneigung, Aufmerksamkeit und Anregungen benötigen."
In Bayern, einem Bundesland, das krampfhaft am gegliederten Schulwesen festhalte, würden vielfach Lernumwelten geschaffen, in denen Stimulationen und Anregungen durch leistungsstarke Schülerinnen und Schüler fehlten. "Das gilt insbesondere für die Hauptschulen", so der BLLV -Präsident. Die Schulart sei viel zu lange personell und finanziell im Stich gelassen worden. Bis heute gebe es kein Konzept, das zu einer echten Gleichwertigkeit aller weiterführenden Schulen führe. Die Lehrerinnen und Lehrer leisteten zwar außergewöhnliche Arbeit - "in vielen Fällen landen Hauptschulabgänger aber in der Arbeitslosigkeit, vor allem dann, wenn die Heranwachsenden keinen Schulabschluss schaffen." Im Jahr 2008 waren das bei allen Schulabgängern in Bayern noch über 9000 Jugendliche - 6,5% der gleichaltrigen Jugendlichen. Ihre Zahl konnte bislang nur geringfügig gesenkt werden. Aber auch ein erfolgreicher Hauptschulabschluss garantiert noch keinen Ausbildungsplatz. Wenzel: "Ein viel zu großer Anteil junger Menschen findet sich in Übergangsystemen wieder. Solga ergänzte: "Hauptschüler/innen sind besser als ihr Ruf, doch oft bekommen sie keine Chance mehr, dies auch zeigen zu können."
Aus Sicht Wenzels müssten nicht nur Schulabschlüsse, Lerninhalte und Schulstrukturen kritisch hinterfragt werden, sondern auch die Systeme moderner Arbeitswelten an sich: "Die Hauptaufgabe von Schule darf nicht sein, ausschließlich die Bedürfnisse der modernen Wirtschaft zu befriedigen. Der Auftrag, den Schule hat, muss umfassender und ganzheitlicher sein. Junge Menschen müssen befähigt werden, die gewaltigen ökologischen und ökonomischen Herausforderungen lösen zu können, zumal viele von ihnen mit Sorge beobachten, dass sich die Anforderungen der modernen Berufswelt immer weiter von menschlichen Grundbedürfnissen entfernen", so der BLLV -Präsident. "Für den BLLV sind das die entscheidenden Parameter für alle weiteren Überlegungen." w
Die BLLV -Fachanhörung beginnt am Mittwoch, 9. Juni 2010, um 14 Uhr, sie endet gegen 17.30 Uhr. Ort: Landesgeschäftsstelle des BLLV am Bavariaring 37 in München.
München, 04.05.2010 Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, hat die Korrekturen am Übertrittsverfahren in vierten Grundschulklassen als "Kosmetik" bezeichnet und sich so erneut in die Diskussion um das Übertrittsverfahren eingeschaltet:
"Wirklich geholfen ist damit weder den Kindern noch den Eltern. Nach wie vor ist die Belastung für alle Beteiligten enorm. Grundschullehrer/innen berichten von weinenden Schülerinnen und Schülern bei der Note Drei, von Kindern, die krank werden und teilweise extrem unter den langen Wochen der Anspannung leiden. Ein Schulsystem, das solche Prozesse befördert, kann nicht kindgerecht sein, es übergeht vielmehr rücksichtslos die Bedürfnisse von Kindern. Wenn der Kultusminister, wie heute verkündet, ein Monitoring zum Übergang der Grundschüler an die weiterführenden Schulen mit repräsentativer Online-Erhebung starten will, klingt das beinahe zynisch - an den Grundschulen herrscht kein Erkenntnisproblem, sondern der Wunsch nach Veränderung.
Es gibt keine Prognosesicherheit bei Kindern, die noch mitten in ihrer Entwicklung stehen. Eltern haben zwar jetzt etwas mehr Mitspracherechte - letztlich werden sie aber dazu führen, dass Gymnasien und Realschulen hoffnungslos überlastet werden, während Hauptschulen - und langfristig gesehen auch Mittelschulen - schließen müssen. Der Selektionsdruck setzt sich im Übrigen an den Realschulen und Gymnasien fort und begleitet Schülerinnen und Schüler über viele Jahre. Das ist schul- und bildungspolitisch unverantwortlich. Damit muss sofort Schluss sein."
Wenzel bekräftigte die Forderungen des BLLV nach einer längeren gemeinsamen Schulzeit und dem Ende der Auslese von Kindern nach den vierten Grundschulklassen.
"Wirklich geholfen ist damit weder den Kindern noch den Eltern. Nach wie vor ist die Belastung für alle Beteiligten enorm. Grundschullehrer/innen berichten von weinenden Schülerinnen und Schülern bei der Note Drei, von Kindern, die krank werden und teilweise extrem unter den langen Wochen der Anspannung leiden. Ein Schulsystem, das solche Prozesse befördert, kann nicht kindgerecht sein, es übergeht vielmehr rücksichtslos die Bedürfnisse von Kindern. Wenn der Kultusminister, wie heute verkündet, ein Monitoring zum Übergang der Grundschüler an die weiterführenden Schulen mit repräsentativer Online-Erhebung starten will, klingt das beinahe zynisch - an den Grundschulen herrscht kein Erkenntnisproblem, sondern der Wunsch nach Veränderung.
Es gibt keine Prognosesicherheit bei Kindern, die noch mitten in ihrer Entwicklung stehen. Eltern haben zwar jetzt etwas mehr Mitspracherechte - letztlich werden sie aber dazu führen, dass Gymnasien und Realschulen hoffnungslos überlastet werden, während Hauptschulen - und langfristig gesehen auch Mittelschulen - schließen müssen. Der Selektionsdruck setzt sich im Übrigen an den Realschulen und Gymnasien fort und begleitet Schülerinnen und Schüler über viele Jahre. Das ist schul- und bildungspolitisch unverantwortlich. Damit muss sofort Schluss sein."
Wenzel bekräftigte die Forderungen des BLLV nach einer längeren gemeinsamen Schulzeit und dem Ende der Auslese von Kindern nach den vierten Grundschulklassen.
München, 25.03.2010 Mit einem zusätzlich eingeschobenen Schuljahr lassen sich die massiven Probleme an den bayerischen Gymnasien nicht lösen. Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, bezeichnete solche Denkmodelle als "wenig hilfreich und rückwärtsgewandt. Eigentlich sind sie paradox. Wenn wir ein Brückenjahr einziehen, können wir auch wieder zum neunjährigen Gymnasium zurückkehren."
Es dürfe nicht darum gehen, an einzelnen Schrauben zu drehen, es müsse darum gehen, inhaltliche Reformen einzuleiten. Dazu gehörten ein neues Lern- und Leistungsverständnis zu etablieren, rhythmisierte Ganztagsgymnasien einzuführen und Lehrpläne an einem anspruchsvollen Leistungsbegriff zu orientieren. "Das Gymnasium muss sich grundsätzlich neu aufstellen" - betonte Wenzel und bezog sich auf das im Februar vorgestellte BLLV- Diskussionspapier "Aufbrechen. Gymnasium neu denken".
Der Münchner Merkur hat in seiner heutigen Ausgabe einen Vorschlag des Philologenverbandes vorgestellt, der ein zusätzliches "Brückenjahr" für das G8 beinhaltet, die Klasse 10+. "Das Konzept bietet keine Lösung für jüngere Schülerinnen und Schüler. Auch sie stehen unter Dauerstress und leiden unter schlechten Lern- und Arbeitsbedingungen. Die Probleme türmen sich bereits in den fünften Klassen auf. Der Vorschlag lässt auch die Bedürfnisse der Lehrerschaft außer Acht, die in großen Klassen eine zunehmend schwierigere Schülerklientel unterrichtet soll und darauf zu wenig vorbereitet ist", erklärte Wenzel. "Ich vermisse eine Antwort auf die großen Herausforderungen, vor denen das Gymnasium steht: Dazu gehören die explodierenden Schülerzahlen, die veränderten Sozialisationsbedingungen, die Diskrepanz zwischen alten Organisationsstrukturen, überfrachtete Lerninhalte und moderne Unterrichtsmethoden sowie die schlechten Arbeitsbedingungen."
Aus Sicht des BLLV muss vor allem der dem Gymnasium zugrundeliegende Bildungsbegriff neu definiert werden: "Das Gymnasium sollte sich rasch zu einer inhaltlich profilierten und auf Förderung und Integration abzielenden Schulart entwickeln dürfen. Davon würden alle Schüler und Lehrer profitieren." Ein solches Gymnasium basiere erstens auf einem neuen, ganzheitlichen und demokratischen Bildungsbegriff, zweitens auf stufendifferenzierten Inhalten, Didaktiken und Methoden mit schulorganisatorischen Konsequenzen, und drittens auf verbesserten Unterrichtsbedingungen.
Das Diskussionspapier "Aufbrechen. Gymnasium neu denken." im Internet unter www.bllv.de – Stichwort Schule - Gymnasium
Es dürfe nicht darum gehen, an einzelnen Schrauben zu drehen, es müsse darum gehen, inhaltliche Reformen einzuleiten. Dazu gehörten ein neues Lern- und Leistungsverständnis zu etablieren, rhythmisierte Ganztagsgymnasien einzuführen und Lehrpläne an einem anspruchsvollen Leistungsbegriff zu orientieren. "Das Gymnasium muss sich grundsätzlich neu aufstellen" - betonte Wenzel und bezog sich auf das im Februar vorgestellte BLLV- Diskussionspapier "Aufbrechen. Gymnasium neu denken".
Der Münchner Merkur hat in seiner heutigen Ausgabe einen Vorschlag des Philologenverbandes vorgestellt, der ein zusätzliches "Brückenjahr" für das G8 beinhaltet, die Klasse 10+. "Das Konzept bietet keine Lösung für jüngere Schülerinnen und Schüler. Auch sie stehen unter Dauerstress und leiden unter schlechten Lern- und Arbeitsbedingungen. Die Probleme türmen sich bereits in den fünften Klassen auf. Der Vorschlag lässt auch die Bedürfnisse der Lehrerschaft außer Acht, die in großen Klassen eine zunehmend schwierigere Schülerklientel unterrichtet soll und darauf zu wenig vorbereitet ist", erklärte Wenzel. "Ich vermisse eine Antwort auf die großen Herausforderungen, vor denen das Gymnasium steht: Dazu gehören die explodierenden Schülerzahlen, die veränderten Sozialisationsbedingungen, die Diskrepanz zwischen alten Organisationsstrukturen, überfrachtete Lerninhalte und moderne Unterrichtsmethoden sowie die schlechten Arbeitsbedingungen."
Aus Sicht des BLLV muss vor allem der dem Gymnasium zugrundeliegende Bildungsbegriff neu definiert werden: "Das Gymnasium sollte sich rasch zu einer inhaltlich profilierten und auf Förderung und Integration abzielenden Schulart entwickeln dürfen. Davon würden alle Schüler und Lehrer profitieren." Ein solches Gymnasium basiere erstens auf einem neuen, ganzheitlichen und demokratischen Bildungsbegriff, zweitens auf stufendifferenzierten Inhalten, Didaktiken und Methoden mit schulorganisatorischen Konsequenzen, und drittens auf verbesserten Unterrichtsbedingungen.
Das Diskussionspapier "Aufbrechen. Gymnasium neu denken." im Internet unter www.bllv.de – Stichwort Schule - Gymnasium
München, 24.03.2010 "Wer die Inklusionsidee umsetzen will, muss die sonderpädagogische Lehrerbildung reformieren. Die Ziele der im März 2009 ratifizierten UN- Behindertenrechtskonvention erfordern Lehrerinnen und Lehrer, denen es gelingt, Lerngeschehen im Unterricht für möglichst viele Schüler mit unterschiedlichem Vorwissen, unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und unterschiedlich verlaufenden Lernprozessen erfolgreich zu gestalten", erklärten der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, und der Leiter der BLLV- Fachgruppe Förderschule, Frank Tollkühn, heute in München. Angehende Lehrkräfte müssen erforderliche Kompetenzen im jeweiligen Fach, in Diagnostik, Didaktik, im Klassenmanagement sowie in der Beratung erwerben können. Im Zentrum einer der Inklusion verpflichtenden Lehrerbildung steht daher die Auseinandersetzung mit Heterogenität in pädagogischen Prozessen. Der BLLV spricht sich in dem Grundsatzpapier "Inklusion und die Auswirkungen auf das bayerische Schulsystem" für ein aufeinander aufbauendes sonderpädagogisches Studium aus, das sich in drei Abschnitte aufteilt.
So werden in einem Basisstudium Grundlagen der Erziehungswissenschaften vermittelt. Beteiligt werden müssen die Fachdisziplinen Pädagogik und Sonderpädagogik, Psychologie, Schulpädagogik sowie Soziologie. Danach erfolgt ein Profilstudium mit verschiedenen Spezialisierungen, wobei das Profil "Umgang mit Heterogenität" Voraussetzung für einen sonderpädagogischen Masterstudiengang ist. In dem zweijährigen Masterstudiengang erfolgt eine Vertiefung der Inhalte. Ziel ist es, angehende Lehrerinnen und Lehrer zur direkten Unterstützung, Koordination und Beratung zu befähigen. Um die erforderliche Berufsfeldorientierung sicherzustellen ohne die Ausbildungszeit zu verlängern, wird ein Jahr des zweijährigen Vorbereitungsdienstes in Form von betreuten Praxisteilen absolviert. Dabei wird mit Ausbildungsschulen zusammengearbeitet, die Methoden berufsfeldorientierter Forschung einbeziehen.
In dem BLLV- Papier wird festgehalten, dass die UN- Behindertenrechtskonvention von der Politik, von der Kultus- und Schulverwaltung und vor allem von den Lehrerinnen und Lehrern der Förder- und Regelschulen ein grundlegendes Umdenken verlangt: "Inklusion bedeutet Paradigmenwechsel in der Ausrichtung unser Schule. Pädagogik im Zeichen der Inklusion zielt auf gemeinsames Lernen, auf ein Konzept leistungsheterogener Klassen und Gruppen sowie auf eine größere Bedeutung des sozialen Lernens ab." Wenzel und Tollkühn bezeichneten dies als "zentrale Herausforderung für die Schule im 21. Jahrhundert, der auch die Lehrerbildung gerecht werden muss." Veränderungen, die die Inklusionsidee mit sich bringt, könnten nur durch eine neue Sicht der pädagogischen Professionalität aller Lehrer erreicht werden. "Kooperation und Teamarbeit mit anderen Pädagogen und Mitarbeitern in der Schule wird künftig einen zentralen Teil der pädagogischen und sonderpädagogischen Professionalität darstellen." w
Das ausführliche BLLV- Papier "Inklusion und die Auswirkungen auf das bayerische Schulsystem" ist im Internet unter www.bllv.de zu finden.
So werden in einem Basisstudium Grundlagen der Erziehungswissenschaften vermittelt. Beteiligt werden müssen die Fachdisziplinen Pädagogik und Sonderpädagogik, Psychologie, Schulpädagogik sowie Soziologie. Danach erfolgt ein Profilstudium mit verschiedenen Spezialisierungen, wobei das Profil "Umgang mit Heterogenität" Voraussetzung für einen sonderpädagogischen Masterstudiengang ist. In dem zweijährigen Masterstudiengang erfolgt eine Vertiefung der Inhalte. Ziel ist es, angehende Lehrerinnen und Lehrer zur direkten Unterstützung, Koordination und Beratung zu befähigen. Um die erforderliche Berufsfeldorientierung sicherzustellen ohne die Ausbildungszeit zu verlängern, wird ein Jahr des zweijährigen Vorbereitungsdienstes in Form von betreuten Praxisteilen absolviert. Dabei wird mit Ausbildungsschulen zusammengearbeitet, die Methoden berufsfeldorientierter Forschung einbeziehen.
In dem BLLV- Papier wird festgehalten, dass die UN- Behindertenrechtskonvention von der Politik, von der Kultus- und Schulverwaltung und vor allem von den Lehrerinnen und Lehrern der Förder- und Regelschulen ein grundlegendes Umdenken verlangt: "Inklusion bedeutet Paradigmenwechsel in der Ausrichtung unser Schule. Pädagogik im Zeichen der Inklusion zielt auf gemeinsames Lernen, auf ein Konzept leistungsheterogener Klassen und Gruppen sowie auf eine größere Bedeutung des sozialen Lernens ab." Wenzel und Tollkühn bezeichneten dies als "zentrale Herausforderung für die Schule im 21. Jahrhundert, der auch die Lehrerbildung gerecht werden muss." Veränderungen, die die Inklusionsidee mit sich bringt, könnten nur durch eine neue Sicht der pädagogischen Professionalität aller Lehrer erreicht werden. "Kooperation und Teamarbeit mit anderen Pädagogen und Mitarbeitern in der Schule wird künftig einen zentralen Teil der pädagogischen und sonderpädagogischen Professionalität darstellen." w
Das ausführliche BLLV- Papier "Inklusion und die Auswirkungen auf das bayerische Schulsystem" ist im Internet unter www.bllv.de zu finden.
München, 17.03.2010 Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) unterstützt die Forderung des Aktionsrats Bildung nach einer Stärkung der Schulautonomie. "Von selbständigen Schulen sind wir in Bayern noch meilenweit entfernt", erklärte BLLV- Präsident Klaus Wenzel. "Eigenständige Schulen gibt es nur in wenigen Schulversuchen - die große Mehrheit muss zentral gesteuerte Vorgaben aus München einhalten und ohne Berücksichtigung konkreter Bedingungen vor Ort umsetzen."
Dabei sei unbestritten, dass freie Schulen erfolgreicher arbeiten würden und auch die Leistungen der Schülerinnen und Schüler besser seien. "Moderne Schulen müssen frei agieren und über Lehrpläne, Unterrichtsmethoden und Budgets selbständig entscheiden dürfen. Sie brauchen deutlich mehr pädagogische Eigenständigkeit, um unverwechselbare Schulprofile erarbeiten zu können. Vor allem Schulleitungen müssen entlastet werden. Modernes Schulmanagement setzt schließlich großen Einsatz und Engagement voraus."
Die Forderungen des Aktionsrats Bildung stimmen mit den Vorstellungen des BLLV in vielen Punkten überein: "Es freut uns, dass das Expertengremium mit der heute veröffentlichten Studie offensiv dieses wichtige Thema angeht." Wenzel forderte das Kultusministerium auf, die Kritik und die Vorschläge des Aktionsrats Bildung ernst zu nehmen: "Die Impulse müssen rasch umgesetzt werden." "Mich überzeugt auch der Befund, dass Schulen in erweiterter Verantwortung motivierter arbeiten. Sie erfahren Selbstwirksamkeit, ihre Entscheidungen führen zu Konsequenzen", so Wenzel.
Bayerns Schulleitungen sind seit langem höchst verärgert und frustriert, weil sie extremen Belastungen ausgesetzt sind. Die hohe Unterrichtszeitverpflichtung, die überbordende Bürokratie, die Umsetzung zahlreicher und inzwischen kaum noch zu überschauender Reformen sowie ständig steigende Erwartungen an die Schulen lassen sich kaum noch vereinbaren. "Es verwundert daher nicht, dass immer weniger Lehrerinnen und Lehrer diese kräftezehrende Aufgabe übernehmen wollen", sagte Wenzel. Die Politik müsse endlich anerkennen, dass Schulleitung nichts anders als modernes Management sei. Für die Umsetzung der vielfältigen Aufgaben brauche es Zeit, Geld, unterstützendes Personal, mehr Gestaltungsfreiheit und eine solide Ausbildung. "Mit einer Schulung in Managementaufgaben, wie es das Kultusministerium ankündigt, ist es nicht getan."
Am Wochenende wird sich der BLLV- Landesausschuss bei einer Sitzung im oberpfälzischen Amberg intensiv mit dem Thema befassen. Geplant ist die Verabschiedung einer Resolution.
Dabei sei unbestritten, dass freie Schulen erfolgreicher arbeiten würden und auch die Leistungen der Schülerinnen und Schüler besser seien. "Moderne Schulen müssen frei agieren und über Lehrpläne, Unterrichtsmethoden und Budgets selbständig entscheiden dürfen. Sie brauchen deutlich mehr pädagogische Eigenständigkeit, um unverwechselbare Schulprofile erarbeiten zu können. Vor allem Schulleitungen müssen entlastet werden. Modernes Schulmanagement setzt schließlich großen Einsatz und Engagement voraus."
Die Forderungen des Aktionsrats Bildung stimmen mit den Vorstellungen des BLLV in vielen Punkten überein: "Es freut uns, dass das Expertengremium mit der heute veröffentlichten Studie offensiv dieses wichtige Thema angeht." Wenzel forderte das Kultusministerium auf, die Kritik und die Vorschläge des Aktionsrats Bildung ernst zu nehmen: "Die Impulse müssen rasch umgesetzt werden." "Mich überzeugt auch der Befund, dass Schulen in erweiterter Verantwortung motivierter arbeiten. Sie erfahren Selbstwirksamkeit, ihre Entscheidungen führen zu Konsequenzen", so Wenzel.
Bayerns Schulleitungen sind seit langem höchst verärgert und frustriert, weil sie extremen Belastungen ausgesetzt sind. Die hohe Unterrichtszeitverpflichtung, die überbordende Bürokratie, die Umsetzung zahlreicher und inzwischen kaum noch zu überschauender Reformen sowie ständig steigende Erwartungen an die Schulen lassen sich kaum noch vereinbaren. "Es verwundert daher nicht, dass immer weniger Lehrerinnen und Lehrer diese kräftezehrende Aufgabe übernehmen wollen", sagte Wenzel. Die Politik müsse endlich anerkennen, dass Schulleitung nichts anders als modernes Management sei. Für die Umsetzung der vielfältigen Aufgaben brauche es Zeit, Geld, unterstützendes Personal, mehr Gestaltungsfreiheit und eine solide Ausbildung. "Mit einer Schulung in Managementaufgaben, wie es das Kultusministerium ankündigt, ist es nicht getan."
Am Wochenende wird sich der BLLV- Landesausschuss bei einer Sitzung im oberpfälzischen Amberg intensiv mit dem Thema befassen. Geplant ist die Verabschiedung einer Resolution.
München, 11.03.2010 "Viele Kinder und Jugendliche reagieren auf die täglichen Enthüllungen über Missbrauchs- und Gewaltfälle an Schulen verunsichert und ängstlich", teilte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel heute in München mit. Schülerinnen und Schüler könnten die Vorfälle oftmals nicht einordnen, viele seien von den Meldungen irritiert, manche erschrocken. "Ich kann mir deshalb gut vorstellen, dass es hilfreich sein kann, wenn Kinder und Jugendliche wissen, dass sie auch in der Schule über ihre Gefühle und Ängste sprechen können - wenn sie es wollen."
"Wenn Schüler die Vorfälle thematisieren möchten, versuchen Lehrerinnen und Lehrer, so kompetent wie möglich damit umzugehen", erklärte Wenzel. Es sei wichtig, die Signale der jungen Menschen zu verstehen und sie aufzugreifen, allerdings könnten Lehrkräfte die Problematik nicht alleine schultern - sie benötigen professionelle Hilfe.
Im Mittelpunkt der Bemühungen müsse jetzt die Präventionsarbeit liegen: "Schulen brauchen dauerhafte Begleitung und Unterstützung. Professionell ausgebildetes zusätzliches Personal sollte nicht nur im akuten Krisenfall zum Einsatz kommen, sondern an jeder Schule selbstverständlich sein. Selbstwertstützende Maßnahmen müssen grundlegender Bestandteil eines jeden Schulkonzeptes werden. Jede Schule braucht mindestens einen Schulpsychologen als verlässlichen Ansprechpartner. "Hilfreich wäre es auch, den Schulen Experten wie zum Beispiel Mitarbeiter/innen von Beratungsstellen oder aber Ärzte zur Verfügung zu stellen", betonte Wenzel.
Es sollte an allen Schulen selbstverständlich werden, über Themen, die die Gesellschaft betreffen, diskutieren und reden zu können. "Mit Verdrängung ist keinem geholfen. Jugendliche wollen sich aussprechen und sich aktuellen Ereignissen stellen. Schulen brauchen daher Räume, an denen das möglich ist. Im Idealfall sind sie nicht nur Lernorte, sondern auch Lebensräume", so der BLLV- Präsident.
"Wenn Schüler die Vorfälle thematisieren möchten, versuchen Lehrerinnen und Lehrer, so kompetent wie möglich damit umzugehen", erklärte Wenzel. Es sei wichtig, die Signale der jungen Menschen zu verstehen und sie aufzugreifen, allerdings könnten Lehrkräfte die Problematik nicht alleine schultern - sie benötigen professionelle Hilfe.
Im Mittelpunkt der Bemühungen müsse jetzt die Präventionsarbeit liegen: "Schulen brauchen dauerhafte Begleitung und Unterstützung. Professionell ausgebildetes zusätzliches Personal sollte nicht nur im akuten Krisenfall zum Einsatz kommen, sondern an jeder Schule selbstverständlich sein. Selbstwertstützende Maßnahmen müssen grundlegender Bestandteil eines jeden Schulkonzeptes werden. Jede Schule braucht mindestens einen Schulpsychologen als verlässlichen Ansprechpartner. "Hilfreich wäre es auch, den Schulen Experten wie zum Beispiel Mitarbeiter/innen von Beratungsstellen oder aber Ärzte zur Verfügung zu stellen", betonte Wenzel.
Es sollte an allen Schulen selbstverständlich werden, über Themen, die die Gesellschaft betreffen, diskutieren und reden zu können. "Mit Verdrängung ist keinem geholfen. Jugendliche wollen sich aussprechen und sich aktuellen Ereignissen stellen. Schulen brauchen daher Räume, an denen das möglich ist. Im Idealfall sind sie nicht nur Lernorte, sondern auch Lebensräume", so der BLLV- Präsident.
München, 05.03.2010 Die Europäische Union drängt ihre Mitgliedsstaaten zu einer Entscheidung über den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR), der Bildungsabschlüsse europaweit vergleichbar machen soll. Unter Vorsitz des bayerischen Kultusministers Dr. Ludwig Spaenle befasst sich derzeit die Kultusministerkonferenz damit. In diesem Zusammenhang wurde und wird auch darüber nachgedacht, wie mit den Abschlüssen der Förderschulen verfahren werden soll.
Eltern-, Lehrer- und Behindertenverbände lehnen eine eigenen EQR-Stufe unterhalb des Hauptschulabschlusses ab. Schon dieser werde von Betrieben und Arbeitgebern kaum akzeptiert. Derzeit haben Kinder mit erhöhtem Förderbedarf immerhin die Möglichkeit, noch in der Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung einen Hauptschulabschluss zu erwerben.
Heike Hein, die Vorsitzende des Bayerischen Elternverbands, hofft, dass die Kultusministerkonferenz nicht der Versuchung erliegt, mithilfe eines zweifelhaften Levels minderwertige Schulabschlüsse zu sanktionieren und in Folge dessen die Bemühungen um wirklichen Kompetenzzuwachs der Schüler hintan zu stellen. Oberstes Gebot müsse sein, jedem Kind zu einem wirklich anerkannten Abschluss zu verhelfen. Dies sei jedoch nicht ohne verbesserte Förderung zu erreichen.
Die Verbände sind sich auch darin einig, dass ein EU-weites "Förderschul-Level" diskriminiere und dem Geist der im letzten Jahr auch von der BRD ratifizierten UN-Behindertenrechtskonvention widerspräche. Diese fordere unmissverständlich, Kinder mit besonderem Förderbedarf nicht ins Abseits zu stellen.
Gemeinsame Presserklärung von
Bayerischer Elternverband (BEV)
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV)
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW)
Landesarbeitsgemeinschaft der Förderschulen in katholischer Trägerschaft
Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben - gemeinsam lernen in Bayern
Lernen Fördern in Bayern
Verband Kommunaler Interessensvertreter von Menschen mit Behinderungen (VKIB)
Verband Sonderpädagogik (VdS)
Eltern-, Lehrer- und Behindertenverbände lehnen eine eigenen EQR-Stufe unterhalb des Hauptschulabschlusses ab. Schon dieser werde von Betrieben und Arbeitgebern kaum akzeptiert. Derzeit haben Kinder mit erhöhtem Förderbedarf immerhin die Möglichkeit, noch in der Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung einen Hauptschulabschluss zu erwerben.
Heike Hein, die Vorsitzende des Bayerischen Elternverbands, hofft, dass die Kultusministerkonferenz nicht der Versuchung erliegt, mithilfe eines zweifelhaften Levels minderwertige Schulabschlüsse zu sanktionieren und in Folge dessen die Bemühungen um wirklichen Kompetenzzuwachs der Schüler hintan zu stellen. Oberstes Gebot müsse sein, jedem Kind zu einem wirklich anerkannten Abschluss zu verhelfen. Dies sei jedoch nicht ohne verbesserte Förderung zu erreichen.
Die Verbände sind sich auch darin einig, dass ein EU-weites "Förderschul-Level" diskriminiere und dem Geist der im letzten Jahr auch von der BRD ratifizierten UN-Behindertenrechtskonvention widerspräche. Diese fordere unmissverständlich, Kinder mit besonderem Förderbedarf nicht ins Abseits zu stellen.
Gemeinsame Presserklärung von
Bayerischer Elternverband (BEV)
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV)
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW)
Landesarbeitsgemeinschaft der Förderschulen in katholischer Trägerschaft
Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben - gemeinsam lernen in Bayern
Lernen Fördern in Bayern
Verband Kommunaler Interessensvertreter von Menschen mit Behinderungen (VKIB)
Verband Sonderpädagogik (VdS)
München, 05.03.2010 Aus Sicht des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) delegiert das Kultusministerium die mit der Erhaltung kleiner Schulstandorte verbundenen Probleme von "oben" nach "unten" - nach dem Motto: Wer einen kleinen Schulstandort erhalten will, kann das tun, Unterstützung dafür gibt es allerdings nicht. So geht aus der kürzlich im Ministerrat vorgestellten Gesetzesgrundlage zur Einführung von Mittelschulen hervor, dass die Zuweisung von Lehrerstunden pauschal an die Schulverbünde erfolgen soll. Sie orientiert sich demnach an der Gesamtzahl der Schüler im jeweiligen Verbund und nicht an den Bedürfnissen der einzelnen Schule.
Aus Sicht des BLLV sind dadurch Konflikte über die ohnehin knappe Stundenverteilung und damit über die Qualität des pädagogischen Angebotes einzelner Schulen innerhalb des Verbundes programmiert. Für weitere Unruhe sorgt die im Nachtragshaushalt vorgesehene Streichung von 17 Millionen Euro aus dem Bereich der Grund- und Hauptschulen. "Wenn sich herausstellt, dass aufgrund dieser Kürzungen für das ehrgeizige Projekt Mittelschule zu wenig Lehrer zur Verfügung stehen, scheitert es, noch ehe es gestartet ist", warnte BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Er forderte Kultusminister Spaenle auf, rasch für Klarheit zu sorgen. "Bei der Lehrerstundenzuweisung muss von der Pauschalierung abgesehen und über eine differenzierte Förderformel nachgedacht werden. Der Erhalt kleiner Schulstandorte darf nicht zusätzlich erschwert werden."
Der BLLV hält es für unakzeptabel, dass künftig der jeweilige Leiter eines Schulverbundes mit seinem Kollegium darüber entscheiden soll, wie die pauschal zugewiesenen Lehrerstunden aufgeteilt werden. "Da ist Ärger programmiert", erklärte Wenzel. Weil auch kleine und kleinste Schulstandorte Lehrerinnen und Lehrer brauchen, ist die Gefahr groß, dass ihr Erhalt zum Luxus wird, den sich kaum jemand leisten kann. Sie werden sich dann den Vorwurf gefallen lassen müssen, ohnehin begrenzte Kapazitäten aufzufressen.
Die pauschale Zuweisung von Lehrerstunden mindert außerdem die Attraktivität kleiner Schulen: Während sie gerade noch den im Lehrplan vorgesehenen Pflichtunterricht aufrecht erhalten können, bieten große und mehrzügige Schulen attraktive Wahl- und Fördermöglichkeiten an, was letztlich zu einer Zentralisierung, also der Auflösung des wohnortnahen Bildungsangebotes führt.
Wenzel wies erneut darauf hin, dass die skizzierten Probleme vom Tisch wären, wenn die Schulen vor Ort einen Realschulabschluss anbieten dürften. Dann würde ein Großteil der Schüler am Ort unterrichtet werden.
Der BLLV ist überzeugt: Wer wohnortnahe Schulen erhalten will, muss entweder ihre Attraktivität steigern, indem er den Schulen erlaubt, auch einen Realschulabschluss anzubieten oder aber er muss viel Geld in die Hand nehmen und die Bildung kleinster Klassen finanzieren. Eine Kombination beider Vorgehensweisen kann dabei durchaus sinnvoll sein. Der BLLV- Präsident: "Südtirol macht uns bereits erfolgreich vor, wie es funktioniert." Er bedauerte, dass der Bayerischen Staatsregierung für echte Reformen offensichtlich der Mut und für die notwendige Ausstattung der finanzpolitische Wille fehlten. Vielmehr erhärte sich der Eindruck, "dass sich die bayerische Schul- und Bildungspolitik immer mehr aus der Verantwortung zurückzieht, wenn es um den Erhalt wohnortnaher Schulen geht."
Die Einführung von Mittelschulen wirft aus Sicht des BLLV noch eine ganze Reihe weiterer Fragen auf: So sind viele für die Umsetzung substantielle Fragen offen, beispielsweise, wie hoch die Fahrtkosten im Schulverbund zum Mittleren Reife Zug, zur Ganztagsschule oder zum berufsorientierten Unterricht tatsächlich sein werden. Vielen Schülern, Eltern und Lehrern ist außerdem nicht klar, was es mit den neuen Abschlüssen auf sich hat: Wodurch unterscheiden sie sich vom Realschulabschluss und vom bislang angebotenen Abschluss eines M-Zuges an Hauptschulen?
Was die im Nachtragshaushalt vorgesehene Streichung von 17 Millionen Euro aus dem Bereich der Grund- und Hauptschulen betrifft, appellierte der BLLV- Präsident an den Kultus- und den Finanzminister, noch einmal zu überdenken, welche Konsequenzen dieser Schritt für die betroffenen Schulen, insbesondere für Hauptschulen und künftige Mittelschulen hätte. "Sie sollten die bei vielen Lehrkräften inzwischen große Sorge ernst nehmen, dass tragende pädagogische Konzepte, die für Mittelschulen vorgesehen sind, wegen Lehrermangel gar nicht umzusetzen sind."
Aus Sicht des BLLV sind dadurch Konflikte über die ohnehin knappe Stundenverteilung und damit über die Qualität des pädagogischen Angebotes einzelner Schulen innerhalb des Verbundes programmiert. Für weitere Unruhe sorgt die im Nachtragshaushalt vorgesehene Streichung von 17 Millionen Euro aus dem Bereich der Grund- und Hauptschulen. "Wenn sich herausstellt, dass aufgrund dieser Kürzungen für das ehrgeizige Projekt Mittelschule zu wenig Lehrer zur Verfügung stehen, scheitert es, noch ehe es gestartet ist", warnte BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Er forderte Kultusminister Spaenle auf, rasch für Klarheit zu sorgen. "Bei der Lehrerstundenzuweisung muss von der Pauschalierung abgesehen und über eine differenzierte Förderformel nachgedacht werden. Der Erhalt kleiner Schulstandorte darf nicht zusätzlich erschwert werden."
Der BLLV hält es für unakzeptabel, dass künftig der jeweilige Leiter eines Schulverbundes mit seinem Kollegium darüber entscheiden soll, wie die pauschal zugewiesenen Lehrerstunden aufgeteilt werden. "Da ist Ärger programmiert", erklärte Wenzel. Weil auch kleine und kleinste Schulstandorte Lehrerinnen und Lehrer brauchen, ist die Gefahr groß, dass ihr Erhalt zum Luxus wird, den sich kaum jemand leisten kann. Sie werden sich dann den Vorwurf gefallen lassen müssen, ohnehin begrenzte Kapazitäten aufzufressen.
Die pauschale Zuweisung von Lehrerstunden mindert außerdem die Attraktivität kleiner Schulen: Während sie gerade noch den im Lehrplan vorgesehenen Pflichtunterricht aufrecht erhalten können, bieten große und mehrzügige Schulen attraktive Wahl- und Fördermöglichkeiten an, was letztlich zu einer Zentralisierung, also der Auflösung des wohnortnahen Bildungsangebotes führt.
Wenzel wies erneut darauf hin, dass die skizzierten Probleme vom Tisch wären, wenn die Schulen vor Ort einen Realschulabschluss anbieten dürften. Dann würde ein Großteil der Schüler am Ort unterrichtet werden.
Der BLLV ist überzeugt: Wer wohnortnahe Schulen erhalten will, muss entweder ihre Attraktivität steigern, indem er den Schulen erlaubt, auch einen Realschulabschluss anzubieten oder aber er muss viel Geld in die Hand nehmen und die Bildung kleinster Klassen finanzieren. Eine Kombination beider Vorgehensweisen kann dabei durchaus sinnvoll sein. Der BLLV- Präsident: "Südtirol macht uns bereits erfolgreich vor, wie es funktioniert." Er bedauerte, dass der Bayerischen Staatsregierung für echte Reformen offensichtlich der Mut und für die notwendige Ausstattung der finanzpolitische Wille fehlten. Vielmehr erhärte sich der Eindruck, "dass sich die bayerische Schul- und Bildungspolitik immer mehr aus der Verantwortung zurückzieht, wenn es um den Erhalt wohnortnaher Schulen geht."
Die Einführung von Mittelschulen wirft aus Sicht des BLLV noch eine ganze Reihe weiterer Fragen auf: So sind viele für die Umsetzung substantielle Fragen offen, beispielsweise, wie hoch die Fahrtkosten im Schulverbund zum Mittleren Reife Zug, zur Ganztagsschule oder zum berufsorientierten Unterricht tatsächlich sein werden. Vielen Schülern, Eltern und Lehrern ist außerdem nicht klar, was es mit den neuen Abschlüssen auf sich hat: Wodurch unterscheiden sie sich vom Realschulabschluss und vom bislang angebotenen Abschluss eines M-Zuges an Hauptschulen?
Was die im Nachtragshaushalt vorgesehene Streichung von 17 Millionen Euro aus dem Bereich der Grund- und Hauptschulen betrifft, appellierte der BLLV- Präsident an den Kultus- und den Finanzminister, noch einmal zu überdenken, welche Konsequenzen dieser Schritt für die betroffenen Schulen, insbesondere für Hauptschulen und künftige Mittelschulen hätte. "Sie sollten die bei vielen Lehrkräften inzwischen große Sorge ernst nehmen, dass tragende pädagogische Konzepte, die für Mittelschulen vorgesehen sind, wegen Lehrermangel gar nicht umzusetzen sind."
BLLV befürwortet flexible Grundschule, mahnt aber Rahmenbedingungen für alle Schulen an, die individuelle Förderung von Kindern ermöglichen
München, 22.02.2010 "Prinzipiell gut, angesichts der schlechten Rahmenbedingungen und des Selektionsdrucks in der schulischen Realität aber kaum zu verwirklichen" - auf diesen Nenner bringt der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, seine Auffassung zum heute u. a. von Kultusstaatsekretär Marcel Huber vorgestellten Modellversuch "Flexible Grundschule". Er soll an 20 bayerischen Grundschulen, unterstützt von der Stiftung Bildungspakt Bayern, durchgeführt werden.
"Wir erwarten, dass die ausgewählten 20 Modellschulen finanziell so ausgestattet werden, dass sie optimale Rahmenbedingungen schaffen können", sagte Wenzel und mahnte gleichzeitig optimale Lern- und Arbeitsbedingungen für alle Grundschulen an: "Was die flexible Grundschule betrifft haben wir weniger ein Erkenntnis-, sondern mehr ein Umsetzungsproblem. Modellversuche sind daher eigentlich überflüssig." Die flexible Grundschulzeit sei aus Sicht des BLLV pädagogisch gut und sinnvoll, sie könne aber nur gelingen und für die Kinder von Wert sein, wenn die dafür nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden - "und zwar nicht nur an 20 Modellschulen."
Die Realität an Bayerns Grundschulen sieht leider folgendermaßen aus: Es gibt zu wenig Fachpersonal, nach wie vor liegt die Teilungsgrenze der ersten Jahrgangsstufen bei 29 Schülern/innen, es gibt auch nur einen Lehrer, bzw. eine Lehrerin, pro Klasse und standardisierte Lehrpläne, die nicht individuell zugeschnitten werden können. Wenzel: "Diese Tatsachen sprechen für sich und zeigen deutlich auf, was geschehen müsste, damit die flexible Grundschule flächendeckend funktionieren kann: Die Schulen brauchen deutlich mehr Geld und mehr Personal."
Der BLLV-Präsident gab außerdem zu bedenken, dass die flexible Grundschule im Widerspruch zur frühen Sortierung der Kinder nach der vierten Klasse steht: "Die dringend erforderliche Förderkultur, in der jedes Kind sein individuelles Tempo gehen kann, wird abrupt beendet, wenn die Kinder zehn Jahre alt sind und die vierte Jahrgangsstufe absolviert haben. Das führt dazu, dass die gesamte Grundschulzeit - flexibel gestaltet oder nicht - von der zu frühen Selektion überschattet wird."
München, 22.02.2010 "Prinzipiell gut, angesichts der schlechten Rahmenbedingungen und des Selektionsdrucks in der schulischen Realität aber kaum zu verwirklichen" - auf diesen Nenner bringt der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, seine Auffassung zum heute u. a. von Kultusstaatsekretär Marcel Huber vorgestellten Modellversuch "Flexible Grundschule". Er soll an 20 bayerischen Grundschulen, unterstützt von der Stiftung Bildungspakt Bayern, durchgeführt werden.
"Wir erwarten, dass die ausgewählten 20 Modellschulen finanziell so ausgestattet werden, dass sie optimale Rahmenbedingungen schaffen können", sagte Wenzel und mahnte gleichzeitig optimale Lern- und Arbeitsbedingungen für alle Grundschulen an: "Was die flexible Grundschule betrifft haben wir weniger ein Erkenntnis-, sondern mehr ein Umsetzungsproblem. Modellversuche sind daher eigentlich überflüssig." Die flexible Grundschulzeit sei aus Sicht des BLLV pädagogisch gut und sinnvoll, sie könne aber nur gelingen und für die Kinder von Wert sein, wenn die dafür nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden - "und zwar nicht nur an 20 Modellschulen."
Die Realität an Bayerns Grundschulen sieht leider folgendermaßen aus: Es gibt zu wenig Fachpersonal, nach wie vor liegt die Teilungsgrenze der ersten Jahrgangsstufen bei 29 Schülern/innen, es gibt auch nur einen Lehrer, bzw. eine Lehrerin, pro Klasse und standardisierte Lehrpläne, die nicht individuell zugeschnitten werden können. Wenzel: "Diese Tatsachen sprechen für sich und zeigen deutlich auf, was geschehen müsste, damit die flexible Grundschule flächendeckend funktionieren kann: Die Schulen brauchen deutlich mehr Geld und mehr Personal."
Der BLLV-Präsident gab außerdem zu bedenken, dass die flexible Grundschule im Widerspruch zur frühen Sortierung der Kinder nach der vierten Klasse steht: "Die dringend erforderliche Förderkultur, in der jedes Kind sein individuelles Tempo gehen kann, wird abrupt beendet, wenn die Kinder zehn Jahre alt sind und die vierte Jahrgangsstufe absolviert haben. Das führt dazu, dass die gesamte Grundschulzeit - flexibel gestaltet oder nicht - von der zu frühen Selektion überschattet wird."
Der Vorsitzende des Kinderschutzbundes Bayern Ekkehard Mutschler und BLLV- Präsident Klaus Wenzel fordern: "Schulen dürfen Armut nicht zementieren"
München, 17.02.2010 In einer gemeinsamen Presseerklärung appellieren der Vorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes, Landesverband Bayern e.V., Ekkehard Mutschler, und der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, an die Bayerische Staatsregierung, Benachteiligung, Ausgrenzung und Diskriminierung armer Kinder in Bayern nicht zu zulassen. "Diejenigen, die heute arm sind, dürfen nicht arm bleiben. Vielmehr muss dafür Sorge getragen werden, dass alle jungen Menschen beste Bildung erhalten", erklärten beide heute in München.
Derzeit sei dies nicht der Fall: "Wer arm und obendrein noch ausländischer Herkunft ist, dem bleibt in der Regel die Tür zu höheren Bildungsabschlüssen versperrt. Das ist nicht nur ungerecht, sondern sozialpolitisch unverantwortlich, denn Jugendliche, die keinen Abschluss schaffen oder nur gering qualifiziert sind, belasten die Sozialsysteme dauerhaft. In einem ersten und wichtigen Schritt müssen alle öffentlichen Schulen und Kindertagesstätten so gut ausgestattet werden, dass privat zu bezahlender Förderunterricht überflüssig wird."
Kinderarmut in Deutschland verbreitet sich rasch: Während 1965 lediglich jedes 75. Kind von Armut betroffen war, ist es 2006 jedes sechste. Laut Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung waren im Jahr 2008 durchschnittlich 1,82 Millionen Kinder unter 15 Jahren auf staatliche Unterstützung angewiesen. Im zweiten Bericht der Bayerischen Staatsregierung zur sozialen Lage in Bayern 2009 heißt es, dass 8,8% aller bayerischen Kinder unter 15 Jahren ein Armutsrisiko haben, bei den 15- bis 25-Jährigen sind es 12,4%. Insgesamt beträgt die Armutsrisikoquote in Bayern 10,9%. Weil absehbar sei, dass die Zahlen durch die Folgen der Wirtschaftskrise weiter steigen werden, müssten die Schulen schnell auf diesen alarmierenden Trend reagieren, sind sich Mutschler und Wenzel einig.
Armut bleibt nicht ohne Wirkung: Wie das Kinder- Panel des Deutschen Jugendinstituts ermittelt hat, sind die Leistungen armer Kinder im Lesen und Rechnen deutlich schlechter, nachweisbar ist am Ende der Grundschulzeit auch eine erhöhte motorische Unruhe und Nervosität, es gibt außerdem deutliche Tendenzen zur Resignation. "Diese Defizite erfordern spezielle Bildungskonzepte und Fördermaßnahmen", erklärten Mutschler und Wenzel. Keinesfalls dürften kognitive und psychische Entwicklungsrückstände mit schlechten Noten bestraft werden. Kernaufgabe zeitgemäßer Schul- und Bildungspolitik sei es, den in zahlreichen Studien nachgewiesenen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen zu durchbrechen. "Schulen sind die besten Orte dafür", betonten beide. "Wir dürfen nicht länger zulassen, dass Schulen die Reproduktion von Armut zementieren."
Es sei ein "skandalöser Missstand", dass sich in den vergangenen Jahren privat finanzierte Nachhilfe und Ergänzungsunterricht zum wichtigen Baustein des bayerischen und deutschen Bildungssystems entwickeln konnten. "Hier werden Defizite öffentlicher Schulen deutlich, die es umgehend zu beseitigen gilt." Erst im Januar hatte die von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichte Studie der Bildungsforscher Klaus und Annemarie Klemm zur Nachhilfesituation in Deutschland auf diesen Trend aufmerksam gemacht und darauf hingewiesen, dass Eltern jährlich 1,5 Milliarden Euro für privaten Nachhilfeunterricht bezahlen. "Diese gigantische Summe führt uns drastisch vor Augen, wie konkret die Ausgrenzung armer Kinder und Jugendlicher an den Schulen mittlerweile ist", kritisierten Mutschler und Wenzel. Hinzu kommt die eklatante Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund, die besonders häufig von Armut betroffen sind: So wechselten 66% aller ausländischen Kinder nach der vierten Klasse in die Hauptschule, nur 19% in ein Gymnasium und nur 11% in eine Realschule.
Kinder, die von Armut betroffen sind, brauchen:
-materielle Unterstützung
-frühe und gezielte Förderung, um Defizite auszugleichen
-Unterstützung der Eltern - niederschwellige Angebote helfen ihnen, sich besser zu integrieren und sozialisieren (z.B. Sprachkurse)
-Unterrichtsinhalte, die armutsspezifische Probleme aufgreifen, z.B. im Bereich Gesundheitserziehung, Ernährung, Freizeitgestaltung oder Berufsorientierung
-Anregungen, die der kommunikativen und interaktiven Ausgrenzung entgegen wirken
-professionelle Stärkung ihres Selbstbewusstseins, Selbstwertgefühls sowie Ganztagsangebote an Schulen.
München, 17.02.2010 In einer gemeinsamen Presseerklärung appellieren der Vorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes, Landesverband Bayern e.V., Ekkehard Mutschler, und der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, an die Bayerische Staatsregierung, Benachteiligung, Ausgrenzung und Diskriminierung armer Kinder in Bayern nicht zu zulassen. "Diejenigen, die heute arm sind, dürfen nicht arm bleiben. Vielmehr muss dafür Sorge getragen werden, dass alle jungen Menschen beste Bildung erhalten", erklärten beide heute in München.
Derzeit sei dies nicht der Fall: "Wer arm und obendrein noch ausländischer Herkunft ist, dem bleibt in der Regel die Tür zu höheren Bildungsabschlüssen versperrt. Das ist nicht nur ungerecht, sondern sozialpolitisch unverantwortlich, denn Jugendliche, die keinen Abschluss schaffen oder nur gering qualifiziert sind, belasten die Sozialsysteme dauerhaft. In einem ersten und wichtigen Schritt müssen alle öffentlichen Schulen und Kindertagesstätten so gut ausgestattet werden, dass privat zu bezahlender Förderunterricht überflüssig wird."
Kinderarmut in Deutschland verbreitet sich rasch: Während 1965 lediglich jedes 75. Kind von Armut betroffen war, ist es 2006 jedes sechste. Laut Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung waren im Jahr 2008 durchschnittlich 1,82 Millionen Kinder unter 15 Jahren auf staatliche Unterstützung angewiesen. Im zweiten Bericht der Bayerischen Staatsregierung zur sozialen Lage in Bayern 2009 heißt es, dass 8,8% aller bayerischen Kinder unter 15 Jahren ein Armutsrisiko haben, bei den 15- bis 25-Jährigen sind es 12,4%. Insgesamt beträgt die Armutsrisikoquote in Bayern 10,9%. Weil absehbar sei, dass die Zahlen durch die Folgen der Wirtschaftskrise weiter steigen werden, müssten die Schulen schnell auf diesen alarmierenden Trend reagieren, sind sich Mutschler und Wenzel einig.
Armut bleibt nicht ohne Wirkung: Wie das Kinder- Panel des Deutschen Jugendinstituts ermittelt hat, sind die Leistungen armer Kinder im Lesen und Rechnen deutlich schlechter, nachweisbar ist am Ende der Grundschulzeit auch eine erhöhte motorische Unruhe und Nervosität, es gibt außerdem deutliche Tendenzen zur Resignation. "Diese Defizite erfordern spezielle Bildungskonzepte und Fördermaßnahmen", erklärten Mutschler und Wenzel. Keinesfalls dürften kognitive und psychische Entwicklungsrückstände mit schlechten Noten bestraft werden. Kernaufgabe zeitgemäßer Schul- und Bildungspolitik sei es, den in zahlreichen Studien nachgewiesenen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen zu durchbrechen. "Schulen sind die besten Orte dafür", betonten beide. "Wir dürfen nicht länger zulassen, dass Schulen die Reproduktion von Armut zementieren."
Es sei ein "skandalöser Missstand", dass sich in den vergangenen Jahren privat finanzierte Nachhilfe und Ergänzungsunterricht zum wichtigen Baustein des bayerischen und deutschen Bildungssystems entwickeln konnten. "Hier werden Defizite öffentlicher Schulen deutlich, die es umgehend zu beseitigen gilt." Erst im Januar hatte die von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichte Studie der Bildungsforscher Klaus und Annemarie Klemm zur Nachhilfesituation in Deutschland auf diesen Trend aufmerksam gemacht und darauf hingewiesen, dass Eltern jährlich 1,5 Milliarden Euro für privaten Nachhilfeunterricht bezahlen. "Diese gigantische Summe führt uns drastisch vor Augen, wie konkret die Ausgrenzung armer Kinder und Jugendlicher an den Schulen mittlerweile ist", kritisierten Mutschler und Wenzel. Hinzu kommt die eklatante Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund, die besonders häufig von Armut betroffen sind: So wechselten 66% aller ausländischen Kinder nach der vierten Klasse in die Hauptschule, nur 19% in ein Gymnasium und nur 11% in eine Realschule.
Kinder, die von Armut betroffen sind, brauchen:
-materielle Unterstützung
-frühe und gezielte Förderung, um Defizite auszugleichen
-Unterstützung der Eltern - niederschwellige Angebote helfen ihnen, sich besser zu integrieren und sozialisieren (z.B. Sprachkurse)
-Unterrichtsinhalte, die armutsspezifische Probleme aufgreifen, z.B. im Bereich Gesundheitserziehung, Ernährung, Freizeitgestaltung oder Berufsorientierung
-Anregungen, die der kommunikativen und interaktiven Ausgrenzung entgegen wirken
-professionelle Stärkung ihres Selbstbewusstseins, Selbstwertgefühls sowie Ganztagsangebote an Schulen.

