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Redaktion 20.03.2011
München, 17.03.2011 Anlässlich der morgen beginnenden Abiturprüfungen für den letzten G9-Jahrgang weist der Bayerische Philologenverband auf die hohe Belastung der Lehrerinnen und Lehrer an den bayerischen Gymnasien hin.

Hierzu der bpv-Vorsitzende Max Schmidt: "Die Belastung für uns Lehrkräfte ist mehr als grenzwertig. Die Bewältigung des doppelten Abiturjahrgangs ist seit Jahren mit einer Arbeitszeiterhöhung und einem Arbeitszeitkonto verbunden. Jetzt, auf dem Endspurt, bedeutet der doppelte Abiturjahrgang nicht nur doppelt so viel Arbeit und verlangt doppelt so viel Engagement von uns. Es zeigt sich bei all der Belastung auch, dass wir nicht einmal halb so viel Unterstützung für die Bewältigung dieser Herkulesaufgabe bekommen: Angesichts der Aussage des Kultusministeriums, dass Aushilfslehrkräfte nur im begründeten Einzelfall bewilligt werden – obwohl hunderte junger Kolleginnen und Kollegen seit Februar wegen der verheerend niedrigen Einstellungszahlen auf der Straße stehen – sind zur Abdeckung des Unterrichts neben den Aufgaben durch das Abitur noch Mehrarbeit und schulinterne Umschichtungen notwendig."

Trotz aller Widrigkeiten haben die bayerischen Gymnasiallehrerinnen und -lehrer ihre Schülerinnen und Schüler bestmöglich auf die Abiturprüfungen vorbereitet. Die Abiturphase stellt in jedem Schuljahr einen Ausnahmezustand dar. Doch was für die Lehrkräfte in den kommenden Wochen und Monaten folgen wird, ist ein noch nie da gewesener Prüfungs- und Korrekturmarathon: Innerhalb eines äußerst kurzen Halbjahres 13/2 muss das G9-Abitur erledigt sein, damit dann, kurz nach den Osterferien, die Herausforderungen eines unbekannten G8-Abiturs bewältigt werden. Wieder heißt es, schriftliche Prüfungen, Colloquien, Fach- bzw. Seminararbeiten und Nachprüfungen abzuarbeiten, kurz: Prüfen und Korrigieren im Akkord, denn insgesamt müssen rund 70.000 Abiturientinnen und Abiturienten durch das Doppelabitur an den Gymnasien geschleust werden! Für viele Kolleginnen und Kollegen bedeutet das in den nächsten Wochen sehr lange Arbeitstage bis in die Nacht hinein, auch an den Wochenenden.
Redaktion 28.11.2010
München, 26.11.2010 Bayerns Lehrkräfte sind in Aufruhr. Dies wurde bereits am ersten Tag der Hauptversammlung des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) in Deggendorf deutlich, zu der sich bis Samstag rund 200 Vertreter der Gymnasien und Beruflichen Oberschulen aus ganz Bayern treffen. Schuld daran sind die jüngsten Sparvorhaben der Staatsregierung zulasten der Beamtenschaft sowie Äußerungen von Ministerpräsident Seehofer zum Beamtenstatus von Lehrkräften. Weitverbreitet unter den Delegierten ist im Jahr des doppelten Abiturientenjahrgangs auch die Sorge um die Qualität und die weitere Entwicklung des Gymnasiums.
bpv-Vorsitzender Schmidt: Sparbeschlüsse ungerecht und nicht nachvollziehbar

Max Schmidt, der seit 2001 amtierende und in Deggendorf mit 80 Prozent der Stimmen wiedergewählte Vorsitzende des Philologenverbandes, forderte die Staatsregierung zur Revision ihrer jüngsten Sparbeschlüsse auf: "In einer Zeit, in der die Wirtschaft boomt und die Steuereinnahmen sprudeln wie nie, sind solch drastische Sparmaßnahmen wie Nullrunde und die Aussetzung von Leistungselementen für die Beamtenschaft weder einzusehen noch vermittelbar!" Als besonders ungerecht bezeichnete Schmidt die vorgesehene Absenkung der Eingangsbesoldung für Berufseinsteiger. Nach bpv-Berechnungen müssten sich Junglehrer darauf einstellen, möglicherweise über 500.- Euro brutto weniger zu bekommen. Schmidt dazu wörtlich: "Das ist himmelschreiend! Wo die Wirtschaft Lohnerhöhungen vorzieht und Sonderzahlungen an die Beschäftigten ausschüttet, vergrault der Freistaat motivierte und qualifizierte Lehrkräfte, die an unseren Schulen dringend gebraucht werden. Verantwortungsvolle und vorausschauende Personalpolitik sieht anders aus!" Bereits jetzt haben sich auf der Homepage des Philologenverbandes unter www.bpv.de über 7.500 Kolleginnen und Kollegen gegen die Absenkung der Einstiegsbesoldung ausgesprochen.

Schmidt kündigte an, Kultusminister Dr. Spaenle als Mitglied der Staatsregierung im Rahmen des Festaktes seines Verbandes am Freitagnachmittag mit der Kritik der bayerischen Lehrerschaft an den Sparbeschlüssen des Ministerrates deutlich zu konfrontieren.

Für die Staatsregierung erwarten sich die rund 400 Teilnehmer des Festaktes in der Deggendorfer Stadthalle ein klares Bekenntnis aus dem Munde des bayerischen Kultusministers zum Beamtenstatus für Lehrkräfte. Mit seiner nicht nachvollziehbaren Äußerung, so der bpv-Vorsitzende, drohe der Ministerpräsident nicht nur das Vertrauen der über 110.000 bayerischen Lehrkräfte zu verspielen: "Unsere Nachwuchslehrer sind zutiefst verunsichert. Viele überlegen sich die Bewerbung in anderen Bundesländern. Dabei ist ein ´Braindrain´ an Lehrkräften das letzte, was nach qualifizierten Lehrkräften japsende Gymnasien und Berufliche Oberschulen gebrauchen können!"
Sorge um das gymnasiale Profil

Zunehmend besorgt ist die bayerische Gymnasiallehrerschaft auch über einen schleichenden Qualitätsverlust ihrer Schulart zum Schaden der Schülerinnen und Schüler. Dies beziehe sich nicht allein auf diverse Erleichterungen für den doppelten Abiturientenjahrgang. Kritisch sieht die Lehrerschaft u.a. auch die Aufweichung der Voraussetzungen für den Übertritt, die es inzwischen selbst sehr mittelmäßigen Schülern erlaubt, ein Ticket für diesen anspruchsvollen Bildungsgang zu lösen. Der Philologenverband erinnerte bei seiner Deggendorfer Tagung an die offizielle Definition des Gymnasiums als einer Schule für Schülerinnen und Schüler, "die", so wörtlich, "sich aufgrund ihrer Begabung, ihrer Einsatzfreude, ihres Leistungsvermögens und ihrer Leistungsbereitschaft für ein Studium und für herausgehobene berufliche Aufgaben eignen. (…) Schüler des Gymnasiums sollen geistig besonders beweglich und phantasievoll sein, gern und schnell, zielstrebig und differenziert lernen sowie über ein gutes Gedächtnis verfügen. Sie müssen die Bereitschaft mitbringen, sich ausdauernd und unter verschiedenen Blickwinkeln mit Denk- und Gestaltungsaufgaben auseinanderzusetzen." Von den Lehrkräften wird seitens des Dienstherrn verlangt, dass sie diesbezüglich "hohe Erwartungen in ihre Schüler setzen." Das bedeutet zugleich, dass das Gymnasium eine Schulart ist, die unabhängig von sozialer oder ethnischer Herkunft vom Grundsatz her allen Schülern offen steht und offen stehen muss - aber es ist tendenziell immer eine Schule für eine Minderheit und nicht die Mehrheit der Schülerschaft. Übertrittsquoten von regional bereits 50 Prozent und mehr sind daher mit den originären Zielsetzungen und dem Charakter dieser Schulart nicht vereinbar. Auf Dauer führen solche Übertrittsquoten zwangsläufig zu der auch in Bayern bereits beobachtbaren Verwässerung ihres Profils und zur Schwächung ihrer Leistungsfähigkeit zum Schaden der wirklich gymnasialen Schülerschaft.

Der bpv-Vorsitzende plädiert daher dafür, die Konturen des Gymnasiums nachzuschärfen. Das betreffe seine Inhalte, seine Strukturen und seine Schülerschaft. Schmidt forderte in Deggendorf: "Wir dürfen an die Lehrpläne nicht mit der primären Fragestellung herangehen: Was ist da zu viel drin und was kann weggelassen werden? Und auch nicht: Wie müssen die Inhalte gestaltet sein, damit möglichst viele Schüler ein Abitur bekommen? Sondern wir sollten uns die schwierigere Frage stellen, welche Inhalte wir zu unserem überdauernden und unverzichtbaren kulturellen und wissenschaftlichen Kernbestand zählen. Wir sollten den Mut aufbringen, für das Gymnasium einen grundlegenden inhaltlichen Kanon zu benennen, von dem wir überzeugt sind, dass es sich dabei um fundamentale, essenzielle Wissensbestände handelt; um Inhalte, die unseren Schülern im Hinblick auf ihren weiteren Lebensweg grundlegende Orientierungen, und zwar intellektueller wie ethischer Art, zu vermitteln vermögen."

Der Vorsitzende des Philologenverbands kritisierte, dass mit der Verkürzung des Gymnasiums Schülern und Lehrern weniger Zeit für diesen anspruchsvollen Auftrag zur Verfügung stehe: "Trotz der guten Intensivierungsstunden haben wir zu wenig Zeit für Übungsphasen. Das betrifft auch die Kernfächer. Sie müssten im G8 durchgängig mindestens vierständig bis zum Abitur unterrichtet werden. Es ist auch nicht einzusehen, warum man Unterstufenschülern nicht wenigstens ein Mal in der Woche Nachmittagsunterricht zumuten könnte. Das ist falsche Sentimentalität. Ein achtjähriges Gymnasium, das ohne Qualitätsverlust und ohne unzumutbare Belastung für unsere Schüler auf Dauer funktionieren soll, ist nach meiner Überzeugung nur als echtes, gut ausgestattetes Ganztagsgymnasium machbar."

Der Festakt mit Kultusminister Dr. Spaenle als Hauptredner beginnt um 14.30 Uhr;

Medienvertreter sind dazu herzlich eingeladen.
Redaktion 21.11.2010
München, 21.11.2010 Die Einrichtung einer professionell begleiteten Berufseinstiegsphase im Anschluss an das zweijährige Referendariat gehört zu den Forderungen bayerischer Lehrerverbände, um die "Professionalität und Qualität" der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern zu stärken.

Zu Beginn einer gleichnamigen Fachtagung zur Lehrerbildung, zu der vier bayerische Lehrerverbände Fachleute am Samstag an die TU München eingeladen hatten, stellte der amtierende Präsident der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände (abl) Max Schmidt selbstbewusst fest: "Unsere Lehrerbildung befindet sich im Bundesvergleich auf hohem Niveau. Inzwischen ist unbestritten, dass die guten Ergebnisse bayerischer Schüler bei nationalen und internationalen Vergleichstests auch auf den hohen Qualifikationsgrad der Lehrerschaft zurückzuführen sind. Bei der Ausbildung seiner Pädagogen muss der Freistaat daher das Rad nicht neu erfinden."

Zu den bewährten Erfolgsgaranten der Lehrerbildung gehören nach Ansicht der Lehrerverbände fol­gende Charakteristika:

-Die Lehrerausbildung erfolgt in Bayern in zwei Phasen: Die erste, wissenschaftliche Phase findet an der Universität statt, die zweite in Form eines 24 Monate dauernden Vorbereitungsdienstes an den Schulen.

-Die Lehrerbildung erfolgt von Beginn an schulartbezogen.

-Das Studium umfasst Fachwissenschaften, Fachdidaktiken, Erziehungswissenschaften und Praktika.

-Die Gewichtung von Fachwissenschaften, Fachdidaktiken und Erziehungswissenschaften variiert je nach den spezifischen Anforderungen der einzelnen Schularten.

-Neben einem Ersten Staatsexamen oder dem Master sichert das Zweite Staatsexamen als Abschluss der Lehramtsausbildung die Qualität und Vergleichbarkeit.

Dennoch, so sind sich Vertreter von 45.000 bayerischen Pädagogen einig, müsse die Lehrerbildung in Bayern weiterentwickelt werden, um den hohen Qualitätsstandard zu halten. Zur Begründung der For­derung nach einer institutionalisierten Berufseinstiegsphase sagte abl-Präsident Schmidt: "Sie kann Berufsanfängern wertvolle Hilfen bei der Bewältigung von Schwierigkeiten des realen Berufsalltags bie­ten. Denn zwei Jahre Referendariat sind unverzichtbar, aber nicht genug, um den über die Jahre gestiegenen beruflichen Anforderungen dauerhaft gewachsen zu sein. Dies sollte einhergehen mit einer adäquaten Absenkung der Unterrichtsverpflichtung."

Kritik an Sparplänen: Lehrer nicht billiger, sondern besser machen

An den als Referenten geladenen Vorsitzenden des Hochschulausschusses im Bayerischen Landtag Bernd Sibler gewandt, übte Schmidt deutliche Kritik an den jüngsten Sparideen der bayerischen Staatsregierung: "Anstatt zu überlegen, wie man Lehrer billiger macht, sollte die Politik mit uns gemeinsam darüber nachdenken, wie man sie besser macht! Mit Ihren Ausführungen zum Sinn des Staatsexamens haben Sie heute dafür ein gutes Beispiel gegeben – Ich hoffe, dass es positiv abfärbt!"

Der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände (ABL) gehören der Bayerische Philologenverband (bpv), der Bayerische Realschullehrerverband (brlv), der Verband der Lehrer an beruflichen Schulen (VLB) und die Katholische Erziehergemeinschaft (KEG) an.

Für den Inhalt verantwortlich: Peter Missy, Pressesprecher des bpv, Tel. 0172/ 848 33 99
Redaktion 04.05.2010
München, 04.05.2010 "Kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, VW, Audi, BMW und Mercedes dichtzumachen und den Deutschen nur noch den Trabbi als Auto zu erlauben. Genau das ist aber der von den bayerischen Grünen in der Schulpolitik verfolgte Ansatz: Die Abschaffung der erfolgreichen bayerischen Schularten zugunsten des überholten Modells einer Gesamtschule für alle. Dieses Festklammern an der Gesamtschulidee ist rational nicht erklärbar: Denn Kinder sind einfach zu unterschiedlich, als dass eine einzige Schulart ausreichen würde, der Vielfalt ihrer Talente, Begabungen und Bedürfnisse gerecht zu werden und diese auch nur halb­wegs angemessen zu fördern", kommentiert der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt die Zielsetzung von Bündis90/Die Grünen, die bayerischen Schularten durch eine Gesamtschule für alle Kinder und Jugendliche zu ersetzen. Die Forderung nach einer "Gemeinschaftsschule für alle" hatte die Grünen-Fraktion im Zusammenhang mit der Ankündigung ihrer für heute beantragten Aktuellen Stunde im Landtag unter dem Titel "Schluss mit der Auslese" erhoben.

Bildungsforschung: Keine Chancengleichheit durch gleiche Schule für alle Kinder
In etlichen Studien wie BIJU, LAU und anderen wurde wissenschaftlich solide festgestellt: An Gesamtschulen hinken die Leistungen der Schüler nicht nur um rund zwei Jahre hinterher; auch das soziale Lernen und der Ausgleich sozialer Disparitäten gelingen entgegen den Erwartungen kaum. Deutsche Gesamtschulen bleiben in ihren Integrationsleistungen hinter den Schularten des gegliederten Schulsystems zurück. Mit dem führenden Bildungshistoriker Prof. Dr. Heinz-Elmar Tenorth ist hier nur eine Stimme aus dem Chor deutscher Schulforscher herausgegriffen, die den hochfliegenden Versprechungen und Erwartungen der Gesamtschulbefürworter widerspricht: Es sei, so Tenorth wörtlich, "nur eine hübsche Annahme, dass mit der gleichen Schule auch die gleichen Chancen für alle geschaffen werden. Aber das ist leider falsch!"

Philologenverband für behutsame Reformen – Eigenes Modell fürs Gymnasium
Statt für den gnadenlosen Abschuss eines erfolgreich arbeitenden Schulsystems plädiert der Vorsitzende des Lehrerverbandes für die Gymnasien und die Beruflichen Oberschulen für behutsame Reformen. Bestärkt sieht sich Schmidt in dieser Haltung durch Prof. Dr. Jürgen Baumert, den ersten Verantwortlichen für die PISA-Studie in Deutschland. Auf die Frage nach dem Geheimnis des großen Erfolgs bayerischer Schüler bei PISA sagte er: "Bayern war mit Veränderungen der Schulstruktur zurückhaltend und hat damit einen Hauptfehler weitgehend vermeiden können: das Ausgrenzen leistungsschwacher Schüler." Genau eine sol­che Reform mit Augenmaß und Respekt vor den bestehenden Schulstrukturen ist das durch den Bayerischen Philologenverband entwickelte und im März dieses Jahres vorgestellte Modell zur flexiblen Vernetzung von Mittel- und Oberstufe des Gymnasiums (Näheres: www.bpv.de/aktuelles-presse/presse-2010/presse-2010-i/mittel--und-oberstufe-flexibel-vernetzen.html). "Dies ist ein realistischer Vorschlag, der unseren Schülern wirklich etwas bringt", warb der bpv-Vorsitzende abschließend für diese Idee seines Verbandes.

Redaktion 17.12.2009
bpv-Vorsitzender Schmidt plädiert für Reaktion mit Augenmaß
München, 17.12.2009 Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt spricht sich dafür aus, auf die verschiedentlich geäußerten Klagen über zu hohe Belastungen der Schüler in der neuen gymnasialen Oberstufe des Gymnasiums mit Augenmaß zu reagieren.

Als erfahrener Kollegstufenbetreuer am Gymnasium Grafing kennt Schmidt die Thematik aus erster Hand: "Die neue Oberstufe des achtjährigen Gymnasiums bringt einen Systemwechsel, wie wir ihn zuletzt Anfang der 70-er Jahre erlebt haben. Damals mussten alle Beteiligten einen Lernprozess durchlaufen, der von Unsicherheiten und Klagen begleitet war. Ähnliches erleben wir heute wieder: Schüler wie Lehrer müssen sich zuerst an die neuen Strukturen und Anforderungen gewöhnen. Das ist ganz natürlich. Nach meiner bisherigen Erfahrung lassen sich auftretende Probleme durch das vorhandene Instrumentarium der Einzelschule ganz gut beheben/auffangen: durch gezielte Beratung von Schülern zur ihrer Stundenplangestaltung und geschickte organisatorische Maßnahmen lassen sich etwa die zeitliche Beanspruchung verringern. Und auch die Art und der Umfang der Leistungsüberprüfungen bieten Spielräume, die Belastungen auf ein angemessenes Maß zu begrenzen. So können Schüler nicht nur in den ersten 4 Wochen Kurse abwählen oder ändern, sondern dies auch bis zum Halbjahr, falls sie sich "verwählt" haben und so ihre Belegung optimieren bzw. reduzieren wollen."

Ja zu mehr Informationen und stärkerer Beratung , nein zu substanziellen Kürzungen
Verstärkt wird die derzeitige Belastungsdiskussion nach Schmidts Beobachtung dadurch, dass viele Schüler, Lehrer und Eltern bislang zuverlässige Informationen über die Anforderungen der Abiturprüfungen für das achtjährige Gymnasium vermissen: "Hier schwirren noch zu viele Gerüchte in der Gegend herum. Dass in einer als unklar empfundenen Situation Befürchtungen um sich greifen, das zukünftige Abitur werde schwerer, ist verständlich. Das Kultusministerium hat noch ein gutes Stück Aufklärungsarbeit zu leisten, um klar zu machen, dass das neue Abitur nicht schwerer wird als das bisherige."

Das Abitur, so Schmidt abschließend, dürfe nicht zwar schwerer werden, andererseits dürfe es aber auch nicht billiger zu haben sein als bisher. Schmidt forderte daher abschließend: "Es wäre grundfalsch, wenn die Politik vor professionell vorgetragenen Jammer-Arien über eine angeblich massenhafte Überforderung in die Knie ginge. Bei allem Ringen um das für unsere Schüler vernünftige und verträgliche Maß: Substanzielle Kürzungen bei den Unterrichtsstunden oder den Inhalten hätten in letzter Konsequenz unsere Schüler selbst auszubaden! Denn was nützte ihnen ein Abiturzeugnis, das von Arbeitgebern und Hochschulen nur noch als ein Stück wertloses Papier angesehen wird?"

Redaktion 12.11.2009
Erfolgreiche Schulreformen nur im Konsens mit allen Beteiligten möglich
München, 12.11.2009 Mit Bedauern hat der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt darauf reagiert, dass die heute im Landtagsausschuss für Bildung, Jugend und Sport behandelte BLLV-Petition "Unsere Kleinen ganz groß" eher auf einen Schulkampf und weniger auf wirkliche pädagogische Verbesserungen hin ausgerichtet ist.

Neben unstrittigen Anliegen wie einer höheren Bildungsfinanzierung für bessere pädagogische Rahmenbedingungen enthalte die BLLV-Grundschul-Petition leider auch rückwärtsgewandte und gegen andere Schularten gerichtete Forderungen, die letztlich auf die Etablierung einer Einheitsschule bis zur Mittleren Reife hinauslaufen würden.

Freigabe des Elternwillens beim Übertritt vergrößert soziale Unterschiede
So wandte sich der bpv-Vorsitzende ausdrücklich gegen die vom BLLV geforderte völlige Abkoppelung des Übertritts auf weiterführende Schularten von jeglichen Leistungskriterien. Wörtlich sagte Schmidt: "Während in anderen Bundesländern, auch in SPD-regierten, beim Übertritt wieder stärker auf die Eignung gesetzt wird, möchte der BLLV mit der kompletten Freigabe des Elternwillens den umgekehrten Weg gehen. Dabei hat selbst der ehemalige deutsche PISA-Leiter Jürgen Baumert eindeutig festgestellt, dass Lehrerurteile sozial gerechter sind, als wenn Eltern die Entscheidung völlig alleine treffen. Eine völlige Freigabe des Elternwillens benachteiligt insbesondere bildungsferne Schichten, während Akademikerkinder bevorzugt würden." Offensichtlich wolle der BLLV, der sonst über die Schließungen von Hauptschulstandorten klage, diese vorrangig demografisch bedingten Schließungen noch beschleunigen.

Verlängerung der Grundschule schadet den meisten Schülern
Auch die Forderung nach einer Verkürzung der weiterführenden Schularten durch eine zwangsweise Verlängerung der Grundschulzeit lehnt der bpv-Vorsitzende strikt ab. Er betonte: "Wer wie der BLLV-Vorsitzende zu Unrecht dem Gymnasium vorwirft, durch die Schulzeitverkürzung zur Paukschule geworden zu sein, jetzt aber den gymnasialen Bildungsweg auf nur mehr zwei bis vier Jahre eindampfen will, betreibt keine seriöse, den einzelnen Schüler in den Blick nehmende Bildungspolitik mehr. Da geht es lediglich darum, der eigenen Zielvorstellung einer Einheitsschule bis zur 8. oder 10. Klasse einen Schritt näher zu kommen. Alle aktuellen empirischen Untersuchungen zeigen, dass eine Verlängerung der Grundschulzeit in Deutschland weder zu mehr Bildungsgerechtigkeit noch zu mehr Leistungsfähigkeit führt. In Brandenburg mit seiner sechsjährigen Grundschule ist die Chance eines Kindes aus der Arbeiterschicht, auf das Gymnasium zu kommen, nach der PISA-Begleitstudie 2006 fast doppelt so schlecht wie in Bayern. Berlins Schulsystem, das ebenfalls eine längere Grundschulzeit kennt, hat sich am Tabellenende der PISA-Leistungsskala dauerhaft eingerichtet."

Unterschiedliche Eingruppierung der Lehrergruppen ist gerechtfertigt
Der bpv-Vorsitzende begrüßte es ausdrücklich, dass in der Nachkriegszeit das Grundschullehramt durch die Akademisierung der Ausbildung und die damit verbundenen mehrfachen Höherstufungen (von A 9 bis A 12) sowie die zusätzlichen Beförderungsmöglichkeiten durch die aktuelle Dienstrechtsreform deutlich aufgewertet worden sei. Eine gleiche Einstufung wie Gymnasiallehrer lehnte er aber aufgrund der nach wie vor unterschiedlichen Regelstudienzeiten und der höheren fachlichen Anforderungen in Studium und Beruf ab. Max Schmidt betonte: "Wer sollte sich noch für das besonders anspruchsvolle und langwierige gymnasiale Lehramtsstudium entscheiden, wenn andere Studiengänge dieselbe Eingangsbesoldung bieten. Wenn sich Leistung nicht mehr lohnt, werden wir auch keinen hochqualifizierten Lehrernachwuchs mehr bekommen."

Insgesamt appellierte Schmidt an den Landtagsausschuss, die BLLV-Petition, wie parlamentarisch notwendig, zwar sachlich zu diskutieren, aber auch nicht überzubewerten: "Wenn die angeblich 50 000 BLLV-Mitglieder innerhalb eines halben Jahres nur 103 000 Unterschriften zusammengebracht haben, dann sind kaum mehr als die eigenen Lebenspartner zur Unterschrift bewegt worden. Eine Volksbewegung sieht anders aus!" Ausdrücklich bot der bpv-Vorsitzende allen an Verbesserungen im Schulwesen interessierten Verbänden, darunter auch dem BLLV, ehrliche und umfassende Gespräche an, um die Möglichkeit gemeinsamer Positionen abzuklären. Wer aber auf Konflikt, auf Schulkampf und der Zerstörung anderer Schularten setze, habe keine Lehren aus den gescheiterten Reformversuchen in der Bildungspolitik der Vergangenheit gezogen wie etwa dem ruhmlosen Scheitern der deutschen Gesamtschulen, so Max Schmidt abschließend.

Redaktion 16.07.2009
München, 16.07.2009 "Das Tam-Tam, mit dem der BLLV die Übergabe seiner Petition an Landtag und Kultusministerium inszeniert, vermag von dem eher bescheidenen Ergebnis dieser groß angelegten Kampagne nicht abzulenken: In einem halben Jahr ist es den 55000 BLLV-Mitgliedern im Schnitt nicht gelungen, mehr als gerade einmal eine weitere Person zum Unterschreiben zu bewegen", kommentierte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt die heutige Inszenierung der Übergabe einer Petition durch den BLLV an Landtag und Kultusministerium. Über der großtönenden Erfolgsmeldung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, so Schmidt weiter, dürfe nicht übersehen werden, dass die intern gesteckten Ziele für die Zahl der Unterschriften bei weitem nicht erreicht wurden.

Wenig Resonanz für Gesamtschulkonzeptionen
Die Resonanz von ca. einem Prozent unter den Wahlberechtigten zeigt, dass sich die Bevölkerung auch durch populäre Forderungen wie "mehr Mittel für Förderung und kleinere Klassen" nicht über das eigentliche Ziel des BLLV habe hinwegtäuschen lassen, in Bayern eine Gesamtschule bis zur zehnten Klasse einführen zu wollen. Der Vergleich mit dem gescheiterten BLLV-Volksbegehren aus dem Jahr 2000, in dem der Verband ebenfalls eine längere gemeinsame Schulzeit anstrebte und dafür nur 5,7 Prozent der Wahlberechtigten mobilisieren konnte, wertet der Philologenverband als ein deutliches Indiz dafür, wie wenig die Führung dieses Verbandes seither dazugelernt hat. Als erstaunlich bezeichnete es der bpv-Vorsitzende ferner, dass der BLLV nun ein Mittelschulkonzept der Staatsregierung ablehnt, während er selbst in dem damaligen Volksbegehren ausdrücklich die Weiterentwicklung der Hauptschule zu einer Art "Mittelschule" (Zitat aus dem Volksbegehrenstext) mit stark berufsorientierender Ausrichtung gefordert habe. Schmidt bekräftigte dagegen die Haltung der vier in der Arbeitsgemeinschaft bayerischer Lehrerverbände zusammengeschlossenen Lehrkräfte, den Plänen der Staatsregierung für die neue Mittelschule eine echte Chance geben zu wollen.


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