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Redaktion 17.06.2009
Präsident Klaus Wenzel: "Politik muss Proteste von Schülern und Studierenden ernst nehmen" / Übereinstimmung mit zentralen Forderungen ist hoch
München, 17.06.2009 Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) solidarisiert sich mit den Forderungen und Zielen protestierender Schüler/innen und Studierender, die seit Anfang dieser Woche für eine bessere Bildung auf die Straße gehen. "Wenn junge Menschen in acht bayerischen Städten gegen ein Bildungssystem demonstrieren, das in ihren Augen ungerecht und überholt ist, sollte die Politik den Protest ernst nehmen", betonte BLLV-Präsident Klaus Wenzel am Mittwoch in München.

"Die Forderungen der Organisatoren des bundesweiten Bildungsstreiks entsprechen im Kern den Anliegen des BLLV: Mehr Bildungsgerechtigkeit und weniger Auslese, kleinere Klassen und deutlich mehr Lehrer, eine auf die Bedürfnisse und Anforderungen des Berufes ausgerichtete Lehrerbildung, mehr zielgerichtete Investitionen, wobei die Bildungsfinanzierung vom Kopf auf die Füße gestellt werden muss, ein neues Lern- und Leistungsverständnis sowie mehr individuelle Förderung für jeden Schüler. "Wir stimmen mit den Schülern und Studenten auch darin überein, dass wirtschaftliche Krisenzeiten nicht dazu führen dürfen, weniger Finanzmittel in Bildung zu investieren", sagte Wenzel. "Wer Rettungsschirme für Banken aufspannt, sollte die Bildung nicht im Regen stehen lassen."

In der zunehmenden Privatisierung des Bildungswesens sieht der BLLV eine alarmierende Entwicklung. Sie betrifft nicht nur Universitäten, sondern das komplette Bildungssystem, angefangen vom Kindergarten bis zur Hochschule. Während öffentliche Einrichtungen mehr und mehr ausbluten, erstarkt der private Bildungssektor: Nachhilfe boomt, private Schulen haben Konjunktur. Aus Sicht des BLLV müssen alle Bildungswege allen jungen Menschen offen stehen, unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft, ihrem Einkommen und ihrem sozialen Status. Die 8.000 Lehramtsstudierenden, die im BLLV derzeit organisiert sind, lehnen deshalb auch die Studiengebühren ab. Sie sehen in den Studienbeiträgen eine ungerechte Maßnahme, die die soziale Selektion an den Universitäten verschärft.

Wenzel wies darauf hin, dass durch die Umstrukturierungsprozesse an den bayerischen Hochschulen viele Studierende "regelrecht zerrieben" werden. "Der jeweilige Stand der Umstrukturierung ist an jeder Universität - teilweise sogar Fakultät - auf einem unterschiedlichen Niveau. Dadurch wird die Organisation des Studiums und vor allem auch der Wechsel von der einen auf die andere Hochschule unnötig erschwert. Studierende müssen viel Zeit, Kraft und Nerven für die Organisation ihres Studiums aufbringen. Inzwischen belegen sogar wissenschaftliche Untersuchungen, dass sie immer häufiger unter psychischen Problemen leiden. Die Beratungsstellen der Universitäten haben derzeit einen nie gekannten Zulauf."

Mit Blick auf den Slogan des Bildungsstreiks "Schule macht krank" erklärte Wenzel: "Es ist tatsächlich so, dass viele Schülerinnen und Schüler unter dem immensen Druck an den Schulen leiden und dadurch regelrecht krank werden. Besonders schlimm ist die Situation an den Grundschulen. Der Übertrittsdruck löst bei vielen Kindern Stresssymptome wie Übelkeit, Bauchweh, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme oder Schlafstörungen aus. Kinder, die schulisch gescheitert sind, quälen sich oftmals viele Jahre lang mit dem Gedanken, nicht gut genug gewesen zu sein. Das Gefühl begleitet sie auch später noch, wenn sie längst erwachsen sind, eine gute Ausbildung absolviert haben und beruflich durchaus erfolgreich sind."

Der Druck endet aber auch nicht für diejenigen, die den Sprung auf ein Gymnasium oder in eine Realschule geschafft haben. Sie wissen genau, dass sie ausgesiebt werden, wenn ihre Leistungen nicht stimmen. "Die Angst zu versagen, kann Kinder und Jugendliche krank machen. Damit muss endlich Schluss sein. Die protestierenden Jugendlichen haben es treffend formuliert: Schüler müssen zu selbstständigen, selbstbewussten Menschen ausgebildet werden. Die Politik muss alles daran setzen, dass die dafür erforderlichen Voraussetzungen geschaffen werden."

Redaktion 17.06.2009
Düsseldorf, 17.06.2009 Weit über 50.000 SchülerInnen, Studierende und Auszubildende demonstrierten heute in ganz NRW für ein besseres und gerechteres Bildungssystem. In mehr als 20 Städten gab es große Demonstrationen. Die größte davon war in Münster mit 15.000 TeilnehmerInnen. In Dortmund gingen mehr als 8.000 und Düsseldorf rund 7.000 junge Menschen auf die Straße. 5.000 DemonstrantInnen wurden in Köln gezählt, dicht gefolgt von Bielefeld mit 4.500. Auch außerhalb der großen Städte gab es Aktionen, so etwa in Gelsenkirchen, wo mehr als 500 Menschen sich an der Aktion des Bildungsstreiks beteiligten.

"Heute haben alleine in NRW weit über 50.000 Menschen demonstriert. Von dieser enormen Zahl sind selbst wir völlig überrascht, damit wurden alle unsere Erwartungen weit übertroffen. Das ist heute ein überdeutliches Signal, dass wir dringend einen Wechsel zu einem neuen und gerechten Bildungssystem brauchen." erklärte Finn Siebert, AG Bildungsstreik NRW

"Die Demo war ein riesiger Schritt in die richtige Richtung, denn unsere Forderungen können wir nur durchsetzen, wenn wir laut sind und laut sind wir nur, wenn wir viele sind. Es kann und darf nicht sein, dass Schule immer mehr auf die Interessen der Wirtschaft ausgerichtet wird. Wir wollen eine Schule für alle ohne Kopfnoten und zentrale Abschlussprüfungen. Auch nach dem Streik werden wir nicht ruhig sein, sondern kämpfen bis unsere Forderungen erfüllt sind," kündigte Lara Turek, LandesschülerInnenvertretung NRW an.

"Die Demos heute waren erst der Anfang. Ich bin sicher, dass es jetzt immer mehr Proteste geben wird. Wir werden nicht aufgeben, bis das Studium gebührenfrei und ohne Zulassungsbeschränkungen ist und das Bachelor/Mastersystem überholt wurde, " sagte Christina Schrandt, Landes-ASten-Treffen NRW

"Jeder junge Mensch muss ein verbrieftes Recht auf einen Ausbildungsplatz haben", forderte Antonia Kühn von der DGB Jugend NRW. Deswegen habe die DGB Jugend auch angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit eine Petition für ein Grundrecht auf Ausbildung im Bundestag eingereicht. Obwohl diese Petition von 72.000 Unterstützern getragen werde, sei sie von der Politik bisher ignoriert worden. Die Gewerkschaftsjugend erwarte, dass ihre Petition noch vor Ende der Legislaturperiode im Parlament behandelt wird.

Am Samstag, den 20. Juni, folgt eine landesweite Demonstration in Düsseldorf, zu der mehr als 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet werden.

Barbara Hemkes, Pressesprecherin des DGB NRW, Leiterin der Abteilung Grundsatz/Medien- und Öffentlichkeitsarbeit/Medienpolitik, Friedrich-Ebert-Str.34 - 38, 40210 Düsseldorf, 0211-3683119, 0151-12628044,
www.nrw.dgb.de

Redaktion 17.06.2009
Sanktionen bei Streikteilnahme nicht hinnehmbar
München, 17.06.2009 "Die Forderungen der Schüler sind hinlänglich bekannt", sagt Heike Hein, Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbandes (BEV). "Nachdem sich auch nach der Landtagswahl an den Schulen keine gravierenden Veränderungen eingestellt haben, verstehe ich die Unzufriedenheit der Schüler sehr gut."

Der Bayerische Elternverband kann sich mit den Forderungen der Schüler nach weniger Druck, mehr Zeit und kostenloser Bildung identifizieren. "Vor dem Urnengang im letzten Herbst wurde u.a. vollmundig versprochen, dass die Klassen kleiner werden sollen. Ganz leise hat man hinzugefügt, dass man das zum Ende der nächsten Legislaturperiode umsetzen wolle. Bis dahin gehen noch über vier Jahre ins Land. Auf rückläufige Schülerzahlen zu warten, hilft den Schülern heute nicht," sagt Heike Hein. "Auch die Studiengebühr ist nach wie vor sozial ungerecht und muss abgeschafft werden."

Die angekündigten Sanktionen für streikende Schüler hält der BEV für ein Demokratiedefizit. In einem Schreiben des Kultusministeriums heißt es, dass für Schüler kein Streikrecht existiere und dass die Schulen Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen anwenden können, falls die Schüler während der Unterrichtszeit am Streik teilnehmen.

Demokratie könne aber nicht nur am Schülerpult gelernt werden. "Aktiv demokratisch zu handeln zeichnet einen mündigen Bürger aus, und dazu wollen Eltern ihre Kinder auch erziehen", sagt Heike Hein. "Außerdem sind Sanktionen nicht mehr durchführbar, wenn 80 Prozent der Schüler einer Schule in den Streik treten." Deshalb fordert der Bayerische Elternverband die Schulleiter auf, von Sanktionen abzusehen, und hält es für besser, mit den Schülern Gespräche zu führen.

Redaktion 17.06.2009
Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat die Forderungen protestierender Studierender nach Abschaffung der Bachelor- und Masterstudiengänge als rückwärtsgewandt zurückgewiesen.
Berlin, 17.06.2009 Wer streikt, müsse auch die Tatsachen zur Kenntnis nehmen, forderte Schavan im Deutschlandfunk.

"Wer sagt, wir müssen Bachelor- und Masterstudiengänge wieder abschaffen, der nimmt nicht zur Kenntnis, dass Deutschland Teil des europäischen Bildungsraums ist", so die Ministerin. Der umfasse mittlerweile 46 Länder und sei im Übrigen mit vielen Chancen verbunden. "Die Vorstellung, dass Deutschland erklärt, das sei für uns aber kein Modell, ist schlicht gestrig", so die Ministerin.

Im kommenden Monat will die Ministerin eine Konferenz einberufen und mit Studierenden über die kürzeren Studiengänge diskutieren. Dabei sollen auch Einzelheiten der modernisierten Studiengänge zur Sprache kommen, bei denen tatsächlich nachgebessert werden müsse, kündigte Schavan an.

Im Rahmen des sogenannten Bildungsstreiks an Schulen und Universitäten sind heute Kundgebungen in über 70 deutschen Städten geplant. Schülerinnen und Schüler wie Studierende fordern dabei vor allem mehr Geld für Bildung.

Redaktion 17.06.2009
Zum bundesweiten Bildungsstreik am 17. Juni 2009
Berlin, 17.06.2009 Im Hinblick auf den deutschlandweiten Streiktag zur Bildungspolitik erklärt Bildungs- und Wissenschaftssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner: "Bildung muss Priorität in Deutschland haben. Hierbei sind alle Bereiche von Politik und Gesellschaft gefordert, der Bildung oberste Priorität einzuräumen, nur so können wir unser rohstoffarmes Land für die nachfolgenden Generationen zukunftsfähig machen. Im letzen Jahrzehnt hat die Politik gewaltige Anstrengungen unternehmen, um das gesamte Bildungssystem von der Kita bis zur Hochschule und darüber hinaus zu reformieren. Wir haben dabei schon viel erreicht, dennoch bin ich davon überzeugt, dass wir noch mehr erreichen können und müssen. Wir brauchen dafür ein noch größeres gemeinsames Engagement für Bildung und noch mehr Elan bei der Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen.
Anhand von Forderungen des Bildungsstreiks kann Berlin eindrucksvoll belegen, dass Bildung bei uns Priorität hat."

Berlin kann insbesondere folgende Leistungen und Konzepte vorweisen:
Schulstruktur verbessern. Bildungssenator Zöllner hat einen Schulstrukturentwurf vorgelegt, der die Nachteile des mehrgliedrigen Schulsystems überwinden soll. Neben dem Gymnasium soll eine zweite gleichwertige Schulform – die integrierte Sekundarschule – geschaffen werden, die mit einer guten personellen Ausstattung und Infrastruktur in der Lage ist, alle Schülerinnen und Schüler bis zum bestmöglichen Abschluss zu führen.

Entlastung bei G8. Die Verkürzung der Zeit bis zum Abitur (G8) haben fast alle Bundesländer beschlossen. Um die Belastungen durch den hohen Lerndruck zu senken, schlägt Senator Zöllner vor, in allen Sekundarschulen einen flächendeckenden Ganztagsbetrieb einzurichten und die Schülerinnen und Schüler, die es wollen und können, in 13 Schuljahren zum Abitur zu führen. Damit gäbe es neben dem Abitur in 11 oder 12 Jahren einen dritten gleichwertigen Pfad zum Abitur. Schülerinnen und Schüler können sich dann nach ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entscheiden, welcher Pfad für sie am besten geeignet ist.

Keine Studiengebühren. In Berlin werden keine Studiengebühren erhoben. Nach dem Willen von Wissenschaftssenator Zöllner und der Regierungskoalition bleibt das so.

Kostenlose Kindertagesbetreuung. Im letzten Jahr vor der Schule ist die Kindertagesbetreuung in Berlin schon heute kostenlos. Außerdem wird ab 2010 das vorletzte und ab 2011 auch das drittletzte Kitajahr in Berlin beitragsfrei gestellt. Damit plant Berlin insgesamt rund 50 Millionen Euro für die Beitragsfreiheit aufzuwenden.

Bologna. Senator Zöllner: "Wie immer bei Umstellungen von großen Systemen gibt es Anlaufschwierigkeiten, die man nur von Fall zu Fall lösen kann. Zum Beispiel kann die Überfrachtung in einzelnen Studiengängen nur so geklärt werden, indem die Hochschulen Überflüssiges streichen. Im Gegensatz zu früher kann man in den neuen Studiengängen noch leichter vertiefende Gesichtspunkte verankern. Ich glaube, dass die ersten objektiven Befunde z. B. im 10. Studierendensurvey zeigen, dass die Zufriedenheit sowohl bei den Absolventen, als auch bei den Abnehmern zunimmt."

Bessere Betreuung im Studium. Aus den 58 Millionen Euro, die Berlin für die Ausbildungsoffensive im Masterplan Wissen schafft Berlins Zukunft einsetzt, werden 200 Tutoren eingestellt, 60 Senior- und 30 Juniorprofessoren berufen sowie 70 Nachfolgeberufungen vorgezogen.

Durchlässigkeit. Um das Bildungssystem durchlässiger zu gestalten sind die Kriterien zur Aufnahme von Nicht-Abiturienten flexibilisiert worden.

Investitionen in Bildung. Mit seinen Pro-Kopf-Ausgaben liegt Berlin sowohl in der vorschulischen Bildung und bei Horten (Platz 1, Bertelsmann Stiftung 2008), als auch in der schulischen Bildung (Platz 2, deStatis 2009) und in der Hochschulbildung (Platz 2, deStatis 2008) deutschlandweit an der Spitze.

Bildungs- und Wissenschaftssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner: "Die Priorität Bildung kommt natürlich allen Menschen zu Gute, die in diesen Einrichtungen arbeiten und lernen. In unserem nicht gerade reichen Land Berlin sind die hohen Ausgaben deswegen zu vertreten, weil Berlin nicht nur eine attraktive Schullandschaft mit vielfältigen Profilen und hervorragende Hochschulen haben will, sondern auch weil die sozialen und ökonomischen Probleme groß sind. Berlin muss die Bildungsmetropole Deutschlands werden - und Berlin hat das Potential dafür. Deswegen müssen im kommenden Doppelhaushalt Kitas, Schulen und Hochschulen auch ein finanzpolitischer Schwerpunkt sein."

Redaktion 17.06.2009
Berlin, 17.06.2009 Anlässlich der bundesweiten Proteste von Studierenden und Schülerinnen und Schülern erklärt der SPD-Generalsekretär Hubertus Heil:

Studenten und Schüler können sich darauf verlassen: Die SPD steht an ihrer Seite und unterstützt ihre Forderung nach guter Bildung und Ausbildung.

Anders als Bildungsministerin Annette Schavan finden wir es richtig, dass die Studierenden und Schülerinnen und Schüler sich auch heute wieder politisch für ihre Belange engagieren und gute Bildung für alle einfordern. Die SPD nimmt die Belange und Forderungen der jungen Menschen ernst. Sie sind in weiten Teilen gerechtfertigt.

Bildung ist ein Menschenrecht – das ist sozialdemokratische Grundüberzeugung. Deshalb wollen wir alle finanziellen Hürden im Bildungssystem einreißen, von der Kita bis zur Hochschule. Die SPD steht für ein gebührenfreies Studium bis zum Master. Wo die Union Studiengebühren eingeführt hat, werden wir sie – wie in Hessen bereits geschehen – wieder abschaffen.

Schüler und Studierende stehen heute unter einem enormen Leistungsdruck. Hier müssen wir ein offenes Ohr für die Sorgen und Kritik haben. Die SPD fordert einen klugen Umgang mit Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur (G8). Beispielshaft ist hier Rheinland-Pfalz, wo G8 nur an Ganztagsschulen angeboten wird. Aber auch bei der Umsetzung der Bologna-Reform an den Hochschulen muss man genau hinschauen, ob es an der einen oder anderen Stelle Bedarf gibt nach zu justieren. Die SPD lädt Studierendenvertreter und Professoren zu einem offenen Dialog ein.

Gute Bildung darf nicht am Geldbeutel der Eltern scheitern. Deshalb steht die SPD für ein starkes BAföG. Wir werden es regelmäßig an die Lebenshaltungskosten anpassen und die Altersgrenze für die Förderung anheben, damit Studieren auch in späteren Phasen der Erwerbsbiografie möglich ist. Die SPD wird wieder ein echtes Schüler-BAföG einführen und damit mehr Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien die Entscheidung für das Abitur erleichtern. Sie sollen ab ihrem Eintritt in die gymnasiale Oberstufe finanziell unterstützt werden.

Die SPD hat mir ihrem 4-Milliarden-Ganztagsschulprogramm einen Durchbruch in der Bildungspolitik geschafft. Unser Ziel ist es, die Ganztagsschulen flächendeckend auszubauen.

Uns ist klar: Gute Bildung gibt es nicht zum Nulltarif. Deshalb wollen wir mehr Geld in die Bildung investieren. Bis zum Jahr 2015 sollen 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Bildung und 3 Prozent in Forschung fließen. Für die SPD ist das kein reines Lippenbekenntnis. Wir meinen es ernst mit der politischen Schwerpunktsetzung auf bessere Bildung: Wir werden einen Bildungssoli einführen, d.h. wir erhöhen den Spitzensteuersatz um 2 Prozentpunkte und mobilisieren damit gute 2 Milliarden Euro zusätzlich für die Bildung.

Die Reaktion der Union auf die Proteste der Schüler und Studierenden ist unmöglich, doch überraschen kann sie nicht. Wenn Bundesbildungsministerin Schavan den Schülern und Studierenden vorwirft, ihre Proteste seien "gestrig" und wenn der bildungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Stefan Müller, ihnen unterstellt, sie wollten lieber Party im Park machen als eine gute Ausbildung, dann wird deutlich, dass sich die Union nicht für die wirklichen Belange und Sorgen der jungen Menschen interessiert. Wer von Bildung redet und gleichzeitig Steuersenkungen verspricht, der kann es nicht ernst meinen. Und es unterstreicht: Die Union ist die Partei der Studiengebühren. Statt Chancengleichheit, will sie gute Bildung nur für wenige, die es sich leisten können. Statt starkem BAföG will sie Bildungskredite, statt längerem gemeinsamem Lernen sortiert sie Kinder früh aus und verbaut damit Bildungschancen. Sie richtet Hürden im Bildungssystem auf anstatt sie einzureißen.

Redaktion 17.06.2009
Dresden, 17.06.2009 Im Zusammenhang mit den heutigen Aktionen in Sachsen aus Anlass des bundesweiten Bildungsstreiks erklärt die Sächsische Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange:

"Ich kann die Forderungen der Schüler und Studenten unter anderem nach einer besseren Finanzausstattung für Schulen und Hochschulen nachvollziehen. Genau das ist der Grund, warum wir in Sachsen keine Studiengebühren haben, weil wir die Abhängigkeit guter Bildung und Ausbildung vom Geldbeutel der Eltern nicht wollen. Ich biete den Bildungsstreikenden an im gemeinsamen Gespräch Probleme und Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren."

Studierende und Schüler hatten zuvor vor dem Sächsischen Wissenschaftsministerium demonstriert. Das Gespräch mit den Bildungsstreikenden ist für morgen, Donnerstag, den 18. Juni um 10 Uhr im Wissenschaftsministerium geplant.

Redaktion 17.06.2009
Mainz, 17.06.2009 Bildungsministerin Doris Ahnen verurteilt die Ausschreitungen, die heute bei der Demonstration im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks im Abgeordnetenhaus des rheinland-pfälzischen Landtags stattgefunden haben.

"Mit ihrem Eindringen in das Abgeordnetengebäude haben die Demonstrationsteilnehmer die Demonstrationsfreiheit missbraucht und das öffentliche Eintreten für bessere Bildung selbst diskreditiert", betonte Ministerin Ahnen für die gesamte Landesregierung.

Bei allem Verständnis dafür, dass sich Studierende sowie Schülerinnen und Schüler für ihr unmittelbares Lebensumfeld in Hochschule und Schule einsetzen, sei selbstverständlich der rechtliche Rahmen dabei einzuhalten. Zum Zeitpunkt der heute Mittag veröffentlichten Stellungnahme seien ihr die Ausschreitungen noch nicht bekannt gewesen.

Redaktion 15.06.2009
Bremen, 15.06.2009 Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft unterstützt den Bildungsprotest in Bremen im Rahmen der bundesweiten Bildungsprotestwoche vom 15. bis 17. Juni 2009.

Zusammen mit Studierenden, SchülerInnen, Auszubildenen, LehrerInnen und ProfessorInnen fordert die GEW Bremen ein sofortiges Umdenken in der Bildungspolitik.

Zu diesen Forderungen gehören:
Eine sofortige Erhöhung der Bildungsausgaben, damit Bildungseinrichtungen endlich eine Planungssicherheit haben und ihre Mitarbeitet angemessen bezahlen können.

Die Abschaffung aller Hürden innerhalb des Bildungssystems, denn die Bildungschancen dürfen nicht von der sozialen Herkunft abhängen. Jede/r muss die Möglichkeit haben, das Bildungssystem in vollem Umfang zu nutzen

Bildung von der KITA bis zur Hochschule muss von allen Gebühren befreit werden. Es gibt keine sozialverträglichen Gebühren.

Bildung lebt von Partizipation. Deshalb ist die Einführung von demokratischen Strukturen in allen Bereichen notwendig. Damit ist keine Scheindemokratie gemeint, sondern ein effektives Stimmrecht in allen Gremien.

Christian Gloede-Noweck, GEW Landesvorstandssprecher, bekräftigt heute die Forderungen der Protestbewegung: "Es ist höchste Zeit für eine Kehrtwende in der Bildungspolitik. Die Kürzungen der letzten Jahre haben das Bildungssystem an den Rand des Abgrunds getrieben, wenn nicht sogar schon hinein. Bildungsarmut muss bekämpft, Chancengleichheit hergestellt und gut Bildung für alle gewährleistet werden."

Für den Zeitraum vom 15. bis 17. Juni haben in ganz Deutschland BildungsaktivistInnen zu einer Aktionswoche für bessere Bedingungen im Bildungssystem aufgerufen. Während dieser Woche werden in vielen Städten unterschiedlichste Aktionen stattfinden, die auf die Missstände im Bildungssystem aufmerksam machen. In Bremen findet am 17. Juni eine Demonstration statt, die um 11 Uhr am Hauptbahnhof startet.

Für mehr Informationen:
www.gew.de/Bildungsstreik_2009_2.html
www.bildungsstreik2009.de

Redaktion 15.06.2009
Bonn, 15.06.2009D er Deutsche Lehrerverband hat sich vom so genannten Bildungsstreik distanziert. Lehrerverbandspräsident Josef Kraus sagte dazu:

"Dieser Bildungsstreik ist ein ideologisch höchst einseitiger und rechtsstaatlich äußerst fragwürdiger Aktionismus.

Das eine oder andere der programmatischen Ziele der Streikinitiatoren mag ja diskussionswürdig sein. Wer aber mit Unterrichtsboykott und fingierten Banküberfällen operiert, der stellt sich damit ins Abseits.

Völlig unerklärlich ist es auch, wie gesellschaftlich anerkannte Großorganisationen sich hier mit politisch extremistischen Gruppierungen in ein Boot setzen.

Ansonsten ist gut erkennbar, was die Streikinitiatoren anstreben: ein nach unten nivelliertes Bildungswesen, in dem die Prinzipien Leistung und Eigenverantwortung einer Gleichmacherei und einer Vollkaskomentalität geopfert werden sollen."



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