München, 22.03.2010 Die bayerische "Mittelschule" wird derzeit von Politikern, Kultusministerium und den nachgeordneten Behörden angepriesen wie sauer Bier. Sie soll die ungeliebte Hauptschule und kleinere Schulstandorte noch ein paar Jahre lang retten.
Dazu Gele Neubäcker, Vorsitzende der GEW Bayern:
"Auch der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft geht es darum, dass Kinder in ihrem Wohnumfeld zur Schule gehen können. Und auch wir sind nicht grundsätzlich gegen den Namen Mittelschule. Damit enden aber auch schon die Gemeinsamkeiten mit dem Kultusministerium. Im Gegensatz zu CSU-Politik und Kultusministerium fordern wir eine Schule, die alle Kinder, unabhängig von Geschlecht, sozialer Herkunft und Bildung, Nationalität und Muttersprache, Hautfarbe, Religion, sozialen Fähigkeiten, Begabungen und besonderen Beeinträchtigungen besuchen, i. d. R. zehn Jahre lang. Eine Schule, in der alle Kinder und Jugendlichen in ihrer Individualität wahrgenommen und gefördert werden.
Weder die Vielgliedrigkeit des bayerischen Schulsystems noch die (vermeintliche, denn die Sonderschulen werden vergessen) Zweigliedrigkeit in einigen anderen Bundesländern werden dem Auftrag, allen Kindern beste Bildungschancen zu geben, gerecht. Die auf die Grundschule folgende Stufe dieser neuen Schule für alle könnte auch "Mittelschule" heißen, die darauf folgende "Oberschule". Wichtiger als der Name aber ist, wie in dieser Schule gelernt und gearbeitet wird! Frei von Selektionsdruck können Schülerinnen und Schüler und pädagogische Fachkräfte gelassener arbeiten, die Zusammenarbeit mit den Eltern ist entspannt. Die Persönlichkeits- und Lernentwicklung steht im Mittelpunkt."
Derzeit gibt es auch in Bayern erste Fortbildungsangebote, die Lehrerinnen und Lehrer für eine neue Unterrichts- und Lernkultur sensibilisieren und unterstützen, ausgehend von den Möglichkeiten und Ressourcen der einzelnen Kinder. Die GEW begrüßt solche Angebote, fordert aber deren massive Ausweitung unter für Lehrerinnen und Lehrer akzeptablen Bedingungen.
Konterkariert wird diese neue Sichtweise auf das einzelne Kind allerdings durch Schulaufgaben, Probearbeiten, Stehgreifaufgaben, Lernzielkontrollen, Jahrgangsstufentests und Vergleichsarbeiten, die nach wie vor alle Kinder über einen Kamm scheren. Neubäcker: "Deshalb gilt für uns nach wie vor: Wir brauchen eine neue Schulkultur in einer neuen Schulstruktur!"
Dazu Gele Neubäcker, Vorsitzende der GEW Bayern:
"Auch der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft geht es darum, dass Kinder in ihrem Wohnumfeld zur Schule gehen können. Und auch wir sind nicht grundsätzlich gegen den Namen Mittelschule. Damit enden aber auch schon die Gemeinsamkeiten mit dem Kultusministerium. Im Gegensatz zu CSU-Politik und Kultusministerium fordern wir eine Schule, die alle Kinder, unabhängig von Geschlecht, sozialer Herkunft und Bildung, Nationalität und Muttersprache, Hautfarbe, Religion, sozialen Fähigkeiten, Begabungen und besonderen Beeinträchtigungen besuchen, i. d. R. zehn Jahre lang. Eine Schule, in der alle Kinder und Jugendlichen in ihrer Individualität wahrgenommen und gefördert werden.
Weder die Vielgliedrigkeit des bayerischen Schulsystems noch die (vermeintliche, denn die Sonderschulen werden vergessen) Zweigliedrigkeit in einigen anderen Bundesländern werden dem Auftrag, allen Kindern beste Bildungschancen zu geben, gerecht. Die auf die Grundschule folgende Stufe dieser neuen Schule für alle könnte auch "Mittelschule" heißen, die darauf folgende "Oberschule". Wichtiger als der Name aber ist, wie in dieser Schule gelernt und gearbeitet wird! Frei von Selektionsdruck können Schülerinnen und Schüler und pädagogische Fachkräfte gelassener arbeiten, die Zusammenarbeit mit den Eltern ist entspannt. Die Persönlichkeits- und Lernentwicklung steht im Mittelpunkt."
Derzeit gibt es auch in Bayern erste Fortbildungsangebote, die Lehrerinnen und Lehrer für eine neue Unterrichts- und Lernkultur sensibilisieren und unterstützen, ausgehend von den Möglichkeiten und Ressourcen der einzelnen Kinder. Die GEW begrüßt solche Angebote, fordert aber deren massive Ausweitung unter für Lehrerinnen und Lehrer akzeptablen Bedingungen.
Konterkariert wird diese neue Sichtweise auf das einzelne Kind allerdings durch Schulaufgaben, Probearbeiten, Stehgreifaufgaben, Lernzielkontrollen, Jahrgangsstufentests und Vergleichsarbeiten, die nach wie vor alle Kinder über einen Kamm scheren. Neubäcker: "Deshalb gilt für uns nach wie vor: Wir brauchen eine neue Schulkultur in einer neuen Schulstruktur!"
Mittelschule gibt keine Zukunftsperspektive – Dialogforen als Totengräber der Hauptschulen
München, 12.10.2009 Die Grünen im Bayerischen Landtag fordern Minister Spaenle auf, seine Hauptschulreform komplett neu zu überdenken. "Die Mittelschule gibt den Hauptschülerinnen und Hauptschülern keine Zukunftsperspektive", erklärt der schulpolitische Sprecher Thomas Gehring. "Bayern braucht eine echte Schulreform und kein fortgesetztes Herumdoktern an einem überkommenen System – zu diesem Schluss kommt wohl auch langsam die CSU selbst, wie die öffentliche Kritik aus eigenen Reihen zeigt."
Um Mittelschule zu werden, müssten Hauptschulen miteinander in Schulverbünden kooperieren, die mindestens 300 bis 360 Schülerinnen und Schüler umfassen müssen. "Jeder, der die regionalen Gegebenheiten im Blick hat, weiß, dass dies hier nur unter erschwerten Bedingungen bzw. gar nicht zu erreichen ist. Auf jeden Fall werden die Schülerinnen und Schüler noch länger und häufiger mit dem Schulbus fahren müssen".
Thomas Gehring prognostiziert, dass nach und nach Hauptschulstandorte aufgegeben werden müssten, weil der Schulverbund nicht funktioniere. "Die Dialogforen werden Totengräber der Hauptschulen. Das Kultusministerium hat es geschickt eingefädelt, dass letztendlich die Verantwortlichen vor Ort in den Dialogforen das Schicksal der kleinen Hauptschulen selbst beschließen müssen, da die sehr engen Vorgaben des Ministeriums, insbesondere was die Lehrerzuteilung anbelangt, gar keine andere Wahl zulassen."
Es sei offenkundig, dass die Staatsregierung mit ihrer bisherigen Vielzahl von Initiativen, die Hauptschule zu stärken, gescheitert sei. Der Kultusminister müsse daher endlich längeres gemeinsames Lernen und damit die innovative Schulentwicklung zulassen, die vor Ort erarbeitet worden und bisher nicht zum Zug gekommen sei.
http://www.gruene-fraktion-bayern.de
München, 12.10.2009 Die Grünen im Bayerischen Landtag fordern Minister Spaenle auf, seine Hauptschulreform komplett neu zu überdenken. "Die Mittelschule gibt den Hauptschülerinnen und Hauptschülern keine Zukunftsperspektive", erklärt der schulpolitische Sprecher Thomas Gehring. "Bayern braucht eine echte Schulreform und kein fortgesetztes Herumdoktern an einem überkommenen System – zu diesem Schluss kommt wohl auch langsam die CSU selbst, wie die öffentliche Kritik aus eigenen Reihen zeigt."
Um Mittelschule zu werden, müssten Hauptschulen miteinander in Schulverbünden kooperieren, die mindestens 300 bis 360 Schülerinnen und Schüler umfassen müssen. "Jeder, der die regionalen Gegebenheiten im Blick hat, weiß, dass dies hier nur unter erschwerten Bedingungen bzw. gar nicht zu erreichen ist. Auf jeden Fall werden die Schülerinnen und Schüler noch länger und häufiger mit dem Schulbus fahren müssen".
Thomas Gehring prognostiziert, dass nach und nach Hauptschulstandorte aufgegeben werden müssten, weil der Schulverbund nicht funktioniere. "Die Dialogforen werden Totengräber der Hauptschulen. Das Kultusministerium hat es geschickt eingefädelt, dass letztendlich die Verantwortlichen vor Ort in den Dialogforen das Schicksal der kleinen Hauptschulen selbst beschließen müssen, da die sehr engen Vorgaben des Ministeriums, insbesondere was die Lehrerzuteilung anbelangt, gar keine andere Wahl zulassen."
Es sei offenkundig, dass die Staatsregierung mit ihrer bisherigen Vielzahl von Initiativen, die Hauptschule zu stärken, gescheitert sei. Der Kultusminister müsse daher endlich längeres gemeinsames Lernen und damit die innovative Schulentwicklung zulassen, die vor Ort erarbeitet worden und bisher nicht zum Zug gekommen sei.
http://www.gruene-fraktion-bayern.de
Kabinettsbeschluss sorgt für großen Unmut / Landesvorstand fordert Staatsregierung geschlossen dazu auf, schulartübergreifende RSE- Anträge zu erlauben
München, 09.07.2009 Der Kabinettsbeschluss zur Mittelschule hat im Landesvorstand des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) heftigen Widderstand ausgelöst. Das Gremium verabschiedete gestern eine Resolution in der das Vorhaben des Kultusministeriums als "kosmetische Korrektur" bezeichnet wird. "Wir fordern die Staatsregierung erneut mit allem Nachdruck auf, die Anträge der zahlreichen Gemeinden, die ein tragfähiges pädagogisches und schulorganisatorisches Konzept entwickelt haben, zum Schuljahr 2010/2011 zu genehmigen, auch wenn sie schulartübergreifend sind. Das irrationale Festhalten an der Schulstruktur beschneidet die Bildungschancen der Kinder und schadet den Gemeinden", heißt es in dem einstimmig verabschiedeten Papier.
Bisher habe keiner der zahlreichen Reformversuche dazu geführt, den dramatischen Schülerschwund und das massenhafte Schülersterben bayerischer Hauptschulen zu verhindern. Vielmehr hätten die Übertritte in Realschulen und Gymnasien gerade in den vergangenen fünf Jahren drastisch zugenommen. "Der vorliegende Kabinettsbeschluss zur Mittelschule ist aus Sicht des BLLV ein problematischer Versuch, die Hauptschule attraktiver zu machen."
Neue Schulgründungen seien die falsche Antwort auf die demografische Entwicklung. In spätestens zehn Jahren werden an allen Schularten die Schülerzahlen sinken. Die Aufsplitterung der Schüler werde nur noch extremer, heißt es in der Resolution weiter. Der BLLV ist der tiefen Überzeugung, "dass mit einer weiteren Differenzierung der Hauptschule die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nicht bewältigt werden können." Dringend erforderlich seien integrative Modelle und eine längere gemeinsame Schulzeit.
"Mittelschulen und Schulverbünde können die Probleme des demografischen Wandels und des Schulsterbens nicht lösen. Im Gegenteil, es werden viele neue geschaffen: Mittelschulen führen zu einer Beschleunigung des Schulsterbens, weil sie große Schulstandorte mit einer Mindestgröße von 300 bis 400 Schülern besser ausstatten als kleine. Dies führt zu einem nicht akzeptablen Konkurrenzkampf zwischen verschiedenen Hauptschulen", erklärte BLLV-Präsident Klaus Wenzel.
Auch in dem freiwilligen Zusammenschluss von Hauptschulen zu Schulverbünden sieht der BLLV- Landesvorstand keine geeignete Lösung, "da er organisatorisch an den meisten Schulstandorten nicht realisierbar ist und die Gemeinden in eine äußerst schwierige Konkurrenzsituation bringt." Außerdem sei das Modell mit erheblichen Fahrwegen und Kosten verbunden und zerstöre die innere Einheit der Schule.
"Wir rechnen damit, dass jede größere Kommune eine Mittelschule haben will. Das wird dazu führen, dass hunderte kleine Schulstandorte keine Wettbewerbschance haben und von der Landkarte verschwinden", erklärte der BLLV-Präsident. Außerdem sei damit zu rechnen, dass Eltern von Schülern an kleineren Hauptschulen versuchen werden, ihre Kinder in die Mittelschule mit breiteren Förderangeboten zu schicken. "Auch das beschleunigt das Schulsterben der kleinen Hauptschulen."
Die Folge ist die Entschulung des ländlichen Raumes mit katastrophalen Folgen für die betroffenen Gemeinden und erheblichen Nachteilen für die Schüler, die weite Wege in Kauf nehmen müssen und sich in großen und anonymen Schulen wiederfinden. Wenzel: "Die Alternative kann nur in der Regionalen Schulentwicklung (RSE) liegen - ohne dogmatisches Festhalten an der überkommenen Sortiermentalität. Im Kern geht es um den Erhalt attraktiver und wohnortnaher Schuleinheiten mit dem Angebot höherer Abschlüsse, insbesondere dem Realschulabschluss sowie die Abkehr von der frühzeitigen Aufteilung der Schüler.
RSE erhält Schulstandorte und erlaubt eine optimale Förderung aller Schüler. Sie lässt eine Höherqualifizierung aller Schüler zu, ohne unerträglichen Übertrittsdruck, ohne Entschulung des ländlichen Raums und ohne schulische Ghettobildung in den Städten."
Die Resolution ist nachzulesen unter www.bllv.de
München, 09.07.2009 Der Kabinettsbeschluss zur Mittelschule hat im Landesvorstand des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) heftigen Widderstand ausgelöst. Das Gremium verabschiedete gestern eine Resolution in der das Vorhaben des Kultusministeriums als "kosmetische Korrektur" bezeichnet wird. "Wir fordern die Staatsregierung erneut mit allem Nachdruck auf, die Anträge der zahlreichen Gemeinden, die ein tragfähiges pädagogisches und schulorganisatorisches Konzept entwickelt haben, zum Schuljahr 2010/2011 zu genehmigen, auch wenn sie schulartübergreifend sind. Das irrationale Festhalten an der Schulstruktur beschneidet die Bildungschancen der Kinder und schadet den Gemeinden", heißt es in dem einstimmig verabschiedeten Papier.
Bisher habe keiner der zahlreichen Reformversuche dazu geführt, den dramatischen Schülerschwund und das massenhafte Schülersterben bayerischer Hauptschulen zu verhindern. Vielmehr hätten die Übertritte in Realschulen und Gymnasien gerade in den vergangenen fünf Jahren drastisch zugenommen. "Der vorliegende Kabinettsbeschluss zur Mittelschule ist aus Sicht des BLLV ein problematischer Versuch, die Hauptschule attraktiver zu machen."
Neue Schulgründungen seien die falsche Antwort auf die demografische Entwicklung. In spätestens zehn Jahren werden an allen Schularten die Schülerzahlen sinken. Die Aufsplitterung der Schüler werde nur noch extremer, heißt es in der Resolution weiter. Der BLLV ist der tiefen Überzeugung, "dass mit einer weiteren Differenzierung der Hauptschule die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nicht bewältigt werden können." Dringend erforderlich seien integrative Modelle und eine längere gemeinsame Schulzeit.
"Mittelschulen und Schulverbünde können die Probleme des demografischen Wandels und des Schulsterbens nicht lösen. Im Gegenteil, es werden viele neue geschaffen: Mittelschulen führen zu einer Beschleunigung des Schulsterbens, weil sie große Schulstandorte mit einer Mindestgröße von 300 bis 400 Schülern besser ausstatten als kleine. Dies führt zu einem nicht akzeptablen Konkurrenzkampf zwischen verschiedenen Hauptschulen", erklärte BLLV-Präsident Klaus Wenzel.
Auch in dem freiwilligen Zusammenschluss von Hauptschulen zu Schulverbünden sieht der BLLV- Landesvorstand keine geeignete Lösung, "da er organisatorisch an den meisten Schulstandorten nicht realisierbar ist und die Gemeinden in eine äußerst schwierige Konkurrenzsituation bringt." Außerdem sei das Modell mit erheblichen Fahrwegen und Kosten verbunden und zerstöre die innere Einheit der Schule.
"Wir rechnen damit, dass jede größere Kommune eine Mittelschule haben will. Das wird dazu führen, dass hunderte kleine Schulstandorte keine Wettbewerbschance haben und von der Landkarte verschwinden", erklärte der BLLV-Präsident. Außerdem sei damit zu rechnen, dass Eltern von Schülern an kleineren Hauptschulen versuchen werden, ihre Kinder in die Mittelschule mit breiteren Förderangeboten zu schicken. "Auch das beschleunigt das Schulsterben der kleinen Hauptschulen."
Die Folge ist die Entschulung des ländlichen Raumes mit katastrophalen Folgen für die betroffenen Gemeinden und erheblichen Nachteilen für die Schüler, die weite Wege in Kauf nehmen müssen und sich in großen und anonymen Schulen wiederfinden. Wenzel: "Die Alternative kann nur in der Regionalen Schulentwicklung (RSE) liegen - ohne dogmatisches Festhalten an der überkommenen Sortiermentalität. Im Kern geht es um den Erhalt attraktiver und wohnortnaher Schuleinheiten mit dem Angebot höherer Abschlüsse, insbesondere dem Realschulabschluss sowie die Abkehr von der frühzeitigen Aufteilung der Schüler.
RSE erhält Schulstandorte und erlaubt eine optimale Förderung aller Schüler. Sie lässt eine Höherqualifizierung aller Schüler zu, ohne unerträglichen Übertrittsdruck, ohne Entschulung des ländlichen Raums und ohne schulische Ghettobildung in den Städten."
Die Resolution ist nachzulesen unter www.bllv.de

