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Redaktion 03.02.2009
Berlin, 03.02.2009 Nach aktuellen Berechnungen des FiBS sind 100.000 Studienplätze mehr notwendig, als bisher im Rahmen des Hochschulpakts II veranschlagt. Die Zahl an Studienberechtigten wächst in den nächsten fünf Jahren auf 490.000. Bei unveränderter Studierneigung kann die Studienanfängerzahl damit auf bis zu 437.000 ansteigen.

Jüngste Vorausberechnungen des Berliner Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) zur Studienanfängerzahl, die sich an den Wanderungsbewegungen und der gestiegenen Studierneigung der letzten Jahre orientieren, zeigen erheblichen politischen Handlungsbedarf auf. Dabei berechnet das FiBS mit seinem Simulationsmodell EduSim© zwei Szenarien zu voraussichtlichen Studierquoten und Studienplatzbedarf.

Geht man in einem unteren Szenario von einer Studierquote von 75 Prozent der Studienberechtigten aus, dann übersteigt die Studienanfängerzahl im Jahr 2011 die Marke von 400.000 und erreicht ihr Maximum im Jahr 2013 mit 410.000 Studienanfänger/innen. Dieses Szenario dürfte jedoch die voraussichtliche Entwicklung unterschätzen, da bereits die Studienanfängerzahl des vergangenen Jahres mit 385.000 über diesem Szenario liegt.

Aus diesem Grund wurde ergänzend ein höheres 80 Prozent-Szenario berechnet, das nur geringfügig über den Ist-Werten für 2008 liegt. Danach dürfte die Studienanfängerzahl bereits in diesem Jahr die Marke von 400.000 Studienanfängern erreichen und bis 2013 auf 437.000 ansteigen.

"Unsere Prognose hat erhebliche Konsequenzen für die laufenden Verhandlungen über den Hochschulpakt", erläutert Dr. Dieter Dohmen, Direktor des FiBS. "In den bisherigen Planungen wird von 265.000 zusätzlichen Studienanfängerplätzen für Jahre 2011 bis 2015 ausgegangen. Diese Zahl liegt jedoch nur kaum über unserer unteren Prognose, die angesichts der jüngsten Entwicklungen zu niedrig erscheint. Geht man daher von der obere Prognose aus, dann wären bis zu 370.000 zusätzliche Studienplätze für diesen Zeitraum erforderlich, also 100.000 mehr als die Wissenschaftsminister der Länder bisher zugrunde legen."

Die Prognose wurde anhand des FiBS-eigenen Simulationsmodells EduSim© erstellt, das Politik und Wirtschaft als Grundlage für Bedarfsplanung und Kostenkalkulation dient.

Nach Berechnungen der Kultusministerkonferenz steigt die Zahl der Studienberechtigten in den kommenden Jahren gegenüber dem vergangenen Jahr (ca. 448.000) noch einmal deutlich auf knapp 493.000 an. Ursächlich hierfür ist die demografische Entwicklung sowie die Verkürzung der Schulzeit von 13 auf 12 Jahre bis zum Abitur. Vor diesem Hintergrund war in den vergangenen Jahren von einem deutlichen Anstieg der Studierendenzahlen ausgegangen worden.

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Birgitt A. Cleuvers
Tel: +49 (0) 30-84 71 22 3-0
Fax: +49 (0) 30-84 71 22 3-29
E-Mail: b.cleuvers@fibs.eu
Redaktion 21.01.2009
Berlin, 21.01.2009 Nachdem die Zahl der Kinder, für die Kindergeld gezahlt wurde, zwischen 1996 und 2006 um knapp eine Million auf 18,8 Millionen anstieg, ist bis 2013 mit einem Rückgang auf 16,5 Millionen zu rechnen. Unter Berücksichtigung der Erhöhung des Kindergelds zum Januar 2009 ist damit zu rechnen, dass sich die Kindergeldausgaben von 34,4 Milliarden Euro in 2009 auf 32,6 Milliarden Euro im Jahr 2013 verringern. Maßgeblich für den Rückgang sind sinkende Kinderzahlen und die Herabsetzung der Altersgrenze von 27 auf 25 Jahre.

Das Berliner Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) untersucht in seiner heute veröffentlichten Studie die Ursachen für den Anstieg der Zahl der Kinder, für die Kindergeld gezahlt wurde, zwischen 1996 und 2006 und nimmt eine Prognose der Entwicklung des Kindergelds bis 2013 vor. Auftraggeber der Studie ist das Bundesministerium der Finanzen.

Zwischen 1996 und 2006 ist die Zahl der Kinder, für die Kindergeld gezahlt wurde, von 17,9 auf 18,8 Millionen gestiegen. Da die Zahl der minderjährigen Kinder in diesem Zeitraum gesunken ist, ist dieser Anstieg auf eine gestiegene Zahl an volljährigen Kinder zurückzuführen, für die Kindergeld gezahlt wurde. Die Zahl dieser volljährigen Kindergeldkinder ist in diesem Jahrzehnt in einer mittleren Variante um 1,8 Millionen von 2,6 auf 4,4 Millionen gestiegen. Zu den zentralen Ursachen für den Anstieg gehört einerseits eine erhöhte Bildungsbeteiligung: Die Zahl der Studierenden stieg um 350.000, die der Schüler an allgemein und berufsbildende Schulen um 250.000. Andererseits befanden sich 100.000 Personen mehr im Übergangssystem. Drittens hat die Erhöhung der Freigrenzen sowie die Veränderung der maßgeblichen Berechnungsgrundlagen insbesondere zu einer Zunahme der Auszubildenden geführt, die einen Kindergeldanspruch begründen können: Hier liegt der Zuwachs bei 450.000. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts sind seit 2005 auch die Sozialversicherungsbeiträge vom Einkommen abzuziehen, was insbesondere für die Auszubildenden im dualen System von Bedeutung ist, so dass mittlerweise für fast alle Auszubildenden Kindergeld gezahlt wird, obwohl sie zum Teil über ein erhebliches eigenes Einkommen verfügen.

Durch die Studie, die auf umfangreichen statistischen Analysen zur Entwicklung der verschiedenen Statusgruppen beruht, für die Anspruch ein Kindergeld besteht, kann der überwiegende Teil des Anstiegs erklärt werden. Die Ergebnisse verweisen darauf, dass insbesondere zu Beginn des Betrachtungszeitraums deutlich mehr volljährige Kinder einen Anspruch auf Kindergeld hätten begründen können als tatsächlich erhalten haben. Nach den Berechnungen der Studie hätten gut 19 Millionen Kinder Kindergeld bekommen können. Tatsächlich weist die Kindergeldstatistik in diesen Jahren aber rund 18 Millionen Kinder aus, für die auch Kindergeld gezahlt wurde. Dies legt die Vermutung nahe, dass ein Teil der Eltern früher seinen Anspruch auf Kindergeld nicht geltend gemacht hat.

Nach diesem Anstieg ist in den kommenden Jahren aber mit einem Rückgang der Zahl der anspruchsberechtigten Kinder zu rechnen. Für den Zeitraum 2008 bis 2013 wird die Zahl der Kindergeldkinder voraussichtlich von 18,2 auf knapp 16,5 Millionen sinken. Dies ist vor allem im demografischen Wandel begründet, wodurch die Zahl der minderjährigen Kinder von 14,0 auf 12,9 Millionen und die der volljährigen Kinder von 4,3 auf 3,6 Millionen sinkt. Bei den volljährigen Kindern ist auch die Herabsetzung der Altersgrenze vom vollendeten 27. auf das vollendete 25. Lebensjahr von Bedeutung.

Unter Berücksichtigung der Kindergelderhöhung zum 1.1.2009 werden die Kindergeldausgaben voraussichtlich um 1,8 Milliarden Euro von 34,4 Milliarden in 2009 auf 32,6 Milliarden Euro in 2013 sinken.

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Birgitt A. Cleuvers
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Redaktion 13.01.2009
Berlin, 13.01.2009 Maximal 42 Milliarden Euro netto kosten Maßnahmen zur Bildungsförderung benachteiligter Kinder bis 2020 - den zunächst höheren Ausgaben stehen jedoch bereits nach wenigen Jahren erhebliche Einsparungen gegenüber, selbst wenn man nur von moderaten Effekten auf den Bildungserfolg ausgeht. Eine hohe demografische Rendite durch sinkende Schülerzahlen ist hingegen nicht zu erwarten.

Reformen zur verbesserten Bildungsförderung von benachteiligten Kindern bis 2020 kosten die öffentliche Hand netto höchstens bis zu 42 Milliarden Euro, denn den Kosten stehen erhebliche Einsparungen gegenüber. Die Mehrausgaben für einen umfassenden Ausbau des Ganztagsschulbereichs, die Abschaffung der Förderschulen und soziale Maßnahmen, wie die Übernahme der Kosten für das Mittagessen, den Transport zur Schule, für Klassenfahrten und Lehr- und Lernmittel, betragen zwischen 90 und 133 Milliarden Euro. Die Einsparungen bei Förderschulen und Sozialausgaben betragen bis zu 60 Milliarden Euro, sofern von relativ moderaten Verbesserungen der schulischen Leistungen ausgegangen wird. Je größer die Leistungsverbesserung, desto geringer der Netto-Finanzierungsbedarf. Durch die im demografischen Wandel sinkenden Kindergeldausgaben würden sich die Mehrkosten um weitere 15 Milliarden Euro verringern. Die so genannte demografische Rendite, die durch sinkende Schülerzahlen bedingt ist, wird hingegen voraussichtlich nur insgesamt 10 Milliarden Euro bis zu Jahr 2020 betragen und damit deutlich geringer ausfallen, als vielfach erwartet wird. Dies sind die Ergebnisse einer Studie, die das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) im Auftrag der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen erstellt hat. Der Blick auf die Berechnungen zeigt die Effizienzen deutlich.

Etwa die Hälfte der zusätzlichen Ausgaben von bis zu 133 Milliarden Euro ist für die Umwandlung aller Schulen bis 2020 zu gebundenen Ganztagsschulen notwendig: Neben den Investitionen von rund 20 Milliarden Euro erfordern die laufenden Ausgaben, vor allem für zusätzliches Personal, bis zu 43 Milliarden Euro, abhängig von der Qualifikation des Personals und den unterstellten durchschnittlichen Klassengrößen.

Mehrausgaben von bis zu 34 Milliarden Euro verursacht die vollständige Integration der Förderschüler in die Regelschulen. Dieser Schritt steht allerdings nach Auffassung von Fachleuten ohnehin an, um die Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen umzusetzen. Hierzu sind Maßnahmen zur besseren Förderung, etwa durch entsprechendes Personal und kleinere Klassen erforderlich, die bis zu 49 Milliarden Euro im Regelschulsystem kosten. Dem stehen Einsparungen von bis zu 15 Milliarden Euro in den Förderschulen gegenüber, was zu Nettokosten in Höhe von 34 Milliarden führen würde. Dies wäre jedoch die Obergrenze. Im günstigsten Fall könnten die Nettokosten auch bei unter 5 Milliarden Euro liegen, wenn der Bedarf an zusätzlichem Lehrpersonal durch zusätzliche Klassenteilungen nur in etwa 15 Prozent der Fälle entsteht und die durchschnittlichen Kosten je Schüler um die Hälfte sinken würden.

Die Mehrausgaben für weitere Maßnahmen belaufen sich insgesamt auf 13 bis 19 Milliarden Euro, je nachdem, in welchem Umfang Kinder aus einkommensschwachen Familien davon profitieren können. Zu diesen Maßnahmen gehören die Kostenübernahmen für die Beförderung von Schülern in der Sekundarstufe II, für das Mittagessen von Sozialleistungsbeziehern, für Lehr- und Lernmittel sowie für Klassenfahrten. Die Einführung von so genannten Produktionsschulen für leistungsschwächere Schüler verursacht insgesamt gut eine halbe Milliarde Euro an Kosten.

Doch stehen den auf den ersten Blick beträchtlichen Mehrausgaben Einsparungen gegenüber, die die Nettoausgaben deutlich reduzieren. So sind Einsparungen von bis zu 22 Milliarden Euro bereits bei relativ moderaten Einspareffekten und kurzfristig bis 2020 zu erwarten. Dies ergibt sich durch sinkenden Nachqualifizierungsbedarf, weniger Klassenwiederholungen und sinkende Ausgaben für Arbeitslosigkeit und Jugendhilfe, wenn Kinder aus bildungsfernen Familien besser in das Schulsystem eingebunden werden und sich dadurch die Zahl der Schulabbrecher reduziert sowie die Zahl der Jugendlichen, die mindestens einen Hauptschulabschluss haben, erhöht wird.

Nicht erfüllen werden sich allerdings die Erwartungen hinsichtlich der so genannten demografischen Rendite, die bisweilen auf 100 Milliarden Euro für den Zeitraum bis 2020 geschätzt wurden. Realistisch erscheinen allenfalls demografisch bedingte Einsparungen im Schulsystem von 10 Milliarden Euro über den gesamten Zeitraum bis 2020. Die höchsten Einsparungen belaufen sich auf 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Ursächlich für diese Diskrepanz sind vor allem kleinere Klassengrößen und damit kleinere Schüler-Lehrer-Relationen. "Vor einer Klasse muss nun mal ein Lehrer stehen, egal, ob 15 oder 30 Schüler in dieser Klasse sitzen," erläutert Dr. Dieter Dohmen, der Direktor des FiBS. Ein Blick in die Vergangenheit belegt dies sehr deutlich. Im Zeitraum von 1975 bis 1990 sank die Zahl der Schülerinnen und Schüler im damaligen Westdeutschland von 12,3 auf 9,0 Mio. Die Bildungsausgaben stiegen im gleichen Zeitraum von 15,6 auf 27,2 Milliarden Euro, preisbereinigt auf 18,5 Milliarden Euro. "Unsere Berechnungen zu den Reformmaßnahmen zeigen, dass den Mehrausgaben bereits kurzfristig erhebliche Einsparungen gegenüber stehen," fasst der Bildungs- und Sozialökonom das Ergebnis der Studie zusammen. "Bereits mittelfristig werden sich diese Investitionen in jedem Fall rechnen, da der Fachkräftemangel auf diesem Weg erheblich reduziert und die Zahl der Arbeitslosen und Sozialleistungsempfänger gesenkt werden kann. Nur jeder zweite der eine Million junger Menschen, die ansonsten bis dahin die Schule abbrechen würde, müsste einen Arbeitsplatz finden. Da aber um 2020 aus demografischen Gründen etwa 200.000 Nachwuchskräfte pro Jahr fehlen, wird der Arbeitsmarkt jede zusätzliche Fachkraft mit Kusshand aufnehmen." Bei den nötigen Aufwendungen gibt es nach Ansicht von Dohmen nur noch eine Hürde zu überwinden: "Da die Länder nach der derzeitigen Kostenverteilung den größten Teil der zusätzlichen Kosten tragen müssten, während der Bund und die Sozialversicherungen den größten Anteil der Mehreinnahmen und Einsparungen bekommen werden, sind Veränderungen an der Kostenverteilung im Bildungssystem dringend erforderlich."

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